Erkundung der Geschichte – Führung auf Fort Konstantin

Bei sommerlichem Wetter machten sich die Heimatfreunde Horchheim am 5. August 2023 gemeinsam mit Mitgliedern und weiteren Interessierten auf den Weg zum Fort Großfürst Konstantin. Dort stand eine Führung durch die Ausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“ auf dem Programm.

Nach der Begrüßung durch die damalige Vorsitzende der Heimatfreunde, Gertrud Block, dankte sie den Teilnehmern für ihr Kommen sowie den Organisatoren der Veranstaltung. Ein besonderer Dank galt Michael Koelges, M.A., Leiter des Stadtarchivs Koblenz, der die Führung fachkundig übernahm. Das Fort Konstantin bot mit seiner Lage oberhalb der Stadt den passenden Rahmen für die Auseinandersetzung mit der Koblenzer Stadt- und Festungsgeschichte.


Vom Kloster zur preußischen Festung

Bevor das Fort Großfürst Konstantin entstand, befand sich auf dem heutigen Karthäuserberg über Jahrhunderte ein Kartäuserkloster. Der Stadtteil Karthause verdankt ihm bis heute seinen Namen. Gegründet wurde das Kloster im 14. Jahrhundert durch Erzbischof Balduin von Luxemburg auf dem Gelände eines älteren Benediktinerklosters. Mit der Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen endete 1794 das klösterliche Leben.

Nach dem Wiener Kongress fiel das Rheinland an Preußen. Um die neue Westgrenze gegenüber Frankreich zu sichern, entstand rund um Koblenz eines der bedeutendsten Festungssysteme Europas. Zwischen 1822 und 1827 wurde in diesem Zusammenhang auch das Fort Großfürst Konstantin errichtet. Von der ehemaligen Klosteranlage sind heute noch die freigelegte Krypta sowie die eindrucksvolle Aussicht über Koblenz erhalten.

Die Festung Koblenz-Ehrenbreitstein

Michael Koelges erläuterte, dass die eigentliche Festung nicht nur aus der Feste Ehrenbreitstein bestand. Vielmehr bildeten zahlreiche vorgelagerte Festungswerke ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem auf beiden Rheinseiten.

Zu diesen Anlagen gehörten unter anderem die Feste Kaiser Alexander auf der Karthause, die Feste Kaiser Franz in Lützel sowie das Fort Asterstein. Ergänzt wurden sie durch weitere Vorwerke und vorgeschobene Befestigungen, die nach den damals modernen Grundsätzen des Festungsbaus angelegt wurden. Gemeinsam bildeten sie die Festung Koblenz-Ehrenbreitstein.

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten große Teile der Festungsanlagen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags geschleift werden. Von der ehemaligen Feste Kaiser Alexander sind heute nur noch einzelne Spuren im Straßenverlauf der Alt-Karthause erkennbar.


Fort Konstantin im Zweiten Weltkrieg

Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte das Fort Konstantin eine wichtige Rolle. Bereits beim Betreten der Anlage lassen sich noch heute Spuren der Kämpfe im März 1945 entdecken. Rillen in den Schrammsteinen werden den Ketten amerikanischer Panzer zugeschrieben, Einschusslöcher in Toren und Mauern erinnern an die letzten Gefechte.

Im Inneren des Forts befand sich die Luftschutzzentrale der Stadt. Von hier aus wurden wichtige Nachrichten übermittelt und die Luftwarnungen koordiniert. Selbst nachdem amerikanische Truppen große Teile von Koblenz bereits besetzt hatten, hielten sich deutsche Soldaten noch im Fort auf und leisteten Widerstand.

Dass die Koblenzer Festungsanlagen nach Kriegsende weitgehend erhalten blieben, war keineswegs selbstverständlich. Michael Koelges schilderte, dass sich amerikanische Militärs gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung für ihren Erhalt einsetzten. Sie überzeugten die Besatzungsmacht davon, dass die Anlagen ihren militärischen Zweck längst verloren hatten und stattdessen als bedeutende Zeugnisse der Stadtgeschichte bewahrt werden sollten.

Ehrenamt bewahrt ein bedeutendes Denkmal

Ein besonderes Anliegen des Referenten war es, auf die Arbeit der Fördervereine hinzuweisen. Die historischen Festungsanlagen befinden sich im Eigentum der Stadt Koblenz. Erst durch das langjährige ehrenamtliche Engagement zahlreicher Vereinsmitglieder konnten viele Bereiche restauriert, gepflegt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Die Arbeit dieser Vereine leistet bis heute einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der preußischen Festungslandschaft und macht ihre Geschichte für Besucher erlebbar.

Die Ausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“

Im Anschluss führte Michael Koelges durch die Ausstellung des Stadtarchivs Koblenz, die auf Fort Konstantin eingerichtet wurde.

Die Idee entstand bereits Anfang der 2000er Jahre auf Initiative des Seniorenbeirats der Stadt Koblenz. Nach einigen Jahren wurde das Projekt erneut aufgegriffen und schließlich unter Federführung des Stadtarchivs verwirklicht. Maßgeblich an der Umsetzung beteiligt war Dr. Petra Weiß, die mit großem persönlichem Engagement und vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln eine Ausstellung schuf, die bis heute große Beachtung findet.

Der Rundgang macht deutlich, dass sich die Ausstellung nicht auf die Zerstörung der Stadt beschränkt. Ebenso werden die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beleuchtet, die den Weg in den Zweiten Weltkrieg ebneten. Ziel ist es, nicht nur die Folgen des Krieges zu dokumentieren, sondern auch seine Ursachen verständlich zu machen.

Bereits im Eingangsbereich fällt eines der eindrucksvollsten Ausstellungsstücke ins Auge: die sogenannte „Metternicher Bombe“, eine britische Luftmine mit einem Gewicht von rund 1,8 Tonnen. Solche Luftminen sollten vor allem durch ihre enorme Druckwelle Dächer abdecken und gemeinsam mit Brandbomben verheerende Feuerstürme auslösen.

Die Bombenhülle wurde 1999 auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne in Koblenz-Metternich entdeckt, entschärft und später in die Ausstellung übernommen. Michael Koelges erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Fund einer baugleichen Luftmine im Jahr 2011 am Pfaffendorfer Rheinufer. Die Entschärfung machte damals die Evakuierung von mehr als 45.000 Menschen erforderlich und zählt bis heute zu den größten Evakuierungsmaßnahmen in der Geschichte der Bundesrepublik. Beide Funde verdeutlichen, dass die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch immer präsent sind.


