„Liebenswertes Horchheim“ – Wiedersehen auf der Bilderschau 2025

Am Sonntag, den 2. November 2025, luden die Heimatfreunde Horchheim zur Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“ in die Schützenhalle ein. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen, um bei Kaffee und Kuchen einen abwechslungsreichen Nachmittag mit aktuellen und historischen Eindrücken aus dem Stadtteil zu erleben.

Nachdem sich die Halle gefüllt hatte und alle Plätze besetzt waren, eröffnete der Vorsitzende Andreas Weber die Veranstaltung mit der Vorstellung des Horchheimer Kalenders für das Jahr 2026. Er dankte Lothar Stein für seine fotografische Arbeit sowie für die Konzeption und Auswahl der Motive. Jürgen Dewald, Hans Josef Schmidt und Andreas Weber steuerten weitere Aufnahmen bei, aus denen die Motive des Kalenders ausgewählt wurden. Der Kalender zeigt ausschließlich aktuelle Ansichten und verzichtet bewusst auf historische Fotografien.

Das Titelmotiv präsentiert einen spätsommerlichen Blick entlang der Mendelssohn-Allee am Rhein in Richtung Königsbacher Brauerei. Weitere Monatsbilder zeigen stimmungsvolle Szenen aus dem Ort – darunter die Abendansicht über der Karthause im Januar, die Orgelrestaurierung in St. Maximin im Februar oder die Tongrube Escherfeld im März. Auch das historische Soldatenbad aus den 1950er Jahren, die Prozession an Christi Himmelfahrt 2015, der Spielmannszug der TuS Horchheim beim Kirmesumzug 2025 und ein Erinnerungsbild an Robert Stoll zum 80. Geburtstag vor der Mendelssohn-Stele sind vertreten. Im Spätsommer rollt eine Dampflokomotive Richtung Niederlahnstein, der Mendelssohnpark zeigt sich im Herbst in kräftigen Farben, und im Dezember beschließt ein verschneiter Blick über den Friedhof am Alten Weg das Jahr.

Das Publikum nahm die Präsentation sehr positiv auf; einige Besucher sicherten sich direkt ein Exemplar des auf 6 Euro bepreisten Kalenders. Mit herzlichem Applaus endete die Vorstellung – ein gelungener Auftakt für den Nachmittag.


Rückblick auf das Ortsmuseum und Spendenaufruf

Im zweiten Programmpunkt erinnerte der Vorsitzende an die Geschichte des Horchheimer Ortsmuseums. Grundlage war eine Präsentation, die bereits 2004 von Jochen Hof zusammengestellt worden war und die Anfänge und Entwicklung des Museums dokumentierte. Gezeigt wurden Aufnahmen aus den frühen Jahren, als das Gebäude in der Alten Heerstraße 14 kurz vor dem Abriss stand, sowie die Fortschritte, die durch das Engagement der Vereinsmitglieder und die Unterstützung zahlreicher Spender möglich wurden.

Besonderes Interesse fanden die historischen Exponate in „Omas gute Stube“, der alte Küchenherd und verschiedene Haushaltsgeräte vergangener Zeiten. Schon damals war das Museum als außerschulischer Lernort in Kooperation mit der Grundschule Horchheim gedacht.

Beisitzer Heiner Drumm berichtete über aktuelle Renovierungsarbeiten, insbesondere in der Museumsküche, für die bereits rund 2.000 Euro an Putzarbeiten angefallen sind. Der Verein ist weiterhin auf Spenden angewiesen, um die laufenden Renovierungen fortzuführen und das Ortsmuseum als kulturelles Herzstück Horchheims zu erhalten. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

Ortsmuseum Horchheim 2004 – Bilderschau 2025

Die neue Homepage der Heimatfreunde Horchheim

Im Anschluss wurde die neue Homepage der Heimatfreunde Horchheim vorgestellt. Der Vorsitzende präsentierte den Besucherinnen und Besuchern das modernisierte Design und die erweiterten Funktionen der Vereinsseite.

Die Homepage wurde gemeinsam mit der Agentur Designraketen vollständig überarbeitet. Die barrierefreie Umsetzung entstand mit Unterstützung der Aktion Mensch. Über das Symbol einer roten Figur oben rechts lassen sich Schriftgrößen, Farben und Zeilenabstände individuell anpassen oder Texte vorlesen – ein Angebot, das den aktuellen Barrierefreiheitsstandards entspricht und den Zugang für alle erleichtert.

Neu ist außerdem die Möglichkeit, Vereinsangelegenheiten direkt online zu erledigen. Mitglieder können Adressänderungen oder Spenden digital übermitteln und den Vorstand über ein Formular kontaktieren.

Unter dem Menüpunkt „Aktuelles“ erscheinen regelmäßig Berichte aus dem Vereinsleben, gegliedert in die Themenbereiche Ortsgeschichte, Menschen, Mundart, Zeitzeugen, Projekte und Verein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Zeitzeugeninterviews mit Horchheimer Persönlichkeiten wie Ewald Fischbach, Hännes Huber, Hans Lehnet und Helmut Mandt. Die Gespräche dokumentieren persönliche Erinnerungen und bewahren sie dauerhaft für die Ortsgeschichte.

