Von Hoschem ins Reich der Kowelenzer Faasenacht

Presse

Die Heimatfreunde Horchheim besuchten das Rheinische Fastnachtsmuseum im Kehlturm des Fort Konstantin.

Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, machten sich dreizehn Heimatfreunde auf den Weg nach Koblenz. Treffpunkt war die Bushaltestelle Mendelssohn in Horchheim. Mit dem Bus ging es zum Koblenzer Hauptbahnhof, von dort zu Fuß ein Stück bergauf bis zum Kehlturm des Fort Konstantin. Dort wurden die Heimatfreunde von Andreas Heering herzlich empfangen, der sie zusammen mit seiner Frau durch das Rheinische Fastnachtsmuseum führte.

Der Kehlturm gehört zur preußischen Festungsanlage Fort Konstantin und ist schon von außen ein ungewöhnliches Bauwerk. Der dreigeschossige Turm mit seinem trapezförmigen Grundriss fällt durch den ockerfarbenen Außenputz, rote Gesimse und einen Rundbogenfries auf. Oben schließt ein zinnenartiger Kranz das Gebäude ab. Die tief eingeschnittenen Kanonenscharten erinnern an seine ursprüngliche militärische Funktion.

Im Inneren fallen die weiß verputzten Wände, mächtigen Pfeiler, breiten Gurtbögen und aufwendig gemauerten Gewölbe ins Auge. Eine moderne Stahltreppe verbindet die Ausstellungsebenen und bildet einen deutlichen Kontrast zum historischen Festungsbau.

Wie aus einer Ausstellung ein Museum wurde

Die Geschichte des Rheinischen Fastnachtsmuseums begann 1996 mit einer Wanderausstellung auf der Festung Ehrenbreitstein. Für die dauerhafte Präsentation der Sammlung wurde der Kehlturm ausgewählt und instand gesetzt. Am 19. April 2001 öffnete das Museum seine Türen. Seit 2003 wird es von der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK) getragen.

Bis heute steckt viel ehrenamtliche Arbeit in der Pflege und Weiterentwicklung der Ausstellung. Der historische Festungsbau bringt dabei auch Herausforderungen mit sich, etwa durch Feuchtigkeit im Mauerwerk. Umso mehr wurde beim Rundgang deutlich, wie viel Engagement nötig ist, um das Museum zu erhalten und die Geschichte der Koblenzer Faasenacht zu vermitteln.

Wie in Kowelenz Karneval gefeiert wird

Wer glaubt, Karneval beginne erst am 11.11. und sei mit dem Aschermittwoch wieder vorbei, bekam bei der Führung schnell einen anderen Eindruck. Hinter der Kowelenzer Faasenacht steckt das ganze Jahr über viel Arbeit. Die AKK ist die Dachorganisation von 43 närrischen Kooperationen in Koblenz mit insgesamt mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie setzt sich für die Pflege des heimatlichen Brauchtums, der moselfränkischen Mundart und des volkstümlichen Karnevals ein. In den Vereinen beginnen die Vorbereitungen für die nächste Session oft schon Jahre im Voraus.

Besonders aufwendig ist es, wenn ein Verein Prinz und Confluentia stellt. Die AKK beginnt mit der Auswahl der Tollitäten mehrere Jahre im Voraus. Ein Verein muss nicht nur die Veranstaltungen planen, sondern auch die Finanzierung stemmen. Andreas Heering berichtete, dass dafür inzwischen ein beträchtliches eigenes Budget nötig ist. Und mit der Kür der Tollitäten beginnt erst der eigentliche Terminmarathon: In der Session stehen für Prinz und Confluentia zahlreiche Auftritte an, manchmal mehrere hundert. Da bleibt neben der Organisation und den offiziellen Terminen nicht immer viel Zeit zum eigenen Feiern.

Auch der Rosenmontagszug erfordert eine umfangreiche Vorbereitung. Mehr als 100.000 Zuschauer verfolgen das Geschehen, rund 5.000 Menschen wirken im Zug mit. Sicherheitsmaßnahmen, Absperrungen, Toiletten, Bühne und Technik verursachen hohe Kosten. Einen großen Teil davon muss die AKK durch Eintrittsgelder und Sponsoren finanzieren. Trotzdem sollen die Veranstaltungen für ein breites Publikum bezahlbar bleiben.

