Führung durch das Stadtarchiv Koblenz

26. April 2025 | Am letzten Samstag im April unternahmen die Heimatfreunde Horchheim einen spannenden Ausflug in die Koblenzer Altstadt, um das Stadtarchiv Koblenz zu erkunden. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich 20 Mitglieder der Heimatfreunde vor der Alten Burg an der Balduinbrücke auf der Koblenzer Moselseite.

Theorie der Archivarbeit Im Magazinbereich Eine spätmittelalterliche Urkunde
Frühe Akten als Schriftgutsammlung Karten von Alt-Koblenz Horchheim in den Archiven

Der Leiter des Archivs, Herr Koelges, begrüßte die Gruppe herzlich und gab einen Überblick über die historische Stätte, in der die Geschichte von Koblenz und Umgebung in alten Urkunden und Schriften lebendig wird. Ein Nachmittag voller aufschlussreicher Einblicke und wertvoller Informationen erwartete die Teilnehmer.

Die Alte Burg

Die Alte Burg in Koblenz, die heute das Stadtarchiv beherbergt, blickt auf eine lange und spannende Geschichte zurück. Ursprünglich wurde sie seit dem 13. Jahrhundert als kurfürstliche Burg errichtet, indem der Wohnturm des Stadtadelsgeschlechts von der Arken integriert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Burg zahlreiche Um- und Anbauten, die die verschiedenen Epochen von der Spätgotik über die Renaissance bis zum Barock widerspiegeln.

Im 14. Jahrhundert diente die Burg den Trierer Erzbischöfen als Zwingburg, um die Stadt und ihre Bürger unter Kontrolle zu halten. Später spielte sie eine Rolle bei der Befestigung der Stadt Koblenz, unter anderem im Zusammenhang mit der Balduinbrücke. Im Laufe der Zeit verlor die Burg ihre militärische Bedeutung und wurde seit dem 19. Jahrhundert vielfältig genutzt, unter anderem als Fabrikgebäude und Sitz öffentlicher Einrichtungen.

Heute ist die Alte Burg nicht nur ein historisches Wahrzeichen von Koblenz, sondern auch ein bedeutendes Kulturdenkmal, das seit 1980 das Stadtarchiv beherbergt.

Nach der kurzen Einführung in die Geschichte der Alten Burg führte uns Herr Koelges ins Innere des Gebäudes, wo wir im ersten Stock im Lesesaal des Stadtarchivs Platz nahmen, um mit dem eigentlichen Vortrag zu beginnen.


Theorie der Archivarbeit

Was ist eigentlich ein Archiv?

Im ersten Teil seines Vortrags beleuchtete Herr Koelges die Grundfrage: „Was ist eigentlich ein Archiv?“ Dabei ging es nicht nur um die fachliche Definition, sondern auch um die Bilder und Vorurteile, die viele mit dem Begriff verbinden. Archive gelten oft als verstaubt, dunkel und abgelegen – Orte, an denen nichts mehr passiert. Mit einem Augenzwinkern berichtete Koelges von einem Kollegen, der das Archiv einst als „Endstation für Versager“ bezeichnete. Doch schnell wurde klar: Diese Vorstellung verkennt völlig, wie wichtig und verantwortungsvoll die Arbeit in einem Archiv ist. Fehler dort können gravierende Folgen haben – sie zeigen sich nur oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten.

Die Ursprünge des Archivwesens

Der Vortrag schlug dann den Bogen vom Privaten zum Institutionellen. Denn tatsächlich führen viele Menschen eine Art Archiv zu Hause: Fotoalben, Urkunden, Verträge oder Erinnerungsstücke. Was auf den ersten Blick banal wirkt, ist im Kern genau das, worum es auch in Archiven geht – nämlich um das strukturierte Aufbewahren von Informationen mit bleibendem Wert. Sei es zur persönlichen Erinnerung oder, viel entscheidender, als Nachweis in rechtlichen Angelegenheiten. Und genau darin liegt der Ursprung des Archivwesens: In früheren Jahrhunderten ging es vorrangig um die dauerhafte Sicherung von Dokumenten, die Rechte belegten – etwa über Besitz, Abgaben oder Herrschaft. Adelige, Städte, Klöster und nicht zuletzt kirchliche Würdenträger wie der Kurfürst-Erzbischof von Trier legten Archive an, um ihre Ansprüche zu sichern. Aus diesen frühen Strukturen entwickelten sich die modernen Archive, wie wir sie heute kennen.

Der Wandel im 19. Jahrhundert: Vom Rechtsnachweis zur Erinnerungskultur

Im 19. Jahrhundert jedoch änderte sich dieser Blickwinkel. Unter dem Einfluss der Geschichtswissenschaften und der Romantik erkannte man zunehmend, dass diese Dokumente auch viel über das gesellschaftliche Leben früherer Zeiten verraten: über politische Machtverhältnisse, Alltagsleben, wirtschaftliche Strukturen oder soziale Beziehungen. So trat zur rechtlichen Funktion ein zweiter, historischer Aspekt hinzu: Archive wurden zu Orten des Erinnerns und Forschens. Herr Koelges machte deutlich, dass ein kommunales Archiv wie das der Stadt Koblenz heute beiden Funktionen gerecht werden muss. Rechtlich vorgeschriebene Unterlagen wie Haushaltspläne oder Stadtratsprotokolle müssen dauerhaft gesichert werden – „für alle Ewigkeit“, auch wenn das realistisch gesehen nie vollständig erreichbar ist. Doch der weitaus größere Teil der öffentlichen Nutzung betrifft heute den historischen Bereich: Forscherinnen, Heimatvereine, Studierende oder Interessierte suchen in Archiven nach Spuren der Vergangenheit. Nach Einschätzung von Herrn Koelges liegt der Anteil der rechtlichen Nutzung bei etwa zehn Prozent, während rund neunzig Prozent auf das historische Interesse entfallen.

Die Archivlandschaft in Koblenz: Stadt, Land und Bund

Anschließend gab Herr Koelges einen Überblick über die Archivlandschaft in Koblenz. Neben dem Stadtarchiv gibt es das Landeshauptarchiv, das für die Landesbehörden im Norden von Rheinland-Pfalz und für die Ministerien in Mainz zuständig ist. Das hat historische Gründe: Nach der Gründung des Landes Rheinland-Pfalz 1947 war Koblenz für einige Jahre provisorische Landeshauptstadt, bevor die Landesregierung nach Mainz umzog. Das in Koblenz ansässige frühere preußische Staatsarchiv blieb jedoch bestehen und wurde zum Landeshauptarchiv. Auch das Bundesarchiv mit seiner Zentrale auf der Karthause ist in Koblenz angesiedelt und zuständig für die Unterlagen der obersten und sonstiger Bundesbehörden sowie ihrer Vorgängerinstitutionen.

Archive, Bibliotheken, Museen – drei Säulen der kulturellen Überlieferung

Zum Schluss verdeutlichte Herr Koelges den grundlegenden Unterschied zwischen Archiven, Bibliotheken und Museen. Während Bibliotheken gedruckte Werke in großer Zahl sammeln – also Massenware –, verwahren Archive Unikate: originale Dokumente, die es nur einmal gibt. Museen wiederum konzentrieren sich auf dreidimensionale Objekte. Jede dieser Einrichtungen erfüllt dabei eine spezifische Aufgabe in der Bewahrung und Vermittlung von Kultur und Geschichte.


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Im Lesesaal des Stadtarchivs bleibt der Blick der Teilnehmenden an einem eindrucksvollen Gerät hängen – dem Mikrofilm-Lesegerät, das mit seiner sperrigen Technik und nostalgischen Ausstrahlung an die Zeit der Mondlandungen erinnert und zugleich ein Stück Archivgeschichte verkörpert.

Digitalisate und Mikrofilm

In der Debatte um Digitalisate und Mikrofilm steht die langfristige Lesbarkeit und Authentizität von Archivgut im Mittelpunkt. Während Digitalisate eine einfache Verbreitung ermöglichen, können sie das physische Original nicht ersetzen: Nur das Original bewahrt Materialität, Echtheit und Zustandsschäden, die für Forschung und Konservierung wichtig sind. Zudem altern digitale Formate und Speichermedien rasch, sodass Archive kontinuierlich in Migration und Formatpflege investieren müssen. Der Mikrofilm dagegen gilt als besonders beständiges analoges Medium: Unter geeigneten Bedingungen bleibt er chemisch stabil und lesbar, und zum Ablesen genügen eine einfache Lichtquelle und eine Lupe. Auch wenn die Mikrofilm-Industrie zurückgeht und entsprechende Lesegeräte seltener werden, bleibt der Mikrofilm aufgrund seiner Langlebigkeit und einfachen Handhabung ein verlässliches Sicherungsformat.

Die elektronische Akte

Die Einführung der elektronischen Akte in Kommunalverwaltungen soll die Ablage und Wiederauffindbarkeit von Dokumenten deutlich verbessern. Anstelle handschriftlicher Ablagepläne werden Dateien digital erfasst, indexiert und mittels klarer Ordnungsstrukturen verwaltet. Dies verspricht Zeitersparnis, weil Rechercheprozesse entfallen, und minimiert Ausfallrisiken, wenn Zuständige nicht verfügbar sind. Gleichzeitig steht die Stadtverwaltung vor großen Herausforderungen: Ein vollständiger „Roll out“ mit hunderten Mitarbeitenden kann schätzungsweise 10–15 Jahre dauern, da neben technischer Infrastruktur auch Schulungen und Anpassungen rechtlicher Vorgaben notwendig sind. Das Archiv spielt dabei eine Schlüsselrolle, indem es seine Expertise in Ordnungs- und Erschließungssystemen einbringt und so sicherstellt, dass die E-Akte von Anfang an revisions- und aufbewahrungskonform aufgebaut wird.


Nachdem wir diesen Überblick bekommen hatten, ging es weiter in den Magazinbereich des Archivs, wo uns gezeigt wurde, wie die Archivalien gelagert werden. Dabei erklärte Herr Koelges, wie das Gebäude in Bezug auf seine Eignung als Archiv genutzt wird – ein Aspekt, den wir besonders spannend fanden.

Im Magazinbereich

Im Zentrum des Archivs liegt der Magazinbereich, in dem alle wertvollen Unterlagen sicher verwahrt werden. Statt starrer Regale auf engem Raum nutzt man hier ein fahrbares Kompaktregalsystem: Nur ein Gang muss freigezogen werden, um an jede Akte zu gelangen. Gleichzeitig bieten die dicht aneinandergereihten Module Schutz vor Diebstahl, Staub und schädlichem Lichteinfall.

Gleichzeitig entscheidet in einem Magazin das richtige Raumklima über die Haltbarkeit alter Papiere. Eine konstante Temperatur von rund 18 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 % verhindern Austrocknen, Schädlingsbefall oder Schimmelbildung – Faktoren, die auf lange Sicht sonst Dokumente beschädigen würden.

Weil die Alte Burg an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, steht ein Umzug ins Kulturforum am Zentralplatz an. Dort entsteht ein vollständig fensterloser, klimatechnisch optimierter Magazinraum mit moderner Lufttechnik und einer schonenden Löschanlage für den Brandschutz.

Diese Verlagerung schafft nicht nur dringend benötigten Platz für die wachsenden Bestände – ein Archiv wächst mit jedem neuen Zugang –, sondern stellt auch sicher, dass Koblenzer Geschichte unter besten Bedingungen für kommende Generationen erhalten bleibt.

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Weniger ist mehr: Wie Archivare auswählen

Der Überlieferungswert von Schriftgut bestimmt, welche Unterlagen dauerhaft ins Archiv übernommen werden. Nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Aufbewahrungsfristen muss jede Behörde ihr altes Verwaltungsmaterial dem Archiv anbieten. Dort bewerten Fachleute, welche Dokumente wegen ihrer historischen oder juristischen Bedeutung archivwürdig sind. Meist fließen Faktoren wie der Nachweis von Rechtsansprüchen oder die Aussagekraft für zukünftige Forschungsfragen in die Entscheidung ein.

In der Praxis landen nur etwa zehn bis zwanzig Prozent des angebotenen Schriftguts im Magazin – eine konsequente Auswahl, die das Archiv dauerhaft handhabbar hält. Manchmal geben Behördenmitarbeiter auf Aktendeckeln einen ersten „Bewertungsvorschlag“ ab, zum Beispiel Richter oder Staatsanwälte, doch die abschließende Kompetenz, zu entscheiden, liegt immer bei den Archivaren. Um sicherzustellen, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen, arbeiten sie eng mit den Verwaltungskollegen zusammen und klären im Einzelfall, welche Unterlagen langfristig erhalten bleiben müssen.


