Karmeliterhof – Frühere Besitzer

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Um die Besitzgeschichte zu verstehen, müssen wir über 400 Jahre zurückgehen.

Am 23.April 1534 überlassen der Erbmarschall Johann von Helfenstein und seine Frau Margarethe Beier von Boppard Kurtrier ihre Gerechtigkeit im Dorf Horchheim mit Obrigkeit, Renten, Zinsen, Gefällen und allem Eigentum gegen eine einmalige Zahlung von 500 Goldgulden sowie eine lebenslange Rente von 24 Maltern Korn, 12 Maltern Hafer, 2 Fudern Wein – einem weißen und einem roten – zu Horchheim und 4 Fudern zu Niederlahnstein sowie einem Fuder zu Wittlich für die ebenfalls Kurtrier überlassene Hochgerichtsbarkeit über Horchheim.

Aus diesem 1534 erworbenen Besitz verkaufte am 14.1.1552 Kurfürst Johann von Isenburg seinem Rentmeister und Zollschreiber zu KobIenz, Christoff Eschenfelder von Boppard, seiner Frau Anna von Merl und ihren zwei Kindern das ehemals von Helfensteinsche Haus am Ende des Dorfes. Das Haus ist zu diesem Zeitpunkt in einem äußerst schlechten Zustand und nur noch als Kelterhaus zu gebrauchen.
Eschenfelder verpflichtet sich, gegen Zahlungvon einem Gulden Grundzins, das Haus auf seine Kosten als Kelterhaus auszubauen und nicht zu veräußern.

1554 erwirbt er sogar noch von Philipp von Horchheim und Merg, Eheleuten zu Kriegsfeld, deren benachbartes Haus und den Hof neben dem Haus des Merten von Hachenburg.
In den nächsten Jahren kommt noch einiges bäuerliches Gut hinzu, Eschenfelder kann sich aber nicht lange am erworbenen Besitz erfreuen, denn er stirbt schon 1557.
Der Hof bleibt bei der Familie und gelangt durch Erbschaft an den gleichnamigen Sohn Christoff und schließlich an den Enkel Gabriel Eschenfelder, der noch 1597 als Besitzer genannt wird.
Vater und Sohn Eschenfelder hatten den Hof durch Ankäufe von Liegenschaften weiter vergößert. Gabriel erwirbt noch das Haus der Maria Angel, so daß der gesamte Horchheimer Besitz in dieser Zeit auf die nicht unbeträchtliche Summe von 3739 1/2 Gulden geschätzt wurde.

Nach dem Tod des Gabriel Eschenfelder geraten seine Erben in finanzielle Schwierigkeiten,  denn 1602 klagt Gerhard Pentzer von Koblenz gegen sie wegen einer Schuld von 506 Gulden, worauf Pentzer am 18.Dezember 1602 in den verpfändeten Hof gerichtlich eingesetzt werden soll.
Den Erben steht ein Rückkaufsrecht innerhalb Jahresfrist zu, wozu sie allerdings wohl nicht in der Lage waren, denn 1615 ist der Kanoniker (Weltgeistlicher, Mitglied des Stiftskapitels) und Scholaster (Vorsteher der Schule) am St.-Kastor-Stift in Karden, Eberhard Escher, Besitzer des Hofes.

Von diesem kommt er an den Kardener Schultheißen Eberhard Foelix,
denn dieser leiht 1631, da er dem Kurfürsten Philipp Christoph von Soetern 500 Gulden schuldet und nicht zahlen kann, eben diese Summe von Anton Neuer von Montabaur zu Oberlahnstein und versetzt ihm seinen so genannten ,,Eschenfelder Hof” samt Haus, Stall, Kelterhaus, Garten, Wiesen, Weingärten, Feldern und Baumgärten.
Junker Anton Neuer besaß daneben einen der Ritterschaft schätzbaren Hof, den schon sein Urgroßvater Christian Neuer als Erbe der Koblenzer Schöffenfamilien von der Hoheminnen und Hönningen in Horchheim hatte und von diesem an seinen Sohn den Koblenzer Schöffen Balthasar Neuer, verheiratet mit Ottilia von Welschenengsten genannt Berncott  gelangt war.

