„Liebenswertes Horchheim“ – Wiedersehen auf der Bilderschau 2025

Am Sonntag, den 2. November 2025, luden die Heimatfreunde Horchheim zur Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“ in die Schützenhalle ein. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen, um bei Kaffee und Kuchen einen abwechslungsreichen Nachmittag mit aktuellen und historischen Eindrücken aus dem Stadtteil zu erleben.

Nachdem sich die Halle gefüllt hatte und alle Plätze besetzt waren, eröffnete der Vorsitzende Andreas Weber die Veranstaltung mit der Vorstellung des Horchheimer Kalenders für das Jahr 2026. Er dankte Lothar Stein für seine fotografische Arbeit sowie für die Konzeption und Auswahl der Motive. Jürgen Dewald, Hans Josef Schmidt und Andreas Weber steuerten weitere Aufnahmen bei, aus denen die Motive des Kalenders ausgewählt wurden. Der Kalender zeigt ausschließlich aktuelle Ansichten und verzichtet bewusst auf historische Fotografien.

Das Titelmotiv präsentiert einen spätsommerlichen Blick entlang der Mendelssohn-Allee am Rhein in Richtung Königsbacher Brauerei. Weitere Monatsbilder zeigen stimmungsvolle Szenen aus dem Ort – darunter die Abendansicht über der Karthause im Januar, die Orgelrestaurierung in St. Maximin im Februar oder die Tongrube Escherfeld im März. Auch das historische Soldatenbad aus den 1950er Jahren, die Prozession an Christi Himmelfahrt 2015, der Spielmannszug der TuS Horchheim beim Kirmesumzug 2025 und ein Erinnerungsbild an Robert Stoll zum 80. Geburtstag vor der Mendelssohn-Stele sind vertreten. Im Spätsommer rollt eine Dampflokomotive Richtung Niederlahnstein, der Mendelssohnpark zeigt sich im Herbst in kräftigen Farben, und im Dezember beschließt ein verschneiter Blick über den Friedhof am Alten Weg das Jahr.

Das Publikum nahm die Präsentation sehr positiv auf; einige Besucher sicherten sich direkt ein Exemplar des auf 6 Euro bepreisten Kalenders. Mit herzlichem Applaus endete die Vorstellung – ein gelungener Auftakt für den Nachmittag.


Rückblick auf das Ortsmuseum und Spendenaufruf

Im zweiten Programmpunkt erinnerte der Vorsitzende an die Geschichte des Horchheimer Ortsmuseums. Grundlage war eine Präsentation, die bereits 2004 von Jochen Hof zusammengestellt worden war und die Anfänge und Entwicklung des Museums dokumentierte. Gezeigt wurden Aufnahmen aus den frühen Jahren, als das Gebäude in der Alten Heerstraße 14 kurz vor dem Abriss stand, sowie die Fortschritte, die durch das Engagement der Vereinsmitglieder und die Unterstützung zahlreicher Spender möglich wurden.

Besonderes Interesse fanden die historischen Exponate in „Omas gute Stube“, der alte Küchenherd und verschiedene Haushaltsgeräte vergangener Zeiten. Schon damals war das Museum als außerschulischer Lernort in Kooperation mit der Grundschule Horchheim gedacht.

Beisitzer Heiner Drumm berichtete über aktuelle Renovierungsarbeiten, insbesondere in der Museumsküche, für die bereits rund 2.000 Euro an Putzarbeiten angefallen sind. Der Verein ist weiterhin auf Spenden angewiesen, um die laufenden Renovierungen fortzuführen und das Ortsmuseum als kulturelles Herzstück Horchheims zu erhalten. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

Ortsmuseum Horchheim 2004 – Bilderschau 2025

Die neue Homepage der Heimatfreunde Horchheim

Im Anschluss wurde die neue Homepage der Heimatfreunde Horchheim vorgestellt. Der Vorsitzende präsentierte den Besucherinnen und Besuchern das modernisierte Design und die erweiterten Funktionen der Vereinsseite.

Die Homepage wurde gemeinsam mit der Agentur Designraketen vollständig überarbeitet. Die barrierefreie Umsetzung entstand mit Unterstützung der Aktion Mensch. Über das Symbol einer roten Figur oben rechts lassen sich Schriftgrößen, Farben und Zeilenabstände individuell anpassen oder Texte vorlesen – ein Angebot, das den aktuellen Barrierefreiheitsstandards entspricht und den Zugang für alle erleichtert.