Nationalsozialismus und der Weg in den Krieg

Die Ausstellung erläutert zunächst die politischen Entwicklungen, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führten. Anhand zahlreicher Dokumente wird aufgezeigt, wie sich der Nationalsozialismus nach der Machtübernahme 1933 Schritt für Schritt in allen Bereichen des öffentlichen Lebens etablierte. Ideologie, Propaganda und staatliche Kontrolle prägten zunehmend den Alltag der Bevölkerung.

Auch Koblenz blieb von dieser Entwicklung nicht unberührt. Als Sitz des Gaus Koblenz-Trier gewann die Stadt innerhalb der nationalsozialistischen Verwaltungs- und Parteistrukturen an Bedeutung. Zugleich verdeutlichte Michael Koelges, dass die politischen Verhältnisse vor Ort differenziert betrachtet werden müssen. So zeigen historische Untersuchungen, dass sich das Wahlverhalten in den überwiegend katholisch geprägten Regionen teilweise von dem in protestantischen Gebieten unterschied.

Gleichschaltung und Verfolgung

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist die schrittweise Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens. Vereine und Verbände wurden nach dem Führerprinzip organisiert, öffentliche Einrichtungen der NS-Ideologie untergeordnet und politische Gegner systematisch ausgeschaltet.

Besonders eindringlich wird die zunehmende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung dargestellt. Nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 verschärften sich Ausgrenzung und Entrechtung kontinuierlich, bis sie schließlich in Deportation und Ermordung mündeten. Auch Sinti und Roma sowie weitere Bevölkerungsgruppen wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Anhand von Unterlagen aus dem Stadtarchiv zeigte Michael Koelges, wie selbst amtliche Dokumente die Verbrechen verschleierten. So findet sich in Einwohnermeldeunterlagen vielfach der Begriff „evakuiert“, obwohl tatsächlich Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager gemeint waren.

Jugend im Nationalsozialismus

Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich der Hitlerjugend. Mit der Einführung der allgemeinen Mitgliedschaft entwickelte sie sich ab 1936 zur staatlichen Jugendorganisation. Freizeit, Erziehung und Ausbildung wurden zunehmend militarisiert und auf die Ziele des Regimes ausgerichtet.

Während des Krieges wurden Jugendliche immer stärker für kriegswichtige Aufgaben herangezogen. Gegen Ende des Krieges kamen viele von ihnen im Volkssturm oder sogar unmittelbar an der Front zum Einsatz.

Koblenz bereitet sich auf den Luftkrieg vor

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs traf die Stadt umfangreiche Vorbereitungen für mögliche Luftangriffe. Da Koblenz ein bedeutender Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt war, galt sie früh als strategisches Angriffsziel der Alliierten.

Die Ausstellung dokumentiert zahlreiche Maßnahmen des Luftschutzes. Dachböden wurden entrümpelt, um Brandgefahren zu verringern, Luftschutzräume eingerichtet und Löschgeräte sowie Sandsäcke bereitgestellt. Aus Sorge vor möglichen Giftgasangriffen erhielten viele Einwohner außerdem Gasmasken.

Gleichzeitig entstanden zahlreiche öffentliche Bunker. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl verfügte Koblenz über eine außergewöhnlich hohe Zahl an Schutzplätzen – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung die Stadt im Kriegsfall besaß.

Die Bombenangriffe auf Koblenz

Obwohl andere deutsche Städte bereits früh schwer bombardiert wurden, blieb Koblenz zunächst vergleichsweise verschont. Erst ab 1942 häuften sich die Luftangriffe. Anfangs handelte es sich vielfach um Bomben, die von amerikanischen Flugzeugen auf dem Rückflug abgeworfen wurden. Mit zunehmender Kriegsdauer entwickelten sich daraus gezielte Angriffe auf Verkehrswege, Industrieanlagen und schließlich auch auf das Stadtgebiet.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie sich der Alltag der Bevölkerung dadurch veränderte. Nach den ersten größeren Angriffen wurden Informationsblätter verteilt, die Hinweise für den Verlust von Wohnung und Eigentum sowie Anlaufstellen für Betroffene enthielten.

Michael Koelges erläuterte außerdem die unterschiedlichen Strategien der alliierten Luftstreitkräfte. Während amerikanische Bomber vor allem tagsüber militärische und industrielle Ziele angriffen, setzte die britische Royal Air Force verstärkt auf nächtliche Flächenbombardements, die ganze Stadtviertel erfassten. Ziel war es, neben der Zerstörung der Infrastruktur auch die Moral der Bevölkerung zu schwächen.

Gleichzeitig machte der Referent deutlich, dass diese Entwicklung im Zusammenhang mit dem Luftkrieg insgesamt betrachtet werden müsse. Bereits zuvor hatte das Deutsche Reich britische Städte bombardiert, sodass sich der Luftkrieg zu einer wechselseitigen Eskalation entwickelte, unter der vor allem die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten schwer litt.

Propaganda und Alltag im Krieg

Ein weiterer Themenbereich befasst sich mit dem Versuch des Regimes, selbst die Folgen der Bombenangriffe propagandistisch zu nutzen. Trauerfeiern und Beisetzungen wurden vielfach zu politischen Veranstaltungen umgestaltet und für Durchhalteparolen missbraucht.

Als Beispiel für persönlichen Widerstand erwähnte Michael Koelges den evangelischen Pfarrer Paul Schneider, der sich der Vereinnahmung kirchlicher Handlungen durch das NS-Regime widersetzte und dafür mit seiner Verfolgung bezahlte.

Rationierung und Versorgung

Mit zunehmender Kriegsdauer verschlechterte sich die Versorgungslage spürbar. Bereits vor Kriegsbeginn war der sogenannte Eintopfsonntag eingeführt worden. Er sollte die Bevölkerung an Einschränkungen gewöhnen und zugleich Geld für das Winterhilfswerk einbringen. Die Ausstellung zeigt zeitgenössische Rezepthefte und Informationsblätter, die diesen Gedanken propagierten.

Lebensmittel konnten nur noch gegen Bezugsscheine erworben werden. Auch Kleidung unterlag einer strengen Rationierung und durfte nur mit entsprechenden Reichskleiderkarten gekauft werden.

Eine zentrale Rolle spielte dabei das städtische Wirtschaftsamt, das die Ausgabe und Verwaltung der Lebensmittel- und Kleiderkarten organisierte. Die gezeigten Dokumente vermitteln einen anschaulichen Eindruck davon, wie stark der Alltag der Menschen inzwischen von Mangelwirtschaft, staatlicher Kontrolle und den Anforderungen des Krieges geprägt war.


Fort Konstantin als Luftwarn- und Kommandostand

Im weiteren Verlauf der Führung wurde die besondere Rolle des Fort Konstantin im Luftkrieg erläutert. Ab 1944 befand sich hier die zentrale Luftwarnstelle für den Raum Koblenz. Zuvor waren entsprechende Dienststellen mehrfach verlegt worden, unter anderem in andere Gebäude der Stadt, bevor sie schließlich im Fort Konstantin konzentriert wurden.

