Beethovens Großmutter plaudert aus dem Nähkästchen

Ausflug der Heimatfreunde Horchheim nach Ehrenbreitstein

Am Samstag, dem 9. Mai 2026, unternahmen die Heimatfreunde Horchheim einen besonderen kulturhistorischen Ausflug nach Ehrenbreitstein. Ziel war die szenische Lesung „Beethovens Großmutter plaudert aus dem Nähkästchen“, die von der gebürtigen Ehrenbreitsteinerin, Koblenzer Gästeführerin und Darstellerin historischer Figuren Marlis Weiß eindrucksvoll gestaltet wurde.

Bei bestem Frühlingswetter traf sich die Gruppe an der Bushaltestelle in Horchheim und fuhr gemeinsam mit der Linie 6 nach Ehrenbreitstein. Von dort ging es zu Fuß durch die Humboldtstraße zum Treffpunkt am Kapuzinerplatz. Hier stießen auch die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Gruppe, die mit dem Fahrrad oder dem Auto angereist waren. Insgesamt war die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt.

Empfangen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Herrn Weiß, bevor die Gruppe über den ehemaligen Klostergarten in die Räumlichkeiten hinter der Kapuzinerkirche geführt wurde. Dort waren Kirchenbänke aufgestellt, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Die besondere Umgebung verlieh der Veranstaltung von Beginn an eine eindrucksvolle Stimmung.

Nach einer herzlichen Begrüßung begann die Lesung. Marlis Weiß schlüpfte mit großer Ausdruckskraft in die Rolle von Anna Klara Keverich, der Großmutter mütterlicherseits von Ludwig van Beethoven. Obwohl Anna Klara ihren berühmten Enkel nie kennenlernen konnte – Beethoven wurde erst zwei Jahre nach ihrem Tod geboren –, gelang es der Darstellerin, die Verbindung zwischen Ehrenbreitstein und der späteren Beethoven-Familie lebendig und emotional greifbar werden zu lassen.

Mit viel Humor, Gefühl und detailreicher Sprache schilderte sie den Alltag des 18. Jahrhunderts in Ehrenbreitstein. Dabei erzählte sie von der Familie Keverich, vom Leben in der Wambachstraße, vom höfischen Umfeld des Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff und von ihrem Ehemann Johann Heinrich Keverich, der als Oberhofkoch am kurtrierischen Hof tätig war. Immer wieder verband Marlis Weiß historische Fakten mit persönlichen Gedanken und Gefühlen der dargestellten Figur, wodurch Geschichte unmittelbar lebendig wurde.

Besonders eindrucksvoll war die Schilderung des damaligen Ehrenbreitsteins mit der heute verschwundenen Philippsburg, den höfischen Festen, Feuerwerken, Jagdgesellschaften und den vielen Gästen aus nah und fern. Auch die berühmte „fliegende Brücke“ über den Rhein sowie die damalige Bedeutung Ehrenbreitsteins als barocker Residenzort wurden anschaulich beschrieben.

Im Mittelpunkt stand jedoch immer wieder Anna Klaras Tochter Maria Magdalena Keverich, die spätere Mutter Beethovens. Die Lesung machte deutlich, wie eng deren Herkunft mit Ehrenbreitstein verbunden war und wie sehr ihre Persönlichkeit und Erziehung später auch Ludwig van Beethoven geprägt haben dürften. Eindrucksvoll schilderte Marlis Weiß die schwierigen Lebensumstände Maria Magdalenas, ihre erste Ehe mit Johann Leym, die frühe Verwitwung sowie schließlich die Heirat mit Johann van Beethoven im Jahr 1767 in Bonn.

Bemerkenswert war dabei auch die intensive Vorbereitung von Marlis Weiß auf ihre Rolle. Als Autodidaktin hatte sie sich mit großer Leidenschaft in die wenigen überlieferten Quellen zur Familie Keverich eingearbeitet – darunter Kirchenbücher, kurfürstliche Aufzeichnungen und historische Überlieferungen aus Ehrenbreitstein. Gerade weil über bürgerliche Familien des 18. Jahrhunderts nur wenige Zeugnisse erhalten sind, gewann die Darstellung dadurch besondere Tiefe und Authentizität.

