Am 04. März 2023 hat Robert sein geliebtes Hoschem im gesegneten Alter von 92 Jahren für immer verlassen müssen.
Robert kann auf ein erfülltes, reiches Leben zurückblicken, auf ein Leben zum Wohl seiner Familie und auf ein Leben, das geprägt war von großer Liebe zu seinem Heimatort.
Hier geboren, war er gleichsam heimatliches Urgestein. Er hat nicht nur einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut, mit seiner lieben Margot eine Familie gegründet, Kinder, Enkel und Urenkel heranwachsen sehen, nein Robert hat sich für unseren Ort in vielfältiger Weise engagiert, er hat große und tiefe Fußstapfen hinterlassen.
Die Liste seiner Verdienste ist lang: Er war immer aktiver Frontmann, wenn es um unseren Ort, um den Erhalt und das Bewahren unserer Kulturschätze und unseres örtlichen Brauchtums ging. Nach dem Krieg war er Mitinitiator unserer Kärmes, Robert hat die „Kärmeszeidung“ mit aus der Taufe gehoben, viele Berichte und Artikel entstammten seiner Feder. In der Rubrik „Von Fest zu Fest“ hat er viele Jahre das gesellschaftliche Leben geschildert und kommentiert.
Die Liste seiner außerordentlichen Verdienste um unser Hoschem ließe sich beliebig fortsetzen.
Sein besonderes „Steckenpferd“ aber, in das er viel Zeit und Liebe investiert hat, das waren die „Heimatfreunde Horchheim“. Im März 1991 hat er zusammen mit anderen den Verein gegründet. In vielen Funktionen und als jahrelanges Vorstandsmitglied gestaltete Robert die Geschichte und Geschicke der „Heimatfreunde“. Unter seiner Führung wurden die „Heimatfreunde“ zu einer mitgliederstarken Gemeinschaft. Mit großer Leidenschaft und Sachkunde sammelte er erhaltenswerte Exponate aus unserer Ortsgeschichte. Unter seiner Federführung und durch seine Überzeugungskraft erwarb der Verein das Gebäude in der Alten Heerstraße, das heutige Ortsmuseum.
Mit großem Respekt blicken wir Horchheimer auf seine herausragende Lebensleistung.
Robert hat sich um unser Hoschem in herausragender Weise verdient gemacht.
Wir werden die Erinnerung an ihn in großer Dankbarkeit in unserem Herzen bewahren.
Klaus Peter Baulig
Ein Leben für Horchheim
aus: Horchheimer Kirmes Magazin 2006 „Robert Stoll – 75 und kein bisschen leise“ von Joachim Hof
Robert Stoll wurde am 24. September 1930 in Horchheim geboren. Das Geburtshaus ist heute Emser Straße 301. Roberts Vater war Schneider, und weil die Werkstatt zeitweise zu klein war, ist die Familie in die „Vehgass“ – heute Alte Heerstraße – 6 umgezogen.
1937 kam Robert in die Schule, die er aber wegen des Krieges nur knapp sieben Jahre besuchen durfte. Der Krieg fing am 1. September 1939 an.
Robert war, als der Krieg zu Ende war, 14 Jahre alt. Er kam in die Lehre bei der Görres-Druckerei. Der Weg von Horchheim zur Druckerei war sehr abenteuerlich. Zu Fuß oder auf den Puffern der Straßenbahn ging es nach Ehrenbreitstein. Dort war die Ponte und mit einem Passierschein konnte der Rhein überquert werden, um in der Gymnasialstraße zur Arbeit zu gelangen.
Die Görresdruckerei war die einzige Druckerei, die noch so erhalten war, dass gedruckt werden konnte: Lebensmittelkarten, Ausweise und was die Militärregierung dringend brauchte. Normales Papier gab es nicht, nur mannshohe Zeitungspapierrollen. Die mussten mit der Trummsäge in bedruckbare Größen zerlegt werden, ob Chef oder Lehrling, alle mussten mit anpacken.
Nach drei Jahren Lehrzeit wurde Robert nach den Regeln der Schwarzen Zunft gegautscht. Seinen ersten Gehilfenlohn erhielt er schon in D-Mark ausgezahlt, also im Juni 1948.
Er war knapp 18 Jahre alt. „Da hatten wir auch schon mit der Kirmes angefangen, 1947 mit ein paar Jungen, die Alten durften ja nicht, weil sie noch nicht entnazifiziert waren und alles von der Militärregierung genehmigt werden musste. Wir hatten zwar noch keinen Zug gemacht, aber ein wenig gefeiert. Es gab dünnes Bier, wir sind zur Mosel raus gefahren und haben ein paar Flaschen Wein organisiert und gefeiert“.
1949 hat der Streichs Jupp, der im heutigen Museum gewohnt hat, den Vorsitzenden gemacht. 1949 ist auch die erste Kirmeszeitung erschienen. Die 1950er Zeitung wurde dann schon professionell mit Anzeigen herausgegeben und mit Gewinn verkauft. Die Mitarbeiter in der Görresdruckerei sorgten dafür, dass Robert für die Kirmestage Urlaub machen konnte.
1958 haben Robert und Margot geheiratet. Dann kamen die Kinder Michael, Petra und Andrea. Robert musste sich um die Familie kümmern.
In den 1970er Jahren ist Robert wieder verstärkt bei der Kirmes-Zeitung eingestiegen. Hannes Leichum war damals Chefredakteur. Robert war bei den Mitarbeiterbesprechungen immer dabei. 1993 wurde Robert in den wohlverdienten Schriftsetzer-Ruhestand verabschiedet und hoffte, sich seinem Hobby, dem Lesen, verstärkt widmen zu können.