Von hier aus erfolgte die Auswertung von Meldungen über anfliegende Flugverbände sowie die Alarmierung der Bevölkerung. Sirenen und Meldesysteme sollten möglichst frühzeitig vor Angriffen warnen und den Schutz der Zivilbevölkerung ermöglichen. Das Fort war damit nicht nur Teil der historischen Festungslandschaft, sondern auch ein zentraler organisatorischer Knotenpunkt im Luftschutzsystem der letzten Kriegsjahre.

Letzte Kriegstage und Kampfhandlungen

Die Ausstellung macht deutlich, dass Koblenz erst relativ spät im Krieg massiv zerstört wurde. Der schwerste Luftangriff traf die Stadt im November 1944 und führte zu erheblichen Schäden sowie zu zahlreichen Opfern.

In den letzten Kriegsmonaten verschärfte sich die militärische Lage weiter. Auch das Fort Konstantin selbst wurde in den Endkämpfen noch einmal zum Schauplatz von Widerstand. Einzelne Einheiten der Wehrmacht hielten sich dort auf und leisteten bis zuletzt Widerstand, obwohl die militärische Lage bereits aussichtslos war.

Spuren dieser Ereignisse sind teilweise bis heute am Bauwerk ablesbar und wurden im Rahmen der Führung erläutert.

Evakuierung und Kriegsende in Koblenz

Nach den schweren Luftangriffen begann die schrittweise Evakuierung großer Teile der Bevölkerung. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden in weniger gefährdete Regionen verlegt, unter anderem nach Thüringen. Diese Maßnahmen waren Teil eines reichsweiten Systems von Ausweich- und Evakuierungsgebieten.

Viele der Betroffenen verbrachten dort die letzten Kriegsmonate unter schwierigen Bedingungen, bevor sie nach Kriegsende zurückkehren konnten oder in andere Regionen gelangten.

Mit dem Vorrücken der alliierten Truppen erreichte der Krieg Anfang 1945 auch Koblenz endgültig. Amerikanische Einheiten näherten sich der Stadt aus mehreren Richtungen, überschritten den Rhein und besetzten das linke Rheinufer. Der Krieg endete für Koblenz mit dem Einmarsch der US-Truppen und der anschließenden Besetzung der Stadt.

Nachkriegszeit und Umgang mit der Festungslandschaft

Die Ausstellung thematisiert auch die unmittelbare Nachkriegszeit und den Umgang mit den verbliebenen Festungsanlagen. Während zahlreiche militärische Einrichtungen in anderen Regionen vollständig zerstört wurden, blieb das Festungssystem um Koblenz in weiten Teilen erhalten.

Dies war unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass sich sowohl lokale Akteure als auch Vertreter der Besatzungsmacht für den Erhalt einzelner Anlagen einsetzten. Die Festungswerke hatten ihre militärische Funktion verloren und wurden zunehmend als historische Zeugnisse verstanden.

Führung auf Fort Konstantin | Fotos © Andreas Weber, Berndt Frosch

Abschluss der Führung

Zum Ende der Führung dankte die damalige Vorsitzende der Heimatfreunde Horchheim, Gertrud Block, dem Referenten Michael Koelges herzlich für die anschauliche und fundierte Darstellung der Ausstellung sowie die ausführlichen Erläuterungen zur Geschichte des Fort Konstantin und der Stadt Koblenz im Zweiten Weltkrieg.

Die Teilnehmer erhielten einen eindrucksvollen Überblick über die vielschichtige Entwicklung der Stadt von der preußischen Festungszeit bis in die Zerstörungen und Umbrüche des 20. Jahrhunderts.

Als Zeichen des Dankes überreichten die Heimatfreunde Horchheim ein Weinpräsent an den Referenten.


Text: Andreas Weber
nach einer Transkription des Vortrags von Michael Koelges




Tag des offenen Tunnels

4. Juni 2023 | An einem sonnigen Sonntagmorgen in Horchheim herrscht reger Betrieb auf dem Platz zwischen den Gleisen. Während sich der Grill langsam erwärmt, ist es erstaunlich ruhig, denn der übliche Baustellenlärm ist verstummt. Selbst diejenigen, die keine offizielle Einladung zum „Tag des offenen Tunnels“ im Briefkasten hatten, spüren die lebendige Atmosphäre und wissen, dass in ihrem Dorf etwas Besonderes stattfindet.

Es erwartet uns ein einzigartiger Einblick in das noch im Bau befindliche Projekt. Die große Resonanz zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger von Horchheim daran interessiert sind, mehr über den Tunnel zu erfahren und an der Führung teilzunehmen. Es bietet sich die Gelegenheit, sonst verborgene Bereiche des Tunnels zu erkunden und den Fortschritt der Bauarbeiten hautnah mitzuerleben. Ausgestattet mit den gerade verteilten Bauhelmen machen wir uns nun auf den Weg am Nordportal des Horchheimer Tunnels.


Willkommen im Horchheimer Tunnel

Tag des offenen Tunnels | Photos © Achim Friederich

Als wir den Horchheimer Tunnel betraten, wurden wir herzlich von Stephan Nink, dem Projektleiter der DB Netz AG für diese beeindruckende Baumaßnahme, begrüßt.

Der Tunnelbau ist ein sehr individueller Prozess, da jedes Projekt seine eigenen Besonderheiten aufweist. Unterschiedliche Geologien, Einflüsse und Tunnelquerschnitte spielen dabei eine entscheidende Rolle. In diesem Fall wird wieder ein eingleisiger Querschnitt gebaut. Ursprünglich war der Tunnel, als er im Jahr 1902 in Betrieb genommen wurde, zweigleisig. In den 60er Jahren wurde die Strecke elektrifiziert und die Oberleitung eingebaut, wodurch kein Platz mehr für beide Gleise vorhanden war. Ein Gleis wurde entfernt und das verbleibende Gleis in die mittlere Lage des Tunnels verlegt. Diese Besonderheit führt dazu, dass der neue Tunnel etwas größer gebaut wird, als wenn ein komplett neuer Tunnel errichtet werden würde. [1]

Für den Tunnelvortrieb wurden verschiedene Vortriebsklassen gewählt, die aufgrund der geologischen Gegebenheiten variieren. Wenn das Gestein stabil ist, sind weniger Sicherungsmittel erforderlich, wie zum Beispiel Anker, die hier zu sehen sind. Auch die Außenschale kann dünner gestaltet werden, da das Gestein von Natur aus stabil genug ist.