Mit der neuen barrierefreien Homepage bietet der Verein einen zeitgemäßen Zugang zu Geschichte, Kultur und Vereinsleben in Horchheim.


Vorstellung des Projekts KuLaDig für Horchheim

Ein weiterer Programmpunkt der Bilderschau widmete sich dem Projekt KuLaDig – Kulturlandschaft digital, das historische Zeugnisse der Region digital erfasst und öffentlich zugänglich macht. Für Horchheim steht in diesem Jahr die Familie Mendelssohn im Mittelpunkt.

Das Team der Heimatfreunde führte hierzu umfangreiche Recherchen im Vereinsarchiv durch und sichtete zahlreiche historische Dokumente und Fotografien. Dazu gehören Aufnahmen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, etwa vom Palais Mendelssohn um 1828, dem Musikzimmer der Familie und dem Park hinter dem Gebäude. Besonders interessant ist ein Baum aus dem ehemaligen Park, der bis heute erhalten ist. Auch historische Ansichten der Lindenallee am Rhein wurden dokumentiert. Einige der alten Fotos – darunter Familienbilder von 1859 – wurden von Lothar Stein digital restauriert.

Auf den Spuren der Familie Mendelssohn in Horchheim – Bilderschau 2025

Unterstützung erhält das Team durch Studierende der Universität Koblenz, die moderne Methoden wie Künstliche Intelligenz und Videoanimation nutzen, um die Inhalte anschaulich aufzubereiten. Ein besonderes Highlight des Projekts ist der 360-Grad-Erfahrungsraum, der es ermöglicht, historische Orte und Dokumente interaktiv zu erkunden. So können Besucherinnen und Besucher beispielsweise Briefe der Mendelssohns digital abrufen und sich vorlesen lassen – ein Beitrag zur barrierefreien Vermittlung historischer Quellen.

Das Projekt begann im Mai 2025 mit einem Treffen der Heimatfreunde und des Projektteams im Ortsmuseum. Dabei wurden zentrale Orte Horchheims erarbeitet: der Mendelssohn-Park (ehemals Palais, heute Brauchtumsplatz), die Pfarrkirche St. Maximin als Zentrum der katholischen Tradition und das Romanische Haus als eines der ältesten Gebäude der Stadt Koblenz.

KuLaDig-Horchheim ist Teil eines landesweiten Modellprojekts in Rheinland-Pfalz, an dem insgesamt sechs Kommunen beteiligt sind. Die Präsentation auf der Bilderschau zeigte eindrucksvoll, wie historische Forschung, digitale Technik und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken, um die Geschichte Horchheims lebendig zu vermitteln.


Vortrag über den Horchheimer Tunnel

Nach der Kaffeepause begann der zweite Teil der Veranstaltung mit einem Vortrag von Thomas Hüllen über den Horchheimer Eisenbahntunnel, der in den vergangenen Jahren umfassend saniert wurde.

Der Tunnel wurde 1902 in Betrieb genommen und hatte nach rund 120 Jahren deutliche Alterungsspuren gezeigt. Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Materialermüdung machten eine grundlegende Erneuerung notwendig. 2021 begannen die Sanierungsarbeiten, die etwa zwei Jahre dauerten. Im Dezember 2023 wurde der Tunnel wieder für den Bahnverkehr freigegeben; die letzten Restarbeiten erfolgten im August 2025. Lediglich die Probleme mit eindringendem Wasser seien noch nicht vollständig behoben, berichtete der Referent, doch auch hierfür werde bereits an einer Lösung gearbeitet.

Im Zuge der Arbeiten wurde der Tunnel geringfügig verlängert – aus welchen Gründen, ließ sich nicht mehr genau feststellen. Auf Luftbildern zeigte sich deutlich der Verlauf unter der Erde mit dem Nordportal auf Horchheimer und dem Südportal auf Pfaffendorfer Seite.

Da nur wenige historische Aufnahmen existieren, illustrierte der Vortragende seinen Beitrag mit einem Gemälde von Alfred Erich Euchler, das den Tunnel mit seinen charakteristischen Nischen zeigt. Das Original befindet sich im Eifelmuseum Mayen, eine Kopie im Ortsmuseum Horchheim. Diese Nischen – teils aus Fels gehauen, teils mit Back- oder Bruchstein ausgemauert – waren noch bis zur Tunnelsanierung vorhanden.

Im Tunnel selbst existierten früher drei Stollen: zwei auf Horchheimer, einer auf Pfaffendorfer Seite. Sie führten jeweils 10 bis 15 Meter in den Berg hinein, waren jedoch frühzeitig zugemauert worden und wurden erst bei der Sanierung wieder geöffnet. Ihr Zweck konnte nicht eindeutig geklärt werden; möglicherweise dienten sie bautechnischen oder militärischen Zwecken.

