Das Romanische Haus in Horchheim

Auf den Spuren des stauferzeitlichen Wohnturms in Horchheim

Der Mittelrhein ist reich an Relikten aus dem Hochmittelalter, die uns einen faszinierenden Einblick in vergangene Epochen bieten. Ein bemerkenswertes architektonisches Juwel in dieser Region ist das Romanische Haus in Koblenz-Horchheim, dessen Geschichte eng mit der stauferzeitlichen Ära verknüpft ist. Als herausragendes Beispiel dieser Epoche lädt das Romanische Haus in Horchheim dazu ein, seine Geheimnisse zu erkunden und die Spuren der stauferzeitlichen Architektur zu verfolgen.

Romanisches Haus in Horchheim, Tusche und Aquarell von Anton Nikolaus Franck 1964 Reproduktion: Lothar Stein

Der stauferzeitliche Wohnturm „an der Oberpforten“, früher Rheinstraße, heute Emser Straße 389, ist als Präsenzhof des Stiftes St. Florin zu Koblenz bekannt und weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus von überregionaler Bedeutung. Er wird erstmals 1408 im Zusammenhang mit dem Florinsstift erwähnt. Es ist jedoch fraglich, ob er mit dem Präsenzhof gleichgesetzt werden kann. Wer den massiven Bau errichtete, ist letztlich unbekannt.

Ein Blick in die Geschichte des repräsentativen Burghauses

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gingen Haus und Grundstück in den Besitz der Stiftsgemeinschaft über. Dies allein lässt auf einen älteren Ursprung des Gebäudes schließen. Tatsächlich lässt sich das Gebäude aufgrund seiner architektonischen Elemente in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren. Es stellt sich also die Frage, wem das Gebäude und das Grundstück an dieser exponierten Stelle gehörten. Diese Frage kann heute nicht mehr eindeutig beantwortet werden, wohl aber die Frage nach der Zugehörigkeit des Besitzers zu einer bestimmten sozialen Schicht und die Frage nach der Funktion der Anlage.

Das Haus wurde aus massivem Stein gebaut, in einer Höhe, die heute nicht bemerkenswert wäre, aber zur Zeit seiner Errichtung, als die meisten Menschen in Holz- und Fachwerkhütten lebten, schon. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren nur Klöster, Kirchen und Festungsanlagen in diesem Stil bekannt, da sie allein aus diesem Grund teuer und prestigeträchtig waren. Ein solch repräsentativer, turmartiger, massiver Steinbau mit architektonischen Elementen, der in seiner Höhe im mittelalterlichen Dorf seinesgleichen sucht, an der Stelle, wo die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Dorfbefestigung abgeriegelt wird, kann nur ein Adelssitz gewesen sein, hier in Form eines Burghauses. Wenn man von Niederlahnstein, das direkt an der Lahn liegt, über unbebautes Gelände nach Horchheim reiste, das auf einer natürlichen, hochwasserfreien Niederterrasse liegt, sollte man die Wirkung des Burghauses nicht unterschätzen. Das Gebäude ist ein Ausdruck von Macht.

Holz und Geschichte – Die erstaunliche Datierung auf 1240/1241

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1572 als Wohnhaus eines Pächters des Koblenzer Stifts St. Florin, das im Hoch- und Spätmittelalter ausgedehnten Grundbesitz in Horchheim besaß. Die dendrochronologische Analyse der Proben aus den Deckenbalken des Erd- und Obergeschosses ergab, dass das Holz bereits um 1240 geschlagen wurde. Das Haus kann somit auf 1240 oder 1241 datiert werden. Das Gebäude ist also viel älter als bisher angenommen.1

Das Geheimnis der ersten Jahrhunderte – Bewohnt von Unbekannten

Es wird vermutet, dass das Haus während seiner gesamten Geschichte als Wohnhaus genutzt wurde. Allerdings fehlen für die ersten drei Jahrhunderte die Quellen, die Auskunft über die Bewohner geben könnten. Daher ist unklar, für wen es ursprünglich gebaut wurde und wer es nutzte.2

Baukunst des 13. Jahrhunderts – Eine architektonische Reise

Ursprünglich handelte es sich um ein freistehendes zweigeschossiges Wohnhaus aus Bruchsteinmauerwerk mit einem Spitzdach über einem Gewölbekeller. Weitere Details, wie die Anzahl der Fenster, sind nicht bekannt. Es ist möglich, dass das Haus nur ein Fenster pro Stockwerk auf jeder Seite hatte. Die ursprüngliche Form der romanischen Rundbogenfenster hat sich an der Ostfassade erhalten und wurde bei den Bauuntersuchungen an der Westfassade wiederentdeckt. An der Südfassade ist sie noch zu erkennen.

Um die 70 cm dicke Außenwände garantierten ein hohes Maß an Stabilität, schränkten aber gleichzeitig die innere Nutzfläche ein. Das Haus ist leicht asymmetrisch. Die westliche Längswand, die der Emser Straße zugewandt ist, ist 9 m lang und rund einen halben Meter kürzer als die östliche Rückwand, die dem Hof zugewandt ist. Ursprünglich hatten die beiden Querseiten den typisch romanischen Treppengiebel, der in einer Höhe von etwa 9,50 m endete. Das eigentliche Haus war knapp 6 m hoch und bestand aus einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss.