Neu ist außerdem die Möglichkeit, Vereinsangelegenheiten direkt online zu erledigen. Mitglieder können Adressänderungen oder Spenden digital übermitteln und den Vorstand über ein Formular kontaktieren.

Unter dem Menüpunkt „Aktuelles“ erscheinen regelmäßig Berichte aus dem Vereinsleben, gegliedert in die Themenbereiche Ortsgeschichte, Menschen, Mundart, Zeitzeugen, Projekte und Verein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Zeitzeugeninterviews mit Horchheimer Persönlichkeiten wie Ewald Fischbach, Hännes Huber, Hans Lehnet und Helmut Mandt. Die Gespräche dokumentieren persönliche Erinnerungen und bewahren sie dauerhaft für die Ortsgeschichte.

Mit der neuen barrierefreien Homepage bietet der Verein einen zeitgemäßen Zugang zu Geschichte, Kultur und Vereinsleben in Horchheim.


Vorstellung des Projekts KuLaDig für Horchheim

Ein weiterer Programmpunkt der Bilderschau widmete sich dem Projekt KuLaDig – Kulturlandschaft digital, das historische Zeugnisse der Region digital erfasst und öffentlich zugänglich macht. Für Horchheim steht in diesem Jahr die Familie Mendelssohn im Mittelpunkt.

Das Team der Heimatfreunde führte hierzu umfangreiche Recherchen im Vereinsarchiv durch und sichtete zahlreiche historische Dokumente und Fotografien. Dazu gehören Aufnahmen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, etwa vom Palais Mendelssohn um 1828, dem Musikzimmer der Familie und dem Park hinter dem Gebäude. Besonders interessant ist ein Baum aus dem ehemaligen Park, der bis heute erhalten ist. Auch historische Ansichten der Lindenallee am Rhein wurden dokumentiert. Einige der alten Fotos – darunter Familienbilder von 1859 – wurden von Lothar Stein digital restauriert.

Auf den Spuren der Familie Mendelssohn in Horchheim – Bilderschau 2025

Unterstützung erhält das Team durch Studierende der Universität Koblenz, die moderne Methoden wie Künstliche Intelligenz und Videoanimation nutzen, um die Inhalte anschaulich aufzubereiten. Ein besonderes Highlight des Projekts ist der 360-Grad-Erfahrungsraum, der es ermöglicht, historische Orte und Dokumente interaktiv zu erkunden. So können Besucherinnen und Besucher beispielsweise Briefe der Mendelssohns digital abrufen und sich vorlesen lassen – ein Beitrag zur barrierefreien Vermittlung historischer Quellen.

Das Projekt begann im Mai 2025 mit einem Treffen der Heimatfreunde und des Projektteams im Ortsmuseum. Dabei wurden zentrale Orte Horchheims erarbeitet: der Mendelssohn-Park (ehemals Palais, heute Brauchtumsplatz), die Pfarrkirche St. Maximin als Zentrum der katholischen Tradition und das Romanische Haus als eines der ältesten Gebäude der Stadt Koblenz.

KuLaDig-Horchheim ist Teil eines landesweiten Modellprojekts in Rheinland-Pfalz, an dem insgesamt sechs Kommunen beteiligt sind. Die Präsentation auf der Bilderschau zeigte eindrucksvoll, wie historische Forschung, digitale Technik und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken, um die Geschichte Horchheims lebendig zu vermitteln.


Vortrag über den Horchheimer Tunnel

Nach der Kaffeepause begann der zweite Teil der Veranstaltung mit einem Vortrag von Thomas Hüllen über den Horchheimer Eisenbahntunnel, der in den vergangenen Jahren umfassend saniert wurde.

Der Tunnel wurde 1902 in Betrieb genommen und hatte nach rund 120 Jahren deutliche Alterungsspuren gezeigt. Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Materialermüdung machten eine grundlegende Erneuerung notwendig. 2021 begannen die Sanierungsarbeiten, die etwa zwei Jahre dauerten. Im Dezember 2023 wurde der Tunnel wieder für den Bahnverkehr freigegeben; die letzten Restarbeiten erfolgten im August 2025. Lediglich die Probleme mit eindringendem Wasser seien noch nicht vollständig behoben, berichtete der Referent, doch auch hierfür werde bereits an einer Lösung gearbeitet.