Eine Zuhörerin erinnerte daran, dass während des Zweiten Weltkriegs viele Menschen im Tunnel Schutz gesucht hätten, während der Bahnverkehr teilweise weiterlief.

Ein dauerhaftes Problem des Bauwerks war das eindringende Wasser, insbesondere in der Tunnelmitte, wo sich früher ein Schornstein oder Lüftungsschacht befand. Dort drang Oberflächenwasser ein und bildete zeitweise eine regelrechte Tropfsteinhöhle. Bei der Sanierung wurde das Wasser nun hinter der Betonschale gesammelt und über ein Edelstahlrohr abgeleitet.

Im Mai 2022 kam es bei den Bauarbeiten zu einem größeren Einsturz in der Nähe des Niederfelder Wegs. Ein zunächst kleines Loch entpuppte sich als 22 Meter tiefer Hohlraum, der schließlich mit rund 15 LKW-Ladungen Beton verfüllt wurde. Dabei wurde auch deutlich, wie die alte Tunnelröhre konstruiert war: innen Backsteinmauerwerk, darüber Bleche und schließlich der Fels. Die neue Röhre erhielt eine Verstärkung aus Stahl und Beton.

Auf historischen Luftaufnahmen aus den 1960er-Jahren waren zudem die Positionen der beiden früheren Lüftungsschächte zu erkennen, von denen einer im Bereich der heutigen Angelbergstraße lag. Beide Schächte sind heute nicht mehr sichtbar und nur noch anhand alter Karten nachweisbar.

Zum Abschluss zeigte der Referent aktuelle Aufnahmen aus dem Tunnelinneren – mit den frisch ausgekleideten Röhren, den neuen Entwässerungssystemen und der modernisierten Beleuchtung. Der Vortrag endete mit dem Hinweis, dass der Horchheimer Tunnel nach über einem Jahrhundert weiterhin ein bedeutendes Stück regionaler Eisenbahngeschichte darstellt und durch die Sanierung nun wieder für viele Jahre gesichert ist.

Der Vortrag von Thomas Hüllen fand großen Beifall und bot den Besucherinnen und Besuchern einen eindrucksvollen Einblick in Geschichte und Gegenwart dieses technischen Denkmals.


Die Tollkühnen – Geschichte des Horchheimer Möhnenvereins

Ein weiterer Beitrag der Bilderschau widmete sich dem Horchheimer Möhnenverein „Die Tollkühnen“, dessen Geschichte Petra Fries und Christiane Friedrich in einem Rückblick erzählten.

1997 wagten einige couragierte Frauen einen Schritt, der das Dorf prägte: Sie gründeten, streng geheim, den Horchheimer Möhnenverein e.V. „Die Tollkühnen“. Bis dahin waren sie im HCV aktiv, doch sie wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen. Im Wohnzimmer von Brigitte Bleyer trafen sich 20 Frauen, gaben sich ein Versprechen – und legten damit den Grundstein für einen Verein, der schnell bekannt und beliebt wurde. Der Name „Die Tollkühnen“ war Programm. „Kühn mussten wir sein, um diesen Schritt zu wagen – und toll sind wir auch“, erklärte die Gründungsobermöhn Resi Meinhardt damals.

Schon im Jahr der Gründung nahmen die Tollkühnen am Kirmesumzug teil, mit einem Nachbau einer Straßenbahn als Wagen. Die erste Sessionseröffnung fand beim Egon in der „Sonnenuhr“ statt – klein, aber stimmungsvoll. Rasch wuchs der Verein, und die Schwerdonnerstagssitzung im Kolpinghaus wurde zum festen Höhepunkt des Horchheimer Sitzungskarnevals. Karten waren früh ausverkauft, und schon in den frühen Morgenstunden bildeten sich Warteschlangen.

Mit Zwiegesprächen, Gesang, Sketchen und dem legendären Männerballett – unter anderem mit Gerhard Meurer, Klaus-Peter Braun, Wilfried Noll und Gisbert Dickescheidt – boten die Tollkühnen ein unterhaltsames Programm, das weit über Horchheim hinaus bekannt wurde. Musikalisch reichte das Spektrum von Louis Armstrong über Modern Talking bis Roy Black und Anita. Kostüme und Bühnenbilder entstanden in liebevoller Eigenarbeit – ob Till Eulenspiegel, tollkühne Flieger oder Hasen im Zylinder.

Doch die Tollkühnen waren nicht nur an Fastnacht aktiv. Zum Jahresprogramm gehörten das Sommerfest am Anglerheim, der Weinstand auf der Kirmes im Mendelssohnpark, Bustouren, das traditionelle „Debbekocheessen“ am 11. November und viele gemeinsame Aktivitäten. Das gesellige Miteinander prägte den Verein ebenso wie der Zusammenhalt hinter den Kulissen – beim Schminken, Backen oder Aufräumen, stets unterstützt von den Männern an Grill und Getränkestand.