In den Stufengiebeln befand sich eine Rundbogenöffnung, die noch an der Südfassade zu sehen ist. Hinter den Stufengiebeln erhob sich ein Spitzdach, das verborgen blieb. An der Innenseite der Giebel sind noch die Anfänge der Dachbalken zu erkennen. Die ursprüngliche Dachform kann also rekonstruiert werden.

Ein auffälliges Detail des Gebäudes ist die aufwendig gestaltete Kaminanlage. Im Obergeschoss befindet sich in der Mitte eine breite Kaminlisene, die von drei schlichten Rechteckkonsolen abgefangen wird. Zu beiden Seiten der Lisene befindet sich ein Rundbogenfenster.

Über dem Erd- und dem Obergeschoss befinden sich Holzbalkendecken, die sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand befinden. Dendrochronologische Untersuchungen der Deckenbalken in beiden Stockwerken haben das Alter des Hauses eindeutig festgestellt.

Bei der restauratorischen Untersuchung wurden an mehreren Stellen Farbreste gefunden, zum Beispiel an den Giebeln und den zugemauerten ehemaligen Fensterleibungen. Das Haus scheint vollflächig verputzt gewesen zu sein und hatte an den Fassaden eine rote Quaderung mit weißen Fugenlinien und an den Giebeln eine rote Oberfläche mit weißen Konturen.3

Das „Romanische Haus“ in Koblenz ist das einzige bekannte rheinland-pfälzische Profangebäude aus dieser Zeit mit einer solchen Außenfassadengestaltung. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder um den Besitz einer bedeutenden Persönlichkeit oder um ein Gebäude mit einem besonderen Zweck. Die ursprüngliche Nutzung des Hauses sollte jedoch weiter erforscht werden.

Wandel der Jahrhunderte – Der Umbau von 1473 und seine Spuren

Der erste datierbare Eingriff in die ursprüngliche Bausubstanz fand 1473 statt. Das Gebäude wurde erhöht, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die romanischen Stufengiebel wurden entfernt und auf die Deckenplatten wurde zusätzliches Mauerwerk aufgesetzt. Auch die Brüstungen an den Längsseiten wurden erhöht, um dem Haus ein zweites Stockwerk zu geben. Die Gesamthöhe wurde nur geringfügig verändert und die seitlichen Brüstungen wurden nur um etwa 30 cm angehoben.

Über einem dritten Stockwerk erhebt sich seither ein gotisches Kehlbalkendach, das einen zusätzlichen Bodenraum enthält. Dieses Dach ist heute noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Rückseiten der Treppenhausgiebel, die einst über das Dach hinausragten, wurden zu den Innenseiten des neu geschaffenen Dachgeschosses. Dadurch blieb die einstige Putz- und Farbgestaltung der Außenfassade teilweise erhalten und konnte unter den später aufgetragenen Putzschichten deutlich nachvollzogen werden.

Auch die Abdrücke der Dachbalken des romanischen Dachstuhls sind an denselben Stellen zu erkennen. Die Treppengiebel sind im Inneren des Hauses deutlicher zu erkennen als an der Außenfassade. Die Abdeckplatten heben sich deutlich von dem umgebenden Bruchsteinmauerwerk ab. Im Inneren ist die ehemalige Bogenöffnung ebenfalls deutlich sichtbar.

Vermutlich wurden bei diesem Umbau auch die romanischen Rundbogenfenster zugunsten modernerer gotischer Rechteckfenster aufgegeben. Die runden Laibungen wurden durch zusätzliches Mauerwerk verdeckt und blieben so erhalten.

Erweiterung im 17. Jahrhundert – Neuer Wohnraum

Im Jahr 1698 wurde eine weitere bauliche Veränderung am Gebäude vorgenommen, höchstwahrscheinlich, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. An der östlichen Längsseite wurde ein Anbau errichtet, der auf jeder der drei Etagen etwa 15 Quadratmeter zusätzlichen Raum schafft. Interessanterweise ist die Geschosshöhe des Anbaus um ein halbes Stockwerk höher. Deshalb musste auf jeder der drei Etagen des Altbaus eine kleine Verbindungstreppe gebaut werden.

Veränderungen im Inneren – Spuren der Zeit in den Decken und Wänden

Damit verbunden sind weitere Veränderungen im Inneren des Gebäudes. Die romanischen Holzbalkendecken im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss erhielten Längsbalken. Die neuen Tannenbalken ruhen auf senkrechten Holzbalkenstützen. Eine dendrochronologische Untersuchung im zweiten Stockwerk hat das Alter dieser Balken eindeutig bestimmt.

Unter den romanischen Decken wurde ein Belag aus dem typischen barocken Lehm-Stroh-Gemisch aufgebracht und mit Kalkputz überzogen. Barocke Lehm-Stroh-Gemische finden sich auch auf der Innenseite der Wände, um den älteren Putz zu ergänzen.

Fenster im Wandel der Zeit – Einblicke in die architektonische Evolution

Eines der beiden Fenster an der Ostseite wurde vergrößert und als Durchgang in den neuen Anbau genutzt. Diese Öffnung wurde später wieder verkleinert. Die verschiedenen Ansätze sind freigelegt und erkennbar. Besonders interessant ist die seitliche Verschiebung dieser Mauerwerksöffnung. Die unterschiedlichen Materialien zeigen deutlich die einzelnen Phasen des Umbaus.