Nach einer kurzen Pause kehrten wir zurück in den Lesesaal, um im letzten Teil des Vortrags einige ausgewählte Archivalien näher zu betrachten. Herr Koelges präsentierte der Gruppe eine originale mittelalterliche Königsurkunde aus dem Bestand des Stadtarchivs – ein seltenes Unikat, das eindrucksvoll die rechtshistorische Bedeutung solcher Quellen veranschaulichte und den Übergang zur inhaltlichen Erläuterung bildete.

Eine spätmittelalterliche Urkunde

Spätmittelalterliche Urkunden zählen zu den bedeutendsten Quellen der historischen Forschung, da sie offiziell von Königen oder ranghohen Herrschern ausgestellt wurden und rechtliche, politische oder wirtschaftliche Vereinbarungen dokumentieren. Sie belegen unter anderem Privilegien, Stadtrechte und Hoheitsrechte und dienen als unmittelbarer Nachweis mittelalterlicher Rechtsverhältnisse.

Im Stadtarchiv Koblenz werden drei bis vier solcher Königsurkunden aufbewahrt. Jede Urkunde ist ein einzigartiges Unikat, das nicht nur für die lokale Stadtgeschichte, sondern auch für die Strukturen des Heiligen Römischen Reiches essentielle Informationen liefert. Im Vergleich zu größeren Archiven in Köln, Frankfurt oder München fällt der Bestand in Koblenz zahlenmäßig geringer aus, bleibt aber aufgrund seiner Seltenheit und inhaltlichen Bedeutung von hohem Wert.

An der Unterkante der Urkunde von 1302 befindet sich das königliche Siegel, das den Herrscher mit Krone, Reichsapfel und Zepter darstellt. Die lateinische Umschrift „Rex Semper Augustus Albrecht I“ weist ihn eindeutig als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aus. Dieses Siegel verlieh dem Dokument offizielle Gültigkeit und vermittelte auch Analphabeten den Rang des Ausstellers.

Dem Original ist eine Transkription (Abschrift) des Urkundentextes beigegeben. Dabei handelt es sich nicht um eine Übersetzung ins Deutsche, sondern um eine Übertragung in die Schrift des 17. Jahrhunderts, wahrscheinlich um die schwer lesbare gotische Urkundenschrift von 1302 für damalige Juristen nutzbar zu machen. Diese Abschrift fungiert seither als „Gebrauchsanweisung“ sowie Sicherungs- und Arbeitskopie neben dem Original und gewährleistet die dauerhafte Lesbarkeit des Dokuments.

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Pergament, Papier und Tinte

Pergament

Pergament ist ein historischer Beschreibstoff, der aus sorgfältig bearbeiteter Tierhaut – meist von Ziegen oder Rindern – gewonnen wird. Die Haut wird zunächst entfettet, enthaart und unter Spannung getrocknet und anschließend geglättet, bis eine dünne, aber widerstandsfähige Schreibfläche entsteht. Anders als Leder, das durch Gerbung haltbar gemacht wird, bleibt Pergament durch diese aufwendige Behandlung besonders flach, fest und chemisch stabil.

Ein Sprichwort wie „Das geht auf keine Kuhhaut“ verweist darauf, dass lange Texte schlicht keinen Platz auf der Fläche des Pergaments hatten, das aus Sparsamkeitsgründen möglichst klein gehalten wurde – Pergament war teuer.

Die besondere chemische Beständigkeit von Pergament macht es zum bevorzugten Material für mittelalterliche Urkunden und wichtige Dokumente: Licht, Luft und Feuchtigkeit greifen es nur langsam an. So sind Urkunden aus dem Jahr 1302 auch heute noch klar lesbar, wenn sie fachgerecht konserviert wurden.

Von Hadern zu Papier

Papier war im Vergleich zu Pergament deutlich günstiger und setzte sich daher ab dem Spätmittelalter immer stärker durch. Doch das Papier jener Zeit hatte mit dem modernen nichts gemein: Es war eine echte Kostbarkeit – hergestellt aus alten Textilien, den sogenannten Hadern. Aus diesem Begriff leitet sich das Schimpfwort Haderlump ab, ursprünglich jemand, der mit Lumpen zu tun hatte. Solche Lumpensammler zogen durchs Land, sammelten ausgediente Kleidung und verkauften sie an Papiermühlen.

Der Papierbrei aus diesen Stoffresten wurde mit einem Sieb geschöpft, gepresst und getrocknet – so entstand das haltbare Hadernpapier, oft auch Büttenpapier genannt. Wenn man es gegen das Licht hält, sieht man eine feine Gitterstruktur – ein Relikt der aufwendigen Handarbeit.

Im 19. Jahrhundert revolutionierte das deutlich billigere Zellulose-Holzschliffpapier die Papierherstellung. Es bestand nicht mehr aus Textilien, sondern aus Holzfasern – allerdings auf Kosten der Haltbarkeit. Viele dieser säurehaltigen Papiere zerfallen heute regelrecht, ein Problem, das auch bei den sogenannten „Umweltschutzpapieren“ der 1980er Jahre auftrat. Bereits in den 1990er Jahren rieten Behörden davon ab, solche Papiere für archivwürdige Dokumente zu verwenden.

Eisengallustinte und der Tintenfraß

Im Gegensatz zu modernen Tinten war die historische Schreibflüssigkeit oft extrem „sauer“. Die sogenannte Eisengallustinte bestand aus einer Mischung aus Eisen, Ruß und Galläpfeln – kleinen, erbsenförmigen Wucherungen auf Eichenblättern, die durch die Eiablage einer Gallwespe entstehen. Die daraus gewonnene Gerbsäure reagierte mit Eisen zu einer tiefschwarzen, sehr haltbaren Tinte – ein Naturprodukt mit erstaunlicher Wirkungsgeschichte.

Doch die Haltbarkeit hatte ihren Preis: Die Tinte griff das Papier chemisch an. Tintenfraß nennt man dieses Phänomen, bei dem die Schrift das Papier regelrecht durchlöchert. In vielen Fällen ist der Text nur noch als Umriss erkennbar – manchmal besser lesbar, wenn man das Blatt gegen das Licht hält.

Tintenfraß ist ein typisches Schadbild in historischen Archiven. Auch im Stadtarchiv Koblenz finden sich betroffene Dokumente, deren Erhalt durch restauratorische Maßnahmen gesichert werden muss.

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Frühe Akten als Schriftgutsammlung

Im Gegensatz zur Urkunde, die meist nur ein Ergebnis festhält, ist eine Akte eine Sammlung verschiedener Schriftstücke. Sie dokumentiert den gesamten Entscheidungsprozess – von der ersten Anfrage über Rechnungen bis zum abschließenden Schreiben. Akten können sich über Jahre erstrecken und zeigen detailliert, wie eine Entscheidung zustande kam.

Ein interessantes Beispiel liefert eine Akte zu den Bauarbeiten am Ochsenturm, einem Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Koblenz. Dieser stand dort, wo heute die Mosel-Eisenbahnbrücke verläuft. Der Turm gehörte zur zweiten Stadtmauer, die ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde.

Kurios: Für den Unterhalt dieses Koblenzer Turms war nicht Koblenz, sondern die Stadt Duisburg zuständig. Der Grund: Im hohen Mittelalter schlossen Städte Schutzbündnisse. Um Kosten zu teilen, übernahm jede Stadt einen Teil der Befestigung einer anderen – und erhielt dafür Gegenvorteile wie Zollfreiheit für ihre Kaufleute.

So kam es, dass Koblenzer Handwerker jährlich nach Duisburg reisen mussten, um dort einen „Koblenzer Turm“ zu warten. In Koblenz dagegen nannte man ihn Ochsenturm. Solche historischen Verflechtungen lassen sich heute nur noch durch Akten rekonstruieren – und machen diese zu unschätzbaren Quellen.

Das Kerbholz als mittelalterlicher Schuldschein

„Der hat was auf dem Kerbholz“ – dieser Spruch ist bis heute bekannt, doch kaum jemand weiß noch, woher er stammt. Im Mittelalter war das Kerbholz ein gängiges Mittel zur Schulderfassung, etwa bei Bauvorhaben oder Lieferungen.

Das Prinzip war einfach: Für jede erbrachte Leistung – etwa eine Fuhre Sand zum Bau des Ochsenturms – wurde eine Kerbe in ein Holzstück geritzt. Beide Parteien, z. B. der Stadtbaumeister und der Fuhrmann, hatten je ein passendes Exemplar. Die Kerben mussten bei späterem Abgleich exakt übereinstimmen – so ließ sich Betrug ausschließen.

Waren alle Leistungen erbracht, wurden die Hölzer meist verbrannt – das Schuldverhältnis war damit „ausgelöscht“. Nur selten blieben Kerbhölzer erhalten. In Ausnahmefällen, etwa bei Streitigkeiten, wurden sie vom Stadtbaumeister archiviert – ein Hinweis darauf, dass nicht alles reibungslos verlaufen war.

Heute gelten Kerbhölzer als seltene Funde, meist aus feuchten Boden- oder Latrinenschichten. Doch sie sind eindrucksvolle Zeugnisse eines alltagstauglichen, rechtssicheren Systems – und zeigen, wie pragmatisch man früher mit Schulden umging.

Im Folgenden präsentierte uns Herr Koelges eine Reproduktion eines historischen Stadtplans von Koblenz, der uns einen tieferen Einblick in die städtebauliche Entwicklung der Region ermöglichte.

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Karten von Alt-Koblenz

Karten gehören zu den spannendsten Quellen in Archiven. Sie verbinden Bild und Text und liefern wertvolle Informationen über die städtebauliche und geografische Entwicklung. Besonders im Zusammenspiel mit alten Fotos lassen sich Veränderungen von Straßenverläufen, Gebäuden und Stadtgrenzen nachvollziehen – anschaulicher als mit jeder Akte.

Dilbecker-Plan vom 23. Oktober 1794

Ein herausragendes Beispiel ist der sogenannte Dilbecker-Plan vom 23. Oktober 1794 – dem Tag, an dem französische Revolutionstruppen unter General Marceau in Koblenz einzogen. Der Geometer Johann Peter Dilbecker hielt in seinem Plan die Stadt topografisch exakt fest. Damit ist er nicht nur ein historisches Dokument, sondern ein Schlüsselinstrument zur Verknüpfung von Stadtgeschichte und Stadtbild.
Der Vergleich solcher Karten über Jahrhunderte hinweg erlaubt tiefe Einblicke in die Entwicklung Koblenz’ – und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf bekannte Orte.

Koblenz im Jahr 1632 in der Ansicht von Merian

Diese eindrucksvolle Darstellung von Matthäus Merian, einem der bedeutendsten Kupferstecher des 17. Jahrhunderts, zeigt Koblenz während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1632, als schwedische Truppen die Stadt angriffen. Der Ochsenturm, Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, ist dabei gut erkennbar und markiert ein zentrales Element des Stadtbildes.

Die Ansicht vermittelt nicht nur ein Bild der kriegerischen Auseinandersetzung, sondern auch der topografischen Struktur der Region: Der Verlauf von Rhein und Mosel, die Insel Oberwerth sowie die Stadtteile Pfaffendorf und Horchheim sind deutlich auszumachen. Besonders Horchheim ist hier klar platziert – ein Hinweis auf die frühe Bedeutung dieses Ortsteils im geographischen Zusammenhang.

Merians Kupferstich verbindet historische Dokumentation mit kartographischer Genauigkeit – eine seltene Kombination, die sowohl für die Kriegs- als auch für die Stadtgeschichte von unschätzbarem Wert ist.

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Entwicklung der Stadt und ihrer Befestigungen

Koblenz blickt auf eine lange Geschichte städtischer Entwicklung und Befestigung zurück. Der Ursprung der Stadt liegt in einem römischen Kastell, das im 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. errichtet wurde – in einer Zeit, als das Gebiet am Zusammenfluss von Rhein und Mosel strategisch an Bedeutung gewann. Das Kastell befand sich auf hochwasserfreiem Gelände in der heutigen Nordostecke der Altstadt, im Bereich der Balduinbrücke, Kornpfortstraße und Braugasse.

Neuere archäologische Forschungen zeigen, dass sich vor der östlichen und südlichen Kastellmauer nicht nur römische Soldaten, sondern auch Zivilisten wie Händler, Bauern und Fischer niederließen – unter anderem Angehörige des keltischen Stammes der Treverer. Sie versorgten die Garnison mit Lebensmitteln und Alltagsgütern und prägten damit das frühe städtische Leben.