Die durchschnittliche Überdeckung über dem Tunnel beträgt maximal 38 Meter. Das geologische Material im Tunnel ist im Großen und Ganzen homogen und stammt hauptsächlich aus dem Rheinischen Schiefergebirge. Es besteht aus Tonsteinen und Sandsteinen, darunter auch besonders harte quarzitische Sandsteine. Die Schichtungen im Schiefergebirge spielen eine wichtige Rolle und können bei richtiger Positionierung des Meißels eine natürliche Aufspaltung bewirken. Es ist jedoch schwierig, die genaue Beschaffenheit der Schichtungen im Voraus vorherzusagen. Durch Bohrungen und Erkundungsmaßnahmen wurden Informationen über den Untergrund gewonnen, aber dennoch erfordert der Tunnelbau eine kontinuierliche Überwachung und Anpassung. Geologen und Fachleute sind vor Ort, um die täglichen Entscheidungen und Vorgehensweisen entsprechend festzulegen. [2]

Anstatt Sprengvortrieb zu verwenden, haben wir uns für den Meißelvortrieb entschieden. Ursprünglich hatten wir den Sprengvortrieb geplant, aber es stellte sich heraus, dass dies nicht notwendig war. Die Entscheidung basierte auf technischen und geologischen Gegebenheiten, die nicht immer vorhersehbar sind, sowie wirtschaftlichen Überlegungen. Es gab nur wenige Bereiche im Tunnel, die gesprengt oder aus technischen Gründen sinnvoll gewesen wären. Die Umstellung vom Meißel- zum Sprengvortrieb hätte zusätzlichen Aufwand bedeutet, wie die Beschaffung und Lagerung von Sprengstoff sowie erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Letztendlich waren viele froh, dass auf die Sprengung verzichtet wurde.

Ein wesentlicher Aspekt beim Tunnelbau ist die tägliche Festlegung des Vortriebsfortschritts, die in den sogenannten Ausbaufestlegungen dokumentiert wird. Hierbei wird festgelegt, wie viel Gestein abgebaut wird und was davon freistehend bleibt. Teilweise konnten wir 1,5 Meter Gestein abbauen, sodass eine Freistellung von 1,5 Metern entstand. Anschließend wurde Spritzbeton aufgetragen und so weiter, und teilweise sind wir bis auf 75 Zentimeter heruntergegangen. Dies wird als Abschlaglänge bezeichnet. Die Abschläge, die wir durchgeführt haben, beinhalten das Abbrechen des Gesteins auf dieser Länge, die Sicherung und den anschließenden Einbau der Außenschale, bevor der nächste Abschlag erfolgt.

Es wurden umfassende Beweissicherungsmaßnahmen getroffen, obwohl keine direkte Gefährdungssituation bestand. Die Überdeckung und der umgebende Fels ließen keine größeren Probleme erwarten. Grundsätzlich besteht beim Tunnelbau die Möglichkeit, dass übertage Setzungen auftreten. Beim Bau eines neuen Tunnels ist es üblich, dass der Berg versucht, das entstandene Loch wieder zu schließen und sich zusammenzuziehen. Daher werden Tunnel etwas größer ausgebrochen, um eine gewisse Prognosemarge zu berücksichtigen. In diesem Fall hatten wir eine Sicherheitsmarge von zehn Zentimetern, die mögliche Verformungen berücksichtigt. [3]

Die Tunnelvortriebsarbeiten sind nun abgeschlossen, und die lauten Aktivitäten gehören größtenteils der Vergangenheit an. Der Fokus liegt nun auf dem Einbau einer Innenschale, die aus Beton besteht.

[1] Auch die Wahl des Kreisprofils hat mit der Breite des alten Tunnels zu tun, der durch seine ursprüngliche Zweigleisigkeit relativ breit war. Der Querschnitt des neuen Tunnels wurde so gewählt, dass möglichst wenig Fels ausgebrochen und möglichst wenig Beton eingebaut werden musste. Es wäre theoretisch möglich gewesen, einen noch kleineren Querschnitt zu wählen, aber das hätte bedeutet, dass deutlich mehr Beton verwendet werden müsste. Daher wurde ein Kompromiss gefunden, um den Tunnel effizient und wirtschaftlich zu gestalten.

[2] Der Schiefer ist nicht horizontal, sondern geneigt. Es gibt eine problematische Seite, auf der der Schiefer in den Tunnel rutschen möchte, während die andere Seite stabil ist und sich von selbst hält. Bei der Konstruktion des alten Tunnels haben unsere Vorfahren diese Gegebenheit berücksichtigt. Dort, wo der Schiefer in den Tunnel eingefallen ist, haben sie ihn mit Mauerwerk ausgekleidet, während auf der anderen Seite der reine Fels freigelassen wurde. Daher gibt es nicht überall eine alte Tunnelinnenschale, sondern teilweise besteht der Tunnel direkt aus dem natürlichen Fels.

[3] Da der alte Tunnel bereits vorhanden war, hatte der Berg bereits die Gebirgsverformungen vorgenommen. Daher stellten sich bei der aktuellen Baumaßnahme nur geringe Verformungen untertage und keine Setzungen übertage ein. Solche Themen sind eher relevant im städtischen U-Bahnbau oder in ähnlichen Situationen, wo man direkt unter den Fundamenten von Gebäuden arbeitet. In diesem Fall waren solche speziellen Maßnahmen jedoch nicht erforderlich.


Startpunkt Nordportal

Beim Betreten des Nordportals der Baustelle ist es ratsam, aufzupassen, wo man hintritt, denn Baustellen gelten allgemein als gefährliche Umgebungen. Dennoch war deutlich zu erkennen, dass hier viel aufgeräumt und auf Sauberkeit geachtet wurde.

Tag des offenen Tunnels | Photos © Achim Friederich

Der Tunnel weist Wasser auf, was nicht ungewöhnlich ist, insbesondere in bergigen Regionen. Es gibt mehrere Quellen hier im Berg, mit denen wir während des Vortriebs umgehen mussten. Das Rheinische Schiefergebirge, durch das der Tunnel führt, besteht aus tonigem Gestein. Bei Kontakt mit Wasser bildet sich viel Schlamm. Eine effektive Wasserhaltung, also das kontinuierliche Abpumpen des Wassers, war daher von großer Bedeutung, um ein Überfluten der Baustelle zu verhindern.

Tunnelnassbereich

Ein Bereich des Tunnels, der Tunnelnassbereich, wurde hier im Norden eingerichtet. Dabei handelt es sich um die Ulmendrainage mit offenen Schächten und Revisionsschächten, um die Leitungen spülen zu können. Die Drainageleitung verläuft hier hinten in einer Art Lücke, und durch die Löcher in der Wand gibt es Verbindungen zum Berg, durch die das Wasser ungehindert und ohne Betonkontakt in die Drainage fließen kann.

