Bau­ern in Horch­heim vor 25 Jah­ren — ein „agrar­öko­no­mi­scher Rück­blick” von Hans Feldkirchner

Kir­mes-Maga­zin 1980 Sei­te 40–41

 

1933 Horchheim Landwirtschaft vor der Schmidtenhöhe vorne Schmitze Hannes mit Pferd Emma das biß und trat, am Ochsengespann re. stehend Hans Schmitz sitzend auf den Heu Eltern Schmitz
1930er Jahre Horchheim Landwirtschaft Karl Pretz mit Sohn Franz, gefallen in Russland
1930er Jahre Landwirtschaft Ochsenfuhrwerk re. Josef Weinheimer li. Wilhelm Weinheimer
Ester Im Hof Emserstr-345
1950 Horchheim Persönlichkeiten Landwirt Johann Schmidt und Frau Apollonia

Lan­ge ist es her, als Och­sen­kar­ren zu einer ver­trau­ten Erschei­nung auf Horch­heims Stra­ßen waren, als Frisch­milch direkt vom Erzeu­ger mit dem Pfer­de­wa­gen aus­ge­fah­ren wur­de und Horch­heims Hob­by­gärt­ner mit Schau­fel und Besen auf die Stra­ße stürz­ten, um sich gewis­se „Hin­ter­las­sen­schaf­ten” der Vier­bei­ner als Dün­ger für den Haus­gar­ten zu sichern. Äußerst gründ­lich hat man Horch­heims Gemar­kung umge­pflügt, neu pla­niert, auf­ge­ris­sen, aus­be­to­niert und asphal­tiert — alles im Sin­ne von ver­bes­ser­ter Infra­struk­tur. Die ursprüng­li­che Struk­tur unse­res Ortes ging dabei ver­lo­ren, gründ­lich, end­gül­tig. Natür­lich haben Horch­heims Groß- und Klein­grund­be­sit­zer ihren Schnitt gemacht, als sie die Fel­der der Väter und Groß­vä­ter Stra­ßen­bau­äm­tern und Sied­lungs­ge­sell­schaf­ten über­lie­ßen und ihre bäue­rIiche Selb­stän­dig­keit auf­ga­ben. So man­cher Rum­me­le-Acker, so man­ches Erd­beer­feld wur­de so zur klei­nen Goldgrube …

Horch­heim war um die Jahr­hun­dert­wen­de ein Dorf mit klein­bäu­er­li­cher Struk­tur. Neben Wein­bau war der Obst­an­bau vor­herr­schend. Bis zum 1. Welt­krieg wur­den Horch­hei­mer Bohn­äp­fel in Holz­ton­nen ver­packt und zum größ­ten Teil nach Eng­land ver­schifft. Nach dem 1. Welt­krieg nahm der Erd­beer­an­bau immer mehr zu. Der Wein­bau ging wegen der Aus­brei­tung der Schäd­lin­ge (Reb­laus) und der immer dich­ter wer­den­den Besied­lung der Orts­la­ge zurück und ver­schwand im Jah­re 1923 ganz. Getrei­de und Hack­frucht wur­den wei­ter ober­halb der Umge­hungs­stra­ße B 42 ange­baut. Die­se Anbau­flä­chen ver­schwan­den durch die Aus­brei­tung der mili­tä­ri­schen Anla­gen wie Bau der Augusta‑, Gneisenau‑, Dei­nes-Bruch­mül­ler-Kaser­ne und der Anla­ge des Schieß- und Trup­pen­übungs­plat­zes Schmid­ten­hö­he. Bis zum Beginn des 2. Welt­krie­ges war die bäu­er­li­che Struk­tur fast zur Bedeu­tungs­lo­sig­keit her­ab­ge­sun­ken. Auf den ver­blei­ben­den Res­ten der land­wirt­schaft­li­chen Flä­che bau­ten die Horch­hei­mer Bau­ern meist nur noch zu ihrem eige­nen Gebrauch für die Nutz­vieh­hal­tung Getrei­de und Hack­frucht an. In den Man­gel­jah­ren nach dem 2. Welt­krieg blüh­te das bäu­er­li­che Leben noch ein­mal auf. Der Erd­beer­an­bau war eine der wich­ti­gen Ein­nah­me­quel­len. Durch die dann ein­set­zen­de Aus­wei­tung des Woh­nungs­bau­es ver­schwan­den immer mehr Erd­beer­fel­der. Nach­dem die Bun­des­re­pu­blik sich dem euro­päi­schen Markt öff­ne­te und das Bau­ge­biet Horch­hei­mer Höhe ent­stand, war es mit den bäu­er­li­chen Betrie­ben vor­bei. Den Rest gab ihnen der Straßenbau.