Aber weit gefehlt, denn 1991 hatte er sich ein neues Ziel gesetzt: bei den Heimatfreunden Horchheim mitzuarbeiten. Er wurde in der Gründungsversammlung am 13. März 1991 zum 1. Vorsitzenden gewählt und behielt dieses Amt über vier Legislaturperioden – 12 Jahre lang – inne. In kürzester Zeit brachte er den Verein auf 450 Mitglieder. In seiner Amtszeit konnte das Haus Alte Heerstraße 14 zum Museum restauriert und später als Eigentum des Vereins erworben werden.
Joachim Hof
Horchheimer Kirmes Magazin
Robert Stoll – 75 und kein bisschen leise von Joachim Hof, Horchheimer Kirmes Magazin 2006
Ein Jahrhundert Horchheim im O-Ton: Die Geschichten der Zeitzeugen
Category: Zeitzeugen
4. Januar 2025
Ewald Fischbach und Hans Huber beim Interview im Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim, mit Hans Lehnet und Helmut Mandt | Foto: Robert Stoll
Die Heimatfreunde Horchheim haben mit der Veröffentlichung einer Sammlung von Tonaufnahmen ein neues Kapitel der lokalen Geschichtsforschung aufgeschlagen. Die Interviews, die der damalige Vorstand zwischen 2000 und 2008 im Rahmen eines sogenannten Oral-History-Projekts aufgezeichnet hat, zeigen das Leben in Horchheim im 20. Jahrhundert aus persönlicher Sicht. In der Rubrik „Erzählte Geschichte“ auf ihrer Website stehen diese Aufnahmen nun für interessierte Hörer bereit.
Einblicke in die Lebenswelt vergangener Generationen
Die Interviews geben Einblicke in zentrale Themen der Horchheimer Ortsgeschichte: die Jugendzeit der Befragten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Erlebnisse in den Kriegsjahren und die Herausforderungen und Erfolge im Berufsleben. Namen wie Ewald Fischbach, Werner Wiemers und Jule Lay stehen stellvertretend für viele, die ihre Erinnerungen an eine bewegte Zeit teilten. Diese persönlichen Zeugnisse helfen zu verstehen, wie historische Ereignisse auf lokaler Ebene wirkten.
Die Methode: Oral History als wissenschaftliches Werkzeug
Oral History, ein etabliertes Verfahren der Geschichtswissenschaft, dokumentiert nicht nur historische Fakten, sondern auch die subjektiven Wahrnehmungen und Gefühle der Zeitzeugen. Die in Horchheim aufgezeichneten Gespräche zeichnen sich durch ihren Fokus auf individuelle Erlebnisse aus, die die soziale und kulturelle Geschichte des Ortes veranschaulichen. Diese Methode ermöglicht es, die Vergangenheit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und neue Perspektiven auf bekannte Ereignisse zu gewinnen.
Technik und Umsetzung
Aufgezeichnet wurden die Gespräche mithilfe eines Aiwa Minidisc Recorders (AM-F65), einer damals fortschrittlichen Technologie, die qualitativ hochwertige Audioaufnahmen erlaubte. Die Aufnahmen fanden sowohl vor Ort in Horchheim als auch in der „Gut Stuff“ des Ortsmuseums der Heimatfreunde statt. Insgesamt entstanden etwa 25 Stunden Audiomaterial, das vom damaligen Vorstand der Heimatfreunde Joachim Hof, Hans Lehnet, Helmut Mandt und Robert Stoll zusammengestellt wurde. Dank der Unterstützung von Mechthild Hof, die den originalen Recorder zur Verfügung stellte, konnten diese Tondokumente nun überspielt und für die Nachwelt erhalten werden.
AIWA Minidisc Recorder und Minidiscs
Themen der Interviews
Die Gespräche decken ein breites Spektrum von Themen ab:
Jugendjahre in Horchheim: Von Dorffesten und Alltagsbräuchen bis hin zu den Herausforderungen des Alltags in der Vorkriegszeit.
Kriegsjahre: Die Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs, darunter Evakuierungen, Bombardierungen und die Rückkehr zum Wiederaufbau.
Berufsleben: Einblicke in traditionelle Handwerke, Landwirtschaft, und die sich wandelnde Arbeitswelt in Horchheim im Laufe des Jahrhunderts.
Erzählte Geschichte: Eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die Aufnahmen sind weit mehr als historische Quellen; sie sind lebendige Zeugnisse, die Emotionen, Dialekte und die persönliche Färbung der Berichte bewahren. Dies macht sie zu einer unschätzbaren Ressource für die Ortsgeschichte. Zugleich werfen sie methodische Fragen auf: Wie objektiv kann Geschichte sein, wenn sie aus subjektiven Erinnerungen besteht? Welche Rolle spielt die mündliche Überlieferung in einer zunehmend digitalisierten Welt?
Zugang und Nutzung
Die Interviews können online auf der Website hearthis.at im Profil der Heimatfreunde Horchheim angehört werden.
Aus urheberrechtlichen Gründen sind die Aufnahmen in erster Linie für die museale Präsentation vorgesehen. Interessenten werden gebeten, sich für weitergehende Nutzungsanfragen direkt an die Heimatfreunde Horchheim zu wenden.
Mit diesem Projekt leisten die Heimatfreunde Horchheim einen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes und eröffnen eine lebendige Perspektive auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die „erzählte Geschichte“ schafft so eine Brücke zwischen den Erfahrungen früherer Generationen und den Fragestellungen der Gegenwart.
Begriff Oral History
Der Begriff Oral History entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA und beschreibt eine Methode der Geschichtswissenschaft, die auf mündlichen Zeitzeugenberichten basiert. Die Ursprünge des Begriffs und der Methode lassen sich auf die Einführung tragbarer Aufnahmegeräte und das gestiegene Interesse an der sozialen und kulturellen Geschichte zurückführen.