Eine Trennwand hinter der angebauten Treppenöffnung teilt das Haus im ersten Obergeschoss in einen Nord- und einen Südraum. Die ältere, später zugemauerte Tür ist noch deutlich sichtbar. Auch das zugemauerte Fenster auf der Nordseite ist noch sichtbar. Das Fenster an der östlichen Längsseite ist das ursprüngliche, obwohl seine Form später verändert wurde. Die romanische Fensterlaibung ist erhalten geblieben und auch von außen gut sichtbar. An der Westfassade sind die späteren mehrfachen Veränderungen an den Fenstern besonders gut sichtbar.

Die Fenstereinfassung ist aus Holzbalken gefertigt. Ursprünglich gab es eine Mittelstütze, wie der erhaltene obere Querbalken zeigt. Auf der einen Seite steht noch das alte Längsholz, auf der anderen Seite bilden maschinell gezogene Ziegel aus dem 20. Jahrhundert die Fenstereinfassung.

Verlegung des Kellereingangs

Bei der Errichtung des barocken Anbaus wurde der ursprüngliche Kellereingang verlegt. Der neue Eingang befindet sich seitdem in der südlichen Querseite und ist mit Maschinenziegeln des frühen 20. Jahrhunderts gefasst. Die barocke breitere Treppe ist noch vorhanden und befindet sich hinter der Eingangstür. Der östliche Teil des Kellers wurde durch eine eingezogene Zwischenmauer abgeteilt. Die Mauer steht teilweise auf den Treppenstufen und verkleinert dadurch den Eingang. Im Kellerinneren ist der Zweck dieser Unterteilung zu erkennen. Der neue Raum, der sich zur Rückseite befindet, diente als Luftschutzkeller.

Zweiter Anbau: Wandel vom Stall zum Wohnraum

Der zweite Anbau im Norden an der Emser Straße wurde im 19. Jahrhundert zunächst als eingeschossiges Stallgebäude mit Pultdach errichtet. Der Bodenraum unter dem Pultdach wurde als Heuboden genutzt.

Im Jahr 1926 wurden die beiden Räume im Erdgeschoss auf eine Raumhöhe von 2,70 Metern abgesenkt. Sie wurden dann durch eine Tür verbunden und als Wohnräume genutzt.

Vier Jahre später wurden das neu errichtete Dachgeschoss ausgebaut, der Anbau errichtet und zwei weitere Wohnräume im Obergeschoss geschaffen. Außerdem wurde ein neues Dach mit Stauraum angebaut. Die 1926 angebaute Holztreppe zum Obergeschoss wurde überdacht und später zu einer Innentreppe umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Erdgeschoss zu einem Ladengeschäft umgebaut.

Überlebensgeschichte des gotischen Dachstuhls – Eine Begegnung mit Baufälligkeit und Kriegszeit

Der gotische Dachstuhl des Romanischen Hauses aus dem Jahr 1473 ist noch auf dem Gebäude vorhanden. Ursprünglich sollte er 1939 aufgrund von Baufälligkeit ersetzt werden. Die Arbeiten verzögerten sich aufgrund der Materialwirtschaft nach Kriegsbeginn. Glücklicherweise wurde die Anordnung des Bauinspektors nicht vollständig umgesetzt, aufgrund von Geldmangel und Unstimmigkeiten zwischen den beiden Eigentümern und Bewohnern. Die Dachbalken wurden nicht verändert. Lediglich die Dacheindeckung wurde erneuert und darunter eine Schicht aus Brettern angebracht, die mit Brandschutzfarbe gestrichen wurde.

Basaltlava und stauferzeitliche Architektur – Das einstige Tor des Horchheimer Wohnturms

Unmittelbar südlich des Wohnturms standen einst zwei halbrunde Torpfosten aus Basaltlava, die bis zu ihrem Abbruch nach dem zweiten Weltkrieg zu einem großen Tor gehörten. Der linke Pfosten lehnte direkt am Wohnturm an. Ähnliche Torpfosten waren auch am romanischen Wohnturm in Pfaffendorf vorhanden, wurden aber später entfernt. Dieser als „Koblenzer Tortyp“ bezeichnete Torpfostentyp war besonders steil proportioniert und wurde auch in anderen Orten wie Leutesdorf und an der Burg Andernach gefunden. Die Horchheimer Torpfosten sind älter als der Wohnturm selbst und stammen aus dem 12. Jahrhundert, was darauf hindeutet, dass sie zu einem Vorgängerbau gehörten, der mindestens ins späte 12. Jahrhundert zurückreicht.

Historischer Schatz gerettet – Wie Koblenz das verfallene Wohnhaus vor dem Untergang bewahrte

Das Romanische Haus in Horchheim ist das älteste erhaltene Wohnhaus in Koblenz. Seine historische Verbindung mit dem Stift St. Florin endete 1803 mit der Aufhebung des Stifts und dem Tod des letzten Pächters, Johannes Sauter. Der Koblenzer Rat Meurer erwarb das Anwesen 1819 und verkaufte die Ländereien sowie das Haus 1822 einzeln an Bürger aus Horchheim.

Das Romanische Wohnhaus wurde am 24. Juni 1992 förmlich unter Schutz gestellt. Das Landesamt für Denkmalpflege – Referat Bauforschung – unterzog das Gebäude 1993/1994 einer intensiven Bauuntersuchung, die ein verformungsgerechtes Aufmaß, eine Dokumentation in Text und Bild sowie eine dendrochronologische Bestimmung des originalen Dachstuhls umfasste. Mit der bauhistorischen Untersuchung wurden die wissenschaftlichen Grundlagen für eine wünschenswerte Restaurierung geschaffen.