Um die Jahrtausendwende erlebte der Verein seine Blütezeit: Über 30 aktive Möhnen und rund 215 Mitglieder machten die Tollkühnen zu einem festen Bestandteil des Horchheimer Vereinslebens. Mehrfach wurde die Gruppe beim Koblenzer Rosenmontagszug ausgezeichnet.

Wie viele Vereine spürten auch die Tollkühnen später den Wandel der Zeit. Nachwuchs blieb aus, und nach fast drei Jahrzehnten beschlossen die Mitglieder, den Verein aufzulösen. Auf der Bilderschau 2025 erinnerten Petra Fries und Christiane Friedrich an diese Jahre, die Feste und die Menschen, die sie geprägt hatten.

„Es waren schöne Zeiten – kann man nicht anders sagen“, resümierte Petra Fries. Die gezeigten Fotos machten deutlich, dass die Tollkühnen mehr waren als ein Karnevalsverein – sie standen für Freundschaft, Lachen und Zusammenhalt. Toll und kühn – so wird man sich in Horchheim an sie erinnern.

Ein gelungener Ausklang

Zum Abschluss der Bilderschau herrschte in der Schützenhalle eine fröhlich-gelöste Stimmung. Bei Kaffee und Kuchen kamen die Horchheimer miteinander ins Gespräch, erzählten Anekdoten aus alten Zeiten und schwelgten gemeinsam in Erinnerungen. Viele nutzten die Gelegenheit, alte Bekannte wiederzutreffen oder neue Kontakte zu knüpfen.

Auch der Büchertisch der Heimatfreunde zog zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Gegen eine Spende konnten dort ausgewählte Veröffentlichungen und Materialien aus dem Vereinsbestand erworben werden.

Die Veranstaltung war rundum gelungen und wurde von den Gästen mit großer Begeisterung aufgenommen. Zahlreiche Rückmeldungen zeugten von der positiven Resonanz: „Eine sehr schöne Veranstaltung mit tollen Bildern!“ oder „Tolle Fotos aus alten und neuen Zeiten – ich freue mich auf nächstes Jahr“, lauteten einige der Kommentare.

Ein herzlicher Dank gilt der Schützengesellschaft Koblenz-Horchheim für die Bereitstellung der Halle sowie der Kirmesgesellschaft St. Maximinus für Ton- und Übertragungstechnik. Mit ihrem Einsatz trugen sie maßgeblich zum reibungslosen Ablauf des Nachmittags bei.

So endete die Bilderschau „Liebenswertes Horchheim“ in geselliger Atmosphäre – als lebendige Begegnung mit der Geschichte und dem Gemeinschaftsgefühl des Ortes.


Text © Andreas Weber




Mir schwätze Platt

von Resi Meinhardt | Horchheimer Kirmeszeitung 1988-1990

Resi Meinhardt geb. Nett, „e echt Hoschemer Mädche“ – ihr Elternhaus steht in der Mees-Straße, hat sich dankenswerter Weise bereiterklärt, uns mit „Hoschemer Steckelscher“ zu versorgen. Die 55jährige Hausfrau und Mutter (3 Töchter, 1 Sohn) spitzte viele Jahre die Feder für selbstgeschriebene Gedichte und Geschichten in Hoschemer Platt. Spontaneität ist bei ihr Trumpf, die besten Einfälle hatte sie meistens frühmorgens, noch vor dem Kaffeetrinken. Kostproben ihres Könnens gab sie viele Jahre mit ihren Büttenreden beim Horchheimer Carneval-Verein.

Dä Schmitze Hannes

Et gähf su allerhand Geschichte iwwer freher ze berichte. Am meiste ze erzähle gitt et von onserm Nachbar, dem Schmitze Hannes. Demm sein Frau hieß Apollonia, dat wor für die Hoschemer nur dat Schmitze Appel! Dä Hannes wor en Brilles, wenn de denn net gesehn hass, gehiert haste denn emmer. Met jedem en der Gaß hat dä Krach gehat. Die ganze Gaß hat demm gehiert. Wehe, do hat e Fahrrad oder en Poppewahche gestanne, die hat dä met seinem Ochsegespann platt gefahre. Genau vor onserm Haus hat dä sein Ochse täglich an- on ausgespannt. Dat wor e Ballawer. „Hief zereck, dau blöd Veh! Appel, spann dä Ochs an!“ – „Vadder, ent wievillte Loch?“ Jedesmo hat die dat gefrocht. „Dau bes noch blöder wie dä Ochs!“ hat dä Hannes dann gebrillt.

Kenner, wor dat für uns Pänz su schen! Dumols, su vor 40 Johr, hatte mir die arme Zeit. Mein Modder hat emmer besje geholfe bei Schmitze, botze oder wäsche. Dofür hat se Melisch krischt oder Kardoffele. lch wor et Ältste deheim von fünef Kenner. Also mußt ich omens bei Schmitze die Melisch holle ginn. Die als Bauere hatte jo emmer besje mie ze esse als mir, dat woßt ich. Aus Schikane ging ich dann om die Essenszeit do hin. Dann soßen die zwei am Desch on hatte e ganz Döppe voll gekochte Kardoffele mette droff stinn. „Ah“, hat dat Appel dann gesoht, „do kimmt dat Kend. Guck e mol, do stieht dein Melisch, kannste direkt der Mama brenge!“ „Och“, soht ich, „ich hann noch e besje Zeitl“, on dann hann ich mich einfach off en Stohl gesetzt.