Im Mittelalter entwickelte sich Koblenz weiter zur befestigten Stadt. Eine Stadtmauer umgab den gewachsenen Siedlungskern, sichtbar etwa am markanten Ochsenturm. Diese Mauern dienten dem Schutz vor Feinden, waren aber zugleich Ausdruck städtischer Macht und Unabhängigkeit.

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs wurde im 17. Jahrhundert eine barocke Stadtbefestigung errichtet. Moderne Schanzen ergänzten die mittelalterlichen Mauern und sollten die Verteidigungsfähigkeit erhöhen. Doch bereits zu Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese Befestigung wieder aufgegeben, als Kurfürst Clemens Wenzeslaus sein Residenzschloss errichten ließ und damit den Grundstein für eine städtebauliche Neuordnung legte.

Mit der Entstehung der Koblenzer Neustadt verschwanden einige barocke Befestigungsanlagen. Straßennamen wie „Neustadt“ erinnern noch heute an diese Zeit des Umbruchs, in der Koblenz den Wandel von der befestigten Stadt zur offenen barocken Residenz vollzog.

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Weinbau und Gärten in Koblenz

Im alten Koblenz spielte der Weinbau eine bedeutende Rolle – sowohl für die Bevölkerung als auch für die Klöster und Nonnen. Ein besonders gutes Beispiel dafür sind die Weißer Nonnen in der Weißer Gasse, die aus einem mittelalterlichen Beginenkonvent hervorgingen. Diese Nonnen betrieben hier kräftig Weinbau, was sie zu einer wichtigen Instanz im wirtschaftlichen Leben Koblenz‘ machte. Ebenso engagierten sich die Dominikaner auf der rechten Seite der Gasse im Weinbau, ihr Kloster wurde im Krieg zerstört.

Die Weißer Nonnen waren bei den Koblenzer Wirten nicht sonderlich beliebt. Sie genossen nämlich ein Privileg, das ihnen ermöglichte, keine Abgaben auf den Wein zu zahlen, den sie erzeugten. Während die Wirte daher Abgaben leisten mussten, konnten die Nonnen ihren Wein günstiger verkaufen. Das führte dazu, dass viele Koblenzer lieber zu den Nonnen gingen, um dort ihren Wein zu kaufen.

In dieser Zeit waren Grünflächen, Gärten und Weinberge in Koblenz weit verbreitet. Besonders im Falle einer Belagerung oder Kriegszeiten waren diese Flächen von großer Bedeutung, da sie den Menschen ermöglichten, sich weiterhin zu ernähren. Es war nicht nur eine praktische Notwendigkeit, sondern auch ein wertvolles Zubrot in Friedenszeiten. Das Anpflanzen von Gemüse oder das Halten von Ziegen hinter den Häusern war für viele Koblenzer von großer Bedeutung.

Im 18. Jahrhundert war die Situation jedoch nicht für alle Handwerker rosig. Besonders die Schuhmacher litten unter einer Überbevölkerung in ihrer Zunft. Bei einer Bevölkerung von etwa 4.000 bis 5.000 Menschen in Koblenz gab es nahezu 100 Schuhmacher, was eine enorme Konkurrenz für die wenigen verfügbaren Aufträge bedeutete. Die Schuster zählten zu den ärmsten Berufsgruppen in der Stadt, während die Metzger und Bäcker aufgrund ihrer Arbeit mit Nahrungsmitteln bessergestellt waren. Der Wohlstand und das tägliche Leben in Koblenz waren somit stark von den wirtschaftlichen Verhältnissen und den sozialen Unterschieden geprägt.

Skelettfunde vom alten Friedhof in Koblenz

Anfang der 1980er Jahre, beim Erdaushub für das heutige Löhr-Center, stieß man auf zahlreiche Skelettfunde in dem Bereich zwischen der Herz-Jesu-Kirche und dem Citybahnhof. Schnell machten wilde Gerüchte die Runde, bis sich schließlich auch die Kriminalpolizei einschaltete und beim Stadtarchiv nachfragte.

Mithilfe alter Karten konnte eindeutig geklärt werden, dass die Skelette von einem historischen Friedhof stammten, der dort seit 1777 existierte. Dieser Friedhof ist im frühen 19. Jahrhundert durch einen neuen ersetzt worden: den heutigen Hauptfriedhof am Abhang der Karthause, am Beatusberg.

Der Umzug auf diesen neuen Friedhof erfolgte auf Anordnung der preußischen Verwaltung. Er war bemerkenswert, weil er als einer der ersten gemischtkonfessionellen Friedhöfe der Region eingerichtet wurde – eine Neuerung, die bei der katholischen Kirche zunächst auf erheblichen Widerstand stieß.

Diese Episode zeigt anschaulich, wie wertvoll historische Karten und Archivunterlagen für die Klärung von Fragen der Stadtgeschichte – und gelegentlich auch bei Kriminalfällen – sein können.

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Horchheim in den Archiven

Für die historische Forschung zu Horchheim ist die Überlieferungslage etwas speziell: Seit 1937 gehört Horchheim offiziell zu Koblenz. Für die Zeit von 1815 bis 1937 ist das Stadtarchiv Koblenz ebenfalls zuständig, da die Bestände der ehemaligen Bürgermeisterei Ehrenbreitstein (zu der Horchheim gehörte) vom Landeshauptarchiv Koblenz an das Stadtarchiv abgegeben wurden.

Für die Zeit vor 1815 (also aus kurtrierischer und nassauischer Zeit) muss man im Landeshauptarchiv Koblenz recherchieren. Dort befinden sich Unterlagen der damals zuständigen Ämter und Behörden.


Dank an den Referenten

Zum Abschluss des sehr informativen und abwechslungsreichen Vortrags bedankte sich der Vorsitzende der Heimatfreunde Horchheim, Andreas Weber, im Namen aller Anwesenden herzlich bei Herrn Koelges. Als kleines Zeichen der Anerkennung überreichte er zwei Flaschen Wein – leider nicht mehr der „Hoschemer Rude“ aus dem Jahrgang 1920, wie scherzhaft bemerkt wurde, aber dennoch eine besondere Aufmerksamkeit. Der Referent freute sich sichtlich über das Präsent und in lockerer Runde klang der gelungene Nachmittag aus.

Ausklang im historischen Weinhaus

Nach dem Vortrag begaben sich die Heimatfreunde in das traditionsreiche „Weinhaus Hubertus“, erbaut im Jahr 1689, wo der Abend in gemütlicher Atmosphäre seinen Ausklang fand. Das Weinhaus-Team sorgte mit herzlicher Gastfreundschaft dafür, dass sich alle rundum wohlfühlten. In der geschichtsträchtigen Umgebung schmeckten die frisch zubereiteten Speisen besonders gut – begleitet von regionalen Weinen aus der Umgebung von Rhein und Mosel sowie einem Glas Trester.

In bester Gesellschaft ließen die Heimatfreunde die zahlreichen Eindrücke Revue passieren, bevor sie sich, bereichert durch neue Erkenntnisse und anregende Gespräche, wieder auf den Heimweg nach Horchheim machten.


Text © Andreas Weber

Hinweis zur Webpräsenz des Stadtarchivs Koblenz

Das Stadtarchiv Koblenz ist das historische Gedächtnis der Stadt und bewahrt schriftliche Zeugnisse aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Es stellt diese Quellen der Öffentlichkeit zur Verfügung und unterstützt die historische Forschung, Bildungsarbeit und Gedenkkultur.

➡️ Zur Webseite des Stadtarchivs Koblenz

Hinweis zur Webpräsenz des Landeshauptarchivs Koblenz

Das Landeshauptarchiv Koblenz ist das zentrale Archiv für die Ministerien des Landes Rheinland-Pfalz und zugleich das Regionalarchiv für den Norden des Bundeslandes.

➡️ Zur Webseite des Landeshauptarchivs Koblenz

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Einblicke in das Werk von Anton Nikolaus Franck – Die Ausstellung im Ortsmuseum Horchheim

Mit großem Zuspruch fand im März 2025 im Ortsmuseum Horchheim eine besondere Ausstellung statt: Die Heimatfreunde Horchheim widmeten dem 1985 verstorbenen Maler Anton Nikolaus Franck – bekannt als „Horchheimer Maler“ und „Maler von Alt-Koblenz“ – eine eigene Schau. An vier Sonntagen zog die Präsentation zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und rückte das vielfältige Werk des Künstlers, das tief in der Region verwurzelt ist, in den Fokus.

Francks Schaffen umfasst Blumenstillleben, Landschaften, Porträts und Reiseimpressionen – vor allem aber Szenen aus seiner Heimat an Rhein und Mosel. Seine Bilder bestechen durch eine klare gegenständliche Sprache, harmonische Farbgebung und eine expressive Handschrift, die an van Gogh erinnert – besonders in seinen Sonnenblumenmotiven, die zu seinem Markenzeichen wurden.

Anton Nikolaus Franck hielt mit großer Zuneigung die Landschaften und Szenen des Alltags in seiner Umgebung fest – ein Blick auf die Heimat, geprägt von Sensibilität und handwerklicher Präzision. Neben Werken aus dem Bestand der Heimatfreunde trugen auch zahlreiche Leihgaben engagierter Horchheimer Bürgerinnen und Bürger dazu bei, ein lebendiges und facettenreiches Bild dieses außergewöhnlichen Künstlers zu zeichnen.

Die Ausstellung vereinte rund 70 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers und bot so einen eindrucksvollen Überblick über sein vielseitiges Œuvre. Der Bogen reichte von frühen Zeichnungen bis hin zu ausdrucksstarken Gemälden und fein abgestimmten Aquarellen, die seine künstlerische Entwicklung und thematische Bandbreite sichtbar machten.

Ein Hinweis auf dem Ausstellungsflyer lautete: „Eintritt frei – nicht barrierefrei“. Die Ausstellungsräume im ersten Obergeschoss des Ortsmuseums waren nur über eine schmale, steile Treppe erreichbar – wie es für ein historisches Gebäude dieser Art typisch ist. Für manche Besucherinnen und Besucher stellte dies eine kleine Herausforderung dar, die jedoch vielfach in Kauf genommen wurde, um die besondere Atmosphäre und die kunstvolle Präsentation im Ortsmuseum zu erleben.

Ein Rundgang durch das Werk von Anton Nikolaus Franck

Heinrich-Fischer-Zimmer

Der Rundgang beginnt im Heinrich-Fischer-Zimmer, das vom Licht der „Sonnenblumen“ erfüllt scheint – einem zentralen Motiv im Werk Anton Nikolaus Francks. Gleich sieben Sonnenblumenbilder hängen dicht beieinander, darunter „Sonnenblumen in brauner Vase“ (1962), „Sonnenblumen in blauer Vase“ (1971) und „Fünf Sonnen im Reigen“ (1972). Die kraftvollen Gelb- und Orangetöne bringen eine warme, fast heitere Atmosphäre in den Raum und zeugen von Francks lebenslanger Faszination für diese „Sonnenkinder“.

Dazwischen leuchten florale Kompositionen wie „Blütenzauber in Gelb“ (1969), „Blumen der Sonne“ (1973) und das poetische „Sonnenlicht in Blüten“ (1975). Diese Werke zeigen: Franck malte Blumen nicht nur als dekoratives Motiv – sie waren für ihn Ausdruck von Lebensfreude, Licht und Farbe.

Ein Kontrast dazu findet sich in den filigranen Stadtansichten: In zarten Aquarellen wie „Koblenzer Schiffsbrücke und Festung Ehrenbreitstein“ (1977), „Rathaus und Schängelbrunnen“ (1976) oder „Horchheimer Eisenbahnbrücke“ (1977) verewigt Franck seine Heimatstadt mit dokumentarischem Blick und künstlerischer Feinfühligkeit.

Landschaft und Architektur verbinden sich in Werken wie „Romanisches Haus in der Emser Straße“ (1964), „Kamp am Rhein bei Boppard“ (1968) oder „Vallendar Hellenstraße“ (1974). Besonders berührend ist die Tuschezeichnung „Schiffsunfall an der Horchheimer Brücke“ von 1921 – eines der frühesten Werke in dieser Ausstellung.

Einen besonderen Platz nahm das Werk „Melkende Nonnen“ (~1924) ein – eine Leihgabe von Marita und Hermann Warnke. Die in Mischtechnik ausgeführte Arbeit (410 x 320 mm) gehört zu den feinsten und detailreichsten Darstellungen Francks. Sie zeigt zwei Nonnen bei der Arbeit auf einem Bauernhof, vertieft in den alltäglichen Vorgang des Melkens. Mit großer Sorgfalt in der Linienführung und liebevoller Beobachtung der Szene gelingt es Franck, einen stillen Moment aus der ländlichen Arbeitswelt einzufangen – ein zugleich ungewöhnliches und berührendes Motiv, das in seiner präzisen Ausführung und kompositorischen Balance zu den herausragenden Stücken der Ausstellung zählt.