Auch zahlreiche zeitgeschichtliche Ereignisse flossen in die Darstellung ein: die Glanzzeit des Barock, das religiöse Leben jener Zeit, der Aufenthalt der Familie Mozart in Ehrenbreitstein sowie die Überführung des Heiligen Rocks auf die Festung während unruhiger Zeiten. Immer wieder wurde deutlich, wie stark persönliche Schicksale und große Geschichte miteinander verwoben waren.

Die Pause zwischen den beiden Teilen der Lesung nutzten viele Teilnehmer für einen Rundgang durch den idyllischen und bis heute genutzten Klostergarten. Das historische Ambiente passte hervorragend zum Thema des Nachmittags.

Der zweite Teil der Lesung widmete sich stärker den persönlichen Schicksalsschlägen Anna Klaras: dem plötzlichen Tod ihres Mannes Johann Heinrich Keverich im Jahr 1759, wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie der späteren Übersiedlung ihrer Tochter nach Bonn. Gerade diese Passagen wurden von Marlis Weiß besonders eindringlich und bewegend vorgetragen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten sich gut in die Gedankenwelt einer Frau des 18. Jahrhunderts hineinversetzen.

Großen Eindruck hinterließ auch die Darstellung des damaligen Frauenbildes im Zeitalter des Barock und der beginnenden Aufklärung. Immer wieder stellte die Lesung die Frage, wie Frauen jener Zeit lebten, welche Erwartungen an sie gestellt wurden und welchen Belastungen sie ausgesetzt waren.

Die Teilnehmer der Heimatfreunde zeigten sich tief beeindruckt von der Qualität der Aufführung. Die Mischung aus historischer Genauigkeit, lebendiger Sprache, Humor und emotionalem Vortrag machte die Veranstaltung zu einem besonderen Erlebnis. Der lang anhaltende und begeisterte Applaus am Ende der Lesung zeigte deutlich, wie sehr Marlis Weiß das Publikum berührt hatte.

Im Anschluss ließ die Gruppe den Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und Eis in einem Café am Kapuzinerplatz in gemütlicher Runde ausklingen.

Die Rückfahrt führte über Pfaffendorf zurück Richtung Horchheim. Da der Anschlussbus knapp verpasst wurde, nutzten einige Teilnehmer die Gelegenheit zu einem entspannten Spaziergang durch die schönen Pfaffendorfer Rheinanlagen, bevor es schließlich weiter nach Hause ging.

Alles in allem war es ein rundum gelungener Ausflug der Heimatfreunde Horchheim – mit spannenden historischen Einblicken, einer außergewöhnlich gelungenen Lesung und vielen schönen gemeinsamen Momenten. Ein herzlicher Dank gilt Marlis Weiß für die eindrucksvolle und mit viel Herzblut gestaltete Veranstaltung.


Historisches Ehrenbreitstein, die Kapuzinerkirche und das Mutter-Beethoven-Haus

Rund um den Kapuzinerplatz in Ehrenbreitstein wird die Geschichte des Stadtteils besonders anschaulich sichtbar. Geistliches Leben, höfische Residenzfunktion und kulturelles Erbe liegen hier eng beieinander.

Das ehemalige Kapuzinerkloster mit der heutigen Kapuzinerkirche Ehrenbreitstein wurde 1627 gegründet und zählt zu den ältesten Niederlassungen des Ordens im Rheinland. Nach der Zerstörung im Jahr 1636 erfolgte der Wiederaufbau zwischen 1652 und 1657. Die Anlage war durch ihre Lage am Rhein immer wieder von Hochwasser und historischen Umbrüchen betroffen, wurde 1803 säkularisiert und später teilweise abgetragen. Erhalten sind heute insbesondere die Kirche, Teile des Kreuzgangs und der Klosterzugang. Die schlichte Architektur der Kirche steht in bewusstem Kontrast zu den barocken Altären von Johannes Seiz.

Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich Ehrenbreitstein zu einer bedeutenden Residenzstadt der Trierer Kurfürsten. Mit der nahegelegenen Philippsburg Ehrenbreitstein entstand ein wichtiger Regierungssitz, der Verwaltung, Hofleben und städtische Entwicklung prägte. Barocke Bauten, enge Gassen und die Nähe zur Festung prägen bis heute das historische Stadtbild und erinnern an die politische Bedeutung des Ortes in kurfürstlicher Zeit.

Im Mutter-Beethoven-Haus Ehrenbreitstein in der Wambachstraße wurde 1746 Maria Magdalena Keverich geboren, die Mutter Ludwig van Beethovens. Das Haus stammt im Kern aus dem frühen 17. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Nach dem Erwerb durch die Stadt Koblenz wurde es 1975 als Gedenkstätte eröffnet und später zum Museum ausgebaut. Es erinnert heute eindrucksvoll an die familiären Wurzeln Beethovens und gehört zu den wichtigsten kulturhistorischen Erinnerungsorten des Stadtteils.

Text: Andreas Weber





Heilije, Hexe, Huckeweiwer – met Lisbeth durch die Altstadt

Am 28. Juni hatten die Heimatfreunde Horchheim die besondere Gelegenheit, an einer Führung durch die Koblenzer Altstadt teilzunehmen. Unter dem Motto „Heilije, Hexe, Huckeweiwer – met Lisbeth durch die Altstadt“ nahm Marlis Weiß die Teilnehmer in der Rolle der Marktfrau Lisbeth mit auf eine lebendige Zeitreise.

In ihrem historischen Kostüm und in Koblenzer Mundart erzählte Lisbeth von den „Kowelenzer Leut“, ihren Gewohnheiten und unvergessenen Originalen, die die Stadt geprägt haben. Die Erzählungen waren lebhaft und abwechslungsreich – mal in Versform, mal in humorvoller Prosa, begleitet von Gesangseinlagen, die bei den Teilnehmern für viel Freude sorgten.

Die Führung begann am Münzplatz bei der Bronzefigur der „Marktfrau Ringelstein“. Lisbeth berichtete von den damaligen Marktfrauen, den sogenannten „Huckeweibern“, die den Markt prägten, und den humorvollen Kinderreimen über Frau Ringelstein und den Schutzmann Otto, der ihr half.

Weiter ging es die Münzstraße entlang, wo die Künstlerin Lotte Meurer mit ihren farbenfrohen, pastellartigen Darstellungen Koblenzer Ansichten geehrt wird. Sie war eine bekannte Malerin und Keramikerin, deren Werke das Stadtbild bereichern.

Vom Münzplatz führte die Gruppe über den Gebrüder-Dommermuth-Weg, der als Straßenname zwischen Münzstraße und Gemüsegasse an die Brüder Jupp, Peter und Leo Dommermuth erinnert – prägenden Figuren des Koblenzer Karnevals der 1950er und 60er Jahre.

Am Ende der Gemüsegasse steht die Steinfigur „Dä Gummi“, die an Peter Schneider erinnert. Der Hausierer verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Hosenträgern und Zeitungen, wobei sein charakteristischer Gang ihm den Spitznamen einbrachte.

Verbunden wird die Gemüsegasse mit der Mehlgasse durch das kurze Etzegässchen, benannt nach einem Wirt, der hier im 18. und 19. Jahrhundert eine Gastwirtschaft betrieb. An der Gemüsegasse befindet sich außerdem eine Bacchusfigur, die an die lange Tradition erinnert.

In der Mehlgasse steht die Figur „Das Pfefferminzje“, die Annemarie Stein gewidmet ist. Sie war bekannt für ihren Hausierhandel mit Pfefferminzrollen und ihre große Tierliebe.