Am 20. Dezember 1995 fand ein Ortstermin mit dem zuständigen Gebietsreferenten des Landesamtes für Denkmalpflege, dem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Koblenz und dem Prüfstatiker der Stadt statt. Anlass waren die von den Eigentümern vorgetragenen Bedenken hinsichtlich der weiteren bautechnischen Sicherung des Giebels und des Dachstuhls.

Die Eigentümer waren aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse nur in der Lage, Notmaßnahmen am Haus durchzuführen, nicht aber, das Anwesen langfristig zu erhalten. Deshalb wurde das Objekt in die vom Landesamt für Denkmalpflege zusammengestellte Broschüre „Verkäufliche Kulturdenkmäler“ aufgenommen. Verschiedene private Interessenten wurden jedoch durch den schlechten baulichen Zustand abgeschreckt.

Die Denkmalfachbehörde war der Auffassung, dass eine langfristige Erhaltung des Hauses nur möglich ist, wenn es in öffentliches Eigentum überführt wird, sei es der Stadt Koblenz oder des Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2001 erwarb die Stadt Koblenz das Baudenkmal nach langen Verhandlungen von seinem letzten privaten Eigentümer. Das Haus befand sich zu dieser Zeit in einem stark vernachlässigten Zustand und stand seit mehreren Jahren leer.

Tag des offenen Denkmals 2002

Am Tag des offenen Denkmals 2002 öffnete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Haus erstmals für einen Tag und präsentierte die Ergebnisse der gerade abgeschlossenen Untersuchung der Bausubstanz.

Rettung durch Fördermittel – Sanierung dank finanzieller Unterstützung

Von 2005 bis 2013 wurden umfangreiche bauliche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die durch den Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert wurden. Die Außenwände wurden durch Verpressen stabilisiert und das Dach mit Schiefer neu eingedeckt. Stahlanker sorgen dafür, dass die Dachkonstruktion sicher mit den Giebelwänden verbunden ist.

Im Inneren wurden neuere Wände entfernt, um sich den mittelalterlichen Grundrissen anzunähern. Darüber hinaus wurde die barocke hölzerne Spindeltreppe instand gesetzt. Der Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der zuletzt als Drogerie genutzt wurde, wurde abgerissen, um das Haus zu entlasten. Das barocke Gebäude auf der Rückseite, das stark von Pilz befallen war, wurde ebenfalls entfernt.

Vom Verfall zur Museumsperle – Zukunftsperspektiven für das sanierte Stadthaus in der Emser Straße

Am 12. November 2010 fand ein Treffen statt, zu dem die Ortsvereinsvorsitzende der SPD Horchheim, Gertrud Block, eingeladen hatte. Anwesend waren Vorstandsmitglieder des Ortsvereins, der Landtagsabgeordnete David Langner (MdL) sowie die Vertreter der Heimatfreunde Jochen Hof und Helmut Mandt. Herr Mohr vom städtischen Hochbauamt informierte über den Stand der Sanierungsarbeiten am Romanischen Haus in der Emser Straße. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung des Hauses.

Gertrud Block schlug vor, dass sich der Ortsring als Arbeitsgemeinschaft der Horchheimer Vereine damit befassen und die Wünsche der Bürger an die politischen Entscheidungsträger weiterleiten solle. Die SPD Horchheim schlug die Einrichtung eines Bürgerzentrums vor, die Heimatfreunde die Einrichtung einer Etage als Mendelssohn-Museum. Der Vorschlag war Gegenstand eines Artikels in der SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“ vom Januar 2011.

In Koblenz stand damals laut Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann der Ausbau der Festung ganz oben auf der Agenda, gefolgt vom 800 Jahre alten „Romanischen Haus“, dem ältesten Gebäude der Stadt. Schulte-Wissermann versprach sich davon eine touristische Aufwertung der Stadt, auch im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2011.

Finanzierung und Nutzungsperspektiven im Fokus

Der Horchheimer Wohnturm ist ein einzigartiges Bauwerk, da er in seiner Originalsubstanz nahezu unverändert erhalten ist und die Zeiten überdauert hat.

Mit den Mitteln aus dem Investitionsprogramm „Nationale Welterbestätten“ in Höhe von insgesamt 450.000 Euro wurden verschiedene Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen, notwendige Abbrucharbeiten, Restaurierungsarbeiten und Bauforschungen durchgeführt. Weitere Mittel für den Innenausbau stehen in diesem Investitionsprogramm nicht zur Verfügung. Die Fördermittel von Bund und Land wurden unter der Voraussetzung bewilligt, dass das Gebäude später als öffentliches Museum genutzt wird. Aufgrund der ungeklärten Nutzungsfrage hat die Verwaltung keine Haushaltsmittel für den Innenausbau angemeldet.

Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Geschichte des Romanischen Hauses noch nicht abgeschlossen. Um das Baudenkmal langfristig zu erhalten, ist eine schonende Nutzung erforderlich. Diese zu finden, ist eine Herausforderung für die Stadt Koblenz, denn auch Putz, Böden, Decken und Dachstuhl des Hauses sind noch historisch4. Ein mittelalterliches Haus mit einem so reichen Originalbestand ist von unschätzbarem Wert. Diese Bedeutung schränkt jedoch die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein, da der historische Bestand umfassend erhalten werden muss.


