Jesuitenhof Arrondierung des Besitzes

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Auch die Jesuiten versuchen, ihren 1636 geerbten Besitz weiter auszubauen.
So kaufen sie schon im November 1637 von der Witwe Henrich Brauwer 3 Pint Weingarten “in der Anwand” für 28 Gulden und vergrößern ihren Bering um ihr Hofhaus am 12.3.1638 durch die Schenkung des Cuno Siebenborn von Koblenz.
Dieser hatte den Hofplatz mit alten Gebäuden neben dem Jesuiten Hofhaus sowie einen gegenüber gelegenen Weingarten, auf dem ein Kelterhaus gestanden hatte, wegen einer Schuld von 200 Gulden von der Witwe Dr. Bender von Bonn
gerichtlich argesprochen bekommen. Dieser Platz, auf dem früher das Haus des Adam Schweikert – über dessen Sohn Hans kam es an die Witwe Bender – gestanden hatte, wird 1638 auf 100 Gulden geschätzt.
Die Schöffen entscheiden am 27.3.1665 einen Streit wegen dieses Bauplatzes zwischen den Jesuiten und Christoph Köth, der einen Kaufbrief vom 28.8.1653 von Peter Westhoffen aus Köln, dem Erben des Cuno Siebenborn, vorlegt,
der ihm die beiden Plätze für 35 Gulden verkauft habe. Der Streit wird so beigelegt,
daß die Jesuiten gegen Zahlungvon 22,5 Gulden die Plätze behalten sollen.
Es folgen weitere Ankäufe, so am 28.8.1638 ein Weingarten “im Kammert” von Anton Feukker aus Koblenz fur 28 Gulden, am 5.4.1639 eine Hecke “im Arfeld” von Christoffel Dalem für29 Gulden und am 13.3.1641 ein Pint Weingarten “in der Oberhauckert”
von Thiel von Siegen für 3 Reichstaler und einen Malter Korn.
Am 26.9.1641 verkauft ihnen Wendel Breitbach, Müller auf der Herrenmühle im Tal Ehrenbreitstein, eine Schuldverschreibung über 75 Gulden, die der verstorbene Horchheimer Herrenschultheiß Henrich Wirges [Schultheiß 1612-1636)
seinem Vater Thiell Breitbach verkauft hatte.
Wegen nicht fristgerechter Zinszahlungen werden die Pfandstücke - zwei Hecken "auf dem Arfeld", die nunmehr im Besitz des Sohnes Hans Mattheis Wirges sind - den Jesuiten übertragen.
A1s die Witwe Werner Coenen "im Regenbogen" zu Köln die Güter des Velten Spay und der Dreisen Erben am 23.9.1647 wegen Schuldforderungen abschätzen läßt, erhalten die Jesuitenwegen eines seit Jahren nicht gezahlten Haferzinses aus ihrem brandenburgischen Erbe ein Stück Drieschland im Wert von 25 Gulden aus dem Besitz des Velten Spay.

Am 4.8.1650 erfolgt ein Tausch zwischen dem Schultheißen Jean Gaillot von Niederlahnstein und den Jesuiten, die Gaillot 6 Feldstücke im Wert von 117 Gulden in Niederlahnstein übertragen.
Gaillot überläßt den Jesuiten 6 Weingärten im Wert von 160 Gulden in Horchheim.
Einige Zeit zuvor hatten die Jesuiten noch einen Weingarten, der 1648 mit Dornenhecken überwachsen war, von Lehnard Heller von Niederlahnstein erworben.
1657 erfolgt ein Gütertausch mit dem Landhofmeister Lothar von Metternich, der den Jesuiten zwei Weingärten "in der Hellen" zustellt, wogegen die Jesuiten ihm eine Wiese unterhalb des Dorfes Mülheim überlassen, die von Metternich zu seinem Hof Olzenhausen bei Kesselheim zieht.
Am 29.3.1661 übergibt Johann Graf zu Nassau-Saarbrücken den Jesuiten schuldenhalber einen 2 Morgen großen Weingarten "auf der Höll", der zum Nassau-Hessen/Darmstädter Oberhof gehört hatte. Die obige Schuld rührte von einer Gültverschreibung vom 1.2.1613 über 4000 Reichstaler vom Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrücken auf die Eltern des Johann Burckard Wimpheling, Ratsherrn und Schöffen zu Koblenz,her, wobei die Stadt Idstein im Taunus als Pfandobjekt diente.
Diese Schuldverschreibung vermachte Wimpheling in seinem am 4.4.1641 verfaßten Testament den Jesuiten.
Am 16.4.1666 erfolgt ein weiterer Tausch mit Johannes Schmaltz im Tal/Ehrenbreitstein.
Schmaltz ethält einen Garten in der Rheingasse, die Jesuiten einen Weingarten "in der Hellen".
Eine weitere Abrundung des Hofbezirks findet am 24.9.1689 statt.
Die Eheleute Johannes Faust und Elisabeth Eckert geben den Jesuiten einen Garten und Stall, den sie von der Witwe Zehnet in Koblenz gekauft haben, und erhalten dafür von ihnen einen Garten, der an ihr Wohnhaus stößt, nebst 7 Sömmern Korn.
Den Gesamtbesitz der Jesuiten in Horchheim zeigt im übrigen in anschaulicher Weise eine in den Jahren 1680/85 gezeichnete Karte.

Jesuitenhof Grenzstein

Jesuitenhof Grenzstein

Zu dieser Zeil scheinen die Jesuiten auch ihren Besitz mit Grenzsteinen abgemarkt zu haben.
Ein solcher Grenzstein mit den Initialen JHS stand bis vor wenigen Jahren an der südlichen Giebelmauer des Hauses Puth, Emserstr. 346; er ist noch im Besitz der Familie.
Erst gegen Ende des Jahrhunderts, am 11.1.1697, kaufen die Jesuiten dann vom kurtrierischen Schultheißen Balthasar Kalckoffen und seiner Frau Ottilia Mandt einen Wingert “im Mittelgeselz” in Niederlahnstein für 33 Taler.
Im 18. Jahrhundert scheint das Interesse am Horchheimer Besitz nachgelassen zu haben, denn während dieser Zeit sind nur zwei Käufe und ein Tausch festzustellen.
Am 12.5.1726 verkauft Meis (Batholomäus) Braun den Jesuiten einen in unmittelbarer Nähe zu ihrem Hof gelegenen Garten neben dem Dominikanerhof, und am 10.11.1732 kaufen sie von Peter Göbel für 16,5 Reichstaler einen Weingarten “im Machert” in Niederlahnstein.
Am 17.9.1773 hebt Kurfürst Clemens Wenzeslaus auf Anordnung von Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden auf.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß ein Horchheimer, Pater Joseph Wintrich (1744 in das Koblenzer Jesuitenkolleg eingetreten; die letzten 16 Jahre ,,Missionar” in der Hansestadt Lübeck), daraufhin aufgrund seiner Mittellosigkeit die kurfürstliche Regierung um eine Pension bittet.
Kurz vor Aufhebung des Ordens hatte am 11.2.1773 noch ein letzter Gütertausch mit dem Hof- und Regierungsrat von Coll stattgefunden.
Coll benötigte zur Errichtung eines neues Hauses mit Stallung einen Streifen vom hinter dem Jesuiten-Hoftraus gelegenen Garten und übergab dafür einen Weingarten von 224 Stock “in der Hohl”, übernahm aber lebenslang den auf dem Weingarten lastenden Simpel von 1 3/4 Pfennigen.

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