Auch Horchheimer Szenen sind reich vertreten: „Meesstraße“ (1972), „Haus in der Heddesdorfstraße“ (1977) oder „Ehemaliges Hotel Holler“ (1977) zeigen eine dörfliche Welt im Wandel. Die „Rotbuche im Mendelssohnpark“ (1972) oder „Platane und Rotbuche“ (1978) lenken den Blick auf die Natur direkt vor der Haustür des Künstlers.

Stillleben wie das „Stillleben mit Blumen in Krugvase“ (1975) oder das lichtdurchflutete „Wohnzimmer im Haus Emser Straße“ (1970) zeigen schließlich Francks Gespür für Innenräume und Atmosphäre – ein Thema, das in „Omas gute Stube“ weitergeführt wird.

Omas gute Stube – „die Gut Stuff“

Der zweite Raum der Ausstellung – „Omas gute Stube“ – vermittelt eine intimere, fast wohnliche Atmosphäre. Hier hängen vor allem kleinere Formate, Porträts und familiäre Szenen. Besonders hervorzuheben ist das Bild „Meesstraße 7 mit Blick auf das Atelier von Maler Franck“ (~1930) – eine stille Hommage an den Ort seines künstlerischen Schaffens.

Die Porträts von seiner Frau Maria Anna Franck geb. Müller (1930) und deren Großvater Nikolaus Mandt (1921 & 1928) zeigen den zeichnerisch versierten Franck, der mit sicherem Strich die Persönlichkeit und Würde seiner Modelle einfängt.

Auch hier dürfen Sonnenblumen nicht fehlen: Werke wie „Zwei Sonnenkinder“ (1975), „Sonnenaugen“ (~1970) oder „Sonnenstern und Physalis“ (1979) setzen den floralen Bogen aus dem ersten Raum fort – diesmal zarter, ruhiger, manchmal fast meditativ.

Daneben finden sich viele Horchheimer Motive, etwa „Mendelssohn-Allee“ (1971), „Maulbeerbaum in der Kirchstraße“ (1969) oder die stimmungsvolle Ansicht „Blick auf die Pfarrkirche St. Maximin aus der Kirchstraße“ (1967 und 1971). Besonders charmant ist das kleine Aquarell „Horchheim Bornsgasse“ von 1940.

Ein Hauch von Mystik durchweht „Winteridylle“ (1924), und in „Koblenz und Ehrenbreitstein“ (1978) oder „Horchheim vom Mendelssohnpark aus gesehen“ (1983) findet der Betrachter wieder zurück in die Weite des Rheinlands.

Kirchenmalerei – ein wenig bekannter Werkbereich

Ein oft übersehener Aspekt seines Werkes ist Francks Beitrag zur Kirchenmalerei. Bereits kurz nach seiner Hochzeit mit der Horchheimerin Maria Müller im Jahr 1921 wurde er mit ersten Ausmalungen in der Pfarrkirche St. Maximin in Koblenz-Horchheim betraut. Er arbeitete dabei eng mit Pastor Zimmermann und dem Bonner Kunstprofessor Willy Stücke zusammen. Trotz der schwierigen Zeit der Inflation unterstützte Franck die umfangreichen Wandmalereien im Chorraum mit großem persönlichen Einsatz – sogar bis hin zur Farbmischung aus eigenen Beständen, als dem Professor die Mittel ausgingen.

Im Ausstellungsheft der Heimatfreunde ist ein schreibmaschinengeschriebenes Zeugnis aus dem Jahr 1939 abgebildet:

Anton Nikolaus Franck – Ein Maler mit Herz und Handwerk

„Die Ausstellung war sehr interessant – ich finde es wunderbar, dass so etwas hier in Horchheim möglich gemacht wurde.“ So lautete eine der vielen positiven Rückmeldungen zur Werkschau von Anton Nikolaus Franck. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich mehr Zeit, um in Ruhe in die Bilderwelt einzutauchen und die Geschichten hinter den Gemälden zu entdecken. Besonders geschätzt wurden auch die ergänzenden Exponate des Ortsmuseums, die mit großer Liebe zum Detail ausgewählt und präsentiert wurden.

Kunst und Atmosphäre im Einklang

Die Ausstellung „Der Horchheimer Maler – Anton Nikolaus Franck“ überzeugte nicht nur durch die Qualität der gezeigten Werke, sondern auch durch die stimmige Präsentation im liebevoll eingerichteten Ortsmuseum. Die Heimatfreunde Horchheim e.V. haben mit großem Engagement eine Schau realisiert, die dem Publikum einen lebendigen Zugang zum Werk eines regional bedeutsamen Künstlers ermöglichte – zwischen expressiven Blumenstillleben, stillen Stadtansichten und persönlichen Erinnerungsbildern.

Ein Ort der Kunst, der Geschichte und der Begegnung – so zeigte sich das Ortsmuseum Horchheim im Frühjahr 2025.

Ein besonderer Dank gilt der Familie des Künstlers, insbesondere Renate Struth, der Tochter von Anton Nikolaus Franck, sowie seinem Enkel Helge Struth. In mehreren Gesprächen gewährten sie den Heimatfreunden Horchheim wertvolle Einblicke in das Leben und Schaffen des Malers und unterstützten das Ausstellungsprojekt mit großer Offenheit und herzlicher Bereitschaft. Viele persönliche Erinnerungen und Hintergründe konnten so in die Präsentation einfließen und haben der Ausstellung eine besondere Authentizität verliehen.

Im Anschluss an die Ausstellung entstand in den Räumen des Ortsmuseums ein Fotoporträt von Frau Struth, das unser Fotograf Lothar Stein im Rahmen eines eigenen Termins anfertigte – ein stiller und zugleich lebendiger Abschluss dieser gelungenen Hommage an Anton Nikolaus Franck und seine Familie.

Text © Andreas Weber

Ausstellungsansichten


Werkverzeichnis Anton Nikolaus Franck – Der Horchheimer Maler

Im Rahmen der Ausstellung der Heimatfreunde Horchheim im März 2025 wurden 70 ausgewählte Werke des Malers Anton Nikolaus Franck präsentiert. Alle Abbildungen und Inhalte des Werkverzeichnisses sowie ergänzende Arbeiten sind online auf museum-digital Rheinland-Pfalz zugänglich.

Die digitale Sammlung umfasst folgende Themenbereiche:

Alternativ steht ein umfangreiches, 158-seitiges Werkverzeichnis zur Ausstellung als PDF-Datei zum Download bereit. Die Datei enthält die Gemäldereproduktionen von Lothar Stein, Werkbeschreibungen sowie weitere Informationen und ist für die Ansicht im Doppelseitenmodus optimiert, um ein besonders lesefreundliches Layout zu bieten.






Männerchor 1883/1912 Koblenz-Horchheim

Chor-, Solisten- und Instrumentalkonzert des Männerchores Koblenz-Horchheim am 26. Januar 2025 in der Pfarrkirche St. Maximin

von Dr. Dietmar Flach

Für sein diesjähriges Konzert zum Jahresauftakt hatte der Chor das Konzertorchester Koblenz zu Gast. Unter Stabführung seines Dirigenten Christoph Engers leitete es den Abend mit einer „Festmusik der Stadt Wien“ von Richard Strauß ein. Im Arrangement für Bläser von Eric Banks stimmte sie damit das Publikum gleich zu Beginn auf volle Klangerlebnisse ein. Die wiederholten sich im 5. Satz der „Sinfonie Nr. 1“ des Niederländers Johan de Meij. Seine anfänglich hervortretende Rhythmik entwickelte eine Dynamik, die auch in die nachfolgend getragenen Passagen hinüber wirkte und den musikalischen Ablauf in gleichmäßigem Fluss hielt. Diese belebende Abwechslung begegnete auch in der folgenden Stückeauswahl wieder, in Karol Svobodas lebhaften „Drei Nüsse(n) für Aschenbrödel“ und Guido Rennerts ruhiger Betrachtung „What a wonderful World“ mit seinem von Falco Sayn einfühlsam gespielten Flügelhornsolo. Für die musikalischen Darbietungen, wie für die jeweils passende Moderation durch Bernhard Meffert, war der begeisterte Applaus des Publikums die unausweichliche Folge.

Maria Streltsova – als Begleiterin am Klavier dem Chor seit vielen Jahren eine verlässliche Stütze – begeisterte vor allem als Solistin am Klavier mit einem „Fantasie-Impromptu“ von Frédéric Chopin und einem weiteren Fantasiestück, dem „Aufschwung“ von Robert Schumann. Hingerissen haben sie und der Chorleiter Wassily Kotykov ihr Publikum mit einer erst vor Konzertbeginn spontan erprobten vierhändigen Improvisation Carioca auf dem Klavier. Sprühender musikalischer Einfallsreichtum, gewürzt mit scherzhaften Einlagen in brillantem Spiel, lösten wahre Begeisterungsstürme aus und trugen zur insgesamt fröhlichen Gesamtstimmung des Abends wesentlich bei.

Der Chor überzeugte auch diesmal wieder durch differenzierte Intonation, die er sich unter Wassily Kotykovs Leitung in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Das zeigte sich schon in den höchst unterschiedlichen Opernchören „O Isis und Osiris“ von Mozart und in Verdis Triumphmarsch aus der Oper „Aida“, aber auch in der übrigen, höchst abwechslungsreich ausgewählten Literatur, so in den geistlichen Gesängen von Knut Nystedt „I will praise thee, o Lord“, in Willy Trapps „Lobt den Herrn der Welt“ nach Henry Purcells „Trumpet Voluntary“, mit Orgel- und Trompetenbegleitung durch Christoph Engers und Marco Leicher, und schließlich in Rudolf Deschs „Herr, lasse mich dabei sein“. Das zeigte sich ebenso in den eher ruhigen Liedern „Im Abendrot“ von Franz Schubert und im „Hochsommerabend“ von Richard Würz. Mit dem „House of the rising sun“ von Bob Dylan und „You’ll never walk alone“ im Arrangement von Richard Rodgers hat sich der Chor jüngerer Literatur aus der Gattung der Songwriter zugewandt und auch darin überzeugen können.

Überzeugt hat auch das aus dem Chor hervorgegangene Gesangsquartett mit Martin Jung (1. Tenor), Thomas Krekeler (2. Tenor), Andreas Höhler (Bariton) und Hajo Ruof (Bass). Mit der schlesischen Volksweise „Vom Schlaraffenland“ und Billy Joels „She’s always a woman to me“ präsentierten die Sänger folkloristische Spielelemente ebenso eindrucksvoll, wie sie stimmlich ausdrucksstark und präzise in der gesanglichen Widergabe voll überzeugten. Ein begeistertes Publikum belohnte ihren Einsatz reichlich mit Beifall.

Die musikalische und organisatorische Gestaltung des Abends lag wieder in den bewährten Händen des Chorleiters Wassily Kotykov und des 1. Vorsitzenden Jopa Schmidt, der die Darbietungen mit seiner informationsreichen und humorvollen Gesamtmoderation begleitete.


Zur Geschichte des Männerchores 1883/1912 Koblenz-Horchheim

von Jopa Schmidt

Die Geschichte des Chores ist eigentlich älter als es die im Vereinsnamen zementierten Jahreszahlen angeben. So wird nämlich am 4. November 1847 die Gründung eines Gesangvereins aus 60 größtenteils erwachsenen Mitgliedern vermeldet, der von Lehrer Becker geleitet wurde. Am 25. März 1848 nahm dieser Gesangverein an der feierlichen „Aufpflanzung der deutschen Nationalfahne“ teil.

100 Jahre später wurde der Männerchor 1883/1912 Koblenz-Horchheim am 29. September 1948 im Turnerheim als Zusammenschluss aus drei Gesangvereinen gegründet. Bei der Gründungsversammlung setzte man das Jahr 1883 – seit diesem Jahr existierte der „erste weltliche“ Gesangverein in Horchheim – als Gründungsjahr fest, so dass der Chor 1983 sein 100-jähriges Bestehen feiern konnte und seit dieser Zeit auch Träger der Zelter-Plakette ist. Von der Existenz des 1847 gegründeten Gesangvereins wusste man wohl nichts mehr und über die Tatsache, dass der Gesellenchor schon 1877 gegründet worden war, konnte damals kein Konsens erzielt werden.

