von Helmut Münch,

entnommen aus dem Kirmes-Magazin 1990 Seite 31-37

Pitt Henrich mit Mutter mit Kindern
Pitt Henrich im Atelier
Christuskopf Kruzifix, Barbara-Kirche Niederlahnstein
Kruzifix, Barbara-Kirche Niederlahnstein
Erntefrau
Mutter mit Kind
Bäuerin

Ein wirklich begnadeter Künstler - Der Horchheimer Plastiker und Bildhauer Pitt Henrich

Vor 100 Jahren wurde in Horchheim ein Künstler geboren, der heute in der Öffentlichkeit fast vergessen ist. Seine Werke befinden sich vornehmlich in bayerischen Museen, aber auch noch im Privatbesitz der Horchheimer Familie Münch. Helmut Münch, dessen Mutter eine Nichte des Künstlers ist, skizziert das Leben seines Großonkels.

Peter August Henrich wurde am 4.4.1890 als sechstes Kind des Gärtners Joseph Henrich und der Anna Maria Josepha Meyer in Horchheim geboren. Das Geburtshaus lag wahrscheinlich in der Kirchstraße. Er hatte 7 Geschwister, 4 Brüder und 3 Schwestern. Die Brüder starben während ihres letzten Lebensjahres, wahrscheinlich an Diphterie.

Lehrjahre

Peter Henrich besuchte die Volksschule in Horchheim und begann anschließend eine Lehre als Bildhauer bei Caspar Weis, Werkstätten für christliche Kunst in Niederlahnstein. Nach Abschluß der Lehre arbeitete er weiter in der Weis’schen Werkstatt. Deshalb zog die Familie auch im Jahr 1911 nach Niederlahnstein. Mein Großonkel nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und kehrte danach wieder zu seinem Lehrmeister Caspar Weis zurück. Unter dessen Nachfolger Carl von Hörde war er Mitarbeiter am Kriegeraltar der Horchheimer Pfarrkirche, der allerdings im letzten Krieg durch Bomben zerstört wurde. Als Mitarbeiter von Weis und von Hörde arbeitete er aber auch u. a. an Altären der Pfarrkirchen in Mülheim, Montabaur, St. Matthias in Trier u. v. a. m.

Da Peter Henrich in dieser Zeit lediglich als Bildhauergeselle fungierte, liegen für diese Epoche auch kaum von ihm signierte Werke vor. Zugeschrieben werden ihm jedoch u.a. der HI. Sebastianus in der Sebastianuskapelle in Niederlahnstein und die Antoniusgruppe in der Martinskirche in Oberlahnstein.

Münchener Jahre

Die Gründe, die Peter Henrich bewogen, nach München zu gehen, sind nicht belegt. Vergleicht man allerdings seine späteren, eigenen Werke, so dürften sowohl der neugotische Stil als auch die recht einseitige klerikale Ausrichtung seines Lehrmeisters mitentscheidende Gründe gewesen sein. 1925 verkaufte Henrich einen Großteil seiner Jugendwerke, um den Besuch der Künstlerakademie finanzieren zu können.

Es war wohl seiner hohen Begabung zu verdanken, daß er als Volksschüler, Autodidakt bzw. „Dilettant“ 1928 an der Akademie der Bildenden Künste in München aufgenommen wurde und dort bis 1935 studieren konnte. Er war Komponierschüler bei Professor Bernhard Bleeker und erhielt zahlreiche Belobigungen und Anerkennungen der Akademie für sein künstlerisches Schaffen.

Öffentliche Anerkennung

Peter Henrich liebte das Modellieren mit Ton, bearbeitete aber auch andere Materialien. Seine größten Erfolge erzielte er jedenfalls mit aus Ton modellierten Kleinplastiken. So schreibt A. Heilmeyer in einer Kritik zur Großen Münchener Kunstausstellung 1934: „Wenn in der Bildnerei der Große Maßstab allein entschiede, dann könnte man ja die Figuren mit dem Metermaß messen und danach in Groß- und Kleinplastik einteilen. Aber merkwürdigerweise wirken nicht alle maßstäblich großen Figuren auch groß in der Form, sondern manchmal erscheinen die maßstäblich Kleinen als die Größeren. Jedenfalls sind Henrichs „Trinkende Alte“, „Bäuerin“ und „Mutter mit Kindern“ groß in der Form geschaute und gebaute Kleinplastiken, die man direkt den größeren Arbeiten anreihen muß. Zudem hat dieser Bildhauer eine neue, plastische Provinz entdeckt, wenigstens dem Stoffe nach. Er geht mit dem Volke, er kennt es genau und er stellt es mit wahrer Sympathie und künstlerischer Liebe dar.

Weitere Anerkennung erhielt Peter Henrich durch Stipendien der Stadt München (1937) und der Akademie (1941). Seine Teilnahme an großen Ausstellungen in den Jahren 1934-1943 (Neue Pinakothek, Maximilianeum) mit über 25 verschiedenen Exponaten zeugen von seiner wohl schöpferischsten Periode. Werke aus der Münchener Zeit sind, um nur einige zu nennen:

„Trinkende Alte“ (vom bayerischen Staat angekauft), „Bäuerin“, „Mutter mit Kindern“, „Erntefrau“, „Mutter“ oder „Sinnendes Mädchen“. Große Anerkennung brachte ihm seine Kleinplastik „Kindergruppe“, die 1938 im „Haus der Deutschen Kunst“ ausgestellt war.