Historischer Ursprung des Begriffs
Erste Verwendung: Der Begriff wurde in den 1940er Jahren durch den US-amerikanischen Historiker Allan Nevins an der Columbia University geprägt. Nevins war ein Pionier der Oral History und initiierte 1948 das „Columbia Center for Oral History Research“, das erste institutionalisierte Oral-History-Projekt.
Technologische Basis: Die Verfügbarkeit tragbarer Tonbandgeräte in den 1940er und 1950er Jahren machte es möglich, mündliche Überlieferungen systematisch und in hoher Qualität aufzuzeichnen. Dies ermöglichte es Historikern, Stimmen und Geschichten einzufangen, die zuvor nur schwer dokumentierbar waren.
Entwicklung der Methode
Fokus auf soziale Geschichte: In den 1960er und 1970er Jahren erlebte die Oral History einen Aufschwung, da sie sich als Methode eignete, die Geschichte marginalisierter oder unterrepräsentierter Gruppen zu dokumentieren. Arbeiter, Frauen, ethnische Minderheiten und andere Gruppen fanden durch diese Methode eine Stimme in der Geschichtsschreibung.
Kritische Reflexion: Mit der Etablierung der Methode kam es auch zu Kritik. Historiker wie Lutz Niethammer in Deutschland wiesen darauf hin, dass mündliche Berichte oft subjektiv und selektiv sind, wodurch sie eine kritische Quellenanalyse erfordern. Niethammer bezeichnete den Begriff als „unglückliches, aber öffentlichkeitswirksames Schlagwort“, da er sowohl die Methode als auch das Ergebnis beschreibt.
Etablierung und heutige Bedeutung
Internationalisierung: In den Jahrzehnten nach ihrer Einführung wurde die Oral History auch außerhalb der USA zunehmend genutzt, etwa in Großbritannien, Deutschland und Italien. Der englische Begriff hat sich international durchgesetzt, obwohl in einigen Sprachen auch Übersetzungen wie „mündliche Geschichte“ oder „erzählte Geschichte“ verwendet werden.
Erweiterung des Geschichtsverständnisses: Oral History hat das Geschichtsverständnis grundlegend verändert, indem sie zeigte, dass Geschichte nicht nur aus großen Ereignissen und „offiziellen“ Dokumenten besteht, sondern auch aus den individuellen Erfahrungen und Erzählungen von Menschen.
Fazit
Der Begriff Oral History ist ein Produkt des Zusammenspiels von technologischer Innovation, gesellschaftlichem Wandel und einem neuen Verständnis von Geschichte. Obwohl er weiterhin diskutiert wird, hat sich die Methode als wertvolles Werkzeug etabliert, um die Vielfalt und Komplexität menschlicher Erfahrungen zu dokumentieren.
Geboren wurde er am 22. März 1935 in Horchheim. In der Bächelstraße 52 wuchs er auf, lebte dort bis zu seinem überraschenden Tod am 09.10.2024. Helmut besuchte, mit kurzer Unterbrechung bedingt durch die Wirren des Weltkriegs, die hiesige Volksschule bis zum Abschluss. Im Anschluss folgte eine Lehre bei der Deutschen Post als Kfz-Mechaniker. 1961 wechselte er zur Berufsfeuerwehr, ein Schritt den er, wie er immer in Gesprächen äußerte, nie bereute. Er war mit großer Leidenschaft Feuerwehrmann. Er unterzog sich hier verschiedenen Spezialausbildungen. So war er auch ausgebildeter Rettungstaucher. Beim Einsturz der in Bau befindlichen Südbrücke im November 1971 war er als Taucher eingesetzt.
Im Dezember 1962 heiratete er Rosemarie Bötzel. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor. Im April 1978 verstarb seine Ehefrau. Drei Jahre später ehelichte er Monika Reis, die ihm zwei Söhne schenkte. Diese Ehe wurde 10 Jahre später geschieden. Helmut war begeisterter Opa. Stolz und voller Freude erzählte er von seinen beiden Enkelchen.
Wenn man Helmut besuchen wollte und er nicht in seiner Wohnung anzutreffen war, so fand man ihn fast immer in seinem großen Garten. Diesen bestellte er mit großer Hingabe bis zu seinem plötzlichen Tod. Selbst im hohen Alter kletterte er noch auf seine Obstbäume und beschnitt diese in atemberaubender Höhe. Am Schluss der Laudatio im Kirmes-Magazin anlässlich seines 80. Geburtstags ist zu lesen: „… der liebe Gott möge Dich noch viele Jahre in Deinem Garten werkeln lassen, er möge Dir aber auch die Weisheit des Alters schenken und Dich überzeugen, nicht mehr auf die Bäume zu klettern.“
Daneben fand er immer Zeit, sich in seinem geliebten Horchheim einzubringen: 1958 war er einer der Gründungsmitglieder des BBC, in den 1970er Jahren gehörte Helmut mehrere Jahre dem geschäftsführenden Vorstand an. 1991 hob er den Verein der „Heimatfreunde“ mit aus der Taufe. In den ersten 20 Jahren hatte er das Amt des Schatzmeisters und viele Jahre das des 2. Vorsitzenden inne. Bis zu seinem Tod war er Beisitzer, unterstützte den Verein tatkräftig und unermüdlich: Er trug die Vereinsmitteilungen aus, verkaufte die Jahreskalender, machte das Museum „winterfest“ und sorgte immer für den Blumenschmuck am Museum. Bei den schon zur Tradition gewordenen Veranstaltungen „Liebenswertes Horchheim“ war er wortgewaltiger und sachkundiger Moderator.