Im alten Tunnel gab es ein großes Problem mit Versinterungen, also Kalkablagerungen an den Wänden. Diese Ablagerungen möchten wir in der neuen Drainage natürlich vermeiden, da sie die Leitungen verstopfen und den Reinigungsaufwand erhöhen würden.

Gewölbeschalwagen

Der Gewölbeschalwagen spielt eine zentrale Rolle beim Betonbau. Die Bewehrung wird eingebaut, und der Schalwagen wird präzise auf Maß ausgefahren, um dann einen 10 Meter langen Block zu betonieren, was der Regelblock ist. Für das Gewölbe, das Sohlgewölbe und den Aufbeton, auf dem wir gerade stehen, werden etwa 30 Betonmischer mit je 8 Kubikmetern benötigt.

Die gesamte Konstruktion der Wagen, einschließlich des Nachbehandlungswagens und des Bewehrungswagens vorne, erfolgt auf Schienen, um entsprechend bewegt werden zu können.

Fließbeton

Beim Fließbeton muss natürlich der Druck berücksichtigt werden, da enorme Kräfte auftreten. Der Beton wird nach und nach verdichtet.

Der untere Bereich des Tunnels ist nun komplett fertig. Die Innenschale, der Aufbeton und die Bewehrungsstäbe sind eingebaut. Hier befindet sich auch die Anschlussbewehrung für die oberen Bereiche.

Gleitschicht

Eine Gleitschicht, bestehend aus einer Luftpolsterfolie, wird auf die raue Außenschale aufgebracht, die zuvor zu sehen war. Diese Folie ermöglicht dem Ortbeton, der darauf betoniert wird, eine freie Aushärtung. Der Beton zieht sich beim Aushärten zusammen, und um Zwangsrisse zu vermeiden, wird diese Gleitschicht verwendet.


In der Tunnelmitte

In der Mitte des Tunnels befinden wir uns nun. Über uns sehen wir den ehemaligen Lüftungsschacht, der früher für Dampflokomotiven genutzt wurde. Dieser Schacht bildet eine Verbindung zwischen den verschiedenen geologischen Schichten. Unten befindet sich das Schiefergebirge und oben das Sedimentgestein. Das Wasser fließt von oben herab. Während der Bauzeit fangen wir dieses Wasser hier auf. Um den Wasserhaushalt im Berg nicht zu verändern, wird am Ende eine Entwässerungsleitung eingebaut, die durch die neue Tunnelinnenschale verläuft und seitlich nach unten führt.

Tag des offenen Tunnels | Photos © Achim Friederich

Es ist interessant zu wissen, dass bis in die 80er Jahre Trinkwasser im Tunnel gewonnen wurde. Aus Gründen des Sulfatgehalts wurde diese Praxis jedoch eingestellt. Dennoch waren die gesamten Anlagen noch vorhanden. Wir haben diese Quellfassungen entsprechend ausgebaut.

Nachbehandlungswagen

Die Nachbehandlungswagen spielen eine wichtige Rolle. Es handelt sich um drei Wagen, jeweils 10 Meter lang, was insgesamt 30 Meter Betonnachbehandlung ergibt. Am Ende wird eine Folie verwendet, um den Beton vor dem Austrocknen zu schützen und die Temperatur hoch zu halten. Hier haben wir auch die Möglichkeit, das Ganze feucht zu halten. Gelbe Leitungen sind zu sehen, an denen ein Computer angeschlossen ist, der die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur messen kann. So können wir den Beton optimal aushärten lassen. Die Nachbehandlung und die richtigen Temperaturen und Feuchtigkeitsbedingungen sind entscheidend für die Endfestigkeit des Betons. Es ist wichtig, dass der frische Beton nicht einfach der Umgebungsluft ausgesetzt wird.

Wenn wir hier in der Tunnelmitte zurückschauen, können wir die aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte im Tunnel deutlich erkennen. Vorne befindet sich der Spritzbeton, gefolgt von der Trennfolie, dann kommt die Bewehrung (die sich noch im Schalwagen befindet) und schließlich die Nachbehandlung. Diese drei Hauptarbeitsschritte sind hier gut zu erkennen.

Betonkosmetik

Der Endzustand des Tunnels wird durch die sogenannte Betonkosmetik erreicht. Falls es Abplatzungen oder Kiesnester gibt, werden diese behoben. Manchmal werden auch die Stutzen, in die der Beton eingefüllt wurde, noch etwas abgeschliffen, falls nötig.

Tunnelbankette

Die sogenannten Tunnelbankette werden jetzt beidseitig gebaut. Auf der Fluchtwegseite befindet sich ein mindestens 1,20 Meter breiter Fluchtweg, der zum Ausgang in Richtung Straße führt. Auf dieser Seite befinden sich auch Handläufe, Beleuchtung und Notrufsäulen, die im Ernstfall von großer Bedeutung sind.

Notruf-Tableau

Ein wichtiges Element in der Tunnelbaustelle ist das Notruf-Tableau. An jeder Stelle im Abstand von etwa 150 Metern befindet sich ein solches Tableau, das mit einem Telefon ausgestattet ist. Im Notfall kann jeder Bergarbeiter von hier aus direkt nach außen telefonieren. Dies ist besonders wichtig, da wir uns immer noch unter Tage befinden. Der Handyempfang ist hier schlecht, aber es gibt WLAN, über das man nach draußen telefonieren kann. Das Notruf-Tableau ermöglicht es, jeden im Notfall zu erreichen.

Bauwerksinspektion

Die Bauwerksinspektion des Tunnels wird gemäß klaren Vorgaben durchgeführt. Alle sechs Jahre wird ein spezialisierter Fachmann für die Tunnelinspektion hinzugezogen. Mit seinem Hammer prüft er beispielsweise auf Hohlstellen oder andere strukturelle Mängel.

Darüber hinaus führt die Bahn auch Tunnelscans durch. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird auch hier ein Scan durchgeführt. Dieser Scan ermöglicht es, jeden Riss, Temperaturunterschiede und das Vorhandensein von Wasser hinter den Tunnelwänden zu erkennen. Die Scans werden im Laufe der Jahre, insbesondere bei den Inspektionen alle sechs Jahre, übereinandergelegt, um Veränderungen präzise zu erkennen. Denn bei Bauwerken dieser Art sind nicht nur die äußere Erscheinung, sondern vor allem die Veränderungen von entscheidender Bedeutung.


Zielpunkt Südportal

Schließlich erreichen wir das Südportal des Tunnels, nachdem wir 582,5 Meter vom Nordportal aus zurückgelegt haben. Hier am Südportal wird eine neue Böschung entstehen, um das Erscheinungsbild zu verschönern.