In derselben Gasse begann auch das Wirken von Schwester Irmina, der Gründerin der Schwestern vom Heiligen Geist. 1857 gründete Anna Maria Hoelscher, die später den Ordensnamen Schwester Irmina annahm, mit drei weiteren Frauen in der Mehlgasse 8 eine geistliche Gemeinschaft, die sich der Krankenpflege und sozialen Arbeit widmete.

Nicht weit entfernt, gegenüber der Liebfrauenkirche, erinnert ein Gedenkstein an die 172 Koblenzer Bürger, die 1347 bei der Grenzauer Fehde ums Leben kamen. Diese Fehde war eine kriegerische Auseinandersetzung um die Burg Grenzau und zählt zu den bedeutenden historischen Ereignissen der Region.

Die Liebfrauenkirche, eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen Koblenz’, prägt mit ihren markanten Zwiebeltürmen das Stadtbild der Altstadt. Hier begann einst auch die jährliche Gedenkprozession für die Gefallenen der Grenzauer Fehde.

Der Weg führte weiter zum Platz Am Plan, der als erster eben gepflasterter Platz in Koblenz schon im Barock von Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen modernisiert wurde. Heute erinnert der Platz an seine vielfältige Nutzung als Markt- und Veranstaltungsort.

Der Entenpfuhl war einst ein Armenviertel und eine Kloake, in der die ärmsten Koblenzer lebten. Ein kleiner Brunnen der Bildhauerin Edith Peres-Lethmate erinnert heute an den früheren Stadtgraben, in dem Geflügel gehalten wurde.

Im Rathaushof, dem heutigen Willi-Hörter-Platz, sangen die Heimatfreunde das Schängellied – die Hymne auf den Koblenzer Lausbuben „Schängel“. Der 1941 eingeweihte, von Carl Burger entworfene Schängelbrunnen zeigt das „Schängelche“ als Bronzefigur, die frech Wasser auf Passanten spritzt – Sinnbild für Schalk und Lebensfreude der Koblenzer.

Über Jesuitenplatz und Firmungsstraße führte die Gruppe zur Kornpfortstraße, wo in einer Hausnische an der Ecke „Unterm Stern“ die Nachbildung der Schürger Madonna steht. Das Original war 1532 an der Mosel angeschwemmt worden und galt lange als Schutzheiligtum der Hafenarbeiter, den „Schürgern“. Nach dessen Verschwinden 1961 setzte sich eine Brunnengemeinschaft für die Nachbildung ein, die seit 2014 von der Pfarrgemeinde Liebfrauen gepflegt wird.

Nicht weit davon befindet sich der spätgotische Wohnturm „Deutscher Kaiser“ in der Kastorstraße. Das um 1490 erbaute Gebäude hat Kriege und Zerstörungen überstanden und wurde bis 2014 aufwendig saniert. Heute beherbergt es wieder ein Restaurant.

Zur Stärkung wurden den Teilnehmern unterwegs der „Dähler Drobbe“, ein Kräuterlikör aus Ehrenbreitstein, und das traditionelle „Dudebeinche“, ein in Butter gebackenes Hefeteiggebäck nach altem Koblenzer Rezept, gereicht.

Am Ende der Führung, auf dem Florinsmarkt, erzählte Lisbeth eindrucksvoll von der Hexenverfolgung, berichtete vom Hexenwahn und bewegte mit der Geschichte ihrer Großmutter, die knapp einem Hexenprozess entkommen war.

Trotz der sommerlichen Hitze, die einige angemeldete Teilnehmer zur Absage bewegte, war die Führung mit Marlis Weiß ein voller Erfolg und wurde von allen sehr gelobt. Schöne Fotos halten die Erinnerungen fest.

Nach dem gemeinsamen Essen im Restaurant Drei Hefen und der Rückfahrt mit dem Bus nach Horchheim fand der Tag einen entspannten Ausklang im Mendelssohnpark. Dort sorgte die „Vinothek on Tour“ mit erlesenen Weinen für einen gelungenen Abschluss eines informativen und unterhaltsamen Tages.

Text: Andreas Weber, Fotos: Mechthild Hof, Andreas Weber