Eine Würdigung Helmuts bliebe unvollständig, ohne einen fundamentalen Eckpfeiler seiner Lebensgestaltung zu erwähnen: Seine unerschütterliche Bindung an die Glaubenslehre der katholischen Kirche. Von früher Kindheit an war er Mitglied in der „Katholischen Jugend“ und dann als Jugendlicher Gruppenführer. Er engagierte sich in den verschiedensten Gremien seiner Pfarrgemeinde St. Maximin. Er war überzeugtes, aber auch kritisches, praktizierendes Mitglied in der katholischen Kirche.
Mit seinem Tod hat Horchheim einen tatkräftigen und liebenswerten Mitmenschen verloren, der sich um seinen Heimatort in höchstem Maß verdient gemacht hat. Wir werden ihn sehr vermissen und wir werden uns immer mit Freude an ihn und sein Wirken erinnern und ihn in unseren Herzen bewahren.
Horchheimer Totenzettel — Digitale Einblicke in vergangene Generationen
Category: Presse
4. Januar 2025
Horchheim, April 2024 | In ihrem Ortsmuseum haben die Heimatfreunde Horchheim eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: eine umfangreiche Sammlung von gedruckten Totenzetteln, die faszinierende Einblicke in die Geschichte und das Leben vergangener Generationen in Horchheim bieten. Auf Initiative von Jopa Schmidt wurde diese wertvolle Sammlung von Michael Brammertz aus Prüm, dem Projektleiter Totenzettel der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, eingescannt, abgeschrieben und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Totenzettel sind einfache oder gefaltete Zettel, die traditionell beim Requiem an die Trauergäste verteilt werden und die wichtigsten Lebensdaten des Verstorbenen enthalten. Sie sind nicht nur eine einfache Mitteilung über den Tod eines Menschen, sondern auch ein wichtiges Zeugnis vergangener Lebenswelten und daher für Familienforscher und Historiker von großem Interesse.
Die Sammlung von fast 600 Totenzetteln der Geburtsjahrgänge 1810 bis ca. 1970, die im Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim vorhanden ist, ist nun auf der Webseite der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde verfügbar. Die digitale Sammlung mit umfangreichen Datenbank-Suchfunktionen bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben und Sterben vergangener Generationen und ermöglicht es Familienforschern, ihre eigenen familiären Wurzeln besser zu verstehen.
Unter der Projektleitung von Michael Brammertz wurden und werden Totenzettel aus zahlreichen Sammlungen verschiedener Einlieferer transkribiert und mit Bild zur Verfügung gestellt. Das Abschreiben erfolgt dezentral durch freiwillige, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Für die Recherche in der Datenbank ist keine Registrierung erforderlich, sie steht jedem Besucher der Webseite offen. Diese Datenbank wird ständig erweitert, so dass sich ein regelmäßiger Besuch der Internetseite lohnt.
Die hochwertigen Scans der Totenzettel ermöglichen es den Nutzern, jedes Detail in bester Qualität zu betrachten und bieten so eine faszinierende Möglichkeit, in die Geschichte einzutauchen.
Die Heimatfreunde Horchheim laden alle Interessierten ein, dieses wertvolle Erbe zu erkunden und ihre eigenen familiären Wurzeln zu erforschen. Die Totenzettel-Datenbank mit den Neuzugängen aus Horchheim ist ab sofort zugänglich und wartet darauf, von Forschern entdeckt zu werden.
Weitere Informationen wie eine leicht verständliche Suchanleitung als Video und den direkten Zugang zur Totenzettel-Datenbank finden Sie auf der Website der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. unter https://www.wgff-tz.de/suchen.php
Beispiele von Totenzetteln aus Horchheim aus den Jahren 1910 – 1920
Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde
Die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e. V. (WGfF) wurde 1913 in Köln gegründet und ist mit über 2400 Mitgliedern die größte regionale genealogische Vereinigung in Deutschland. Sitz des Vereins ist Köln.
Das in der Satzung festgeschriebene Ziel des Vereins ist die „Förderung von Wissenschaft und Forschung in genealogischer und familienkundlicher Hinsicht“. Dieses Ziel wird insbesondere verfolgt durch die Veröffentlichung von Quellen, Hilfsmitteln und Studien zu genealogischen Themen und die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern.
Das Arbeitsgebiet umfasste ursprünglich die gesamte damalige preußische Rheinprovinz; heute ist es beschränkt etwa auf die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln (Nordrhein-Westfalen) sowie die ehemaligen Regierungsbezirke Koblenz und Trier (Rheinland-Pfalz). Der Verein unterhält in seinem Arbeitsgebiet mehrere regionale Forschungsstellen, die so genannten „Bezirksgruppen“ (BG), in denen vor Ort regelmäßig Mitgliedertreffen mit Vorträgen, Exkursionen und Ausstellungen durchgeführt werden.
Auf den Spuren des stauferzeitlichen Wohnturms in Horchheim
Der Mittelrhein ist reich an Relikten aus dem Hochmittelalter, die uns einen faszinierenden Einblick in vergangene Epochen bieten. Ein bemerkenswertes architektonisches Juwel in dieser Region ist das Romanische Haus in Koblenz-Horchheim, dessen Geschichte eng mit der stauferzeitlichen Ära verknüpft ist. Als herausragendes Beispiel dieser Epoche lädt das Romanische Haus in Horchheim dazu ein, seine Geheimnisse zu erkunden und die Spuren der stauferzeitlichen Architektur zu verfolgen.
Der stauferzeitliche Wohnturm „an der Oberpforten“, früher Rheinstraße, heute Emser Straße 389, ist als Präsenzhof des Stiftes St. Florin zu Koblenz bekannt und weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus von überregionaler Bedeutung. Er wird erstmals 1408 im Zusammenhang mit dem Florinsstift erwähnt. Es ist jedoch fraglich, ob er mit dem Präsenzhof gleichgesetzt werden kann. Wer den massiven Bau errichtete, ist letztlich unbekannt.