Im Zuge der Arbeiten wurde der Tunnel geringfügig verlängert – aus welchen Gründen, ließ sich nicht mehr genau feststellen. Auf Luftbildern zeigte sich deutlich der Verlauf unter der Erde mit dem Nordportal auf Horchheimer und dem Südportal auf Pfaffendorfer Seite.

Da nur wenige historische Aufnahmen existieren, illustrierte der Vortragende seinen Beitrag mit einem Gemälde von Alfred Erich Euchler, das den Tunnel mit seinen charakteristischen Nischen zeigt. Das Original befindet sich im Eifelmuseum Mayen, eine Kopie im Ortsmuseum Horchheim. Diese Nischen – teils aus Fels gehauen, teils mit Back- oder Bruchstein ausgemauert – waren noch bis zur Tunnelsanierung vorhanden.

Im Tunnel selbst existierten früher drei Stollen: zwei auf Horchheimer, einer auf Pfaffendorfer Seite. Sie führten jeweils 10 bis 15 Meter in den Berg hinein, waren jedoch frühzeitig zugemauert worden und wurden erst bei der Sanierung wieder geöffnet. Ihr Zweck konnte nicht eindeutig geklärt werden; möglicherweise dienten sie bautechnischen oder militärischen Zwecken.

Eine Zuhörerin erinnerte daran, dass während des Zweiten Weltkriegs viele Menschen im Tunnel Schutz gesucht hätten, während der Bahnverkehr teilweise weiterlief.

Ein dauerhaftes Problem des Bauwerks war das eindringende Wasser, insbesondere in der Tunnelmitte, wo sich früher ein Schornstein oder Lüftungsschacht befand. Dort drang Oberflächenwasser ein und bildete zeitweise eine regelrechte Tropfsteinhöhle. Bei der Sanierung wurde das Wasser nun hinter der Betonschale gesammelt und über ein Edelstahlrohr abgeleitet.

Im Mai 2022 kam es bei den Bauarbeiten zu einem größeren Einsturz in der Nähe des Niederfelder Wegs. Ein zunächst kleines Loch entpuppte sich als 22 Meter tiefer Hohlraum, der schließlich mit rund 15 LKW-Ladungen Beton verfüllt wurde. Dabei wurde auch deutlich, wie die alte Tunnelröhre konstruiert war: innen Backsteinmauerwerk, darüber Bleche und schließlich der Fels. Die neue Röhre erhielt eine Verstärkung aus Stahl und Beton.

Auf historischen Luftaufnahmen aus den 1960er-Jahren waren zudem die Positionen der beiden früheren Lüftungsschächte zu erkennen, von denen einer im Bereich der heutigen Angelbergstraße lag. Beide Schächte sind heute nicht mehr sichtbar und nur noch anhand alter Karten nachweisbar.

Zum Abschluss zeigte der Referent aktuelle Aufnahmen aus dem Tunnelinneren – mit den frisch ausgekleideten Röhren, den neuen Entwässerungssystemen und der modernisierten Beleuchtung. Der Vortrag endete mit dem Hinweis, dass der Horchheimer Tunnel nach über einem Jahrhundert weiterhin ein bedeutendes Stück regionaler Eisenbahngeschichte darstellt und durch die Sanierung nun wieder für viele Jahre gesichert ist.

Der Vortrag von Thomas Hüllen fand großen Beifall und bot den Besucherinnen und Besuchern einen eindrucksvollen Einblick in Geschichte und Gegenwart dieses technischen Denkmals.


Die Tollkühnen – Geschichte des Horchheimer Möhnenvereins

Ein weiterer Beitrag der Bilderschau widmete sich dem Horchheimer Möhnenverein „Die Tollkühnen“, dessen Geschichte Petra Fries und Christiane Friedrich in einem Rückblick erzählten.