Quellen:

Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung
Koblenz, 12.11.2012
Stellungnahme zu Antrag/Anfrage Nr. AF/0130/2012
Betreff: Anfrage der CDU-Ratsfraktion – Romanisches Haus in Koblenz-Horchheim (Emser Str. 389)

Erich Engelke M. A.
Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz
Horchheimer Kirmeszeitung 2003

Erich Engelke
Das romanische Haus in Koblenz Horchheim.
Sonderveröffentlichung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Ortskuratorium Koblenz – Mittelrhein
zum Tag des offenen Denkmals 2002.

Landtag Rheinland-Pfalz
Drucksache 12/8027 vom 16.01.1996
Kleine Anfrage 4211 des Abgeordneten Fredy Schäfer (CDU) und
Antwort des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen

Markus Meinen M.A.
Ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand
Horchheimer Kirmeszeitung 2008

SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“,
Januar 2011.

Stadtverwaltung Koblenz
Redaktion koblenz.de
Denkmal des Monats Februar 2022
Eines der ältesten Häuser von Koblenz

Udo Liessem
Horchheim 1214 – 2014
Die profanen Denkmäler – Ein Überblick
Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim aus Anlass des 800-jährigen Bestehens der Pfarrei


Bearbeitung und Zusammenstellung:
Andreas Weber, Koblenz-Horchheim

Titelbild: Romanisches Haus in Horchheim
Tusche und Aquarell von Anton Nikolaus Franck 1964
Reproduktion: Lothar Stein


Horchheimer Kirmes Magazin

Kirmes Magazin 2003 | Das älteste Wohnhaus der Stadt Koblenz
Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz
von Erich Engelke M. A.

Kirmes Magazin 2008 | „… ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand“
Wo einst so manche Burg bestand
von Markus Meinen M. A.

Kirmes Magazin 2010 | Ein Kleinod mittelalterlicher Baukunst in Horchheim
Aktuelles „aus erster Hand“ in Sachen Romanisches Haus in der Emser Straße von Rolf Molkenthin, Denkmalpfleger beim Amt der Stadt Koblenz für Stadtentwicklung und Bauordnung

Mehr zum Romanischen Haus und seinen Bewohnern zur Zeit des Präsenzhofes St. Florin von Manfred Gillissen





Erkundung der Geschichte – Führung auf Fort Konstantin

Bei sommerlichem Wetter machten sich die Heimatfreunde Horchheim am 5. August 2023 gemeinsam mit Mitgliedern und weiteren Interessierten auf den Weg zum Fort Großfürst Konstantin. Dort stand eine Führung durch die Ausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“ auf dem Programm.

Nach der Begrüßung durch die damalige Vorsitzende der Heimatfreunde, Gertrud Block, dankte sie den Teilnehmern für ihr Kommen sowie den Organisatoren der Veranstaltung. Ein besonderer Dank galt Michael Koelges, M.A., Leiter des Stadtarchivs Koblenz, der die Führung fachkundig übernahm. Das Fort Konstantin bot mit seiner Lage oberhalb der Stadt den passenden Rahmen für die Auseinandersetzung mit der Koblenzer Stadt- und Festungsgeschichte.


Vom Kloster zur preußischen Festung

Bevor das Fort Großfürst Konstantin entstand, befand sich auf dem heutigen Karthäuserberg über Jahrhunderte ein Kartäuserkloster. Der Stadtteil Karthause verdankt ihm bis heute seinen Namen. Gegründet wurde das Kloster im 14. Jahrhundert durch Erzbischof Balduin von Luxemburg auf dem Gelände eines älteren Benediktinerklosters. Mit der Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen endete 1794 das klösterliche Leben.

Nach dem Wiener Kongress fiel das Rheinland an Preußen. Um die neue Westgrenze gegenüber Frankreich zu sichern, entstand rund um Koblenz eines der bedeutendsten Festungssysteme Europas. Zwischen 1822 und 1827 wurde in diesem Zusammenhang auch das Fort Großfürst Konstantin errichtet. Von der ehemaligen Klosteranlage sind heute noch die freigelegte Krypta sowie die eindrucksvolle Aussicht über Koblenz erhalten.

Die Festung Koblenz-Ehrenbreitstein

Michael Koelges erläuterte, dass die eigentliche Festung nicht nur aus der Feste Ehrenbreitstein bestand. Vielmehr bildeten zahlreiche vorgelagerte Festungswerke ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem auf beiden Rheinseiten.

Zu diesen Anlagen gehörten unter anderem die Feste Kaiser Alexander auf der Karthause, die Feste Kaiser Franz in Lützel sowie das Fort Asterstein. Ergänzt wurden sie durch weitere Vorwerke und vorgeschobene Befestigungen, die nach den damals modernen Grundsätzen des Festungsbaus angelegt wurden. Gemeinsam bildeten sie die Festung Koblenz-Ehrenbreitstein.

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten große Teile der Festungsanlagen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags geschleift werden. Von der ehemaligen Feste Kaiser Alexander sind heute nur noch einzelne Spuren im Straßenverlauf der Alt-Karthause erkennbar.


Fort Konstantin im Zweiten Weltkrieg

Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte das Fort Konstantin eine wichtige Rolle. Bereits beim Betreten der Anlage lassen sich noch heute Spuren der Kämpfe im März 1945 entdecken. Rillen in den Schrammsteinen werden den Ketten amerikanischer Panzer zugeschrieben, Einschusslöcher in Toren und Mauern erinnern an die letzten Gefechte.

