Horchheim und seine Grenzen

“Grenzspezialist” Alois Honsdorf, als ehemaliger Katasterbeamter ein Mann vom Fach, berichten in einer Serie in den Horchheimer Kirmeszeitungen 1993, 1994 und 1995 über Horchheims Grenzen.

Grenzen als potitisch-geschichtliche Trennungslinien zwischen verschiedenen Gebieten (natürlicher oder rechtlicher Art) haben den Verlauf der Menschheitsgeschichte bis auf den heutigen Tag in starkem Maße beeinflußt. Dies wird auch in Zukunft so sein. Gerade die wiedergewonnene deutsche Einheit tst hierfür ein beredtes Beispiel.

Im Mittelalter erfolgte die Landscheide durch Bildung von Grenzmarken.
Schließlich verlangte der moderne Flächenstaat seit Ende des I6.Jahrhunderts nach “gerechten” und “natürlichen” Grenzen strategisch politischer Art.
Soweit Grenzen nicht durch natürliche Gegebenheiten (Küsten, Gebirge, Flüsse) dargestellt wurden, wurden sie durch besondere Grenzzeichen oder Symbole (Grenzsteine, Grenzpfähle, Zollstationen) markiert.
Auch in der Geschichte von Horchheim hat sich dieser Prozeß niedergeschlagen.

Ob Staats-, Regierungsbezirks-, Kreis-, Stadt-, Amts-, Gemeinde- oder Gemarkungsgrenze im Wechsel seiner politischen Zugehörigkeit hat Horchheim hiervon alles zu bieten.
Da die geschichtlichen Zusammenhänge hier zu spätestens nach der 2000 Jahrfeier von Koblenz im Jahr 1992 hinreichend bekannt (und auch strapaziert) sein dürften, seien hier nur die wichtigsten Daten noch einmal stichwortartig genannt:

1801 : Der Rhein wird Staatsgrenze zu Frankreich.
1803: Die bis dahin kurtrierischen Gemeinden des Amtes Ehrenbreitstein, darunter Horchheim mit seinen Nachbargemeinden Niederlahnstein, Pfaffendorf und Arzheim, kommen in den Besitz des Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau – Weilburg (ab 1806 Herzogtum Nassau).
1815: Koblenz wird preußisch; ebenso Horchheim mit Pfaffendorf, Arzheim u. a. rechts rheinischen Gemeinden entsprechend dem zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Nassau am 31.05.1815 in Wien abgeschlossenen Staatsvertrag.
Niederlahnstein und die ebenfalls an Horchheim angrenzenden Gemeinden Miellen und Fachbach bleiben bei Nassau.
Die Horchheimer Grenze zu diesen Gemeinden wird Staatsgenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Nassau. Gleichzeitig ist sie Grenze der Ämter Braubach und Ehrenbreitstein. Horchheim wird Grenz- und Zollstation zum nassauischen Lahnstein.
1866: Das Herzogtum Nassau wird dem Königreich Preußen “einverleibt”.
Die Grenze von Horchheim zu Lahnstein, Miellen und Fachbach wird wieder “normale” Gemeindegenze; gleichzeitig ist sie Regierungsbezirks-, Kreis- und Amtsgrenze.
1937: Horchheim, Pfaffendorf u. a. Gemeinden werden in die Stadt Koblenz eingemeindet; Arzheim folgt erst 1970.
Die Gemeindegrenzen werden zu Gemarkungsgrenzen(1) also reine Katasterbuchbezirke.

Das Ganggeleit von 1604

Trotz dieses vielfachen Wechsel in der politischen Zugehörigkeit von Horchheim blieb der topographische Verlauf seiner Gemeindegrenzen über Jahrhunderte bis heute fast unverändert.
Über den älteren Grenzverlauf (Katastervermessungen für Horchheim gibt es erst seit 1832) geben uns die -leider nur wenigen- noch vorhandenen Wappengrenzsteine mit ihren Jahreszahlen sowie die Protokolle über Grenzbegänge -früher auch Ganggeleite genannt- Auskunft.
Für Horchheim ist ein derartiges Grenzbegangsprotokoll aus dem Jahre 1604 dokumentiert(2), das nachstehend in gekürzter Form, aber in seinem wesentlichen Inhalt und der dem Zeitgeist entsprechenden Ausdrucks- und Schreibweise wiedergegeben werden soll.
Das genaue Datum des Grenzbegangs ist der 9. August 1604, Montag in VIGILIA ST.LAURENTII. Ob dieser Vorbereitungstag auf das kirchliche Fest des heiligen Laurentius absichtlich gewählt wurde, darüber kann man heute sicher nur spekulieren.
Tatsache ist aber, daß derartigen Grenzbegängen allseits eine große Bedeutung beigemessen wurde.
Das erkennt man u. a. auch an dem Teilnehmerkreis, der dem Horchheimer Grenzbegang angehörte:
- der Amtsschreiber Hans Görg Bornheimer im Auftrag des kurtrierischen Haupt- und Amtmanns der Festung und der Ämter Ehrenbreitstein und Niederlahnstein, Friedrich Cratz von Scharfensteyn,
- die “mithohen” Gerichtsherren Görg Hans von Reiffenberg und Hans Phillip von Heddesdorf mit ihren Schultheißen,
- die “Schöffen des hohen Gerichts zu Horchheim, Bürgermeister, Geschworene und Gemeinde”,
- der “Notarius” Gregorius Kyrrichs, der von dem ganzen Vorgang ein Instrument, heute würde man sagen eine notarielle Urkunde, anfertigte,
- zwei neutrale und “zu solchen Begäng sonderlich berufen und gebetten Bürger” aus Braubach und Neuendorf.

“Thut Recht und Scheuwe Niemand”

Signet des Notarius Gregorius Kyrichs von Trier, Vogt des Kirchenspiels Niederberg

Signet des Notarius Gregorius Kyrichs von Trier, Vogt des Kirchenspiels Niederberg

Es folgen Auszüge aus dem Text des Ganggeleits:

“Als sie dann am frühen Morgen mit gelauteten Glocken auf der Viehe Gassen zusammen kommen waren die Horchheimer Gerechtigkeit zu begehen, und die Gemeinde darzugegen, bei ihren Eiden und Pflichten erinnert worden, daß sie die Marktmähler und Marksteine, so sie von den benachbarten angrenzenden Dörfern und Gemeinden scheiden, doch keiner Partei zu Nachteil an Tag thue von der Horchheimer Bezirk und Gerechtigkeit weisen wollen.
Hierauf sie die Gemeinde etliche von denen Vornehmsten und Ältesten aufgerufen, so anherogangen und ihre Mark und Gerechtigkeit von Marken zu Marken von Stein zu Stein, alle Wademähler ringsherum hero gegangen und angezeigt wie folgt:

Horchheimer Gangeleit 1604

Niederlahnsteiner Grenzbegang 1749

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