Do fingen die zwei an, die trockene Kardoffele ze esse. lch wußt awer, dat die dat Fleisch onner demm Sofa verstoch hatte! Onn ich wußt och, dat die drei Katze hatte. Dä Hannes hat emmer off dem Sofa gesäß onn hat als met demm Fohß onner dat Sofa getrohte. Zweschendurch hat dat Appel widder gesoht: „Thresje, dann gieh schön!“ lch ben awer setze gebliwwe, sulang, bes die dä ganze Krobbe voll trockene Kardoffele weggebotzt hatte, on die Katze onner demm Sofa rauskome on sich dä Schnorres geleckt hatte. Dann ben ich offgestande on hann „Gode Nacht!“ gesoht.

Dat wor mein Revanch dafür, dat dä Hannes ons Kenner emmer angebrillt hat. Dä konnt nämlich kein Kenner leide! Deheim hann ich zwar geschennt krischt, weil mein Modder off die Melisch gewaht hatt, awer dat wor mir egal. Sauwer wor die Melisch och net, die mußt emmer irscht durch e Dohch laufe.

Manchmo han mir och Geißemelisch krischt, die hat furchtbar streng geschmeckt. Mei Modder hat emo gesoht: „Die schmeckt no Bock!“ Do hann ich doch glatt en der Schull behaupt, als dä Rektor eines Tages no dem Onnerschied zwesche Geiß on Bock frohcht: „Dat merkt man an der Melisch! Die Melisch vom Bock hat einen strengen Geschmack! Wir kriegen nämlich die Melisch vom Schmitze Hannes seinem Geiße-Bock! Und meine Tante hat eine Geiß, die Melisch ist lieblicher im Geschmack!“

Do mußt sugar onsere Rektor Diesler lache.

Landwirt Johann Schmidt und Frau Apollonia 1950


Et wor emol

Wie wor dat doch freher su schen,
Wie mir noch an de Rhein schwemme konnte gihn!
Wie dä Sommer noch en Sommer wor,
On dat Rheinwasser sauwer on klor.
Do konnt mer bei de Hoschemer Mädcher sehn,
Wade rund und schen em Wasser stihn.
Do konnste schwemme oder dich sonne,
Ich denke noch oft zereck voll Wonne!
An der Alleemauer standen dann wacker,
Met demm Fernrohr die ahle Knacker.
Wat wore mir Mädcher oft su sauer
Off die ahle Fleischbeschauer.
Dabei wore mer all henne on vorne platt,
Weil keiner von uns domols satt ze esse gehat.
Sugar dat Heinche hat säin Sach gewittert,
On stonnelang an der Alleemauer gezittert.
Stolz hann mer unse irschte Bikini getrage,
Doch su ganz oben ohne – dat dot mer net wage!
Von uns hat och keiner en der Disco gegammelt,
Mir han ons lewer am Rhein versammelt,
Un word et dunkel, dann kom dä Clou,
Dann hatte mer en heimlich Randewu!
Ganz brav on harmlos – vor Herzkloppe krank,
Sen mer gesäß am Rhein off dä Bank.
Och nä, wat wor dat doch freher su schen,
Wie mer noch en dä Rhein schwemme konnte gihn!