Im Inneren des Forts befand sich die Luftschutzzentrale der Stadt. Von hier aus wurden wichtige Nachrichten übermittelt und die Luftwarnungen koordiniert. Selbst nachdem amerikanische Truppen große Teile von Koblenz bereits besetzt hatten, hielten sich deutsche Soldaten noch im Fort auf und leisteten Widerstand.

Dass die Koblenzer Festungsanlagen nach Kriegsende weitgehend erhalten blieben, war keineswegs selbstverständlich. Michael Koelges schilderte, dass sich amerikanische Militärs gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung für ihren Erhalt einsetzten. Sie überzeugten die Besatzungsmacht davon, dass die Anlagen ihren militärischen Zweck längst verloren hatten und stattdessen als bedeutende Zeugnisse der Stadtgeschichte bewahrt werden sollten.

Ehrenamt bewahrt ein bedeutendes Denkmal

Ein besonderes Anliegen des Referenten war es, auf die Arbeit der Fördervereine hinzuweisen. Die historischen Festungsanlagen befinden sich im Eigentum der Stadt Koblenz. Erst durch das langjährige ehrenamtliche Engagement zahlreicher Vereinsmitglieder konnten viele Bereiche restauriert, gepflegt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Die Arbeit dieser Vereine leistet bis heute einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der preußischen Festungslandschaft und macht ihre Geschichte für Besucher erlebbar.

Die Ausstellung „Koblenz im Zweiten Weltkrieg“

Im Anschluss führte Michael Koelges durch die Ausstellung des Stadtarchivs Koblenz, die auf Fort Konstantin eingerichtet wurde.

Die Idee entstand bereits Anfang der 2000er Jahre auf Initiative des Seniorenbeirats der Stadt Koblenz. Nach einigen Jahren wurde das Projekt erneut aufgegriffen und schließlich unter Federführung des Stadtarchivs verwirklicht. Maßgeblich an der Umsetzung beteiligt war Dr. Petra Weiß, die mit großem persönlichem Engagement und vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln eine Ausstellung schuf, die bis heute große Beachtung findet.

Der Rundgang macht deutlich, dass sich die Ausstellung nicht auf die Zerstörung der Stadt beschränkt. Ebenso werden die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beleuchtet, die den Weg in den Zweiten Weltkrieg ebneten. Ziel ist es, nicht nur die Folgen des Krieges zu dokumentieren, sondern auch seine Ursachen verständlich zu machen.

Bereits im Eingangsbereich fällt eines der eindrucksvollsten Ausstellungsstücke ins Auge: die sogenannte „Metternicher Bombe“, eine britische Luftmine mit einem Gewicht von rund 1,8 Tonnen. Solche Luftminen sollten vor allem durch ihre enorme Druckwelle Dächer abdecken und gemeinsam mit Brandbomben verheerende Feuerstürme auslösen.

Die Bombenhülle wurde 1999 auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne in Koblenz-Metternich entdeckt, entschärft und später in die Ausstellung übernommen. Michael Koelges erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Fund einer baugleichen Luftmine im Jahr 2011 am Pfaffendorfer Rheinufer. Die Entschärfung machte damals die Evakuierung von mehr als 45.000 Menschen erforderlich und zählt bis heute zu den größten Evakuierungsmaßnahmen in der Geschichte der Bundesrepublik. Beide Funde verdeutlichen, dass die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch immer präsent sind.


Nationalsozialismus und der Weg in den Krieg

Die Ausstellung erläutert zunächst die politischen Entwicklungen, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führten. Anhand zahlreicher Dokumente wird aufgezeigt, wie sich der Nationalsozialismus nach der Machtübernahme 1933 Schritt für Schritt in allen Bereichen des öffentlichen Lebens etablierte. Ideologie, Propaganda und staatliche Kontrolle prägten zunehmend den Alltag der Bevölkerung.

Auch Koblenz blieb von dieser Entwicklung nicht unberührt. Als Sitz des Gaus Koblenz-Trier gewann die Stadt innerhalb der nationalsozialistischen Verwaltungs- und Parteistrukturen an Bedeutung. Zugleich verdeutlichte Michael Koelges, dass die politischen Verhältnisse vor Ort differenziert betrachtet werden müssen. So zeigen historische Untersuchungen, dass sich das Wahlverhalten in den überwiegend katholisch geprägten Regionen teilweise von dem in protestantischen Gebieten unterschied.

Gleichschaltung und Verfolgung

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist die schrittweise Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens. Vereine und Verbände wurden nach dem Führerprinzip organisiert, öffentliche Einrichtungen der NS-Ideologie untergeordnet und politische Gegner systematisch ausgeschaltet.

Besonders eindringlich wird die zunehmende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung dargestellt. Nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 verschärften sich Ausgrenzung und Entrechtung kontinuierlich, bis sie schließlich in Deportation und Ermordung mündeten. Auch Sinti und Roma sowie weitere Bevölkerungsgruppen wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Anhand von Unterlagen aus dem Stadtarchiv zeigte Michael Koelges, wie selbst amtliche Dokumente die Verbrechen verschleierten. So findet sich in Einwohnermeldeunterlagen vielfach der Begriff „evakuiert“, obwohl tatsächlich Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager gemeint waren.

Jugend im Nationalsozialismus

Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich der Hitlerjugend. Mit der Einführung der allgemeinen Mitgliedschaft entwickelte sie sich ab 1936 zur staatlichen Jugendorganisation. Freizeit, Erziehung und Ausbildung wurden zunehmend militarisiert und auf die Ziele des Regimes ausgerichtet.