Ein Dut­zend Voll-Bauern

Heu­te haben wir in Horch­heim lei­der kei­nen ein­zi­gen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb mehr. 1955 exis­tier­ten immer­hin noch 16 Betrie­be, davon 12 als Voll­erwerbs­be­trie­be. Wer erin­nert sich an „Pin­ke Jupp” in der Emser Stra­ße — Ecke von Eyß­stra­ße, der sich als spä­ter Jung­ge­sel­le in den baye­ri­schen Hafen der Ehe bege­ben hat­te oder an den „Schus­ter Will” gegen­über dem Kran­ken­haus, der bis 1955 Herr und Gebie­ter über vie­le Erd­beer­fel­der war und heu­te als Rent­ner lebt, oder an Sieg­fried Sau­der, der spät aus der rus­si­schen Gefan­gen­schaft zurück­kam und mit sei­nem Och­sen und Mist­hau­fen vor der Tür in der Bran­den­burg­stra­ße zum dör­fIichen Leben der dama­li­gen Zeit gehör­te? Hin­zu kom­men Vater und Sohn Josef und Kon­rad Geiss­ler in der Emser Stra­ße. Wäh­rend sich Josef Geiss­ler mehr dem Gesel­len­haus als Haus­va­ter wid­me­te, über­nahm Sohn Kon­rad den elter­li­chen Betrieb. Er war der ers­te und auch der Ein­zi­ge, der von den Horch­hei­mer Bau­ern einen Trak­tor besaß. Heu­te noch ist der „Konn” bei allen Umzü­gen in Horch­heim mit sei­nem alters­schwa­chen Trak­tor dabei. Auf dem Kom­mers der Kir­mes­ge­sell­schaft 1965 hat er die letz­te Kuh Horch­heims in den Saal geführt.

Am längs­ten hielt sich Esters Hein

Wei­ter zu nen­nen ist „Pret­ze Jakob” in der Hed­des­dorff­stra­ße. Er gehör­te mit sei­nem Kuh­ge­spann zu den letz­ten Bau­ern, die sich schwer von ihren Äckern tren­nen konn­ten. Der abso­lut „letz­te” Bau­er war schließ­lich der „Ester Hein”, allen Horch­hei­mern wohl­be­kannt. Hat­te der „Hein” doch zur Freu­de der Horch­hei­mer Kin­der lan­ge Jah­re das Pferd des St. Mar­tin in Pension.

Schmit­ze Han­nes aus der Meesgaß

Bei der Auf­zäh­lung der Horch­hei­mer Bau­ern darf einer nicht ver­ges­sen wer­den. Er war ein Ori­gi­nal, er und sei­ne Frau waren mensch­lich so pracht­vol­le Mit­bür­ger, wie man sie sel­ten­fin­det. lch mei­ne „Schmitz Jusseps Han­nes” und sei­ne Frau „Appel­chen”. Für Nicht­ein­ge­weih­te: Johann Schmitz und sei­ne Frau Appol­lo­nia aus dem Mees­gäß­chen. Vie­len Horch­hei­mern klingt noch die etwas hei­se­re Stim­me des Han-nes in den Ohren, wenn er sei­nen Och­sen die Vieh­gass hin­auf­trieb: „Hans, dau dol­ler Hond, nau mach ohn gieh.” Der Och­se war für den Han­nes kein Nutz­vieh, son­dern Arbeits­ka­me­rad. Oft erzähl­te er den Leu­ten: „Et gibt schlecht Wed­der, der Ochs hat et en de Kno­che.” Beschei­de­ne, hilf­rei­che Leu­te, die mit Reich­tum nicht geseg­net, aber wegen ihrer Herz­lich­keit vor allem bei den Kin­dern sehr beliebt waren. Zu unse­ren Bau­ern der dama­li­gen Zeit gehör­te auch Johann Brühl in der Alten Heer­stra­ße. Nach­dem Herr Brühl ver­starb, ging die­ser Betrieb ein. ln der Men­dels­sohn­stra­ße befan­den sich noch 3 Bau­ern, Jakob Geiss­ler, Karl Hahn und Jakob Schmitz. Alle 3 haben im Lau­fe der Zeit aus Alters­grün­den und nach Auf­ga­be ihrer Fel­der die Land­wirt­schaft ein­ge­stellt. Zum Schluß ist noch Johann Saal in der Mit­tel­stra­ße zu erwäh­nen. ln den letz­ten Jah­ren hat­te Herr Saal 2 Maul­tie­re, mit denen er sei­ne Fel­der bewirt­schaf­te­te. Die Horch­hei­mer Kin­der hat­ten immer viel Freu­de, wenn er mit sei­nem Gespann ras­selnd durch den Ort fuhr. Die Beschau­lich­keit die­ses Zeit­ab­schnit­tes ist dahin. Das Rad der Zeit rollt unauf­halt­sam wei­ter. Hin und wie­der soll­te man es anhal­ten und ein­mal rück­wärts schau­en, damit wir den Blick für mor­gen nicht verlieren.

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