Die Hoschemer Originale

Kennt lhr die Hoschemer Originale,
Egal, ob Junge oder Ahle?
Kennt lhr die Name, die et all mo hat gewe?
Die meiste sen dut, doch e paar don noch lewe!
Dä Hannes, dä Hubbitz, dä Jänepitter,
Keiner von denne kimmt jemals widder.
Hübingers Hännes hann se de Gandhi genannt,
On meine Vadder wor als Hutschel bekannt.
Vogts Fritz hat dat einsame Glöckche gesunge,
On dem Clem seine Baß es längst verklunge.
Ochse Hein met seinem Stock,
On e paar Häuser weiter dä Meinhardtse Bock.
Off der Chaussii hat dä Monokel gewohnt,
On dat Lockeliss hat off de Vehgaß gethront.
Et Werjese Kat on dä Rombombom,
et Orfeller Männche on dä Schüllers Stomm.
Es gab auch eine Germania,
On dä Eckerts Toni es emmer noch da.
Et Obbese Jul, dä Mond on dä Stutze,
Dä Speicherhannes, et dot alles nix nutze.
lch muß och de Schwabbel on de Check-Bleck nenne,
Die Breggewach dot ihr och all kenne.
Dä Schickedanz on dä Viola,
trinke jetzt woanners Cola.
Dä Dudevul hat nix ze messe,
On de Witwentröster müßt ihr och vergesse.
Et Tinche, et Wellergrit, et Deckopp Marie,
All die get et längst net mie.
Dä Müller-Franz war en Heimatkunder,
dä Feuerreiter on et Edmundse Heinche sen längst net mie munter.
Dä Schneiderkall wor mem Homb verwandt,
On et Bäbche han se Rasputin genannt.
Dä ehrwürdige Prälat wor en Hoschemer Jung,
Genau su wie dä Bunne Dunn.
Reifferscheids Marie, Bange Liss, et Beckerthres,
et Bunzelnett on et Mienerkätt,
Wat wär Hoschem, wenn et die net gewe hätt!
Nolle Katherin hat die Glocke geläut,
On et Hoffmanns Sofieche gebt et noch heut.
Dä Bleivul on dä Bombehein, dä Wagehannes on dä Mande Habaguck,
Dä östreicher Franz hat en der Wallachei gehuckt.
Et gob bei ons su manche Depp,
On net mie do es dä Peife Sepp.
Dä Botterjohann on Steins Nikeläs,
Pinke Andunn, dä Bohr Hein – alles Hoschemer Käs.
Sugar dä Mendelssohn-Bartholdy hat e mo bei ons gewohnt,
Sei Denkmal en dem Park jetzt thront.
Mande Hein, Schwarzersch Kall on dä Müller Kewes,
Och dä Wunderknubbe komme net mie per Pedes.
Dä Littlat, dä Utze on et Seyls Mieche,
Becks Kätche, Pretze Bäbche, et Schwanzrocks Marieche,
All dat, ihr Leut, wore Hoschemer Kenner!
Su wor dat, su es dat, on su bleibt dat immer!
Die ltzele, Atzele on Kompanie,
Mir fällt nix mie en – ich weiß kein mie.
Vielleicht dot mancher von Euch no e paar kenne,
Uh wei, wie wiren se ons einst nenne?

Büttenrede beim HCV im Jahr 1983


Die Hübingersch!

Hübingers-Hännes hann se de Gandhi genannt,
Dä wor em ganze Dorf bekannt!
Demm sein Frau wor unser Tante,
Dä Hännes sie immer „Auerhahn“ nannte.
Die Tante Sofie ertrug dat alles mit Würde,
Sie nahm mit ihm so manche Hürde!
Dä Hännes tat su gehr Streiche mache,
Doh erzählt mer sich die dollste Sache.


Die Eisebahn-Briketts

Doh gohf et bei dä Bundesbahn, wo dä Hännes en gohde Poste gehatt hat, en Kolleje, den dä Hännes gar net leide konnt. Och en Hoschemer, su besje en Angewer! Dä mußt beruflich noh Spandau, onn dat hat dä Hännes spitz krischt. Ä hat den dann gebete, imm e Paket mitzeholle. Dat wor e schwer Paket, persönlich abzegewe, mit demm Vermerk: net werfe, net stuße, weil zerbrechlich. Dä anner, ganz diensteifrig, hat dat natürlich versproch.

Adress, Name wor droff, also ab noh Spandau. Dä Mann läuft nau met demm schwere Paket en Spandau rum, kloppt die Strohß ab, onn dat wor en riesengruße Strohß, doch die Nummer samt Name gohf et net! Doh hat dä dat Paket schweren Herzens widder mit off dä Lohnsteiner Bahnhof gebrahch, immer vorsichtisch offgestellt, dat nur nix kapott sollt ginn.
Doh säht dä Hännes: „Wat soll ich domit? Dat kannst de dir behalle, samt lnhalt!“ Wat meint lhr dann, wat doh drin wor? Schwere schwarze Eisebahn-Briketts, wo die Lok met geheizt wird!

Die Geschicht hat nadürlich schnell die Runde gemacht, net nur off demm Bahnhof, nä, och en Hoschem. Wat wor dä arm Bösel doh blamiert, su hieß dä nämlich, dä Mann. Noch Jahre lang hann die Leut doh drüwwer gelacht!


Die Meesstrohß 7

Dohbei kimmt mir natürlich en de Sinn,
Dat ich e bisje verwandt met demm Hübingers-Hännes bin.
Mein Uhma onn dä Hännes waren Schwester on Bruder,
Uns Uhma wor och su besje e Luder.
Die stammte beide aus demm Haus,
En der Meesstrohß 7 raus.
Doh en demm kleine Gäßje,
Hann mir erlebt su manches Späßje!
Ob Uhma, Uhba, Onkel, Tante,
Onn neweher noch vill Verwandte.
All hann se gehr bei ons gesess,
Dat alles hab ich net vergess!
Mir hann Höhner, Hase on en Geiß gehatt,
Obst on Gemöhs em Gahde, bei ons wurd jeder satt!
Et gohf och als Zores,
Doch schön wor et immer,
En demm kleine Haus,
Denn mir hatte fünf Kenner.
Drei Mädcher on zwei Junge hat dä Storch gebracht,
Meine Vadder hätt jo gehr dat Dotzend voll gemacht!
Uns Modder wohr fleißig, die hat denn Lade geschmisse,
Doch von mieh Kinner wollt die nix wisse!
Zudemm hatte mir die Uhma bei ons wohne,
Ich kann et Euch sohn, die wor net ohne!