In den Folgejahren konnte der Chor große gesangliche Erfolge unter seinem Dirigenten Josef Over bei den Wettstreiten in Holzheim (1951), Kelkheim (1953) und Koblenz-Neuendorf (1956) verzeichnen. Höhepunkte in der Vereinsgeschichte waren auch die Teilnahme am Bundessängerfest in Essen (1964) und die Konzertreisen in die französische Partnerstadt Nevers (1965 und 1974), zu den französischen Freunden nach Arras (1967, 1971 und 1978) und in die englische Partnerstadt Norwich (1987). Unvergessen auch der Besuch der Freunde aus Arras in Horchheim (1968, 1972 und 1981).

Seit 1971 stand der Chor unter der musikalischen Leitung von Musikdirektor ADB Adolf Wirz, Urbar. Während dieser Jahre konnten die Sänger mit ihrem Dirigenten und unter den Vorsitzenden Heinz-Josef Jung und Theo Wollbrink große Erfolge erzielen. Zweimal errang man den Titel eines Meisterchores im Sängerbund Rheinland-Pfalz: 1976 in Siershahn und 1981 in Idar-Oberstein. In diese Zeit fallen auch die Jubiläen des Chores aus Anlass der 90-Jahr-Feier (1973) bzw. des 100jährigen Bestehens (1983). Musikalische Glanzlichter waren die zahlreichen Chor-, Solisten- und Instrumentalkonzerte. Im Februar 1994 endete nach 23 Jahren die Tätigkeit von Adolf Wirz als Dirigent, ihm folgte am 1. März Viktor Gabedow aus Odessa/Ukraine.

Seit August 2013 ist Wassily Kotykov, geboren in Dnjepropetrovsk/Ukraine, neuer Chorleiter, der in kurzer Zeit positive Akzente setzen konnte. Sein Credo: Man kann auch mit wenigen Sängern gut singen kommt bei den Sängern gut an.

Zurzeit sind wir noch 23 aktive Sänger. Wer Lust und Zeit hat, ist herzlich gern eingeladen, bei uns mitzumachen.

Kontakt:

Männerchor 1883/1912 Koblenz-Horchheim
1. Vorsitzender Hans Josef Schmidt
Bächelstr. 7, 56076 Koblenz; 0261-408563; jopa.schmidt@gmail.com


Horchheimer Kirmes Magazin 2008 — 125 Jahre Männerchor 1883/1912 Koblenz-Horchheim




Rückblick auf die Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“

Hoschemer Käs

Am 3. November 2024 luden die Heimatfreunde Horchheim zur traditionellen Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“ in die Schützenhalle ein.

Mehr als 60 Gäste nutzten die Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen Eindrücke aus der Horchheimer Geschichte und Gegenwart zu erleben.

Die 2. Vorsitzende der Heimatfreunde, Mechthild Hof, begrüßte die Gäste herzlich in der Schützenhalle. Zu Beginn gedachten die Anwesenden des kürzlich verstorbenen Ehrenmitglieds Helmut Mandt, der die Vorbereitung dieses Nachmittags noch tatkräftig unterstützt hatte. Anschließend führte Jopa Schmidt in bekannt guter Manier durch die Veranstaltung.

Präsentiert wurde der neue Heimatfreunde-Kalender 2025 mit stimmungsvollen Aufnahmen aus Horchheim, der vor Ort erhältlich war. Es folgte der Reisebericht von Helmut Mandt mit eindrucksvollen Fotos aus den 50er Jahren von einer Ferienfahrt der Katholischen Jugend. Sein Freund Karl-Walter Fußinger, der damals dabei war, moderierte die Bilderserie von der Zugspitzbesteigung 1954. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildeten die Aufnahmen von Lothar Stein zur 800-Jahr-Feier der Pfarrgemeinde St. Maximin in Horchheim, die einen lebendigen Rückblick auf dieses besondere Ereignis sowie weitere Bilder aus seinem Archiv boten.

Der Nachmittag bot sowohl Gelegenheit zu nostalgischen Rückblicken als auch zu geselligem Austausch. Die Heimatfreunde Horchheim danken allen Gästen für ihre Teilnahme und Unterstützung und freuen sich auf weitere gemeinsame Veranstaltungen.


Kalender 2025

Der Heimatfreunde-Kalender 2025 zeigt in 12 ausgewählten Fotografien das Leben und besondere Momente in Horchheim. Ein besonderer Dank gilt den Fotografen des diesjährigen Kalenders: Lothar Stein, Elvi Ziegler-Mathäy, Herbert Gauls und Jürgen Dewald. Ausgewählt wurden die Motive von Mechthild Hof, Helmut Mandt und Andreas Weber.

Die Titelseite zeigt den Umzug der Horchheimer Kirmes mit einem prächtigen Pferdegespann in der Mendelssohnstraße. Im Januar begrüßt ein Schneemann vor dem Pfarrhaus den Winter, und der Februar erinnert an den Horchheimer Carneval Verein vor 40 Jahren mit einem Bild der Prinzenpaare von 1985.

Der März zeigt das Frühlingserwachen im Mendelssohnpark, während der April den Abriss des historischen Sauder-Hauses dokumentiert, ein Stück Horchheimer Geschichte, das verschwindet. Im Mai startet die Radsaison, und der Juni zeigt die Horchheimer Kirmes mit Schaustellern und Attraktionen.

Der Juli bringt eine Sommeransicht des von-Eyß’schen Palais, im August sieht man das Horchheimer Anglerheim vom Schiff aus, und der September stellt das Tor zur Bao Thanh Pagode dar. Der Oktober zeigt die Mendelssohn-Allee im goldenen Licht des Herbstes, gefolgt von einem Bild des Männerchorkonzerts in der Pfarrkirche St. Maximin im November. Der Dezember endet mit einer Winteridylle, die die verschneite Pfarrkirche St. Maximin zeigt.

Der Kalender war schnell ausverkauft und ist ein beliebtes Sammlerstück für Horchheimer und ihre Freunde.


800-jähriges Jubiläum der Pfarrgemeinde St. Maximin in Horchheim

Lothar Stein, Fotograf aus Horchheim, präsentierte eine Auswahl seiner beeindruckenden Fotografien, die unter anderem Aufnahmen aus der 800-Jahr-Feier der Pfarrgemeinde St. Maximin in Horchheim im Jahr 2014 umfassen. Diese Fotos dokumentieren die vielfältigen Feierlichkeiten dieses besonderen Jubiläums, darunter der Festgottesdienst zur Eröffnung, Konzerte, das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Stephan Ackermann und das Pfarrfest in der Emser Straße.

Pfarrfest in der Emser Straße

Karneval und Kirmes im Jubiläumsjahr 2014

Weitere Höhepunkte aus dem umfangreichen Fotoarchiv von Lothar Stein waren der farbenfrohe Horchheimer Karnevalsumzug und die festliche Kirmes, die im Jubiläumsjahr der Pfarrei Koblenz-Horchheim für unvergessliche Momente sorgten.

Sankt Martin in Horchheim

Die Bilderschau bot einen lebendigen Rückblick auf die prägenden Ereignisse des Jahres 2014 in Horchheim, darunter auch die stimmungsvollen Momente des traditionellen Sankt-Martins-Umzugs.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Auswahl der Fotografien, die einen vielfältigen Einblick in die Geschichte und das Leben in Horchheim boten. Einige Besucher entdeckten sich auf den Bildern wieder, was anregende Gespräche und Erinnerungen hervorrief.

Die Veranstaltung fand gegen 17:00 Uhr ihren gelungenen Abschluss. Am Büchertisch konnten die Gäste gegen eine Spende Bücher aus der Sammlung der Heimatfreunde Horchheim erwerben. Die durchweg positive Resonanz unterstrich das große Interesse an den präsentierten Momenten und der lokalen Geschichte.

Andreas Weber





Führung durch die Festung Ehrenbreitstein

29. Juni 2024 | An einem sonnigen Sommertag trafen sich die Teilnehmer der Führung durch die Feste Ehrenbreitstein am Nachmittag vor dem Empfangsgebäude. Gespannt warteten sie auf die Ausführungen des Kunsthistorikers Manfred Böckling, der im Auftrag der Heimatfreunde Horchheim diese Exkursion leitete.

„Wir werden gleich langsam ins Innerste der Festung vorstoßen, auch teilweise durch die Gebäude hindurch. Bis wir dann irgendwann im Bereich des Oberen Schlosshofes ankommen, werden wir noch einige Räume von innen sehen. Sie werden einiges über die Verteidigung der Festung, den Alltag der Soldaten und vieles mehr erfahren“, so Manfred Böckling.

Die Führung durch die Festung Ehrenbreitstein beginnt ganz unspektakulär: Die Teilnehmer benötigen lediglich ihr Ticket, um die Sperren zu passieren und sich vor den Toren der Festung zu versammeln. Trotz einiger Treppen und gelegentlicher Notwendigkeit zu improvisieren, z.B. mit Aufzügen, herrscht gute Stimmung unter den maximal 30 Teilnehmern.

Einige der Anwesenden erinnern sich an frühere Zeiten, als die Festung in deutlich schlechterem Zustand war und als Abenteuerspielplatz diente. Damals konnte man überall frei herumlaufen, und der Kuppelsaal, in dem sich ein veraltetes Café befand, hatte seinen eigenen, nostalgischen Charme. Heute ist die Festung gut restauriert, für Besucher aber auch teurer geworden.

Mit der Bundesgartenschau 2011 wurden zahlreiche neue Einrichtungen und Attraktionen geschaffen. Eine davon ist die Klanginstallation, die den damaligen Soldatenalltag akustisch nachempfindet. Die Installation soll den Besuchern einen Eindruck vermitteln, wie das Leben in der Festung geklungen hat, und so die historische Atmosphäre wieder aufleben lassen.

Von der Römerzeit bis heute

Die Festung Ehrenbreitstein, ein strategischer Punkt über dem Rhein, blickt auf eine 5000-jährige Geschichte zurück. Bereits in der Antike war der Felsen befestigt. In der Römerzeit befand sich hier ein militärischer Vorposten, der vom 2. bis zum 5. Jahrhundert bestand.

Im Mittelalter wurde die Anlage vom Erzbischof von Trier im 12. Jahrhundert stark ausgebaut. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen begann um das Jahr 1520 der Ausbau zu einer wehrhaften Festung. Trotz zahlreicher Angriffe, insbesondere nach der Französischen Revolution, fiel die Festung erst 1799 und wurde 1801 von den Franzosen gesprengt.

Nach einer Phase der Ruinen übernahm Preußen 1815 das Rheinland und begann mit dem Wiederaufbau. Ab 1817 wurde die Festung in nur elf Jahren komplett neu errichtet und bis 1918 als militärischer Stützpunkt genutzt. Seit den 1920er Jahren steht die Festung unter Denkmalschutz und ist heute ein bedeutendes Kulturdenkmal.

Aufbau der Anlage

Die Festung Ehrenbreitstein ist nach Norden am stärksten ausgebaut, weil vom dort am ehesten ein Angriff möglich war. Die übrigen Seiten waren aufgrund der steilen Hänge nur schwer anzugreifen. Diese natürliche Abwehr wurde durch eine mehrschichtige Verteidigungsstruktur ergänzt. Im Norden bot ein gestaffeltes System aus gedecktem Weg, zwei Wällen mit vorgelagerten Gräben eine starke Verteidigungslinie. Angreifer wären auf diesem Weg ständig dem Kreuzfeuer ausgesetzt gewesen, ohne Deckung finden zu können.

Die steilen Hänge auf den anderen Seiten der Festung machten direkte Angriffe nahezu unmöglich. Das Rheinufer und die Hangseite wurden durch zusätzliche Bauwerke wie den Johannesturm gesichert. Die Zufahrt zur Festung, der Felsenweg, war durch fünf starke Tore geschützt und führte direkt ins Zentrum der Anlage.

Auf der Angriffsseite blicken uns meist 2 Meter dicke Mauern entgegen. Die beeindruckende Kombination aus natürlicher und baulicher Verteidigung machte die Festung zu einem schwer einnehmbaren Bollwerk.


Feldtor

Beim Betreten der Festung Ehrenbreitstein passieren die Teilnehmer das Feldtor, das erste von mehreren Toren der Festung. Das Feldtor erhielt seinen Namen, weil es den Zugang zum Vorfeld der Festung gewährleistet. In Zeiten der Belagerung diente es dazu, Ausfälle aus der Festung zu ermöglichen, bei denen Truppen dem Angreifer entgegentreten konnten. Es liegt etwas tiefer, um Truppen Bewegungen aus einer gedeckten Position heraus zu ermöglichen. Ursprünglich waren alle Tore der Festung aus Holz gefertigt; einige dieser historischen Holztore sind noch erhalten. Im Jahr 1874 wurde das Feldtor modernisiert, um es den fortschreitenden Entwicklungen in der Waffentechnik und Munition anzupassen.