1997 wagten einige couragierte Frauen einen Schritt, der das Dorf prägte: Sie gründeten, streng geheim, den Horchheimer Möhnenverein e.V. „Die Tollkühnen“. Bis dahin waren sie im HCV aktiv, doch sie wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen. Im Wohnzimmer von Brigitte Bleyer trafen sich 20 Frauen, gaben sich ein Versprechen – und legten damit den Grundstein für einen Verein, der schnell bekannt und beliebt wurde. Der Name „Die Tollkühnen“ war Programm. „Kühn mussten wir sein, um diesen Schritt zu wagen – und toll sind wir auch“, erklärte die Gründungsobermöhn Resi Meinhardt damals.

Schon im Jahr der Gründung nahmen die Tollkühnen am Kirmesumzug teil, mit einem Nachbau einer Straßenbahn als Wagen. Die erste Sessionseröffnung fand beim Egon in der „Sonnenuhr“ statt – klein, aber stimmungsvoll. Rasch wuchs der Verein, und die Schwerdonnerstagssitzung im Kolpinghaus wurde zum festen Höhepunkt des Horchheimer Sitzungskarnevals. Karten waren früh ausverkauft, und schon in den frühen Morgenstunden bildeten sich Warteschlangen.

Mit Zwiegesprächen, Gesang, Sketchen und dem legendären Männerballett – unter anderem mit Gerhard Meurer, Klaus-Peter Braun, Wilfried Noll und Gisbert Dickescheidt – boten die Tollkühnen ein unterhaltsames Programm, das weit über Horchheim hinaus bekannt wurde. Musikalisch reichte das Spektrum von Louis Armstrong über Modern Talking bis Roy Black und Anita. Kostüme und Bühnenbilder entstanden in liebevoller Eigenarbeit – ob Till Eulenspiegel, tollkühne Flieger oder Hasen im Zylinder.

Doch die Tollkühnen waren nicht nur an Fastnacht aktiv. Zum Jahresprogramm gehörten das Sommerfest am Anglerheim, der Weinstand auf der Kirmes im Mendelssohnpark, Bustouren, das traditionelle „Debbekocheessen“ am 11. November und viele gemeinsame Aktivitäten. Das gesellige Miteinander prägte den Verein ebenso wie der Zusammenhalt hinter den Kulissen – beim Schminken, Backen oder Aufräumen, stets unterstützt von den Männern an Grill und Getränkestand.

Um die Jahrtausendwende erlebte der Verein seine Blütezeit: Über 30 aktive Möhnen und rund 215 Mitglieder machten die Tollkühnen zu einem festen Bestandteil des Horchheimer Vereinslebens. Mehrfach wurde die Gruppe beim Koblenzer Rosenmontagszug ausgezeichnet.

Wie viele Vereine spürten auch die Tollkühnen später den Wandel der Zeit. Nachwuchs blieb aus, und nach fast drei Jahrzehnten beschlossen die Mitglieder, den Verein aufzulösen. Auf der Bilderschau 2025 erinnerten Petra Fries und Christiane Friedrich an diese Jahre, die Feste und die Menschen, die sie geprägt hatten.

„Es waren schöne Zeiten – kann man nicht anders sagen“, resümierte Petra Fries. Die gezeigten Fotos machten deutlich, dass die Tollkühnen mehr waren als ein Karnevalsverein – sie standen für Freundschaft, Lachen und Zusammenhalt. Toll und kühn – so wird man sich in Horchheim an sie erinnern.

Ein gelungener Ausklang

Zum Abschluss der Bilderschau herrschte in der Schützenhalle eine fröhlich-gelöste Stimmung. Bei Kaffee und Kuchen kamen die Horchheimer miteinander ins Gespräch, erzählten Anekdoten aus alten Zeiten und schwelgten gemeinsam in Erinnerungen. Viele nutzten die Gelegenheit, alte Bekannte wiederzutreffen oder neue Kontakte zu knüpfen.

Auch der Büchertisch der Heimatfreunde zog zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Gegen eine Spende konnten dort ausgewählte Veröffentlichungen und Materialien aus dem Vereinsbestand erworben werden.

Die Veranstaltung war rundum gelungen und wurde von den Gästen mit großer Begeisterung aufgenommen. Zahlreiche Rückmeldungen zeugten von der positiven Resonanz: „Eine sehr schöne Veranstaltung mit tollen Bildern!“ oder „Tolle Fotos aus alten und neuen Zeiten – ich freue mich auf nächstes Jahr“, lauteten einige der Kommentare.