Die Falldür

Mit der tate mir Pänz allerhand Streiche mache,
Mir dohn noch heut doh drüwwer lache.
Wenn ich nur an die Falldür vom Keller denke,
Doh hätt mer sich könne dat Knick verrenke.
Die Uhma wor dreimoh do renngefalle,
Doch die es emmer widder offgestanne!
Mir sollte achtgehwe, wie die Dür offstand, dat nix passiert –
Doch wie dat su ess als Panz, mir hann net gehiert!
Bis erklang der Uhma Geschrei,
Dann wor et ze spät,
Se wor en de Keller gefalle – uhwei !
Eimoh hat dä Schmitze-Hannes die Uhma, dat es net gelohche,
Met demm Zaumzeuch von seinem Ochs eraus gezohche!
Doch statt sich bei demm Mann ze bedanke,
Fing die Uhma gleich an ze zanke.
Dä Hannes hätt vill ze fest gezohche,
Onn ihr dohbei die Rippe verbohche!
Dä Hannes micht net vill Geschess,
Dätt hätt se bald widder rengeschmess!
Wat ich hier erzähle, senn wahre Geschichte,
E Bohch könnt mer voll mache, ohne ze dichte.


Quakopp

Se wollt och immer vornehm sein, uns Uhma, doh dren hat se wirklich en Hau, sie soht immer:
„Ich bin eine Beamtenfrau!“

Eimoh ess se met onsem kleine Brüderche spazieregange, dat Kerlche wor noch ganz klein, awwer ein Wort konnt dä Knirps schon: Quakopp [Quatschkopp].

Do es denne zwei unse Pasdur begähjent, onn dä Klein mußt demm nadürlich e Händche gehwe onn säht iwwer dä Pasdur freudestrahlend: „Quakopp“.

„Was meint denn der Kleine?“ frähscht dä Pasdur.

Die Uhma: „Jakob, Herr Pastor, Jakob! Äh säht zu jedem Jakob!“

Die Uhma
Die Uhma


Dä Glühwein

Se wor oft krank, uns Uhma, dann wollt se immer gleich sterwe,
Abwechselnd doht se dann jedem von ons ihr Häusje vererwe.
Eimoh hat die nachts Stemme gemacht, oh Graus,
Doh han mir wirklich gemeint, et wär met ihr aus!
Meine Vadder mußt mette en der Nacht off die Chaussie renne,
Dä Dokder Holler doht uns Uhma schon kenne.
Ä es trotzdem gleich metkomme,
On hat se ent Verhör genomme.
Dä säht: „Die hat wirklich gruße Pein.
Gohd, dat Ihr mich gerohf habt, ich glaub, die geht ein!“
Awwer en demm Zemmer hat et su komisch geroch,
Off demm Herd en der Küch stand dat Deppe noch.
Doh hat sich die Uhma ohmends en Glühwein gemacht,
Dohmit hätt die Frau sich bahl umgebracht!
Vill Nelke und Zucker tat sie hinein,
Doch dat wor kein Zimtstang en demm Wein.
Die Uhma tat en dicke Zigarr hinein,
Die hat se verwechselt, die sollt für dä Geldbriefdrähjer sein!
„Marieche“, säht dä Dokder dohdroff,
„Dau bes net krank, dau bes besoff!“
Jedenfalls wohr dat für uns Uhma en Lehr,
Die machte sich su schnell keine Glühwein mehr!


Die Kiersche

Et es schon länger als vierzig Johr her, on alles en Hoschem wor noch e besje annerst als heut. Awer manches em Lewe vergißt mer net, egal wie alt mer wird. Su war dot och met denne Kiersche. Mir wore, wie su oft, Sonntags nohmittags an de Rhein schwimme gegange. Et wor dohmals unser Sonntagsvergnüje, do hat sich die ganze Hoschemer Jugend getroff. Wo sollt mer och hingin, et goth noch kei Disco, on Geld hatte mer och keins. Et gohf zwar bei Ries Sonntags Kino, dat hat nur 1 Mark gekost, awer die hatte mer och net emmer.

Jedenfalls han mir iwwerlähscht, wat mer noh dem Schwimme noch anstelle könnte. Doh meint dö Robert, meine heutige Schwager: „lch weiß, wo schöne Kiersche stinn. Wer gieht met, Kiersche klaue?“. Dat Streichs Gertrud, dä Brümmendorfs Rolf, dä Stolle Robert on ich han uns dann verabred. Also heim, omzehe on ab dä Berg eroff bes off die Wiss onner dem Altenberger Hof.