Ein Blick in die Geschichte des repräsentativen Burghauses
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gingen Haus und Grundstück in den Besitz der Stiftsgemeinschaft über. Dies allein lässt auf einen älteren Ursprung des Gebäudes schließen. Tatsächlich lässt sich das Gebäude aufgrund seiner architektonischen Elemente in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren. Es stellt sich also die Frage, wem das Gebäude und das Grundstück an dieser exponierten Stelle gehörten. Diese Frage kann heute nicht mehr eindeutig beantwortet werden, wohl aber die Frage nach der Zugehörigkeit des Besitzers zu einer bestimmten sozialen Schicht und die Frage nach der Funktion der Anlage.
Das Haus wurde aus massivem Stein gebaut, in einer Höhe, die heute nicht bemerkenswert wäre, aber zur Zeit seiner Errichtung, als die meisten Menschen in Holz- und Fachwerkhütten lebten, schon. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren nur Klöster, Kirchen und Festungsanlagen in diesem Stil bekannt, da sie allein aus diesem Grund teuer und prestigeträchtig waren. Ein solch repräsentativer, turmartiger, massiver Steinbau mit architektonischen Elementen, der in seiner Höhe im mittelalterlichen Dorf seinesgleichen sucht, an der Stelle, wo die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Dorfbefestigung abgeriegelt wird, kann nur ein Adelssitz gewesen sein, hier in Form eines Burghauses. Wenn man von Niederlahnstein, das direkt an der Lahn liegt, über unbebautes Gelände nach Horchheim reiste, das auf einer natürlichen, hochwasserfreien Niederterrasse liegt, sollte man die Wirkung des Burghauses nicht unterschätzen. Das Gebäude ist ein Ausdruck von Macht.
Holz und Geschichte – Die erstaunliche Datierung auf 1240/1241
Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1572 als Wohnhaus eines Pächters des Koblenzer Stifts St. Florin, das im Hoch- und Spätmittelalter ausgedehnten Grundbesitz in Horchheim besaß. Die dendrochronologische Analyse der Proben aus den Deckenbalken des Erd- und Obergeschosses ergab, dass das Holz bereits um 1240 geschlagen wurde. Das Haus kann somit auf 1240 oder 1241 datiert werden. Das Gebäude ist also viel älter als bisher angenommen.1
Das Geheimnis der ersten Jahrhunderte – Bewohnt von Unbekannten
Es wird vermutet, dass das Haus während seiner gesamten Geschichte als Wohnhaus genutzt wurde. Allerdings fehlen für die ersten drei Jahrhunderte die Quellen, die Auskunft über die Bewohner geben könnten. Daher ist unklar, für wen es ursprünglich gebaut wurde und wer es nutzte.2
Baukunst des 13. Jahrhunderts – Eine architektonische Reise
Ursprünglich handelte es sich um ein freistehendes zweigeschossiges Wohnhaus aus Bruchsteinmauerwerk mit einem Spitzdach über einem Gewölbekeller. Weitere Details, wie die Anzahl der Fenster, sind nicht bekannt. Es ist möglich, dass das Haus nur ein Fenster pro Stockwerk auf jeder Seite hatte. Die ursprüngliche Form der romanischen Rundbogenfenster hat sich an der Ostfassade erhalten und wurde bei den Bauuntersuchungen an der Westfassade wiederentdeckt. An der Südfassade ist sie noch zu erkennen.
Um die 70 cm dicke Außenwände garantierten ein hohes Maß an Stabilität, schränkten aber gleichzeitig die innere Nutzfläche ein. Das Haus ist leicht asymmetrisch. Die westliche Längswand, die der Emser Straße zugewandt ist, ist 9 m lang und rund einen halben Meter kürzer als die östliche Rückwand, die dem Hof zugewandt ist. Ursprünglich hatten die beiden Querseiten den typisch romanischen Treppengiebel, der in einer Höhe von etwa 9,50 m endete. Das eigentliche Haus war knapp 6 m hoch und bestand aus einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss.
In den Stufengiebeln befand sich eine Rundbogenöffnung, die noch an der Südfassade zu sehen ist. Hinter den Stufengiebeln erhob sich ein Spitzdach, das verborgen blieb. An der Innenseite der Giebel sind noch die Anfänge der Dachbalken zu erkennen. Die ursprüngliche Dachform kann also rekonstruiert werden.
Ein auffälliges Detail des Gebäudes ist die aufwendig gestaltete Kaminanlage. Im Obergeschoss befindet sich in der Mitte eine breite Kaminlisene, die von drei schlichten Rechteckkonsolen abgefangen wird. Zu beiden Seiten der Lisene befindet sich ein Rundbogenfenster.
Über dem Erd- und dem Obergeschoss befinden sich Holzbalkendecken, die sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand befinden. Dendrochronologische Untersuchungen der Deckenbalken in beiden Stockwerken haben das Alter des Hauses eindeutig festgestellt.
Bei der restauratorischen Untersuchung wurden an mehreren Stellen Farbreste gefunden, zum Beispiel an den Giebeln und den zugemauerten ehemaligen Fensterleibungen. Das Haus scheint vollflächig verputzt gewesen zu sein und hatte an den Fassaden eine rote Quaderung mit weißen Fugenlinien und an den Giebeln eine rote Oberfläche mit weißen Konturen.3
Das „Romanische Haus“ in Koblenz ist das einzige bekannte rheinland-pfälzische Profangebäude aus dieser Zeit mit einer solchen Außenfassadengestaltung. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder um den Besitz einer bedeutenden Persönlichkeit oder um ein Gebäude mit einem besonderen Zweck. Die ursprüngliche Nutzung des Hauses sollte jedoch weiter erforscht werden.