Während des Krieges wurden Jugendliche immer stärker für kriegswichtige Aufgaben herangezogen. Gegen Ende des Krieges kamen viele von ihnen im Volkssturm oder sogar unmittelbar an der Front zum Einsatz.

Koblenz bereitet sich auf den Luftkrieg vor

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs traf die Stadt umfangreiche Vorbereitungen für mögliche Luftangriffe. Da Koblenz ein bedeutender Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt war, galt sie früh als strategisches Angriffsziel der Alliierten.

Die Ausstellung dokumentiert zahlreiche Maßnahmen des Luftschutzes. Dachböden wurden entrümpelt, um Brandgefahren zu verringern, Luftschutzräume eingerichtet und Löschgeräte sowie Sandsäcke bereitgestellt. Aus Sorge vor möglichen Giftgasangriffen erhielten viele Einwohner außerdem Gasmasken.

Gleichzeitig entstanden zahlreiche öffentliche Bunker. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl verfügte Koblenz über eine außergewöhnlich hohe Zahl an Schutzplätzen – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung die Stadt im Kriegsfall besaß.

Die Bombenangriffe auf Koblenz

Obwohl andere deutsche Städte bereits früh schwer bombardiert wurden, blieb Koblenz zunächst vergleichsweise verschont. Erst ab 1942 häuften sich die Luftangriffe. Anfangs handelte es sich vielfach um Bomben, die von amerikanischen Flugzeugen auf dem Rückflug abgeworfen wurden. Mit zunehmender Kriegsdauer entwickelten sich daraus gezielte Angriffe auf Verkehrswege, Industrieanlagen und schließlich auch auf das Stadtgebiet.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie sich der Alltag der Bevölkerung dadurch veränderte. Nach den ersten größeren Angriffen wurden Informationsblätter verteilt, die Hinweise für den Verlust von Wohnung und Eigentum sowie Anlaufstellen für Betroffene enthielten.

Michael Koelges erläuterte außerdem die unterschiedlichen Strategien der alliierten Luftstreitkräfte. Während amerikanische Bomber vor allem tagsüber militärische und industrielle Ziele angriffen, setzte die britische Royal Air Force verstärkt auf nächtliche Flächenbombardements, die ganze Stadtviertel erfassten. Ziel war es, neben der Zerstörung der Infrastruktur auch die Moral der Bevölkerung zu schwächen.

Gleichzeitig machte der Referent deutlich, dass diese Entwicklung im Zusammenhang mit dem Luftkrieg insgesamt betrachtet werden müsse. Bereits zuvor hatte das Deutsche Reich britische Städte bombardiert, sodass sich der Luftkrieg zu einer wechselseitigen Eskalation entwickelte, unter der vor allem die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten schwer litt.

Propaganda und Alltag im Krieg

Ein weiterer Themenbereich befasst sich mit dem Versuch des Regimes, selbst die Folgen der Bombenangriffe propagandistisch zu nutzen. Trauerfeiern und Beisetzungen wurden vielfach zu politischen Veranstaltungen umgestaltet und für Durchhalteparolen missbraucht.

Als Beispiel für persönlichen Widerstand erwähnte Michael Koelges den evangelischen Pfarrer Paul Schneider, der sich der Vereinnahmung kirchlicher Handlungen durch das NS-Regime widersetzte und dafür mit seiner Verfolgung bezahlte.

Rationierung und Versorgung

Mit zunehmender Kriegsdauer verschlechterte sich die Versorgungslage spürbar. Bereits vor Kriegsbeginn war der sogenannte Eintopfsonntag eingeführt worden. Er sollte die Bevölkerung an Einschränkungen gewöhnen und zugleich Geld für das Winterhilfswerk einbringen. Die Ausstellung zeigt zeitgenössische Rezepthefte und Informationsblätter, die diesen Gedanken propagierten.

Lebensmittel konnten nur noch gegen Bezugsscheine erworben werden. Auch Kleidung unterlag einer strengen Rationierung und durfte nur mit entsprechenden Reichskleiderkarten gekauft werden.

Eine zentrale Rolle spielte dabei das städtische Wirtschaftsamt, das die Ausgabe und Verwaltung der Lebensmittel- und Kleiderkarten organisierte. Die gezeigten Dokumente vermitteln einen anschaulichen Eindruck davon, wie stark der Alltag der Menschen inzwischen von Mangelwirtschaft, staatlicher Kontrolle und den Anforderungen des Krieges geprägt war.


Fort Konstantin als Luftwarn- und Kommandostand

Im weiteren Verlauf der Führung wurde die besondere Rolle des Fort Konstantin im Luftkrieg erläutert. Ab 1944 befand sich hier die zentrale Luftwarnstelle für den Raum Koblenz. Zuvor waren entsprechende Dienststellen mehrfach verlegt worden, unter anderem in andere Gebäude der Stadt, bevor sie schließlich im Fort Konstantin konzentriert wurden.

Von hier aus erfolgte die Auswertung von Meldungen über anfliegende Flugverbände sowie die Alarmierung der Bevölkerung. Sirenen und Meldesysteme sollten möglichst frühzeitig vor Angriffen warnen und den Schutz der Zivilbevölkerung ermöglichen. Das Fort war damit nicht nur Teil der historischen Festungslandschaft, sondern auch ein zentraler organisatorischer Knotenpunkt im Luftschutzsystem der letzten Kriegsjahre.