Tag des offenen Tunnels | Photos © Achim Friederich

Tunnelpatin

Jana ist die Tunnelpatin, was bedeutet, dass der Tunnel während der Bauzeit diesen Namen trägt. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird er wieder den Namen Horchheimer Tunnel tragen.

Heilige Barbara

Es ist eine Tradition, dass Tunnel, die gebaut werden, nach einer Frau benannt werden. Die Tunnelpatin repräsentiert dabei symbolisch die heilige Barbara auf Erden. Die Bergleute und Tunnelbauer pflegen eine reiche Tradition, in der die heilige Barbara eine bedeutende Rolle spielt. Für einige Bergleute ist es sogar ein Ritual, den Tunnel erst zu betreten, wenn eine geweihte Figur der heiligen Barbara anwesend ist.

Jedes Jahr am 4. Dezember, dem Tag der heiligen Barbara, wird ihr zu Ehren gefeiert. Bergleute und Minenarbeiter danken der heiligen Barbara dafür, dass während der Tunnelarbeiten keine Unfälle passiert sind. Die Tunnelpatin, in diesem Fall Jana, übernimmt die Rolle der Schutzpatronin und trägt dazu bei, dass der Tunnel sicher gebaut werden kann.

Gestaltung Südportal

Das neue Portal wird voraussichtlich nicht mit Zinnen gestaltet sein, aber es wird wieder mit Bruchsteinen verkleidet sein. Bei der Bahn ist Beton in der Regel die Standardwahl, das steht außer Frage. Doch in diesem Fall, aufgrund der innerstädtischen oder dörflichen Lage, wurde darauf geachtet, dass das Erscheinungsbild am Ende etwas nostalgisch anmutet und dem gewohnten Bild entspricht.

Fertigstellung

Der Horchheimer Tunnel wird voraussichtlich am 27. Oktober 2023 um 5.00 Uhr morgens fertiggestellt sein.

Nach der beeindruckenden Führung durch den Horchheimer Tunnel genießen wir nun die gesellige Atmosphäre am Bratwurststand und tauschen uns mit anderen Besuchern aus. Wir sind von der Arbeit der DB Netz AG und dem Fortschritt des Bauprojekts beeindruckt. Dabei erinnern wir uns auch an unsere Vorfahren, die vor 120 Jahren mit den damaligen technischen Möglichkeiten den Grundstein für dieses bemerkenswerte Bauwerk gelegt haben. [4]

[4] Es wird interessant sein zu sehen, wie sich in Zukunft die Diskussion über den CO2-Ausstoß und die Betonherstellung entwickeln wird. Es ist fraglich, ob in ähnlichem Umfang wie bisher Beton eingesetzt wird. Im Tunnelbau wurde bisher viel mit Beton gearbeitet, da Beton normalerweise eine langfristige Lösung bietet, bei der man selten eingreifen muss. Mittlerweile wird sogar das Gleis in fester Fahrbahn, also in Beton, verlegt, um auf den Schotter verzichten und die Instandsetzung erleichtern zu können. Dies verhindert Setzungen des Gleises und reduziert die Staubentwicklung aus Arbeitsschutzgründen. Wenn etwas solide und nachhaltig gebaut wird, kann man normalerweise für die nächsten 100 bis 150 Jahre Ruhe haben, sofern keine unvorhergesehenen Fehler oder geologischen Bedingungen auftreten, die nicht vorhersehbar waren. In diesem Fall wird wieder Schotter eingebaut, da dies bereits in der Planung vorgesehen war. Die alten Schwellen und Schienen werden wiederverwendet, da sie noch in gutem Zustand sind. Lediglich der Schotter wird erneuert.


Text © Andreas Weber 2023 – Nach einer Transkription des Vortrags von Stephan Nink

Photos © Achim Friederich 2023 – Alle Rechte vorbehalten




Führung über den Koblenzer Hauptfriedhof

21. Mai 2023 | Heimatfreunde Horchheim veranstalten eine Führung über den Hauptfriedhof Koblenz

Unter der sach- und fachkundigen Führung von Manfred Böckling M. A., der auch durch seine Stadtführungen sehr bekannt ist, wurde zunächst die allgemeine Geschichte des Friedhofs, auch als Park für die Toten und Lebenden bezeichnet, sehr anschaulich dargestellt.

Der Friedhof wurde am 28. Mai 1820 feierlich eingeweiht und ist heute in seiner Gesamtheit ein bedeutendes Denkmal und die größte Parkanlage der Stadt. Die vielfältig gestalteten Grabstätten in einer einzigartigen Parklandschaft spiegeln den Umgang mit dem Tod und die Formen des Totengedenkens seit den 1820er Jahren wider. Christliche Formen finden sich ebenso wie antikisierende. Steinerne Grabsteine stehen neben gusseisernen Grabmälern aus der Sayner Hütte.

Hochinteressant waren die Grabstätten bekannter Koblenzer Persönlichkeiten mit ihren größtenteils kunstvollen Gestaltungen: General August von Goeben, das neogotische Denkmal für Oberbürgermeister Carl Heinrich Lottner, Gartenbaudirektor Karl Stähle, die Grabstätten der Familien Firsbach und Burkhard/Grisar, die Grabstätten der Koblenzer Jesuiten, die Breitstele des Koblenzer Bildhauers Rudi Scheuermann für Ministerpräsident Peter Altmeier und dessen Frau Gretel, die Familiengräber der Gebrüder Friedhofen, das Familiengrab des Stadtbaumeisters Friedrich Wilhelm Mäckler, die Gruft der Unternehmerfamilie Spaeter und, und, und…

Nach etwa zwei Stunden endete die Führung mit einem kräftigen Gewitterguss.

Übrigens: Die Führungen durch Herrn Böckling sind sehr zu empfehlen.




Hans Josef Schmidt erhält Verdienstkreuz am Bande

Rheinland-Pfalz,
2. Februar 2023

Hans Josef Schmidt hat das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine hervorragenden Verdienste um die Heimatgeschichte, vor allem aber auch für Gedenk- und Erinnerungsarbeit für seine Stadt Koblenz erhalten.