Romanisches Haus in Horchheim, Januar 2024 Fotos: Andreas Weber
Wandel der Jahrhunderte – Der Umbau von 1473 und seine Spuren
Der erste datierbare Eingriff in die ursprüngliche Bausubstanz fand 1473 statt. Das Gebäude wurde erhöht, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die romanischen Stufengiebel wurden entfernt und auf die Deckenplatten wurde zusätzliches Mauerwerk aufgesetzt. Auch die Brüstungen an den Längsseiten wurden erhöht, um dem Haus ein zweites Stockwerk zu geben. Die Gesamthöhe wurde nur geringfügig verändert und die seitlichen Brüstungen wurden nur um etwa 30 cm angehoben.
Über einem dritten Stockwerk erhebt sich seither ein gotisches Kehlbalkendach, das einen zusätzlichen Bodenraum enthält. Dieses Dach ist heute noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Rückseiten der Treppenhausgiebel, die einst über das Dach hinausragten, wurden zu den Innenseiten des neu geschaffenen Dachgeschosses. Dadurch blieb die einstige Putz- und Farbgestaltung der Außenfassade teilweise erhalten und konnte unter den später aufgetragenen Putzschichten deutlich nachvollzogen werden.
Auch die Abdrücke der Dachbalken des romanischen Dachstuhls sind an denselben Stellen zu erkennen. Die Treppengiebel sind im Inneren des Hauses deutlicher zu erkennen als an der Außenfassade. Die Abdeckplatten heben sich deutlich von dem umgebenden Bruchsteinmauerwerk ab. Im Inneren ist die ehemalige Bogenöffnung ebenfalls deutlich sichtbar.
Vermutlich wurden bei diesem Umbau auch die romanischen Rundbogenfenster zugunsten modernerer gotischer Rechteckfenster aufgegeben. Die runden Laibungen wurden durch zusätzliches Mauerwerk verdeckt und blieben so erhalten.
Erweiterung im 17. Jahrhundert – Neuer Wohnraum
Im Jahr 1698 wurde eine weitere bauliche Veränderung am Gebäude vorgenommen, höchstwahrscheinlich, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. An der östlichen Längsseite wurde ein Anbau errichtet, der auf jeder der drei Etagen etwa 15 Quadratmeter zusätzlichen Raum schafft. Interessanterweise ist die Geschosshöhe des Anbaus um ein halbes Stockwerk höher. Deshalb musste auf jeder der drei Etagen des Altbaus eine kleine Verbindungstreppe gebaut werden.
Veränderungen im Inneren – Spuren der Zeit in den Decken und Wänden
Damit verbunden sind weitere Veränderungen im Inneren des Gebäudes. Die romanischen Holzbalkendecken im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss erhielten Längsbalken. Die neuen Tannenbalken ruhen auf senkrechten Holzbalkenstützen. Eine dendrochronologische Untersuchung im zweiten Stockwerk hat das Alter dieser Balken eindeutig bestimmt.
Unter den romanischen Decken wurde ein Belag aus dem typischen barocken Lehm-Stroh-Gemisch aufgebracht und mit Kalkputz überzogen. Barocke Lehm-Stroh-Gemische finden sich auch auf der Innenseite der Wände, um den älteren Putz zu ergänzen.
Fenster im Wandel der Zeit – Einblicke in die architektonische Evolution
Eines der beiden Fenster an der Ostseite wurde vergrößert und als Durchgang in den neuen Anbau genutzt. Diese Öffnung wurde später wieder verkleinert. Die verschiedenen Ansätze sind freigelegt und erkennbar. Besonders interessant ist die seitliche Verschiebung dieser Mauerwerksöffnung. Die unterschiedlichen Materialien zeigen deutlich die einzelnen Phasen des Umbaus.
Eine Trennwand hinter der angebauten Treppenöffnung teilt das Haus im ersten Obergeschoss in einen Nord- und einen Südraum. Die ältere, später zugemauerte Tür ist noch deutlich sichtbar. Auch das zugemauerte Fenster auf der Nordseite ist noch sichtbar. Das Fenster an der östlichen Längsseite ist das ursprüngliche, obwohl seine Form später verändert wurde. Die romanische Fensterlaibung ist erhalten geblieben und auch von außen gut sichtbar. An der Westfassade sind die späteren mehrfachen Veränderungen an den Fenstern besonders gut sichtbar.
Die Fenstereinfassung ist aus Holzbalken gefertigt. Ursprünglich gab es eine Mittelstütze, wie der erhaltene obere Querbalken zeigt. Auf der einen Seite steht noch das alte Längsholz, auf der anderen Seite bilden maschinell gezogene Ziegel aus dem 20. Jahrhundert die Fenstereinfassung.
Verlegung des Kellereingangs
Bei der Errichtung des barocken Anbaus wurde der ursprüngliche Kellereingang verlegt. Der neue Eingang befindet sich seitdem in der südlichen Querseite und ist mit Maschinenziegeln des frühen 20. Jahrhunderts gefasst. Die barocke breitere Treppe ist noch vorhanden und befindet sich hinter der Eingangstür. Der östliche Teil des Kellers wurde durch eine eingezogene Zwischenmauer abgeteilt. Die Mauer steht teilweise auf den Treppenstufen und verkleinert dadurch den Eingang. Im Kellerinneren ist der Zweck dieser Unterteilung zu erkennen. Der neue Raum, der sich zur Rückseite befindet, diente als Luftschutzkeller.
