Auf den Spuren der Mendelssohns

Presse

Erfolgreicher Rundgang durch Horchheim als wichtiger Schritt für das KuLaDig-RLP-Projekt

Bei strahlendem Frühlingswetter und bester Stimmung trafen sich am 14. April 2026 zahlreiche Beteiligte zu einem besonderen Rundgang durch Horchheim: Vertreter der Heimatfreunde Horchheim, des KuLaDig-RLP-Projekts der Universität Koblenz, des Kulturamts der Stadt Koblenz sowie der beteiligten Fachämter – Tiefbauamt, Eigenbetrieb Grünflächen und Bestattungswesen sowie Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung – kamen zusammen, um sich vor Ort ein Bild vom geplanten Mendelssohn-Rundweg zu machen.

Treffpunkt war die Bushaltestelle Mendelssohn – ein bewusst gewählter Ort, der künftig auch den Auftakt für Besucherinnen und Besucher des Rundwegs bilden soll. Von hier aus entwickelte sich ein knapp zweistündiger Rundgang, der nicht nur historische Einblicke bot, sondern vor allem eines zeigte: Das Projekt „Mendelssohn in Horchheim“ nimmt konkrete Formen an.

Geschichte wird vor Ort lebendig

Bereits im Mendelssohn-Park wurde deutlich, welche Bedeutung die Familie Mendelssohn für Horchheim hatte. An der Stelle des ehemaligen Mendelssohn-Palais, das nach einem Brand 1970 abgerissen wurde, erinnert heute noch das markante Rundtürmchen an die einstige Anlage. Hier verbrachte die Familie seit 1818 die Sommer- und Herbstmonate – eine Zeit, in der Horchheim Teil eines kulturellen Netzwerks wurde, das weit über die Region hinausstrahlte.

Nur wenige Schritte weiter steht die Stele zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy, der wiederholt in Horchheim weilte. Sie macht deutlich, dass der Ort nicht nur Rückzugsort, sondern auch Inspirationsquelle war.

Auch das ehemalige Teehaus im Park, später als „Lutherkapelle“ genutzt, sowie die eindrucksvolle Mendelssohn-Allee mit ihren alten Linden vermittelten den Teilnehmenden ein anschauliches Bild der historischen Parkanlage. Der Weg führte weiter entlang des Rheinufers und durch die Unterführung zurück in den Ort – eine Strecke, die künftig Besucher ganz bewusst durch unterschiedliche Zeitschichten Horchheims führen soll.

Engagement für Bildung und Gemeinwesen

Ein wichtiger Halt war die Joseph-Mendelssohn-Schule. Sie geht auf eine Stiftung der Familie aus dem Jahr 1840 zurück und steht bis heute für das soziale Engagement der Mendelssohns vor Ort.

Auch in der Pfarrkirche St. Maximin wurde diese enge Verbindung sichtbar: Die Kopie der „Sixtinischen Madonna“, gestiftet im Jahr 1865, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Beziehung.

Im Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim erhielten die Teilnehmenden schließlich einen vertiefenden Einblick: Die dort präsentierte Mendelssohn-Ausstellung mit historischen Fotografien, Porträts und Ansichten des ehemaligen Palais veranschaulicht eindrucksvoll die Geschichte der Familie und ihre Bedeutung für den Ort.

Den Abschluss bildete die heutige Mendelssohnstraße, deren Umgebung eng mit den früheren Besitzungen der Familie verbunden ist. Von hier aus führte der Weg über die Eisenbahnüberführung zurück in Richtung Mendelssohn-Park. Durch den rückwärtigen Zugang schloss sich schließlich der Kreis: Der Rundgang endete wieder am Ausgangspunkt und machte anschaulich, wie sich die einzelnen Stationen zu einem geschlossenen Rundweg verbinden lassen.

Ideen für eine moderne Vermittlung

Neben der historischen Spurensuche stand vor allem die Zukunft des Rundwegs im Mittelpunkt. Wie lässt sich Geschichte heute so vermitteln, dass sie Menschen anspricht und zum Entdecken einlädt?

Ein zentrales Thema war dabei die geplante Einbindung von QR-Codes, über die Besucherinnen und Besucher direkt vor Ort auf digitale Inhalte zugreifen können. Diskutiert wurden verschiedene Möglichkeiten – von klassischen Informationstafeln über dezente Plaketten bis hin zu vandalismussicheren, dauerhaft integrierten Lösungen in Stein oder Metall. Einig war man sich: Entscheidend ist eine hochwertige, langlebige und zugleich zurückhaltende Gestaltung, die sich harmonisch in das Ortsbild einfügt.

Neue Wege: Urban Art im historischen Kontext

Besonders spannend war die Diskussion um den Einsatz von Urban Art entlang des Rundwegs. Gerade bislang wenig beachtete Orte – etwa Unterführungen oder technische Infrastrukturen – könnten so gestalterisch aufgewertet und zugleich inhaltlich erschlossen werden.

Urban Art bietet die Chance, Geschichte auf neue Weise sichtbar zu machen – nicht als reine Information, sondern als visuelles Erlebnis im öffentlichen Raum. In Verbindung mit digitalen Angeboten wie KuLaDig entsteht so ein moderner Zugang zur Ortsgeschichte, der unterschiedliche Generationen anspricht.

Gute Zusammenarbeit als Grundlage

Der Rundgang machte deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten der städtischen Ämter – von Genehmigungen über Standortfragen bis hin zur gestalterischen Einbindung – wurden vor Ort praxisnah besprochen.

Gerade dieser direkte Austausch erwies sich als besonders wertvoll: Viele Fragen konnten unmittelbar geklärt, Ideen weiterentwickelt und mögliche Lösungen gemeinsam gedacht werden.

Ein Projekt mit Perspektive

Der Mendelssohn-Rundgang am 14. April war damit weit mehr als eine reine Ortsbegehung – er war ein wichtiger Meilenstein für ein Projekt, das die Geschichte Horchheims auf neue Weise erlebbar machen will.

Mit dem geplanten Rundweg entsteht ein Angebot, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet, historische Orte sichtbar macht und zugleich moderne Formen der Vermittlung nutzt. Die positiven Eindrücke und die konstruktive Zusammenarbeit lassen erwarten, dass der Mendelssohn-Rundweg schon bald Gestalt annimmt – und Horchheim um einen weiteren bedeutenden Aspekt seiner lebendigen Ortsgeschichte bereichert.


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