Dr. Denis Alt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit überreichte dem ehemaligen Amtsleiter des Koblenzer Stadtarchivs die Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde. Auf Vorschlag von Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Herr Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier Herrn Hans Josef Schmidt aus Koblenz mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

»Hans Josef Schmidt ist einer dieser leidenschaftlichen und engagierten Menschen, die ihren Beruf auch als Berufung verstanden haben. Für ihn ist die Beschäftigung mit der Historie stets eine Herzenssache. Oder um es mit Aristoteles zu sagen: „Wo die Bedürfnisse der Welt mit deinen Talenten zusammentreffen, dort liegt deine Berufung.“ Es ist beeindruckend, wie Herr Schmidt seine beruflichen Kenntnisse als Archivar dazu genutzt hat, andere Menschen für die Geschichte zu begeistern, aufzuklären, zu erinnern und Gemeinschaft zu stiften – auch über Horchheim und Koblenz hinaus.«

Dr. Denis Alt, Staatssekretär von Rheinland-Pfalz

Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz

Hans Josef Schmidt erhält Verdienstkreuz am Bande

Hans-Josef Schmidt war zunächst beim Staatsarchiv Koblenz tätig, bevor er als Beamter zur Stadt Koblenz versetzt wurde und dort zunächst in der Stadtbibliothek arbeitete. 1997 wurde das zur Stadtbibliothek gehörende Stadtarchiv eigenständig und Herr Schmidt übernahm ab diesem Zeitpunkt die Amtsleitung. Ende Juni 2013 trat er in den Ruhestand.

Weit über seine dienstliche Tätigkeit hinaus engagiert er sich seit vielen Jahrzehnten für die historische Aufarbeitung seines Heimat- und Geburtsortes Koblenz-Horchheim. Jahrelang hielt er an der Volkshochschule Koblenz Vorträge zur Stadtgeschichte und hier insbesondere zur Geschichte der Stadt Koblenz während der beiden Weltkriege und der Besatzungszeit. Er hat es außerordentlich gut verstanden, interessierte und oftmals auch historisch sehr gebildete Laien für die archivalischen Quellen und kulturhistorischen Zusammenhänge zu begeistern oder an neue Ansätze heranzuführen.

Schmidt war darüber hinaus Gründungsmitglied des Vereins der Heimatfreunde Horchheim, bei denen er bis heute aktives Mitglied im Vorstand ist. Bedeutend ist seine Arbeit der ehrenamtlichen Erforschung des jüdischen Lebens in Horchheim, im Rahmen derer er auch die Verlegung von Stolpersteinen mitunterstützt. Auf der Grundlage seiner Forschungen trägt er mit Festreden und Beiträgen in lokalen Zeitschriften dazu bei, dass diese wichtige Historie der Stadt nicht in Vergessenheit gerät und für kommende Generationen erhalten bleibt. Darüber hinaus arbeitete der zu Ehrende auch bei der Errichtung des Mahnmals „Wider das Vergessen“ zum Gedenken an die Sinti und Roma, die aus ihrer Heimatstadt Koblenz deportiert und in den Konzentrationslagern ermordet wurden, mit.




Vereine erhalten eine „Energiespende“

Heimatfreunde Horchheim erhalten eine „Energiespende“

Sparkasse Koblenz unterstützt Vereine mit 100.000 Euro

Pressemitteilung vom 01. Februar 2023

Übergabe Energiespende von Oberbürgermeister Langner an Gertrud Block und Mechthild Hof

Dank eines von der Stadt Koblenz initiierten Hilfsprogramms profitierten 46 Koblenzer Vereine von insgesamt rund 100.000 Euro, die die Sparkasse Koblenz bereitgestellt hat. Im Rahmen eines kleinen Empfangs in der Hauptstelle der Sparkasse kamen am 1. Februar die Vereine zusammen, um einen symbolischen Spendenscheck entgegenzunehmen. Empfangen wurden die rund 70 Vereinsvertreter von Matthias Nester, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Koblenz, und Oberbürgermeister David Langner.

Noch im Dezember 2022 haben die Vereine, die die Soforthilfe beantragt haben, ihre Energiespende erhalten. Voraussetzungen waren ein Nachweis der erhöhten Energiekosten und die Gemeinnützigkeit des Vereins. „Die lokalen Vereine leisten wichtige Arbeit für das Gemeinwohl in unserer Stadt. Da ist es für uns als Sparkasse Koblenz selbstverständlich, sie zu unterstützen und ihr Fortbestehen zu sichern, indem wir einen Teil ihrer gestiegenen Energiekosten tragen“, erklärte Matthias Nester in seiner Begrüßungsrede.

Kaum einer konnte sich auf diese schwierigen Zeiten vorbereiten, in denen wir uns gerade befinden. Nicht nur im privaten Bereich sind Menschen von der Energiekrise betroffen, sondern auch das ehrenamtliche Engagement verschiedener Koblenzer Vereine steht bei den steigenden Kosten auf der Kippe. Die Stadt Koblenz, die die Vereinsarbeit bereits finanziell unterstützt, hätte die Hilfen gern erhöht, doch die Haushaltslage und die Vorgaben haben dies nicht zugelassen. Aus diesem Grund ist Oberbürgermeister David Langner auf Matthias Nester zugegangen, um eine Unterstützung des Ehrenamtes zu finden.

Sparkassenchef Matthias Nester (links vorne) überreicht gemeinsam mit Oberbürgermeister David Langner (Dritter von links) an rund 40 Vereine symbolische Spendenschecks.
Foto: Michael Jordan
Sparkassenchef Matthias Nester (links vorne) überreicht gemeinsam mit Oberbürgermeister David Langner (Dritter von links) an rund 40 Vereine symbolische Spendenschecks. Foto: Michael Jordan

„Zu den finanziellen Herausforderungen dieser Zeit gehören die gestiegenen Energiekosten, die gerade Vereine, deren Einnahmemöglichkeiten durch die Pandemie eingeschränkt wurden, sprichwörtlich kalt erwischt haben. Da die Stadt wegen ihrer angespannten Haushaltslage nicht einspringen konnte, bin ich der Sparkasse Koblenz sehr dankbar, dass sie den Vereinen auf unseren Vorschlag hin großzügig geholfen hat“, so David Langner.

Zusätzlich zu den 46 Vereinen, die bereits jetzt ihre Spende erhalten haben, gibt es noch weitere Koblenzer Vereine, deren Anmeldung im vergangenen Jahr zu spät eingegangen ist oder denen Nachweise fehlten. Sie sollen in diesem Frühjahr mit einer Energiespende unterstützt werden.




Bei Bombenalarm im Tunnel Schutz gesucht

Horchheimer erinnern sich daran, wie sie 1944/45 mit Hunderten in ihren „Bunker“ flüchteten

Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 13. Oktober 2021
von Redakteurin Katrin Steinert

Portal des Horchheimer Eisenbahntunnels kurz nach dem Krieg

Der 576 Meter lange Eisenbahntunnel zwischen Horchheim und Pfaffendorf wird zurzeit abgerissen, um ihn größer neu zu bauen. In das Großprojekt der Deutschen Bahn, das seit August dieses Jahres läuft, fließen 40 Millionen Euro, wie der Konzern auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Während die Abrissbagger und Meißel dem Fels zu Leibe rücken, erinnern sich Zeitzeugen daran, wie sie mit Hunderten anderen Horchheimern in den Kriegsjahren 1944 und 1945 in dem alten Tunnel Schutz suchten – immer wenn über ihnen amerikanische und britische Bomber flogen.