Ein herzlicher Dank gilt der Schützengesellschaft Koblenz-Horchheim für die Bereitstellung der Halle sowie der Kirmesgesellschaft St. Maximinus für Ton- und Übertragungstechnik. Mit ihrem Einsatz trugen sie maßgeblich zum reibungslosen Ablauf des Nachmittags bei.

So endete die Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“ in geselliger Atmosphäre – als lebendige Begegnung mit der Geschichte und dem Gemeinschaftsgefühl des Ortes.


Text © Andreas Weber




Einblicke in das Werk von Anton Nikolaus Franck – Die Ausstellung im Ortsmuseum Horchheim

Mit großem Zuspruch fand im März 2025 im Ortsmuseum Horchheim eine besondere Ausstellung statt: Die Heimatfreunde Horchheim widmeten dem 1985 verstorbenen Maler Anton Nikolaus Franck – bekannt als „Horchheimer Maler“ und „Maler von Alt-Koblenz“ – eine eigene Schau. An vier Sonntagen zog die Präsentation zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und rückte das vielfältige Werk des Künstlers, das tief in der Region verwurzelt ist, in den Fokus.

Francks Schaffen umfasst Blumenstillleben, Landschaften, Porträts und Reiseimpressionen – vor allem aber Szenen aus seiner Heimat an Rhein und Mosel. Seine Bilder bestechen durch eine klare gegenständliche Sprache, harmonische Farbgebung und eine expressive Handschrift, die an van Gogh erinnert – besonders in seinen Sonnenblumenmotiven, die zu seinem Markenzeichen wurden.

Anton Nikolaus Franck hielt mit großer Zuneigung die Landschaften und Szenen des Alltags in seiner Umgebung fest – ein Blick auf die Heimat, geprägt von Sensibilität und handwerklicher Präzision. Neben Werken aus dem Bestand der Heimatfreunde trugen auch zahlreiche Leihgaben engagierter Horchheimer Bürgerinnen und Bürger dazu bei, ein lebendiges und facettenreiches Bild dieses außergewöhnlichen Künstlers zu zeichnen.

Die Ausstellung vereinte rund 70 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers und bot so einen eindrucksvollen Überblick über sein vielseitiges Œuvre. Der Bogen reichte von frühen Zeichnungen bis hin zu ausdrucksstarken Gemälden und fein abgestimmten Aquarellen, die seine künstlerische Entwicklung und thematische Bandbreite sichtbar machten.

Ein Hinweis auf dem Ausstellungsflyer lautete: „Eintritt frei – nicht barrierefrei“. Die Ausstellungsräume im ersten Obergeschoss des Ortsmuseums waren nur über eine schmale, steile Treppe erreichbar – wie es für ein historisches Gebäude dieser Art typisch ist. Für manche Besucherinnen und Besucher stellte dies eine kleine Herausforderung dar, die jedoch vielfach in Kauf genommen wurde, um die besondere Atmosphäre und die kunstvolle Präsentation im Ortsmuseum zu erleben.

Ein Rundgang durch das Werk von Anton Nikolaus Franck

Heinrich-Fischer-Zimmer

Der Rundgang beginnt im Heinrich-Fischer-Zimmer, das vom Licht der „Sonnenblumen“ erfüllt scheint – einem zentralen Motiv im Werk Anton Nikolaus Francks. Gleich sieben Sonnenblumenbilder hängen dicht beieinander, darunter „Sonnenblumen in brauner Vase“ (1962), „Sonnenblumen in blauer Vase“ (1971) und „Fünf Sonnen im Reigen“ (1972). Die kraftvollen Gelb- und Orangetöne bringen eine warme, fast heitere Atmosphäre in den Raum und zeugen von Francks lebenslanger Faszination für diese „Sonnenkinder“.

Dazwischen leuchten florale Kompositionen wie „Blütenzauber in Gelb“ (1969), „Blumen der Sonne“ (1973) und das poetische „Sonnenlicht in Blüten“ (1975). Diese Werke zeigen: Franck malte Blumen nicht nur als dekoratives Motiv – sie waren für ihn Ausdruck von Lebensfreude, Licht und Farbe.