Wie vielfältig die Aktivitäten sind, zeigen auch die Veranstaltungen rund um die Session. Dazu gehören die Inthronisation der Tollitäten, die Sitzung für Jung und Alt, die Handicap-Sitzung für Menschen mit Behinderung und die AKK Schängelschiffe. Bei der Handicap-Sitzung kommen rund 800 Gäste aus der Region zusammen. Heering erzählte, wie sehr ihn die Freude und die offene Begeisterung der Besucher berühren. Solche Einblicke machten deutlich, dass die Koblenzer Faasenacht nicht nur aus Umzügen und Büttenreden besteht, sondern vor allem von den Menschen lebt, die sie organisieren und mittragen.

Koblenzer Originale zum Wiedererkennen

Ein besonders unterhaltsamer Teil der Ausstellung ist den Koblenzer Originalen gewidmet: dem Pfefferminzje, dem Resche Hennerich, der Maatfrau Ringelstein und dem Schutzmann Otto. Ihre Geschichten gehören zur Stadtgeschichte und zeigen, wie Menschen mit ihrem ganz eigenen Charakter zu bekannten Figuren werden konnten.

Beim Resche Hennerich wusste Andreas Heering einiges zu erzählen. Der gelernte Schuster hatte früher als Trommler bei den Preußen gedient. Nachdem er entlassen worden war, behielt er seine Trommel. Damit soll er sich einen Spaß daraus gemacht haben, in der Nähe von Cafés den preußischen Generalmarsch zu schlagen. Soldaten, die gerade gemütlich zusammensaßen, glaubten an einen Alarm und eilten zum Sammelplatz – während sich Hennerich über den gelungenen Streich freute. Auch als Schuster war er offenbar ein Original: Einst sollte er für die Tochter des Gefängnisdirektors ein Paar Stiefel anfertigen. Die Hacken setzte er kurzerhand vorne an. Der Überlieferung nach endete die Geschichte mit einem weiteren Aufenthalt im Gefängnis.

Eine besondere Figur im Museum ist Manfred „Manni“ Gniffke. Er gehört zu den wenigen Koblenzer Originalen, die noch leben. Für die Herstellung seiner Figur stand er zweimal jeweils eine halbe Stunde auf einem Drehteller, während ihn zahlreiche Kameras aus verschiedenen Richtungen erfassten. Aus diesen Aufnahmen entstand ein dreidimensionales Modell, das anschließend gedruckt wurde. Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Gniffke freute sich sehr über die Figur und war von dem Ergebnis sichtlich gerührt.

Auch Erich Thönnes, der rund 30 Jahre lang als Zugmarschall den Koblenzer Rosenmontagszug begleitete, ist mit einer lebensgroßen Figur vertreten. Nach seinem Abschied im Jahr 2014 wurde ihm damit eine besondere Würdigung zuteil. Bei Führungen mit Schulklassen holt Andreas Heering ihn gelegentlich sogar persönlich dazu – dann können die Kinder den ehemaligen Zugmarschall in seiner Uniform kennenlernen.

Karnevalsorden mit Geschichte

Karnevalsorden erinnern an besondere Sitzungen, Persönlichkeiten und Ereignisse einer Session. Im Rheinischen Fastnachtsmuseum ist eine umfangreiche Sammlung zu sehen. Dazu gehören auch Orden, die der frühere Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl bei Empfängen im Bundeskanzleramt erhalten hatte. Da nicht alle Stücke gleichzeitig ausgestellt werden können, wechselt die Auswahl.

Viele Orden erzählen auf ihre eigene Weise Koblenzer Stadt- und Karnevalsgeschichte. Mit ihren Motiven nehmen sie Personen aus Politik und Gesellschaft aufs Korn, erinnern an Jubiläen oder halten die Tollitäten einer Session fest. So manches Motiv erschließt sich erst auf den zweiten Blick und zeigt, wie viel Humor in der Kowelenzer Faasenacht steckt.

Von früheren Tollitäten bis zur Jubiläumssession

Wie sich der Koblenzer Karneval über die Jahrzehnte entwickelt hat, zeigt die Ahnengalerie mit Bildern früherer Prinzen und Confluentien. Zu den ältesten Ausstellungsstücken gehört ein Prinzengewand aus dem Jahr 1937, das Andreas Heering bei einer Online-Auktion entdeckt hatte. Auch an solchen Stücken wird deutlich, wie viel Recherche und Sammelarbeit hinter dem Museum steckt.

Prinz und Confluentia gehören heute selbstverständlich zusammen. Ihren gemeinsamen Auftritt gibt es in Koblenz allerdings erst seit 1971. Der Name „Confluentia“ geht auf die lateinische Bezeichnung für Koblenz zurück und bedeutet so viel wie „Zusammenfluss“. Andreas Heering nahm das mit einem Augenzwinkern auf: Am Deutschen Eck fließt schließlich die Mosel in den Rhein – und nicht umgekehrt. Genau genommen ist es also eher ein Zufluss als ein Zusammenfluss.