Margot Stoll ist eine dieser Zeitzeugen. Die 81-jährige Seniorin war damals vier beziehungsweise fünf Jahre alt. Immer dann, wenn die Sirenen Fliegeralarm meldeten, musste sie mit Mutter und Geschwistern in „das Tunnéll“, wie die Einheimischen den Tunnel nennen. Die Familie lebte in der Meesstraße, gute 600 Meter Fußweg entfernt. Die Kinder waren nie ganz ausgezogen, bereit, jederzeit loszulaufen.

Margot Stoll erzählt: „Bei Alarm hieß es: „Schnell, schnell, anziehen und ab in das Tunnéll.“ Mäntelchen drüber, Schuhe an, Tasche mit Essen geschnappt, und los ging es, auch bei Regen und Schnee. Der Alarm kam zu jeder Tages und Nachtzeit. Die kleine Margot, ihre Geschwister, die Mutter und Großmutter machten sich auf den Weg zum schützenden Bauwerk, Hunderte andere mit ihnen. „Einmal trat meine Oma in der Eile in eine Weiche“, berichtet die 81-Jährige. Sie erinnert sich daran, wie jemand den Schuh rausholte und zurückgab. „Die Leute halfen sich alle gegenseitig“, sagt sie.

Der Tunnel war der einzige Schutz der Horchheimer. Die benachbarten Pfaffendorfer hatten einen richtigen Bunker. Die Horchheimer kamen von allen Seiten. Hinunter zur schützenden Öffnung führten von oberhalb der Beckenkampstraße Trampelpfädchen, berichtet Margot Stoll. Wer weiter weg wohnte wie sie selbst, der harrte manchmal tagelang im kalten zugigen Tunnel aus. „Nur meine Mutter ist mal heimgelaufen, um etwas für uns zu kochen.“

Wie es damals im Tunnel aussah, davon erzählt ein Bild des Horchheimer Malers Alfred Erich Euchler (1888–1968). Das hängt heute im Eifeler Landschaftsmuseum in der Mayener Genovevaburg. Die Szenerie zeigt eine Ansammlung von Menschen im Eisenbahntunnel, viele Frauen, Kinder und Senioren sind dicht gedrängt, dazwischen Kinderwagen, Bänke, Betten. In einer der Mauernischen sitzen Kinder auf einem Sofa, oben in einem Bogen ist ein Bett eingebaut, auf dem Kinder liegen, weit im Hintergrund des Tunnels ist eine Dampflok zu sehen. Im Horchheimer Ortsmuseum ist ein DIN-A3-großer Abzug des Bildes zu sehen.

Margot Stolls Familie schlief nur eine Armlänge entfernt vom Gleis. Der Vater hatte seinen Lieben 1944 aus Balken und Brettern ein Etagenbett und eine Bank für den Tunnel gezimmert, bevor er als Beladeschaffner für die Eisenbahn nach Sibirien abgeordnet wurde. Ihre Mutter war mit dem vierten Kind schwanger und schlief mit einem unten, die anderen oben. „Alles war mit so fiesen grauen Decken abgehängt, weil die Züge so nah standen“, sagt die 81-Jährige.

Ein Mann, der heute noch am Tunnel wohnt und immer mal wieder schaut, wie die aktuellen Abrissarbeiten vorangehen, erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung daran, dass es damals Nummern im Tunnel gab, die an den Wänden standen und den Familien anzeigten, wo ihr Platz ist. „Wir hatten die 27“, berichtet der über 80-Jährige. „Jeder wusste genau, wem welche Sachen gehörten.“ Jede Familie hatte aber Angst vor Plünderung, wenn sie zwischendurch zu Hause war und ihre Sachen im Tunnel zurückließ.

Die kleine Margot und die jüngeren Kinder mussten bei Fliegeralarm immer am Platz bleiben, während Ältere freier herumlaufen durften. „Es fuhren ja Züge auf den beiden Gleisen, zwar langsam, aber das war ja trotzdem gefährlich“, berichtet Margot Stoll. Außerdem konnten Kinder im Gewusel und in der Dunkelheit verloren gehen. Die Seniorin erinnert sich noch gut an die direkten Nachbarn im Tunnel. Vor ihnen war die Familie Rippelbeck, „das waren bessere Leute“. Die Frau drückte die kleine Margot öfter. Sie sagte immer: „Wenn der Krieg zu Ende ist, kriegst du was.“

Tunnelportal Horchheim
Portal des Horchheimer Tunnels

Auch der 86-jährige Horchheimer Helmut Mandt flüchtete als Zehnjähriger mit Mantel und Köfferchen über die Bächelstraße in den Tunnel. Er erinnert sich, dass dort auch Militärfahrzeuge abgestellt wurden, um vor den Angriffen zu schützen. „Für uns Kinder war es toll, darauf rumzuklettern“, sagt er und weiß, dass nur Kinder so unbefangen sind. Im schützenden Bauwerk hielten auch ab und zu Lazarettzüge, die stöhnende Verletzte transportierten. Auch Züge mit Zwangsarbeitern stoppten hier.

Daran erinnert sich Robert Stoll, der Mann von Margot Stoll, noch genau. „Einige von denen haben immer so „Holz-Bippchen“ gemacht und wollten die gegen Brot tauschen“, erzählt der 91-Jährige. Als es einmal zum Tauschgeschäft mit den Spielzeughühnern kommen sollte, sah dies ein Bewacher und wollte den Handel unterbinden. Da kam es fast zum Aufstand, die Horchheimer wurden laut und vertrieben den Aufseher, erzählt Robert Stoll und lacht stolz. Er war Teenager und wohnte nur einen Katzensprung vom Tunnel entfernt. So konnte er tagsüber auch schnell mal heim flitzen. Einmal spielte er draußen, als plötzlich eine Luftmine auf den Tunnelfels fiel. „Es gab eine enorme Druckwelle, ich flog weg und lag unter Fremdarbeitern.“ Die halfen auch im Ort. Die Druckwelle war auch im Tunnel zu spüren. Wäre die Luftmine vor die Öffnung gefallen, hätte sie viele getötet.

Die Seniorin Margot Stoll hat noch heute etwas, das sie an die Zeit im Tunnel erinnert und an die Frau, die die kleine Margot damals umarmte und ihr versprach, ihr etwas zu schenken, wenn der Krieg vorbei ist. Die Frau hielt ihr Versprechen. Margot Stoll besitzt seitdem kostbare Puppenspielzeugmöbel aus Rattan. In den vergangenen Jahrzehnten haben daran nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Kinder, Enkel und Urenkel Freude gehabt.