Ein Kontrast dazu findet sich in den filigranen Stadtansichten: In zarten Aquarellen wie „Koblenzer Schiffsbrücke und Festung Ehrenbreitstein“ (1977), „Rathaus und Schängelbrunnen“ (1976) oder „Horchheimer Eisenbahnbrücke“ (1977) verewigt Franck seine Heimatstadt mit dokumentarischem Blick und künstlerischer Feinfühligkeit.

Landschaft und Architektur verbinden sich in Werken wie „Romanisches Haus in der Emser Straße“ (1964), „Kamp am Rhein bei Boppard“ (1968) oder „Vallendar Hellenstraße“ (1974). Besonders berührend ist die Tuschezeichnung „Schiffsunfall an der Horchheimer Brücke“ von 1921 – eines der frühesten Werke in dieser Ausstellung.

Einen besonderen Platz nahm das Werk „Melkende Nonnen“ (~1924) ein – eine Leihgabe von Marita und Hermann Warnke. Die in Mischtechnik ausgeführte Arbeit (410 x 320 mm) gehört zu den feinsten und detailreichsten Darstellungen Francks. Sie zeigt zwei Nonnen bei der Arbeit auf einem Bauernhof, vertieft in den alltäglichen Vorgang des Melkens. Mit großer Sorgfalt in der Linienführung und liebevoller Beobachtung der Szene gelingt es Franck, einen stillen Moment aus der ländlichen Arbeitswelt einzufangen – ein zugleich ungewöhnliches und berührendes Motiv, das in seiner präzisen Ausführung und kompositorischen Balance zu den herausragenden Stücken der Ausstellung zählt.

Auch Horchheimer Szenen sind reich vertreten: „Meesstraße“ (1972), „Haus in der Heddesdorfstraße“ (1977) oder „Ehemaliges Hotel Holler“ (1977) zeigen eine dörfliche Welt im Wandel. Die „Rotbuche im Mendelssohnpark“ (1972) oder „Platane und Rotbuche“ (1978) lenken den Blick auf die Natur direkt vor der Haustür des Künstlers.

Stillleben wie das „Stillleben mit Blumen in Krugvase“ (1975) oder das lichtdurchflutete „Wohnzimmer im Haus Emser Straße“ (1970) zeigen schließlich Francks Gespür für Innenräume und Atmosphäre – ein Thema, das in „Omas gute Stube“ weitergeführt wird.

Omas gute Stube – „die Gut Stuff“

Der zweite Raum der Ausstellung – „Omas gute Stube“ – vermittelt eine intimere, fast wohnliche Atmosphäre. Hier hängen vor allem kleinere Formate, Porträts und familiäre Szenen. Besonders hervorzuheben ist das Bild „Meesstraße 7 mit Blick auf das Atelier von Maler Franck“ (~1930) – eine stille Hommage an den Ort seines künstlerischen Schaffens.

Die Porträts von seiner Frau Maria Anna Franck geb. Müller (1930) und deren Großvater Nikolaus Mandt (1921 & 1928) zeigen den zeichnerisch versierten Franck, der mit sicherem Strich die Persönlichkeit und Würde seiner Modelle einfängt.

Auch hier dürfen Sonnenblumen nicht fehlen: Werke wie „Zwei Sonnenkinder“ (1975), „Sonnenaugen“ (~1970) oder „Sonnenstern und Physalis“ (1979) setzen den floralen Bogen aus dem ersten Raum fort – diesmal zarter, ruhiger, manchmal fast meditativ.

Daneben finden sich viele Horchheimer Motive, etwa „Mendelssohn-Allee“ (1971), „Maulbeerbaum in der Kirchstraße“ (1969) oder die stimmungsvolle Ansicht „Blick auf die Pfarrkirche St. Maximin aus der Kirchstraße“ (1967 und 1971). Besonders charmant ist das kleine Aquarell „Horchheim Bornsgasse“ von 1940.

Ein Hauch von Mystik durchweht „Winteridylle“ (1924), und in „Koblenz und Ehrenbreitstein“ (1978) oder „Horchheim vom Mendelssohnpark aus gesehen“ (1983) findet der Betrachter wieder zurück in die Weite des Rheinlands.