Dieser verpachtet 1564 den Hof samt Kelterhaus gelegen längs der Gemeindestraße und der Dirsteinergasse mit insgesaml 4 1/2 Morgen Weingärten, etwas Feld in Horchheim und 2 Hecken in Arzheimer Gemarkung an Wendel von Oberlahnstein, Bürger zu Horchheim, und seine Frau Merg gegen die Hälfte der Traubenernte.

Auf Balthasar Neuer folgt sein Sohn Görg, trierischer Haushofmeister und Ritterrat zu Oberlahnstein, und schließlich der Enkel, der trierische Hofmeister Anton Neuer von Montabaur und seine Frau Amalia von Irmtraut.

Diese verkaufen am 27 .Juni 1649 dem Gerichtsschöffen Stoffel Küth nebst Baumgarten den Hofplatz, auf dem der alte, Neuersche Hof gelegen war, um 103 Gulden.
Da sich später herausstellte, daß auf dem Hausplatz eine Hypothek lag, mußte Neuer Schadenersatz an Feldgütern leisten, so daß zu dieser Zeit ein großer Teil der Hofgüter verloren ging.
Stoffel Küth erbaut auf dem Neuerschen Hofplatz ein neues Haus und nimmt zu diesem Zweck Kapital auf bei Freiherrn von Hohenfeld und der Horchheimer Kirche.

1671 baut seine Witwe am Haus und leiht erneut 70 Gulden von Niclas Steffen im Tal Ehrenbreitstein.
In der Folge bleibt das Haus an der Dirsteiner Gasse beim mittelsten Brunnen neben dem ,,Kammert” genannten Zehntgarten in bürgerlichen Händen.

1675 kauft Hans Gerhard Camp das Haus. Nach seinem Tod heiratet seine Witwe den Johannes Kleffer und bleibt Besitzerin bis 1731.Ihr folgen die Schwiegersöhne Matthias Bündgen und Wilhelm Marcks bis 1743.

Anton Neuer hatte 2 Töchter: Katharina Agnes, verheiratet mit Philipp von Ingelheim, Kommandant von Oberlahnstein, und Christina, vermählt mit Melchior Spiegel. Diese Christina Spiegel erbt den väterlichen Besitz in Horchheim, sie selbst wohnte auch im Dorf in Eschenfelders Haus.

Da sie keine Kinder hinterließ, vermacht sie 1653 den Besitz ihrem Neffen Johann Lucas von Ingelheim.
Da er noch unmündig war, verwaltet der Onkel Maximilian von Ingelheim, Dechant am Domstift zu Mainz als sein Vormund den Besitz und löst den Gulden Grundzins auf dem Eschenfelder Haus gegen 2 Gulden, die die Neuer an der neuen Schiffbrücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein zu fordern hatten, ab.
Da der in Pfandschaft gehaltene Hof aber die nötige Rendite nicht abwarf, will er ihn veräußern.

Die Söhne des Eberhard Foelix können das Geld für den Rückkauf nicht beibringen, so daß ihr Vetter Johannes Brewer kurkölnischer Kelner zu Nürburg und seine Frau Katharina Leinen am 4. Mai 1665 den Hof vom Vormund des Johann Lucas von Ingelheim für 800 Reichstaler zurückkaufen, nachdem die Foelixschen Söhne 1663 endgültig auf den Hof verzichtet hatten. Brewer kauft außerdem noch den Neuerschen Besitz hinzu und zahlt insgesamt 918 Reichstaler.

Da ein Sohn Brewers Karmelitermönch wird, fundiert er den Hof den Koblenzer Karmelitern, die am 7 . Februar 1763 gerichtlich in die Güter eingesetzt werden.
Bei diesen verbleibt der Hof bis zum Ende des Kurstaates ohne nennenswerte Veränderungen, außer einem 1760 erfolgten Weingartstausch mit ihrem Hofmann Jacob Körber.
Der Besitzstand blieb somit bis zur Auflösung des Klosters in napoleonischer Zeit unverändert.

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