Zweiter Anbau: Wandel vom Stall zum Wohnraum
Der zweite Anbau im Norden an der Emser Straße wurde im 19. Jahrhundert zunächst als eingeschossiges Stallgebäude mit Pultdach errichtet. Der Bodenraum unter dem Pultdach wurde als Heuboden genutzt.
Im Jahr 1926 wurden die beiden Räume im Erdgeschoss auf eine Raumhöhe von 2,70 Metern abgesenkt. Sie wurden dann durch eine Tür verbunden und als Wohnräume genutzt.
Vier Jahre später wurden das neu errichtete Dachgeschoss ausgebaut, der Anbau errichtet und zwei weitere Wohnräume im Obergeschoss geschaffen. Außerdem wurde ein neues Dach mit Stauraum angebaut. Die 1926 angebaute Holztreppe zum Obergeschoss wurde überdacht und später zu einer Innentreppe umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Erdgeschoss zu einem Ladengeschäft umgebaut.
Romanisches Haus in Horchheim mit Anbauten, ca. 1960 vom ehemaligen St. Josef-Krankenhaus aus gesehen Foto: Karl-Heinz Melters, Aachen
Überlebensgeschichte des gotischen Dachstuhls – Eine Begegnung mit Baufälligkeit und Kriegszeit
Der gotische Dachstuhl des Romanischen Hauses aus dem Jahr 1473 ist noch auf dem Gebäude vorhanden. Ursprünglich sollte er 1939 aufgrund von Baufälligkeit ersetzt werden. Die Arbeiten verzögerten sich aufgrund der Materialwirtschaft nach Kriegsbeginn. Glücklicherweise wurde die Anordnung des Bauinspektors nicht vollständig umgesetzt, aufgrund von Geldmangel und Unstimmigkeiten zwischen den beiden Eigentümern und Bewohnern. Die Dachbalken wurden nicht verändert. Lediglich die Dacheindeckung wurde erneuert und darunter eine Schicht aus Brettern angebracht, die mit Brandschutzfarbe gestrichen wurde.
Basaltlava und stauferzeitliche Architektur – Das einstige Tor des Horchheimer Wohnturms
Unmittelbar südlich des Wohnturms standen einst zwei halbrunde Torpfosten aus Basaltlava, die bis zu ihrem Abbruch nach dem zweiten Weltkrieg zu einem großen Tor gehörten. Der linke Pfosten lehnte direkt am Wohnturm an. Ähnliche Torpfosten waren auch am romanischen Wohnturm in Pfaffendorf vorhanden, wurden aber später entfernt. Dieser als „Koblenzer Tortyp“ bezeichnete Torpfostentyp war besonders steil proportioniert und wurde auch in anderen Orten wie Leutesdorf und an der Burg Andernach gefunden. Die Horchheimer Torpfosten sind älter als der Wohnturm selbst und stammen aus dem 12. Jahrhundert, was darauf hindeutet, dass sie zu einem Vorgängerbau gehörten, der mindestens ins späte 12. Jahrhundert zurückreicht.
Historischer Schatz gerettet – Wie Koblenz das verfallene Wohnhaus vor dem Untergang bewahrte
Das Romanische Haus in Horchheim ist das älteste erhaltene Wohnhaus in Koblenz. Seine historische Verbindung mit dem Stift St. Florin endete 1803 mit der Aufhebung des Stifts und dem Tod des letzten Pächters, Johannes Sauter. Der Koblenzer Rat Meurer erwarb das Anwesen 1819 und verkaufte die Ländereien sowie das Haus 1822 einzeln an Bürger aus Horchheim.
Das Romanische Wohnhaus wurde am 24. Juni 1992 förmlich unter Schutz gestellt. Das Landesamt für Denkmalpflege – Referat Bauforschung – unterzog das Gebäude 1993/1994 einer intensiven Bauuntersuchung, die ein verformungsgerechtes Aufmaß, eine Dokumentation in Text und Bild sowie eine dendrochronologische Bestimmung des originalen Dachstuhls umfasste. Mit der bauhistorischen Untersuchung wurden die wissenschaftlichen Grundlagen für eine wünschenswerte Restaurierung geschaffen.
Am 20. Dezember 1995 fand ein Ortstermin mit dem zuständigen Gebietsreferenten des Landesamtes für Denkmalpflege, dem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Koblenz und dem Prüfstatiker der Stadt statt. Anlass waren die von den Eigentümern vorgetragenen Bedenken hinsichtlich der weiteren bautechnischen Sicherung des Giebels und des Dachstuhls.
Die Eigentümer waren aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse nur in der Lage, Notmaßnahmen am Haus durchzuführen, nicht aber, das Anwesen langfristig zu erhalten. Deshalb wurde das Objekt in die vom Landesamt für Denkmalpflege zusammengestellte Broschüre „Verkäufliche Kulturdenkmäler“ aufgenommen. Verschiedene private Interessenten wurden jedoch durch den schlechten baulichen Zustand abgeschreckt.
Die Denkmalfachbehörde war der Auffassung, dass eine langfristige Erhaltung des Hauses nur möglich ist, wenn es in öffentliches Eigentum überführt wird, sei es der Stadt Koblenz oder des Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2001 erwarb die Stadt Koblenz das Baudenkmal nach langen Verhandlungen von seinem letzten privaten Eigentümer. Das Haus befand sich zu dieser Zeit in einem stark vernachlässigten Zustand und stand seit mehreren Jahren leer.
Tag des offenen Denkmals 2002
Am Tag des offenen Denkmals 2002 öffnete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Haus erstmals für einen Tag und präsentierte die Ergebnisse der gerade abgeschlossenen Untersuchung der Bausubstanz.