Die strategische Position des Tors und die umgebenden Schießscharten sorgten dafür, dass ein Angreifer von verschiedenen Punkten aus beobachtet und beschossen werden konnte. Die Kanonen waren präzise auf das Tor ausgerichtet, um einen direkten Durchbruch zu verhindern. Die Geschützstellungen im oberen Stockwerk ermöglichten es, das gesamte Vorfeld zu beschießen und den Feind auf Distanz zu halten.

Turm Ungenannt

Wir betreten nun den sogenannten „Turm Ungenannt“. Die Tore der Festung Ehrenbreitstein waren durch tiefe Gräben geschützt, wobei der vor dem Turm Ungenannt besonders tief ausfiel. Über diese Gräben führte eine bewegliche Brücke, meist eine Zugbrücke, die mit Ketten und Rollen versehen war. An den Seiten des Tores befinden sich noch immer die Haken, mit denen die Zugbrücke gesichert werden konnte, um den Zugang zu blockieren. Zusätzlich sind massive Eichenholztore eingebaut, die auch Kanonenbeschuss eine Weile standhielten und bis spätestens 1823 installiert wurden.

Der Turm Ungenannt trägt seinen etwas kuriosen Namen aufgrund einer interessanten Anekdote. Reste einer zerschossenen Inschrifttafel aus rotem Sandstein erinnern daran, dass im Juni 1821 ein russischer und ein preußischer Prinz hier gemeinsam gemauert haben. Diese gemeinsame Tätigkeit führte zu der Geschichte, dass man sich nicht einigen konnte, welchem Prinzen das Gebäude gewidmet werden sollte. So entschied man sich humorvoll, den Turm „Ungenannt“ zu nennen.

Der Name selbst hat jedoch eine viel ältere Tradition. Bereits um 1700 existierte hier in der kurtrierischen Festung ein Bauwerk mit dem Namen „Ungenannt“. Der genaue Grund für diese Namensgebung ist nicht überliefert, aber es wird vermutet, dass es vielleicht aus Einfallslosigkeit oder aus anderen, heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen geschehen ist. Diese Anekdote zeigt, dass auch ein Turm, der „Namenlos“ genannt wird, letztlich einen Namen trägt.

Wir gehen nun etwas weiter voran. Auch zwischen den Gebäuden wurden Zugbrücken installiert, um bei Bedarf die Festung schrittweise zu sichern und den Zugang zu kontrollieren.

Hauptwall

Der Hauptwall der Festung Ehrenbreitstein bildete die erste große Verteidigungslinie. Im oberen Stockwerk positionierte man Geschütze, die auf das Vorfeld wirkten. Auf dem Dach waren ebenfalls Geschützstellungen angelegt, hinter einer hohen Deckung aus Erde, der Brustwehr, etwa 5 Meter tief. Zwischen den Geschützstellungen wurden später Traversen errichtet, um seitlichen Beschuss zu verhindern. Das grasbewachsene Dach diente nicht nur der Erdbindung, sondern auch der Tarnung und dem Schutz vor Wasserinfiltration bis zu den Gewölben. Die Außenseiten der Festungswerke blieben meist unverputzt, vermutlich aus Tarnungsgründen, um die Festung von außen weniger auffällig zu gestalten und sie der Sicht des Angreifers ansatzweise zu entziehen.

Ravelin

Genau in der Mitte des Hauptwalls sind wir auf dem Ravelin angekommen.

Der Ravelin der Festung Ehrenbreitstein ist ein spitz zulaufendes Festungswerk, das eigenständig erbaut wurde. Es diente dazu, den Hauptgraben zu verteidigen und direkte Angriffe abzuwehren. Als zentraler Bau des bis 1819 errichteten Hauptwalls schützte der Ravelin die Kurtine, den Bau zwischen den beiden Bastionen des Retirierten Walls, des letzten Walls, und verhinderte das Eindringen des Feindes in den Oberen Schlosshof der Festung. In der deutschen Übersetzung wird der Ravelin auch als Wallschild bezeichnet.

Die Wände hier sind dünn, etwa 2 Meter dick nach außen hin, aber nach innen hin nur etwa 80 Zentimeter. Diese Struktur war darauf ausgelegt, Angreifer daran zu hindern, vernünftige Deckung zu finden, falls sie bis hierher vordringen konnten. Um in die Festung einzudringen, hätten Angreifer versucht, große Lücken, Breschen, in den Wall zu schießen, um dann darüber einzudringen. Das hätte einen großen Schuttkegel im Graben verursacht, über den man hätte klettern können. Ein solcher Vorstoß wäre äußerst schwierig und aufwendig gewesen, besonders da die Verteidiger im letzten Wall ihre Ressourcen konzentriert hätten. Die Landbastion, ähnlich wie die Rheinbastion auf der anderen Seite, verfügt über drei Ebenen mit Schießscharten, die den gesamten Wall und den Graben umfassend unter Beschuss nehmen konnten. Für einen Angreifer war dies keine gute Position, solange die Verteidigung gut aufgestellt war.

Contregarde

Die linke und rechte Contregarde sind Teile des Hauptwalls mit Geschütz- und Wohnkasematten. An den beiden inneren Enden befinden sich Pulvermagazine.

Pulvermagazin

Die Pulvermagazine der Festung Ehrenbreitstein waren strategisch wichtig für die Lagerung von Schwarzpulver. Es wurden strenge Sicherheitsmaßnahmen eingehalten, darunter Sicherheitsschleusen, um Funkenbildung zu vermeiden. Diese Magazine waren gut geschützt und verteilt, um das Risiko einer Explosion zu minimieren. Trotzdem war Schwarzpulver immer eine gefährliche Substanz, wie ein Brand in einem „Friedens-Laboratorium“ in Lützel zeigte. Die Festung hatte mehrere solcher Magazine, die nah an den Geschützpositionen platziert waren, um eine schnelle Versorgung zu gewährleisten.

Früher war die Tür hier immer verschlossen. Rauchen war im Inneren natürlich streng verboten. Die Soldaten durften auch nichts mitbringen, das Funken erzeugen konnte, wie Taschenmesser oder andere Gegenstände. Außerdem mussten sie draußen Filzschuhe über ihre genagelten Stiefel ziehen, um Funkenbildung zu verhindern.

Retirierter Wall

Der Retirierte Wall ist die dritte und innerste Verteidigungslinie der Festung Ehrenbreitstein. Er liegt hinter dem Glacis (Vorfeld) und dem Hauptwall und bildet das letzte große Hindernis vor dem Inneren der Festung. Diese Linie besteht aus dem Retirierten Graben, der Land- und Rheinbastion sowie der Kurtine.

Im letzten Festungsgraben der Festung Ehrenbreitstein waren Angreifer stark benachteiligt. Links und rechts des Grabens ragen die Rheinbastion und die Landbastion empor, jeweils mit drei Ebenen voller Schießscharten, die es ermöglichten, den gesamten Graben ohne Lücken unter Beschuss zu nehmen. Die Kurtine vor ihnen war mit genau 68 Gewehrscharten ausgestattet, die präzise auf den Zugangsweg und den Tunnelausgang gerichtet waren, die Hauptwege für den Eintritt in den Graben. Diese Schutzmaßnahmen wurden strategisch platziert, um potenzielle Angriffe gezielt abzuwehren. Es war offensichtlich, dass die Verteidiger große Anstrengungen unternommen hatten, um die Zugänge zu sichern und die Angriffsmöglichkeiten zu minimieren.

Kurtine

Der Retirierte, d.h. zurückgezogene Graben der Festung Ehrenbreitstein wird von der 18 Meter hohen Kurtine sowie der Rhein- und Landbastion begrenzt. Die Kurtine, ein gerader Verbindungswall mit Gewehr- und Kanonenscharten, verbindet die beiden Bastionen und bildet den Abschluss zum Oberen Schlosshof. Das Tor der Kurtine wird durch 68 Schießscharten und zwei Kanonenscharten gesichert und ist von einem Bogen aus diamantartig geformten Sandsteinblöcken mit einem preußischen Adler aus Gusseisen darüber umrahmt.

Wenn Sie die Kurtine passieren, erreichen Sie den Oberen Schlosshof, das Herzstück der Feste Ehrenbreitstein. Als Besucher gelangen Sie, ähnlich wie ein Angreifer von außen, meist vom Vorfeld aus dorthin. Mögliche Zugänge aus dem Tal sind der „General-Aster-Weg“ sowie der Felsenweg und der Schrägaufzug.

Schlosshof

Der Obere Schlosshof ist das zentrale Herzstück des Ehrenbreitsteins. Der Name „Schlosshof“ bezieht sich auf die historische Bedeutung des Ortes als Teil der Festungsanlage unter dem Kurfürsten von Trier. Die Architektur hier, besonders die Kurtine, die im Prinzip aus drei aufeinandergesetzten Carnotschen Bogenmauern besteht, in der nördlichen Front, erinnert an antike Aquädukte und zeigt den Einfluss des Klassizismus, der bei der Errichtung der Festung als Baustil prägend war. Diese Gestaltung hatte nicht nur ästhetische Gründe, sondern hatte auch praktische Zwecke, wie die Hervorhebung der Hauptwache im Erdgeschoss und des Kommandantensitzes im oberen Geschoss des Pfeilerportikus. Dies sicherte eine klare Orientierung innerhalb der Festung, besonders wichtig für die militärische Organisation und Kommunikation während der Verteidigung.

Exerzier- und Ausbildungsplatz

Der Schlosshof diente nicht nur als zentraler Platz der Festung, sondern auch als Exerzier- und Ausbildungsplatz für die Soldaten. Täglich wurden hier 3 bis 4 Stunden lang Übungen durchgeführt, vor allem in den kühleren Morgenstunden, da der Platz die Hitze stark reflektierte. Der Bodenbelag bestand aus einem speziellen Material, das den genagelten Stiefelsohlen der Soldaten entgegenkam und das Pflastern des großen Platzes überflüssig machte, was teuer und rutschig gewesen wäre. Trotzdem mussten Schlaglöcher regelmäßig mit Kies und Sand gefüllt werden, eine Praxis, die bis heute fortgesetzt wird.

Ursprüngliche Farbfassung

Der Schlosshof wurde wieder komplett nach der ursprünglichen Farbfassung gestaltet, die bereits um 1830 verwendet wurde. Es dominierte ein helles Ocker, das nicht nur den Hof selbst, sondern auch die Rückwände und viele Wände zur Stadt hin prägte. Selbst auf der Feste Franz und dem Fort Asterstein war diese Farbgebung teilweise zu sehen, ebenso auf dem Fort Konstantin. Diese Farbwahl verstärkte die Sichtbarkeit der Festung von innen heraus und unterstrich Preußens militärische Präsenz, die bereits von den Touristen auf dem Rhein aus wahrgenommen werden konnte. Die große Fahne, die auf der Festung wehte, war ebenfalls imposant und betonte die Präsenz der preußischen Streitkräfte.

Festungskirche

Die Festungskirche auf dem Ehrenbreitstein hat eine vielseitige Geschichte hinter sich. Ursprünglich in die Verteidigungsanlagen integriert, diente sie auch als Lagerraum für Pulver und war während des Zweiten Weltkriegs sogar als Autowerkstatt genutzt worden. Nach dem Krieg wurde sie reaktiviert und fungiert seit den 1950er Jahren wieder als katholische Kirche. Die jüngst abgeschlossene Restaurierung erfolgte unter Berücksichtigung ihrer früheren Gestaltung, einschließlich des gelben Anstrichs und der Halbbogenfenster aus Backstein. Heute wird die Kirche für Gottesdienste, aber auch für Vorträge, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

Aussichtspunkt

Die Festung Ehrenbreitstein, die hier am Aussichtspunkt etwa 110 Meter über dem Rhein thront, bietet einen atemberaubenden Blick auf Koblenz und die weit entfernten Landschaften von Hunsrück und Eifel.