Letzte Kriegstage und Kampfhandlungen

Die Ausstellung macht deutlich, dass Koblenz erst relativ spät im Krieg massiv zerstört wurde. Der schwerste Luftangriff traf die Stadt im November 1944 und führte zu erheblichen Schäden sowie zu zahlreichen Opfern.

In den letzten Kriegsmonaten verschärfte sich die militärische Lage weiter. Auch das Fort Konstantin selbst wurde in den Endkämpfen noch einmal zum Schauplatz von Widerstand. Einzelne Einheiten der Wehrmacht hielten sich dort auf und leisteten bis zuletzt Widerstand, obwohl die militärische Lage bereits aussichtslos war.

Spuren dieser Ereignisse sind teilweise bis heute am Bauwerk ablesbar und wurden im Rahmen der Führung erläutert.

Evakuierung und Kriegsende in Koblenz

Nach den schweren Luftangriffen begann die schrittweise Evakuierung großer Teile der Bevölkerung. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden in weniger gefährdete Regionen verlegt, unter anderem nach Thüringen. Diese Maßnahmen waren Teil eines reichsweiten Systems von Ausweich- und Evakuierungsgebieten.

Viele der Betroffenen verbrachten dort die letzten Kriegsmonate unter schwierigen Bedingungen, bevor sie nach Kriegsende zurückkehren konnten oder in andere Regionen gelangten.

Mit dem Vorrücken der alliierten Truppen erreichte der Krieg Anfang 1945 auch Koblenz endgültig. Amerikanische Einheiten näherten sich der Stadt aus mehreren Richtungen, überschritten den Rhein und besetzten das linke Rheinufer. Der Krieg endete für Koblenz mit dem Einmarsch der US-Truppen und der anschließenden Besetzung der Stadt.

Nachkriegszeit und Umgang mit der Festungslandschaft

Die Ausstellung thematisiert auch die unmittelbare Nachkriegszeit und den Umgang mit den verbliebenen Festungsanlagen. Während zahlreiche militärische Einrichtungen in anderen Regionen vollständig zerstört wurden, blieb das Festungssystem um Koblenz in weiten Teilen erhalten.

Dies war unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass sich sowohl lokale Akteure als auch Vertreter der Besatzungsmacht für den Erhalt einzelner Anlagen einsetzten. Die Festungswerke hatten ihre militärische Funktion verloren und wurden zunehmend als historische Zeugnisse verstanden.

Führung auf Fort Konstantin | Fotos © Andreas Weber, Berndt Frosch

Abschluss der Führung

Zum Ende der Führung dankte die damalige Vorsitzende der Heimatfreunde Horchheim, Gertrud Block, dem Referenten Michael Koelges herzlich für die anschauliche und fundierte Darstellung der Ausstellung sowie die ausführlichen Erläuterungen zur Geschichte des Fort Konstantin und der Stadt Koblenz im Zweiten Weltkrieg.

Die Teilnehmer erhielten einen eindrucksvollen Überblick über die vielschichtige Entwicklung der Stadt von der preußischen Festungszeit bis in die Zerstörungen und Umbrüche des 20. Jahrhunderts.

Als Zeichen des Dankes überreichten die Heimatfreunde Horchheim ein Weinpräsent an den Referenten.


Text: Andreas Weber
nach einer Transkription des Vortrags von Michael Koelges




Führung über den Koblenzer Hauptfriedhof

21. Mai 2023 | Heimatfreunde Horchheim veranstalten eine Führung über den Hauptfriedhof Koblenz

Unter der sach- und fachkundigen Führung von Manfred Böckling M. A., der auch durch seine Stadtführungen sehr bekannt ist, wurde zunächst die allgemeine Geschichte des Friedhofs, auch als Park für die Toten und Lebenden bezeichnet, sehr anschaulich dargestellt.

Der Friedhof wurde am 28. Mai 1820 feierlich eingeweiht und ist heute in seiner Gesamtheit ein bedeutendes Denkmal und die größte Parkanlage der Stadt. Die vielfältig gestalteten Grabstätten in einer einzigartigen Parklandschaft spiegeln den Umgang mit dem Tod und die Formen des Totengedenkens seit den 1820er Jahren wider. Christliche Formen finden sich ebenso wie antikisierende. Steinerne Grabsteine stehen neben gusseisernen Grabmälern aus der Sayner Hütte.

Hochinteressant waren die Grabstätten bekannter Koblenzer Persönlichkeiten mit ihren größtenteils kunstvollen Gestaltungen: General August von Goeben, das neogotische Denkmal für Oberbürgermeister Carl Heinrich Lottner, Gartenbaudirektor Karl Stähle, die Grabstätten der Familien Firsbach und Burkhard/Grisar, die Grabstätten der Koblenzer Jesuiten, die Breitstele des Koblenzer Bildhauers Rudi Scheuermann für Ministerpräsident Peter Altmeier und dessen Frau Gretel, die Familiengräber der Gebrüder Friedhofen, das Familiengrab des Stadtbaumeisters Friedrich Wilhelm Mäckler, die Gruft der Unternehmerfamilie Spaeter und, und, und…

Nach etwa zwei Stunden endete die Führung mit einem kräftigen Gewitterguss.

Übrigens: Die Führungen durch Herrn Böckling sind sehr zu empfehlen.