Von Hans Josef Schmidt (Festschrift 1214 – 2014 Seite 298-300)

Der Text und die Melodie unseres „Nationalliedes“ stammen aus der Feder von Karl („Wurscht“) Wörsdörfer, das harmonische Gerüst bzw. die Vertonung für Klavier von Hans Wüst, dem Organisten und Dirigenten des Horchheimer Kirchenchores.

Karl Wörsdörfer,

geboren am 21. August 1919 in der Südlichen Vorstadt, kam 1948 mit seiner Familie nach Horchheim. Hier fasste er schnell Fuß und wurde zu einer wertvollen Bereicherung der Vereinswelt. Männerchor, Carnevalsverein (HCV) und Kirmesgesellschaft boten ihm ein breites Podium. Seine Paraderolle war „Oberst Itzeplitz“, ein Gütezeichen in der Koblenzer Faasenacht.

1950 schenkte er den Horchheimern ihr Heimatlied „Oh Horchheim“, dessen Text zum ersten Mal in der Kirmes-Zeitung 1952 gedruckt wurde.

Über die Entstehung des Liedes sagte er: „Im Herbst 1950 machte ich einen Feierabend-Spaziergang mit meinem damals dreijährigen Sohn Klaus durch den Park am Rhein, auch ‚Allee‘ genannt. Beim Anblick der herrlichen, hohen Bäume, der Schiffe auf dem Rhein, der Liebespärchen und des über der Brüstung lehnenden Rentnerklubs überkam mich eine friedliche Stimmung, die mich auf dem Heimweg zur Mendelssohnstraße begleitete. Zu Hause setzte ich mich hin und versuchte, diese Stimmung in ein paar Verse umzusetzen.“ Nach einigen Versuchen hatte „Wurscht“ eine Walzermelodie hinzugefügt, denn wenn man am und vom Rhein singt, konnte es ja auch nur ein Schunkellied sein. Die Melodie, primitiv auf einem selbst gebastelten Notenblatt festgehalten, wurde dann vom Horchheimer Organisten Hans Wüst mit viel Freude „musikalisch hingetrimmt“. Bei der Karnevalssitzung des Männerchores am 11. November 1950 erfolgte im Gesellenhaus die Uraufführung. Die Nachfrage war so groß, dass das Lied mit Unterstützung durch Hans Wagner auf Postkarten gedruckt werden konnte, die sogar bis nach Amerika verschickt wurden, aber schon bald vergriffen waren. „Wurscht“ Wörsdörfer starb am 12. Juni 1994 im Alter von 74 Jahren.

Hans Wüst,

am 11. September 1909 in Duisburg-Großenbaum geboren, absolvierte nach der Schulzeit zunächst eine Klavierbauer-Lehre bei der berühmten Firma Mand in Koblenz. Er stammte aus einer Familie, in der die Musik immer eine große Rolle gespielt hat. Sein Großvater Heinrich Wüst (1832-1916) kam 1857 als Lehrer, Küster und Organist nach Horchheim. Auch der Vater Josef (1878-1945) fungierte eine Zeitlang als Organist an St. Maximin. So kam es nicht von ungefähr, dass Hans Wüst schon im Alter von 15 Jahren (1924) als Organist an St. Maximin tätig war. Seine ersten musikalischen Gehversuche ging er allerdings als Autodidakt an. Die entscheidende musikalische Fortbildung erhielt er am Konservatorium in Koblenz. Sein Mentor war Adolf Heinemann, Organist an St. Florin und damals schon ein in Koblenz bekannter Orgelkünstler. Ihm eiferte Hans Wüst nach und machte sich ebenfalls schon bald im Koblenzer Raum einen Namen, wobei ihm nicht zuletzt auch das 1 ½-jährige Studium an der Rheinischen Musikschule in Köln ab 1930 zu Gute kam. Mit Bravour legte er ein vorgezogenes Examen bei seinen Lehrmeistern Prof. Wilhelm Maler (Musiktheorie) und P. Baumgartner (Klavierunterricht) ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Hans Wüst 1945 die Leitung des Horchheimer Kirchenchores. Drei Messen hat er geschrieben: die Ostermesse „Christ ist erstanden“ 1940, die Weihnachtsmesse mit Melodieanfängen bekannter Weihnachtslieder 1945/46 und die Marienmesse „Salve Regina“ 1952. Daneben hat er noch mehrere Liedsätze und Motetten komponiert und halt eben auch die Harmonie zum Horchheimer Nationallied nach Text und Melodie von Karl Wörsdörfer geschrieben. Seit 1955 war Wüst auch Musiklehrer am Johannes-Gymnasium Lahnstein. Er verstarb leider viel zu früh am 18. Januar 1963.

Oh Horchheim, oh Horchheim, (Text und Melodie: Karl Wörsdörfer Klaviersatz: Hans Wüst

Wo einst die Sonne schien auf edle Reben, schräg vis á vis von Stolzenfels, wo überm Waldrand hoch die Sperber schweben, und lustig singt die Lerche überm Feld.

Da liegt im Tale, den Römern schon bekannt, ein kleines Städtchen, verträumt am Rheines Strand:

Oh Horchheim, oh Horchheim, so murmeln leis die Wellen, In Dir gibt´s schöne Mädchen und lustige Gesellen.

Und abends dann oft im Mondenschein, gibt man sich im Park ein Stell – dich – ein.

Oh Horchheim, oh Horchheim, sollt ich mal fern Dir sein, zieht mich die Sehnsucht wieder zu Dir am schönen Rhein.

Es herrscht der Frohsinn schon seit alten Zeiten, in jedem Haus in jeder Gass‘. Ja, man versteht es, Feste zu bereiten, und kehrt erst heim, wenn leer das letzte Fass.

Drumm Wand’rer kommst du mal an des Rheines Strand, dann setz dich nieder und lausch am Uferrand:

Oh Horchheim, oh Horchheim, …

Werd‘ ich dereinst zum Himmel abgerufen, dann trete ich zum Petrus hin: „Ach, lass’ als Engel mich sitzen auf den Stufen, am Rhein, am Rhein, wo ich geboren bin!“

Lausch‘ in den Park ich, wo man sich Liebe schwört, singt mir die Nixe, die einst mich hat betört:

Oh Horchheim, oh Horchheim, …

 Notenblatt: Oh Horchheim, oh Horchheim, (PDF)

Die Originalnoten von 1950

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