Schöpfer in Ton

Im Jahr 1939 widmete die Zeitschritt „Die Kunst für Alle“ Peter Henrich eine vierseitige Würdigung seines Schaffens, in der es u.a. heißt: „Im Vorgang des Modellierens erlebt man immer wieder von neuem die alte Prometeusfabel, wie Menschenwesen geformt und geboren werden aus einem Klumpen Ton. Peter Henrich, der Münchener Plastiker, ist ein solcher Schöpfer in Ton. Der heute Achtundvierzigjährige, der noch dilettierenden Anfängen noch als hoher Dreißiger aus seiner rheinischen Heimat kam, um zu Bernhard Bleeker in die Lehre zu gehen, hat auch in anderen Materialien gearbeitet, aber nirgends bei allen seinen Arbeiten packt einen so stark das große „Es werde“ der künstlerischen Zeugung wie hier im Ton, wo die Figuren gewissermaßen noch „triefend“ ihrem Element entstiegen erscheinen … daß man darin gerade die Besonderheit und eigenartige Kraft Peter Henrichs sehen muß, daß man in seinem Werken den Werdeprozeß des Künstlerischen, das Aufwachsen vom Stofflichen zum Geistigen eindringlich und bewegend erleben kann“.

Rückkehr nach Horchheim

Viele der Werke meines Großonkels wurden im Krieg in München zerstört. Er zog sich zunächst aufs Land noch Oberaudorf zurück, beteiligte sich aber 1946 schon wieder an Kunstausstellungen in München. Am 1.4.1948 heiratete Peter Henrich in Oberaudorf seine alte Jugendliebe, die Horchheimer Putzmacherin Liesel Hellwig, genannt „Streichs Liesel“. Im gleichen Jahr kehrte er endgültig noch Horchheim zurück und bezog mit seiner Frau eine Wohnung in der Emser Straße 396. Schließlich mietete er ein Atelier in der von-Eyß-Straße Nr. 13 und begann von neuem zu arbeiten.

Zu den herausragenden Werken dieser letzten Schaffensepoche gehört zweifellos der 2,50 m große Kruzifixus aus Lindenholz für den Hauptaltar der neuen Pfarrkirche in Niederlahnstein. Heute steht dieser Kruzifixus an der rechten Seite des Chores. Für die Kapelle in der Bächelstraße in Horchheim schuf er die Schutzmantel-Madonna. Peter Henrichs „Schreitende Bäuerin“ war sogar im Jahr 1954 auf der Titelseite des Kataloges der ersten Kunstausstellung „Form und Farbe“ der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein, zu deren Gründungsmitgliedern er gehörte, abgebildet. Leider war es meinem Großonkel aber nicht mehr vergönnt, seinen Lebensabend künstlerisch voll auszugestalten.

Am 21.7.1956 starb er nach langer Krankheit in seiner Wohnung in der Emser Straße und wurde auf dem Niederlahnsteiner Friedhof beerdigt.

Ein großer Sohn unserer Heimatstadt

Sein langjähriger Freund, der Maler Professor Hanns Altmeier, schrieb zu seinem Tode: „Nicht vielen Koblenzern wird zu Lebzeiten des Künstlers bewußt gewesen sein, daß unter ihnen ganz still und bescheiden ein wirklich begnadeter Künstler gelebt hat. Wer aber in seiner Nähe war, wußte, daß nichts Peter Henrich unangenehmer war, als im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen. Er lebte ganz in seinem Werk und seinen Freunden. Knapp und sparsam in Geste und Wort war aber jedes Zusammensein mit ihm von begleichendem Gewinn“.

10 Jahre später, als Viktor Holl in der Kirmes-Zeitung in der Serie „Mit Horchheim verbunden“ das Leben Pitt Henrichs skizzierte, schickte Hanns Altmeier eine Würdigung, in der es u. a. hieß: „Wohl kaum einer seiner damaligen Nachbarn ahnte, daß in dem kleinen und bescheidenen Atelier nebenan großartige Kunstwerke von eindringlicher Stärke entstanden. Werke, die in ihrer Erdhaftigkeit und ihrem beseelten Ausdruck zu dem Schönsten gehören, was in den Jahren nach 1945 im mittelrheinischen Raum an Bildwerken geschaffen worden ist … Nun, da sich sein Todestag zum zehnten Male jährt, ist auch der Schmerz um ihn, der im Leben nie Anerkennung suchte und in der Stille arbeitete, leiser geworden und unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei dem großen Sohn unserer Heimatstadt“.

Zeitschrift – Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur Jahrgang 1938-39 Seite 212-216 Autor Wilhelm Rüdiger: Peter Henrich (PDF)

Rhein-Zeitung Anfang April 1955 – 65. Geburtstag Peter Henrich (PDF)

Trinkender
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