Rettung durch Fördermittel – Sanierung dank finanzieller Unterstützung
Von 2005 bis 2013 wurden umfangreiche bauliche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die durch den Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert wurden. Die Außenwände wurden durch Verpressen stabilisiert und das Dach mit Schiefer neu eingedeckt. Stahlanker sorgen dafür, dass die Dachkonstruktion sicher mit den Giebelwänden verbunden ist.
Im Inneren wurden neuere Wände entfernt, um sich den mittelalterlichen Grundrissen anzunähern. Darüber hinaus wurde die barocke hölzerne Spindeltreppe instand gesetzt. Der Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der zuletzt als Drogerie genutzt wurde, wurde abgerissen, um das Haus zu entlasten. Das barocke Gebäude auf der Rückseite, das stark von Pilz befallen war, wurde ebenfalls entfernt.
Vom Verfall zur Museumsperle – Zukunftsperspektiven für das sanierte Stadthaus in der Emser Straße
Am 12. November 2010 fand ein Treffen statt, zu dem die Ortsvereinsvorsitzende der SPD Horchheim, Gertrud Block, eingeladen hatte. Anwesend waren Vorstandsmitglieder des Ortsvereins, der Landtagsabgeordnete David Langner (MdL) sowie die Vertreter der Heimatfreunde Jochen Hof und Helmut Mandt. Herr Mohr vom städtischen Hochbauamt informierte über den Stand der Sanierungsarbeiten am Romanischen Haus in der Emser Straße. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung des Hauses.
Gertrud Block schlug vor, dass sich der Ortsring als Arbeitsgemeinschaft der Horchheimer Vereine damit befassen und die Wünsche der Bürger an die politischen Entscheidungsträger weiterleiten solle. Die SPD Horchheim schlug die Einrichtung eines Bürgerzentrums vor, die Heimatfreunde die Einrichtung einer Etage als Mendelssohn-Museum. Der Vorschlag war Gegenstand eines Artikels in der SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“ vom Januar 2011.
Begehung des Romanischen Hauses während der Sanierungsarbeiten im November 2010 Fotos aus dem Archiv von Jochen Hof
In Koblenz stand damals laut Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann der Ausbau der Festung ganz oben auf der Agenda, gefolgt vom 800 Jahre alten „Romanischen Haus“, dem ältesten Gebäude der Stadt. Schulte-Wissermann versprach sich davon eine touristische Aufwertung der Stadt, auch im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2011.
Finanzierung und Nutzungsperspektiven im Fokus
Der Horchheimer Wohnturm ist ein einzigartiges Bauwerk, da er in seiner Originalsubstanz nahezu unverändert erhalten ist und die Zeiten überdauert hat.
Mit den Mitteln aus dem Investitionsprogramm „Nationale Welterbestätten“ in Höhe von insgesamt 450.000 Euro wurden verschiedene Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen, notwendige Abbrucharbeiten, Restaurierungsarbeiten und Bauforschungen durchgeführt. Weitere Mittel für den Innenausbau stehen in diesem Investitionsprogramm nicht zur Verfügung. Die Fördermittel von Bund und Land wurden unter der Voraussetzung bewilligt, dass das Gebäude später als öffentliches Museum genutzt wird. Aufgrund der ungeklärten Nutzungsfrage hat die Verwaltung keine Haushaltsmittel für den Innenausbau angemeldet.
Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Geschichte des Romanischen Hauses noch nicht abgeschlossen. Um das Baudenkmal langfristig zu erhalten, ist eine schonende Nutzung erforderlich. Diese zu finden, ist eine Herausforderung für die Stadt Koblenz, denn auch Putz, Böden, Decken und Dachstuhl des Hauses sind noch historisch4. Ein mittelalterliches Haus mit einem so reichen Originalbestand ist von unschätzbarem Wert. Diese Bedeutung schränkt jedoch die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein, da der historische Bestand umfassend erhalten werden muss.
Quellen:
Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung Koblenz, 12.11.2012 Stellungnahme zu Antrag/Anfrage Nr. AF/0130/2012 Betreff: Anfrage der CDU-Ratsfraktion – Romanisches Haus in Koblenz-Horchheim (Emser Str. 389)
Erich Engelke M. A. Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz Horchheimer Kirmeszeitung 2003
Erich Engelke Das romanische Haus in Koblenz Horchheim. Sonderveröffentlichung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Ortskuratorium Koblenz – Mittelrhein zum Tag des offenen Denkmals 2002.
Landtag Rheinland-Pfalz Drucksache 12/8027 vom 16.01.1996 Kleine Anfrage 4211 des Abgeordneten Fredy Schäfer (CDU) und Antwort des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen
Markus Meinen M.A. Ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand Horchheimer Kirmeszeitung 2008
SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“, Januar 2011.
Stadtverwaltung Koblenz Redaktion koblenz.de Denkmal des Monats Februar 2022 Eines der ältesten Häuser von Koblenz
Udo Liessem Horchheim 1214 – 2014 Die profanen Denkmäler – Ein Überblick Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim aus Anlass des 800-jährigen Bestehens der Pfarrei
Bearbeitung und Zusammenstellung: Andreas Weber, Koblenz-Horchheim
Titelbild: Romanisches Haus in Horchheim Tusche und Aquarell von Anton Nikolaus Franck 1964 Reproduktion: Lothar Stein
Horchheimer Kirmes Magazin
Kirmes Magazin 2003 | Das älteste Wohnhaus der Stadt Koblenz Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz von Erich Engelke M. A.
Kirmes Magazin 2010 | Ein Kleinod mittelalterlicher Baukunst in Horchheim Aktuelles „aus erster Hand“ in Sachen Romanisches Haus in der Emser Straße von Rolf Molkenthin, Denkmalpfleger beim Amt der Stadt Koblenz für Stadtentwicklung und Bauordnung