Doh stonde wirklich Kiersche wie gemohlt – deck on schwarz. Mir wohre noch net ganz on dem Boum dron on wollte onfänge ze plücke, doh schreit dat Breidbachs Emma aus dem nächste Heck: „Pitter, mir hann se – hei senn se“ Du lewer Gott, doh wohre vor uns schon annere an denne Kiersche, on die Breidbachs loche jetzt off der Lauer, om die ze erwesche. Dohbei wore mir doch wirklich et ihrschte Mol doh ohwe.

Mir senn ab, jeder in en annere Richtung, nur fott. Mir senn gerannt om unser Lewe. On ich hatt mein ihrschte Pumps on, weiße Leineschoh mit kleine Absätz dron, on dozoh e weiß Leinejäckche, dat hatt die Tante mir aus nem Betttohch genäht. On dohmet ben ich mette em Altenberger Hofer Wäldche in en Bombetrichter gefalle, die gohf et dohmals nämlich noch iwweroll.

Jedenfalls ben ich doh dren leije gebliwwe, plott off dem Bauch, bis et dunkel wohr. Noch emmer wohr von weitem dem Breidbachs Pidder sein Stemm ze hiere: „Wenn ich die krehn, ich schlinn se kapott!“ An Arm on Bein zitternd, bin ich wirklich of Hänn on Föhß durch e Kornfeld gekroch on vill ze spät heimkomme. Die Schoh kapott on dat Jöckche dreckisch, von denne drei onnere honn ich nix mie gehiert on gesehn. Awer wot e Glück, Vadder on Modder wohre beim Ries em Kino!

Die Uma hat mir die Dür offgemacht on versproch, nix ze verrohte. Se wollt mir sugar dat Jäckche wäsche, die gohde Frau – die wohr och später noch öfter mein Verbündete. Jedenfalls ben ich ganz erlöst en mei Bett gefalle, su gohd hann ich lang net mie geschlohf. Meiner Modder hann ich annere morjens irjendwat erzählt. Gott sei Dank, dat wohr noch e mol gohd gange.

Denkste: Als ich ohmends von der Arbeit heim kahm, ich war ja dohmols schon in der Lier, sass meiner Modder ihr Freundin bei ons en der Küch. Doh soht die ganz scheinheilig: „Weißt de, Maria, em Dorf erfährt mer su manches. Doh hätte gester ohmend doch e paar junge Leut dem Emma die Kiersche geklaut, se wären sugar erkannt wohrel” Dohbei guckt die mich an on grinst.

Mieh hat die net gesoht, awer mei Modder hat direkt geschalt, dräht sich om und haut mir e paar rechts on links henner die Uhre. Su schnell konnt ich gar net gucke! Die hat nie lang gefackelt, ons Modder. Su klein dat Marie och es, et hat emmer en gohde Handschrift gehat. Awer der ihr Freundin hätt ich könne vergifte, dat hann ich der lang net vergeß. On Kiersche han mir dohnoh trotzdem widder geklaut.


Die Lederbohx

Wat ich hei erzähle, wor etliche Johre später. Och su e Steckelsche Erinnerung, wo mer oft dran zereckdenkt. Vor allem, weil dat heut ze Daach garnet mie möchlich es. Wer gieht dann heut noch en dä Rhein schwimme? Jedenfalls wore mir sonndaachs ohmends ihrscht bei de Ries en et Kino, en Film gucke. Anschließend sen mir dann meistens en der Wirtschaft beim Ehle geland. Doh kom dann emmer en ganze Klique zesamme. Su wor dat och an dem besaachte Ohmend, et wor en dolle Stimmung.

Noh etliche Biercher hat dann einer die Idee gehat: „Auf, mir giehn jetz all en de Rhein schwimme – nackisch!” Mensch, wie romantisch, naachts om 12 Uhr, bei herrlichem Wetter, on dann noch nackisch. Dat mohß mer erlehft hann. Die ganze Bande wor helloff begeistert. Ich glauwe, dat wor dä ruht Karlins Häns, dä heut en Schottland lehft, dä die Idee gehat hat. Awer bitte, alles wor ganz sittsam: Männlein on Weiblein schön getrennt on eren en dat Wasser.

Wie mir grad all dren wore, kimmt doh en einsame Gestalt dat Treppche ronner on guckt vorsichtig hin on her. Mir han schon Angst gehat, dat wären Spanner. Doh marschiert dä – wie e wor – en voller Mondur en et Wasser. Dat wor dä Stolle Robert. Dä wor ons nohkomme, awer ä woßt jo net, dat mir all nackisch wore. Meine Robert stand nau mit ner lederne Seppelbohx bis iwwer die Trähjer em Rhein. Mir hann Träne gelacht: die Bohx es emmer länger wore, dat leder emmer härter. Meine Robert woßt garnet mie, wie ä die Bein stelle sollt! Mir lache als heut noch dohdrüwwer!

Deheim hat dä Robert die Bohx en de Keller gehängt, die hat dä nie mie angehat. Ich glauwe, dem sei Modder weiß bes heut noch net, wot met der Bohx possiert wor! Vielleicht liest se joh die Geschicht. Awer heut, mit fast 60 Johr, kann dem Robert joh nix mie passiere!