Ich möchte Ihren Blick doch noch mal kurz in die Rheinlandschaft in unserer Stadtlandschaft lenken. Wir haben uns jetzt intensiv mit dem Ehrenbreitstein beschäftigt. Der stand aber nicht alleine da. Ganz Koblenz wurde von Festungswerken umschlossen, um den Zusammenfluss von Rhein und Mosel mit seiner hohen strategischen Bedeutung auch lückenlos verteidigen zu können. Ich will nur kurz einige der Festungswerke noch mal andeuten. Links auf der Höhe, auf der Karthause, lag die umfangreiche Feste Kaiser Alexander. Darunter sehen Sie auf halber Höhe noch das Fort Konstantin mit dem gelben Kehlturm. Dann war die Stadt befestigt, der Stadtwall begann in Höhe der Pfaffendorfer Brücke. Er schlug einen Viertelkreis bis in Höhe der Moselbrücken. Wenn Sie von den Moselbrücken aus nach rechts schauen, sehen Sie da auf ein Uhr noch im Hang auf dem Petersberg die Feste Kaiser Franz, die jetzt wieder sehr schön freigestellt ist, ähnlich wie teilweise das Fort Asterstein hier südlich des Ehrenbreitsteins. Wir wissen inzwischen, dass auch die Feste Franz zur Stadt hin teilweise hellgelbe Mauern zeigte, das heißt, sie war ähnlich sichtbar wie der Ehrenbreitstein hier oben, also: wer durch das Stadtgebiet unterwegs war, hat diese mächtige Festung auch wahrgenommen. Dazu gehörten auch die Touristen. Ab etwa 1820 kam der Tourismus wieder ins Rheinland und die Touristen besuchten auch den Ehrenbreitstein.

Nach dem Abschluss der Führung bedankten wir uns herzlich bei Manfred Böckling für seinen ausgezeichneten Vortrag. Auch das Wetter spielte heute wunderbar mit und trug zur positiven Stimmung bei. Helmut Mandt erinnerte die Teilnehmer freundlich an die Möglichkeit, den Verein mit einer kleinen Spende zu unterstützen. Die hohe Beteiligung hat uns sehr gefreut, und wir hoffen, dass Sie die Führung ebenso genossen haben wie wir. Bis zum nächsten Mal!

Im Anschluss verweilten die Teilnehmer noch gemütlich im Panoramacafé oder bei der Jugendherberge. Bei einem kühlen Bier oder einem erfrischenden Getränk genossen sie den herrlichen Panoramablick auf Koblenz und das Deutsche Eck, den Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Die Atmosphäre war harmonisch, und alle waren sich einig, dass es eine rundum gelungene Veranstaltung der Heimatfreunde war.


Stichwortverzeichnis

Ausstellung „Stationen der Festungsgeschichte“

Die Ausstellung im Turm Ungenannt zur Geschichte des Ehrenbreitsteins führt von den Anfängen als vorgeschichtliche Wehranlage um 1000 vor Christus und als römischer Militärposten ab dem 2. Jahrhundert, der eine wichtige Rolle bei der Grenzsicherung spielte, bis hin zur Umwandlung in eine mittelalterliche Burg unter Erzbischof Hillin im 12. Jahrhundert. Hillin ließ die Burg mit tiefem Graben, mächtigen Mauern und einem charakteristischen fünfeckigen Bergfried ausbauen. Die Burg diente sowohl als Residenz als auch als Verwaltungssitz. Im 16. Jahrhundert begann Erzbischof Richard von Greiffenklau, die Burg zu einer modernen Festung auszubauen. Diese Entwicklung führte bis ins 18. Jahrhundert, als die kurtrierische Festung Ehrenbreitstein ihren finalen Ausbauzustand mit umfassenden Festungswällen erreichte. 1626-1629 wurde das Residenzschloss Philipsburg am Fuße der Festung errichtet. Die Festung war ein bedeutender strategischer Punkt, der mehrere Belagerungen überstand, bis sie 1799 kapitulierte. Als Schatzkammer beherbergte sie über lange Zeit wertvolle Reliquien wie den Heiligen Rock. 1801 sprengten die Franzosen die Festung, die später von den Preußen auf den Ruinen wieder aufgebaut wurde, jedoch in kleinerem Umfang als die ursprüngliche Anlage.


Breschbögen

Im Hauptwall der Festung sind viele Breschbögen zu sehen, die dazu dienten, das Brescheschießen zu erschweren. Diese Bögen wurden übereinander angelegt, um das Mauerwerk zu stabilisieren. Ihr Zweck war es, den Angreifern zu erschweren, durch gezieltes Feuern die Mauern zum Einsturz zu bringen. Durch Schießversuche wurde jedoch festgestellt, dass diese Bögen nicht immer effektiv waren. Wenn der Angreifer es schaffte, lange genug zwischen die Bögen zu feuern, verloren sie ihren Halt und brachen zusammen. Aus diesem Grund wurden solche Bögen nicht mehr im letzten Wall errichtet, der erst nach 1820 gebaut wurde. Vermutlich spielte auch der hohe Kostenfaktor eine Rolle, da diese Bögen tief gemauert und personalintensiv waren. Die Festung erwies sich jedoch als stabil genug, um auf diese teuren Breschbögen zu verzichten, da die starken Gewölbe und Mauern ausreichend widerstandsfähig waren, wie bereits erwähnt.


Festungshaft

Bis 1909 besaß der Ehrenbreitstein eine Festungs-Stubengefangenen-Anstalt zur Verbüßung der Festungshaft. Die Festungshaft war eine ehrenvolle Bestrafung im deutschen Strafgesetzbuch, die noch bis in die 60er Jahre formell existierte, aber nicht mehr angewendet wurde. Sie bot Gefangenen einige Vergünstigungen, wie die Möglichkeit, gute Verpflegung von außerhalb zu erhalten und gelegentlich Stadtspaziergänge zu machen, allein auf Ehrenwort. Politische Sträflinge und Duellanten wurden im 19. Und frühen 20. Jahrhundert häufig zu Festungshaft verurteilt. Das Duell war offiziell verboten, aber weitgehend toleriert. Diese Strafform war eine symbolische Bestrafung und wurde als ehrenvoll angesehen, wie das Beispiel von Alfred von Kiederlen-Wächter zeigt, der 1894 nach einem Duell Festungshaft antreten musste, jedoch nach vier Wochen begnadigt wurde und wieder in den diplomatischen Dienst zurückkehren konnte.

Der Arrest als übliche Militärstrafe war weniger komfortabel als die Festungshaft. Die normalen Arrestzellen waren zwar beheizbar und hatten bestimmte Standards, jedoch waren sie für Soldaten nicht so komfortabel wie für Offiziere, mit unterschiedlichen Strafarten und Bedingungen je nach Schwere des Vergehens.


Festungskrieg

Im Festungskrieg wurden Angriffe äußerst planvoll durchgeführt. Infanteristen wurden nicht wahllos in die Festungen geschickt, da sie zu kostbar waren. Ingenieuroffiziere und andere Offiziere waren gut mit dem Wissen über Festungen vertraut. Beim Eindringen in eine Festung konnten sie sich gut orientieren und wussten, wie sie vorgehen mussten. Trotz regionaler Unterschiede waren europäische Festungen in ihrer Struktur relativ ähnlich. Dies ermöglichte es den Ingenieuroffizieren, klare Angriffsstrategien zu entwickeln und die Infanteristen und Artilleristen entsprechend zu instruieren, bevor die eigentlichen Angriffe begannen. Zunächst wurde oft intensiv mit Kanonen geschossen, bevor die Infanterie eingesetzt wurde. Der Festungskrieg war daher durch eine methodische Vorgehensweise geprägt.


Geschütze der Preußen

Um das Jahr 1830 spielten in preußischen Festungen verschiedene Waffentypen eine entscheidende Rolle, darunter die Haubitze, die neben Mörsern wichtig war. Haubitzen konnten in flachen Bahnen schießen sowie Geschosse im hohen Bogen werfen. Sie verwendeten schwere Eisenkugeln sowie hohle Kugeln mit Schwarzpulver und einer Brandröhre. Letztere zündete das Pulver im Ziel und war besonders verheerend gegen Menschenansammlungen und leichte Befestigungen.

Die Lafetten der Geschütze waren im Königreich Preußen blau gestrichen und erlaubten die flexible Positionierung auf den Festungswällen. Die schwersten Geschütze waren die 24-Pfünder, die 12-kg-Kugeln verschossen. Diese wurden von vorne geladen, eine komplexe Prozedur. Die Kanonen hatten eine Reichweite von bis zu 3-4 Kilometern, wirkten aber am besten auf 1000-1500 Meter. Ihre robusten Gusseisenrohre wurden in Qualitätstests erprobt und konnten über tausendmal ohne Schäden feuern.

Die Kanonen verursachten bei Tests auf Mauern tiefe Trichter und erforderten viele hundert Schüsse für größere Breschen. Spezielle Lafetten wie die niedere Rahmen-Lafette erleichterten die Bedienung. Eisenringe unter den Schießscharten sicherten die Kanonen während des Feuers. Der Zusammenbau der Geschütze erfolgte mit Flaschenzügen, was den technischen und logistischen Aufwand der schweren Artillerie verdeutlichte.

Die Kanone „Greif“ ist ein historisches Symbol der Macht und Stärke, benannt nach dem Fabelwesen, das halb Löwe, halb Adler ist. 1524 gegossen für den Erzbischof von Trier zum Zerstören von Türmen und Mauern, war sie für den Angriff auf Festungen gedacht. Sie verschoss 70 kg schwere Kugeln auf kurze Distanzen, optimal bis etwa 1000 Meter, um mittelalterliche Mauern zu durchbrechen.

Mit einem 4,50 Meter langen Rohr und einem Gewicht von neun Tonnen war der Greif technisch beeindruckend. Er wurde mehrmals nach Paris und zurück transportiert, symbolisierte 1984 bei seiner Rückkehr nach Deutschland die deutsch-französische Freundschaft. Trotz seines prunkvollen Aussehens war der Greif eine funktionale Waffe, mit moderner Konstruktion und typischen Elementen wie Delfinen zum Anbringen von Tauen sowie mit Schildzapfen zum Auflegen auf eine Lafette.


Kasematten

Die Kasematten der Festung Ehrenbreitstein sind moderne Versionen des aus dem Italienischen stammenden Begriffs „Casa matta“, was „mit Erde bedecktes Haus“ bedeutet. Der Begriff wurde später als „casematte“ ins Französische übernommen und ist ein Beispiel für die Übernahme französischer Festungsbautechnik im deutschen Kontext. Die Gebäude sind mit einer bis zu vier Meter dicken Erdschicht bedeckt. Diese Erdschicht sollte Kanonenkugeln abfangen und deren Aufprallenergie reduzieren, um die darunter liegenden Gewölbe zu schützen.


Kulturgutschutzdepot

Die Festungsanlage war ursprünglich bombensicher und schusssicher konstruiert. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dies aufgrund fortschrittlicher Waffentechnik jedoch zunehmend problematisch, und die Koblenzer Festungsanlagen wurden nur begrenzt verstärkt.

Im Zweiten Weltkrieg war die Festung Ehrenbreitstein nicht mehr bombensicher. Sie erlitt insgesamt 20 Bombentreffer, wovon vier die Gebäude direkt trafen. Ein Beispiel hierfür ist eine Fliegerbombe, die im November 1944 vier Kasematten der Langen Linie unbrauchbar machte.

Die Festung hatte damals wenig militärische Bedeutung, obwohl noch drei leichte Flugabwehrgeschütze dort standen. Sie diente hauptsächlich als Kulturgutschutzdepot, wo Museen und Archive aus dem Rheinland und sogar aus Ostfriesland ihre wertvollen Sammlungen aufbewahrten. Der Fokus lag auf Brandschutz, nicht auf Bombenschutz, obwohl nur wenige Bomben direkt die Gebäude trafen, was den Schaden an Archivalien und Museumsgütern relativ gering hielt.

Trümmerschutt lag in der Langen Linie noch bis kurz vor der Bundesgartenschau. Ursprünglich gab es Pläne, die Gewölbe wiederherzustellen, die jedoch nicht umgesetzt wurden.


Lange Linie

Die „Lange Linie“ auf der Festung Ehrenbreitstein ist ein zweigeschossiger langgezogener Kasemattenbau, der parallel zur Zufahrt beim Feldtor verläuft und sich neben dem Turm Ungenannt befindet. Die Lange Linie stellt neben dem Turm Ungenannt mit Geschützen eine weitere Verteidigungsmöglichkeit von der Seite, der Flanke, ins Vorfeld dar.


Soldatenleben

Die Festungsräume, einschließlich der Schießscharten, waren mit verglasten Fenstern ausgestattet. Dies war notwendig, um die Bewohner vor den Elementen zu schützen und eine gewisse Wohnqualität zu bieten. Für die Soldaten, die längere Zeit in der Festung dienten, war dies essentiell. Obwohl die Räume nicht so warm geheizt wurden wie heute üblich, boten sie mit etwa 18 bis 19 Grad Celsius dennoch eine akzeptable Lebensbedingung. Fast jeder Raum war mit einem Kanonenofen ausgestattet, und überall waren Kochnischen in den Festungswerken eingebaut.