Ein eigener Bereich zeigt die Tollitäten der jeweils vergangenen Session. Ihre Kostüme, Orden und Erinnerungsstücke werden nach jeder Session ergänzt und machen die Ausstellung zu einer lebendigen Chronik des Koblenzer Karnevals. Auch kleine Details sind sehenswert: Bei einem Prinzenpaar war der Größenunterschied so ausgeprägt, dass die Confluentia bei der Darstellung auf einem kleinen Schemel stand.

200 Jahre Kowelenz Olau

Besonders ausführlich widmet sich das Museum dem Jubiläum „200 Jahre Kowelenz Olau“, das 2024 gefeiert wurde. Anlass war das 200-jährige Jubiläum des organisierten Koblenzer Karnevals. Die AKK musste die Jubiläumssession kurzfristig selbst organisieren, nachdem ein vorgesehener Verein die Aufgabe nicht übernehmen konnte. Statt der üblichen mehrjährigen Vorbereitung blieben nur neun Monate. Mit Prinz Dirk, dem „Vollblut-Geck mit Liebe zum Eck“, und Confluentia Jenni Sauerborn gelang es der AKK dennoch, die Jubiläumssession erfolgreich zu gestalten.

Zu den Erinnerungsstücken aus diesem besonderen Jahr gehört ein Gemälde zum Thema „200 Jahre Koblenzer Karneval“, das die AKK eigens beim Maler Sommer in Auftrag gegeben hatte. Bei der Versteigerung des Originals kamen 5.000 Euro zusammen, die zur Finanzierung der Jubiläumssession beitrugen. Im Museum ist eine Kopie zu sehen; das deutlich größere Original befindet sich heute beim Käufer.

Auch große, beleuchtete Buchstaben mit dem Schlachtruf „OLAU“ gehören zur Jubiläumsausstellung. Sie wurden in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer gebaut und kommen bei verschiedenen Karnevalsveranstaltungen zum Einsatz.

Zum Abschluss der Führung blickte Andreas Heering auf die Vorbereitungen zurück, bedankte sich bei den Gästen für ihren Besuch und verabschiedete die Heimatfreunde mit einem dreifachen Schlachtruf: „Kowelenz Olau! Museum Olau! Horchheim Olau!“

Ein gemütlicher Ausklang im historischen Gewölbe

Nach der Führung ging es über eine steile Treppe hinunter in den historischen Keller des Kehlturms. In dem stimmungsvollen Gewölbe konnten die Heimatfreunde bei Bier oder Wein die vielen Eindrücke des Museumsbesuchs Revue passieren lassen und gemütlich zusammensitzen. Andreas Heering und seine Frau bewirteten die Gruppe und sorgten dafür, dass sich alle wohlfühlten. Das historische Ambiente bot einen schönen Rahmen für diese gesellige Runde.

Als Dank für die interessante Führung und die freundliche Aufnahme übergaben die Heimatfreunde eine kleine Spende an den Verein Rheinisches Fastnachtsmuseum Koblenz e. V. Sie soll dazu beitragen, die Vereinsarbeit und den Erhalt des Museums zu unterstützen.

Anschließend ging es mit dem Bus zurück nach Horchheim. In der Gaststätte Turnerheim war bereits ein Tisch für die Gruppe reserviert. Bei einem gemeinsamen Essen ließ man den erlebnisreichen Nachmittag in geselliger Runde ausklingen.

Ein lohnendes Ziel ganz in der Nähe

Der Besuch im Rheinischen Fastnachtsmuseum bot den Heimatfreunden einen abwechslungsreichen Einblick in die Koblenzer Faasenacht, ihre bekannten Persönlichkeiten und ihre Geschichte. Die interessante Führung, die vielen Anekdoten und die herzliche Gastfreundschaft im historischen Gewölbe machten den Ausflug zu einem gelungenen gemeinsamen Erlebnis. Auch der Kehlturm selbst ist einen Besuch wert.

Wer das Museum kennenlernen möchte, findet Informationen zu den Besuchsmöglichkeiten auf der Website: fastnachtsmuseum-koblenz.de


Text und Fotos: Andreas Weber
Gruppenfoto im Gewölbekeller: Andreas Heering
Strichzeichnung nach einer Luftaufnahme von Wolkenkratzer (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0), mithilfe von KI erstellt.

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