Höfe des Adels und des Klerus in Horchheim in kurtrierischer Zeit

Texte und Bilder der folgenden Seiten sind entnommen aus den Kirmeszeitungen der Jahre 1991 – 1999.


Manfred Gillissen gilt im Koblenzer Raum als weithin anerkannter Genealoge.
Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch intensiv mit der Geschichte alter Horchheimer Familien.
Herr Gillissen hat sich freundlicherweise bereiterklärt, in einer Fortsetzungsserie über Höfe in Horchheim zu berichten.
Nach einer einführenden Übersicht in der Kirmeszeitung 1991 werden in den folgenden Ausgaben einzelne
Höfe und die auf ihnen sitzenden Horchheimer Familien vorgestellt.

Die günstige Lage und Bodenbeschaffenheit der sanften Abhänge zum Rhein hin begünstigten seit alters den Anbau eines guten Weines in Horchheim. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß seit dem frühen Mittelalter bis in die Neuzeit der Adel und geistliche Institutionen bemüht waren, Besitz in Horchheim zu erwerben und auszubauen.
So sind zu Anfang des 18. Jahrhunderts nicht weniger als 12 Höfe des Klerus und 10 Höfe des Adels mit ihren Gehöften, Scheuern, Stallungen und Kelterhäusern in der Gemeinde nachzuweisen.

Horchheim um 1680 Handcolorierte Federzeichnung; wahrscheinlich gefertigt vom Hofverwalter der Koblenzer Jesuiten in Horchheim. Original: Landeshauptarchiv Koblenz

Horchheim um 1680 Handcolorierte Federzeichnung; wahrscheinlich gefertigt vom Hofverwalter der Koblenzer Jesuiten in Horchheim. Original: Landeshauptarchiv Koblenz

Bevor wir uns mit der Topographie der einzelnen Höfe befassen, soll ein kurzer Überblick über die Besitzverhältnisse in Horchheim Anfang des 18. Jahrhunderts gegeben werden.
Hierzu dient das für Horchheim am 22.6.1719 aufgestellte kurtrierische Extraktbuch, das jede Parzelle mit ihrer Lage und Größe samt ihrem Eigentümer ausweist.
Auffällig ist, daß die vereidigten, aus der Gemeinde gewählten Taxatoren offensichtlich gewitzter gewesen zu sein scheinen als ihre Niederlahnsteiner Kollegen,  geben sie doch bei Gleichheit der Bodenbeschaffenheit der beiden Gemarkungen weit niedrigere Ertragswerte des Bodens an, um so hohen Grundsteuern zu entgehen.
Die Extraktenbücher stellten nämlich für die kurtrierische Verwaltung ein Steuerkataster dar.

Die Taxatoren gaben als Ackerland, in vier Klassifikationen unterteilt,
638 trierische Morgen an, die 320 Malter – infolge der Zweifelderwirtschaft jährlich nur 160 Malter Frucht erbringen.
Die Wiesen insgesamt 142 Morgen ertragen etwa 670 Zentner Heu, und die 398 971Weinstöcke, auf einer
Fläche von etwa 100 Morgen stehend, bringen 36 1 /2 Fuder Wein.

Beim Ackerland verteilt sich der prozentuale Anteil an Grund und Boden folgendermaßen:
Adel – 141 Morgen = 22,7%, Klerus – 170 Morgen= 26,6%.
Insgesamt verfügen Adel und Klerus über 48,7% des Ackerlandes.

Ähnlich verhält es sich beim Wiesenland:
Adel 38 1/2 Morgen = 27 ,7%, Klerus – 33 Morgen = 23.2%,
zusammen also 50,3%.

Noch ungünstiger ist das Verhältnis beim Rebland:

Hier nimmt der Klerus mit 132 607 Stöcken = 33,2% eine dominierende Rolle ein.
Ihm folgt der Adel mit 86 645 Stock = 21 ,7%,
so daß beide Klassen 54.9% des Weinanbaues beherrschen.

Noch drastischer für den Horchheimer Ackerbürger wird das Bild, wenn man den forensisch-bürgerlichen Besitz – Eigentum des sich selbst nicht mit Acker- und Weinbau ernährenden Bürgerstandes, vornehmlich aus Koblenz und Ehrenbreitstein – hinzuzählt.

Dieser Besitz umfaßt 13 ,9% des Ackerlandes, 14% der Wiesen und 8,5% der Weingärten.

So bleibt für die Horchheimer Bevölkerung in ihrer eigenen Gemarkung nur ein gutes Drittel – 37 ,4% des Ackers,  35,7% der Wiesen und 36,6% des Reblandes – in ihrem Eigentum,  das zusätzlich noch durch diverse Grundzinsen und vor allem den schwer drückenden Zehnten belastet war.

Einen geringen Ausgleich stellt hier nur der Horchheimer Besitz in Pfaffendorf 2 Morgen Acker und im Grenznahen Niederlahnstein – rund 36 Morgen Feld, 7 Morgen Wiesen und 72 852 Stock auf 18 Morgen Rebland dar.

Was nun die Topographie des Ortes betrifft, so ist eine Kumulation von Gehöften am unteren Ende des Dorfes zu beobachten.

Übersicht Höfe des Adels und Klerus

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Getreidemaß zu Koblenz

Es ist nach wie vor recht verwirrend, die alten feudalen Malter-Maße von vor 1794 und die nach 1814 folgenden preußischen Scheffel-Maße in unsere heutigen metrischen Maße einzuordnen.

Obgleich das metrische System schon in der Franzosenzeit (1794-1814) bei uns eingeführt wurde, führten die Preußen bekanntlich nach 1814 ihr altes Maßsystem in der ihnen zugefallenen Rheinprovinz ein. Erst nach Gründung des Kaiserreichs 1871 wurde nach und nach das metrische System der französischen Revolution in ganz Deutschland eingeführt und gilt bis heute.

Ein Malter (192,366 Liter) = 8 Summer, l Summer = 4 Sester, l Sester = 4 Minkel. Diese Maße galten auch zu Münstermaifeld, Polch, Barweiler und Hoffeld, l Malter wog: Hafer 92,336 kg; Roggen 130,809 kg.

In der Franzosenzeit wurde auch das Verhältnis des bei Hafer und Spelz üblich gehäuften Maßes zum gestrichenen metrischen Maß ermittelt. Weil aber die gehäuften Maße keinen bestimmten Durchmesser hatten, blieb das Verhältnis ungenau.
Daher bemerkt Aldefeld nur, daß es fast im ganzen Regierungsbezirk Koblenz üblich war, glatte Frucht gestrichen, rauhe Frucht (Hafer und Spelz) jedoch gehäuft zu messen.

(entnommen aus  “Alte Fruchtmaße in den ehemaligen Regierungsbezirken Koblenz-Trier und ihre Umrechnung in kg/Liter” von Erich Mertes Kolverath)

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