Verpflegung

Die Verpflegung der Soldaten war gut organisiert. Ursprünglich sollten sie in ihren Stuben kochen, was jedoch ineffizient war. Stattdessen wurden zentrale Küchen eingerichtet, die mehrere Kompanien versorgten. Diese Küchen wurden von Unteroffizieren oder Köchinnen geleitet und konnten meist bis zu 300 Mann bedienen. Kartoffeln wurden häufig verwendet und vor dem Dienst von zwölf Mann geschält. Mittags gab es kräftige Suppen und Eintöpfe, die Verpflegung war reichhaltig mit viel Fett, Kohlenhydraten und Brot. Jeder Soldat erhielt alle fünf Tage drei Kilogramm Brot und täglich 100 Gramm Fleisch, was über dem Durchschnitt der Normalbürger lag.

Frauen spielten durchaus eine Rolle auf der Festung. Jede Kompanie konnte eine Frau als Köchin oder Wäscherin einstellen. Viele Frauen arbeiteten auch als Marketenderin und betrieben Kantinen, in denen Soldaten alles Notwendige kaufen konnten, wie Schuhcreme, Schnürsenkel und zusätzliche Verpflegung. Diese Frauen waren die Ehefrauen von Unteroffizieren und lebten gemeinsam mit ihren Männern in eigenen Wohnungen innerhalb der Festung.

Wein, Bier und Schnaps

In den preußischen Kernlanden spielte Weinbau keine große Rolle, mit Ausnahme von Gebieten wie Schlesien. Daher war Wein in der Versorgung der preußischen Truppen nicht prominent vertreten. Anfänglich wurden französische Weine für die Stärkung von Kranken im Lazarett und die Versorgung von Offizieren eingelagert, was jedoch zu Verwaltungsprotesten führte. Daraufhin erlaubte eine neue Anordnung aus Berlin auch die Lagerung von Moselwein, was zumindest eine gewisse Vielfalt brachte.

Im preußischen Militär wurden im Kriegsfall auch Zutaten zum Bierbrauen eingelagert, was in Koblenz aufgrund der zahlreichen Brauereien problemlos umsetzbar war. Der Konsum von Schnaps spielte jedoch nur in besonderen Situationen eine Rolle. Nach intensivem Training konnten Soldaten bis zu zwei Zentiliter Schnaps pro Tag erhalten, nach einem heftigen Gefecht waren es vier Zentiliter pro Mann. Der Zweck dieser Allokation war nicht, Soldaten betrunken zu machen, sondern vielmehr, ihre Gesundheit zu stärken und die Moral zu heben. Branntwein war ein alltägliches Getränk in vielen Teilen der Bevölkerung und wurde auch an Wachsoldaten ausgegeben, bis in Berlin beschlossen wurde, dass Kaffee möglicherweise besser geeignet sei. Außerhalb von Kriegssituationen spielte der Konsum von Schnaps keine wesentliche Rolle im preußischen Dienstalltag.


Weblinks

Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein

Sehenswürdigkeiten – Festung Ehrenbreitstein

Festung Ehrenbreitstein oberhalb von Koblenz

Detailgenauer Plan der Kurfürstlichen Festung Ehrenbreitstein

Text und Fotos © Andreas Weber 2024 – Nach einer Transkription des Vortrags von Manfred Böckling
Lektorat: Manfred Böckling




Ein Fenster in die Vergangenheit: Heimatfreunde Horchheim laden zum historischen Vortrag

Horchheim, 26. April 2024 | In der Schützenhalle der Schützengesellschaft Koblenz-Horchheim versammelten sich Mitglieder und Gäste der Heimatfreunde Horchheim e.V. zu einer erwartungsvollen Veranstaltung. Der Veranstaltungsraum war gut gefüllt, und die Teilnehmer waren gespannt auf den bevorstehenden Vortrag mit historischen Fotos, geleitet von Manfred Böckling.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Andreas Weber begann die Veranstaltung pünktlich. Herr Böckling eröffnete den Vortrag mit einer Einladung zu einer Zeitreise. Er versprach, mittels historischer Fotografien ein Bild vom Koblenz des späten 19. Jahrhunderts zu zeichnen und darauf hinzuweisen, welche städtebaulichen Veränderungen sich in dieser Zeit vollzogen haben.

Um 1860 war Koblenz eine preußische Festung und Garnison, was sich deutlich im Stadtbild widerspiegelte. Mehr als ein Drittel der Stadtfläche war Militärgelände, was die Bedeutung der damaligen militärischen Präsenz verdeutlicht.

Prägend für das Stadtbild von Koblenz waren die Festungsanlagen, die in dem Vortrag eindrucksvoll dargestellt wurden. Von der Festung Ehrenbreitstein bis zum Mainzer Tor zeigten die Bilder die beeindruckende Architektur, die das Gesicht der Stadt im 19. Jahrhundert geprägt hat.

Eine der zentralen Sehenswürdigkeiten dieser Zeit war die Schiffbrücke, die auf den historischen Fotografien eine prominente Rolle einnahm. Herr Böckling erläuterte die Funktionsweise der Brücke und wies auf die Herausforderungen hin, denen sich die Fotografen damals stellen mussten, wie z.B. die langen Belichtungszeiten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Vortrags war die Rolle der Fotografie als historisches Dokument. Herr Böckling betonte die Bedeutung von Schwarz-Weiß-Fotografien als authentische Zeitzeugnisse und warnte vor einer Verfälschung durch nachträgliches Kolorieren.

Der Blick von Ehrenbreitstein über die Stadt zeigte eindrucksvoll die militärischen Befestigungsanlagen, die das Stadtbild prägten. Die Festen Kaiser Alexander und Kaiser Franz waren noch intakt, als von 1866 bis um 1910 im Schutz der Feste Franz das umfangreiche Wagenhaus-Gelände für die Fahrzeuge des VIII. preußischen Armeekorps entstand, das bis heute Lützel mitprägt.

Die Stadtbefestigung spielte im 19. Jahrhundert eine entscheidende Rolle im Leben der Koblenzer. Die verschiedenen Stadttore wie das Löhrtor und das Mainzer Tor wurden als wichtige Verkehrsknotenpunkte beschrieben, die nach 1886 im Zuge des Ausbaus des Verkehrsnetzes umgebaut wurden.

Das Deutsche Eck wurde als Teil der Stadtbefestigung betrachtet, bevor ihm bis 1897 das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vorgesetzt wurde und es zu einem nationalen Symbol wurde.

Auf dem Asterstein und der Karthause entstanden Fachwerkkasernen, die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs genutzt wurden. Diese Gebäude waren bewusst leicht gebaut, um im Schussfeld der Festung Ehrenbreitstein sowie der Feste Kaiser Alexander und des Forts Großfürst Konstantin schnell abgerissen werden zu können.

Auch das zivile Leben in Koblenz wird durch Fotografien aus dem späten 19. Jahrhundert illustriert. Prominente Persönlichkeiten ließen sich von Fotografen wie Heinrich Thomas und Fritz Hegmann ablichten, städtische Beamte in Uniform posierten stolz mit ihren Ehefrauen.

Von Ehrenbreitstein aus bot sich ein Überblick über die Stadt, der die markanten Kirchen wie die Kreuzkirche und auf der Koblenzer Seite die Liebfrauenkirche sowie bedeutende zivile Gebäude wie das Amtsgericht und das Priester- und Waisenhaus, das damals als Regierungsgebäude diente, zeigte.

Die Koblenzer Kirchen waren Veränderungen unterworfen. Die Florinskirche trug infolge eines Blitzschadens klassizistische Turmhelme, bis sie 1894 wieder stärker ihrem mittelalterlichen Bild angeglichen wurde, die Kastorkirche ersetzte 1861 ihr klassizistisches Portal durch ein neuromanisches, um ihr mittelalterliches Aussehen zu betonen. Interessant auf den Fotos ist die Lage des Kastorbrunnens, der ursprünglich in der Achse zwischen Kirche und Kastorstraße stand. Der Brunnen wurde später versetzt, um Platz für Parkplätze zu schaffen.

Der Clemensplatz diente der Garnison als Paradeplatz, auf dem regelmäßig Militärparaden abgehalten wurden. Der Platz hat sich im Laufe der Zeit verändert, aber der Obelisk und das Theater erinnern noch an die Vergangenheit.

Die Schlossstraße wurde als Prachtstraße mit stattlichen Bürgerhäusern und Vorgärten angelegt, die heute nicht mehr existieren. Der Blick auf das Schloss zeigt, wie es damals gärtnerisch präsentiert wurde.

Der Kaiser-Wilhelm-Ring und der Kaiserin-Augusta-Ring, heute Friedrich-Ebert-Ring und Moselring, war ein prächtiger Boulevard mit der städtischen Festhalle als Endpunkt. Während die Festhalle im Laufe der Zeit verloren ging, blieben einige markante Gebäude wie die neue Oberpostdirektion erhalten.

Der 1902 vollendete Hauptbahnhof war ein weiteres wichtiges stadtbildprägendes Bauwerk. Leider wurden im Laufe der Zeit einige architektonische Elemente wie die Bahnsteighalle und der zentrale Turmaufbau kriegsbedingt zerstört oder abgebaut.

Die Südliche Vorstadt erfuhr ab 1890 eine grundlegende Veränderung, als die Stadtbefestigung abgetragen wurde und Platz für neues Wachstum geschaffen wurde. Unter der Leitung des Kölner Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben entstanden neue Wohnquartiere mit prägenden Straßenachsen wie der Mainzer Straße und der Hohenzollernstraße.

Die Josefskirche, im Jahr 1897 geweiht, war ein eindrucksvolles Zeichen des katholischen Selbstbewusstseins und wurde bewusst so gestaltet, dass sie das Stadtbild prägte.

Die Mainzer Straße entwickelte sich zu einer Prachtstraße mit historistischen Gebäuden und mächtigen Türmen. Die Entwicklung der Vorstadt war geprägt von Villenbau und einer geplanten Urbanisierung.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die städtebauliche Gestaltung gelegt, um Grünflächen und Bepflanzungen entlang der Straßen zu integrieren. Der Verkehr war damals noch überschaubar, mit wenigen Autos und vorwiegend Kutschen und Straßenbahnen.

Die Kaiserin-Augusta-Anlagen waren ein beliebter Ort für Spaziergänge und Freizeitaktivitäten. Kaiserin Augusta hatte sie gestiftet, um Bürgern aller Schichten die Möglichkeit zu bieten, die Natur zu genießen.

Schließlich wurden die Zuhörer auch in die Laubach geführt, eine Peripherie der Stadt. Das Leben dort war etwas einfacher und noch viele Pferde waren unterwegs, die ihre Spuren hinterließen.

Herr Böckling beendete den Rundgang mit einem Blick auf die Wälder, die bereits um 1900 als Spazierrevier angelegt waren. Die Forsthäuser dienten damals auch als Gastronomiebetriebe für die Besucher. Ein historisches Foto zeigt das Hotel Rittersturz, das bereits als Restauration existierte.

Ein Aussichtsturm auf dem Dommelsberg bot einst einen schönen Blick auf die Stadt, leider gibt es kein Foto davon. Eine Ansichtskarte zeigt jedoch ein Aquarell dieses Turms.

Schloss Stolzenfels zog ebenfalls viele Besucher an, wie eine Aufnahme mit einem modernen Dampfschiff vorbeifahrend zeigt. Der Schriftsteller Victor Hugo beschrieb in seiner Rheinreise die Veränderungen durch die modernen Dampfschiffe, die den einst stolzen Burgen der Ritter ihren Dampf entgegenbliesen.

Wir bedanken uns von Herzen bei Manfred Böckling für seinen inspirierenden Vortrag. Es ist uns eine große Freude, ihn auch im Vorstand der Heimatfreunde Horchheim willkommen zu heißen.

Auf seiner Website, Manfred-boeckling.de, präsentiert Manfred Böckling eine Fülle an Informationen über Koblenz sowie Führungen durch die Stadt.

Wir danken auch der Schützengesellschaft Koblenz-Horchheim für die professionelle Unterstützung und den hervorragenden Service, ohne die der gelungene Vortrag nicht möglich gewesen wäre.


Text © Andreas Weber 2024 – Nach einer Transkription des Vortrags von Manfred Böckling
Photos © Achim Friederich 2024 – Alle Rechte vorbehalten