Kirchenmalerei – ein wenig bekannter Werkbereich

Ein oft übersehener Aspekt seines Werkes ist Francks Beitrag zur Kirchenmalerei. Bereits kurz nach seiner Hochzeit mit der Horchheimerin Maria Müller im Jahr 1921 wurde er mit ersten Ausmalungen in der Pfarrkirche St. Maximin in Koblenz-Horchheim betraut. Er arbeitete dabei eng mit Pastor Zimmermann und dem Bonner Kunstprofessor Willy Stücke zusammen. Trotz der schwierigen Zeit der Inflation unterstützte Franck die umfangreichen Wandmalereien im Chorraum mit großem persönlichen Einsatz – sogar bis hin zur Farbmischung aus eigenen Beständen, als dem Professor die Mittel ausgingen.

Im Ausstellungsheft der Heimatfreunde ist ein schreibmaschinengeschriebenes Zeugnis aus dem Jahr 1939 abgebildet:

Anton Nikolaus Franck – Ein Maler mit Herz und Handwerk

„Die Ausstellung war sehr interessant – ich finde es wunderbar, dass so etwas hier in Horchheim möglich gemacht wurde.“ So lautete eine der vielen positiven Rückmeldungen zur Werkschau von Anton Nikolaus Franck. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich mehr Zeit, um in Ruhe in die Bilderwelt einzutauchen und die Geschichten hinter den Gemälden zu entdecken. Besonders geschätzt wurden auch die ergänzenden Exponate des Ortsmuseums, die mit großer Liebe zum Detail ausgewählt und präsentiert wurden.

Kunst und Atmosphäre im Einklang

Die Ausstellung „Der Horchheimer Maler – Anton Nikolaus Franck“ überzeugte nicht nur durch die Qualität der gezeigten Werke, sondern auch durch die stimmige Präsentation im liebevoll eingerichteten Ortsmuseum. Die Heimatfreunde Horchheim e.V. haben mit großem Engagement eine Schau realisiert, die dem Publikum einen lebendigen Zugang zum Werk eines regional bedeutsamen Künstlers ermöglichte – zwischen expressiven Blumenstillleben, stillen Stadtansichten und persönlichen Erinnerungsbildern.

Ein Ort der Kunst, der Geschichte und der Begegnung – so zeigte sich das Ortsmuseum Horchheim im Frühjahr 2025.

Ein besonderer Dank gilt der Familie des Künstlers, insbesondere Renate Struth, der Tochter von Anton Nikolaus Franck, sowie seinem Enkel Helge Struth. In mehreren Gesprächen gewährten sie den Heimatfreunden Horchheim wertvolle Einblicke in das Leben und Schaffen des Malers und unterstützten das Ausstellungsprojekt mit großer Offenheit und herzlicher Bereitschaft. Viele persönliche Erinnerungen und Hintergründe konnten so in die Präsentation einfließen und haben der Ausstellung eine besondere Authentizität verliehen.

Im Anschluss an die Ausstellung entstand in den Räumen des Ortsmuseums ein Fotoporträt von Frau Struth, das unser Fotograf Lothar Stein im Rahmen eines eigenen Termins anfertigte – ein stiller und zugleich lebendiger Abschluss dieser gelungenen Hommage an Anton Nikolaus Franck und seine Familie.

Text © Andreas Weber

Ausstellungsansichten


Werkverzeichnis Anton Nikolaus Franck – Der Horchheimer Maler

Im Rahmen der Ausstellung der Heimatfreunde Horchheim im März 2025 wurden 70 ausgewählte Werke des Malers Anton Nikolaus Franck präsentiert. Alle Abbildungen und Inhalte des Werkverzeichnisses sowie ergänzende Arbeiten sind online auf museum-digital Rheinland-Pfalz zugänglich.

Die digitale Sammlung umfasst folgende Themenbereiche:

Alternativ steht ein umfangreiches, 158-seitiges Werkverzeichnis zur Ausstellung als PDF-Datei zum Download bereit. Die Datei enthält die Gemäldereproduktionen von Lothar Stein, Werkbeschreibungen sowie weitere Informationen und ist für die Ansicht im Doppelseitenmodus optimiert, um ein besonders lesefreundliches Layout zu bieten.