Kintopp in Horchheim – Als die Bilder bei uns laufen lernten

Erinnerungen an Kino, Kegeln, Tanz und Gartenwirtschaft

Kirmes Magazin 1974
Seite 24 – 26

Horchheimer Lichtspiele

Foto © Lothar Stein, Koblenz-Horchheim

Gebannt starren 316 Augenpaare auf das Geschehen! Im Dunkel der Nacht schleicht sich der verwegen-edle Kara Ben Nemsi unter Lebensgefahr und in Begleitung seines sprücheklopfenden getreuen Dieners Hadschi Halef Omar an das Lager der bösen Sklavenhändler, um mit Allahs Hilfe und nach Vorschrift von Drehbuch und Regisseur eine neue Heldentat zu vollbringen. Die Spannung knistert – manchmal ist es auch Schokoladenpapier – und der tolpatschig-schlitzohrige Beschützer des großen Effendi läßt das jugendliche Publikum mit seinen komischen Auftritten immer wieder vor Vergnügen toben…
Impressionen aus dem Film „Die Sklavenkarawane“ – einer der Glanzpunkte aus 40 Jahren Kino in Horchheim. „Kirmes“ blendet in diese „cineastische Epoche“ zurück …

„Original Kintopp“

1927 stieg Franz Ries in das noch junge Filmgeschäft ein, beschaffte sich eine Stummfilmapparatur und führte zur Premiere „Sonny Boy“ vor. Bis 1930 gab es „Original-Kintopp“- Filme nur mit Untertiteln und „live“-Vertonung. Denn Hans Wüst am Harmonium und Hanni Wirtz als Geiger besorgten die musikalische Untermalung des stummen Leinwandgeschehens. So schluchzte es sich oft sozusagen dreidimensional: die flimmernde Hauptdarstellerin, deren Herz zum x-ten Male zerriß, die Geige von Wirtze Hanni und dazu die empfindsame Weiblichkeit im Parkett. Wochentags lieferte auch ein Grammophon den notwendigen Background.

„Die ersten Tonfilme liefen 1930 bei uns“, erzählt Julius Ries (47), der praktisch mit dem Kino groß wurde. „Im Winter mussten die Maschinen sich vorher warmlaufen. Trotzdem jaulte der Ton häufig ganz fürchterlich.“ Die damals zahlreichen Kinofreunde nahmen solche technischen Unvollkommenheiten in Kauf. Am Wochenende strömte man scharenweise zum Zelluloid-Vergnügen, das durch unfreiwillige Unterbrechungen infolge Filmriss nur unwesentlich getrübt wurde. Wem die Pausen zu lange dauerten, der konnte die Wartezeit im Lokal überbrücken.

Nur die älteren Horchheimer erinnern sich noch an die stimmungsvollen Tanzveranstaltungen an Kirmes und Karneval im Saalbau Ries.

„Mehrzweckhalle Ries“

Die Kombination „Kino-Gaststätte“ bewährte sich vor allem auch an Faasenacht und Kirmes. Dann verschwanden die Stühle in Bohrs Scheuer, und im Kinosaal, wo sonst die Stars aus den Bild/Tonkonserven die Szene beherrschten, schwang Horchheims Jugend das Tanzbein – bis 1955. „Für uns war das immer ein Bombengeschäft“, meint Riese Jul. Nebenbei diente das Lichtspielhaus auch als Auditorium für Chor- und Theaterveranstaltungen.

Während des Krieges gingen die Filmvorstellungen weiter („Wir hatten einen besonderen Luftschutzraum eingerichtet“), bis der Saal kurz vor Kriegsende zweckentfremdet wurde. 450 russische Fremdarbeiterinnen fanden hier für 8 Tage eine streng bewachte Notunterkunft. 1946 demontierte die Militärverwaltung die Anlage und setzte sie nacheinander in der Augusta-Kaserne, in Lahnstein, Altendiez und Bad Kreuznach zur Unterhaltung der Besatzungssoldaten ein. Als Vorführer fungierte Julius Ries. „Aus Kreuznach holten wir schließlich die Anlage auf dem LKW von Pretze Jupp zurück.“

Renaissance aus der Eiskiste

Mit einem AEG-Gerät namens „Triumphator“ („Das hatten wir in einer Eiskiste unter dem Hühnerstall vor der Beschlagnahmung gerettet“) begann Kino in Horchheim, Teil II. Trotz – oder gerade wegen – der damaligen armen Verhältnisse erfreute sich der „Illusionspalast“ besonderen Zuspruchs. Der Mangel an Heizmaterial für den Saal führte zu einem interessanten „Winter-Aufschlag“ auf die niedrigen Eintrittspreise: Die Leinwandhungrigen mussten einige Stücke Holz oder Briketts an der Kasse abliefern. Die technische Qualität des Filmmaterials machte damals einigen Kummer. „Es waren teilweise die letzten Schwarten mit Hunderten von Klebstellen“, erzählt Julius Ries, dem auch einmal Filmrollen wegen solcher Mängel in Brand gerieten.

Zensur und „Saubere Leinwand“

Gewisse Schwierigkeiten gab es durch die „Zensur“ der französischen Besatzungsstreitkräfte. Der übliche Programmvorspann „Fox tönende Wochenschau“ (eine amerikanische Produktion) war vor dem Einsatz im Büro der „Sureté“ auf dem Oberwerth vorzulegen. Alle Szenen, die dem „gloire“ der „grande nation“ irgendwie abträglich sein konnten, wurden geschnitten.

Gerüchte, denen zufolge es eine hauseigene Aktion „Saubere Leinwand“ gegeben haben soll – angeblich wurden anrüchige Szenen mit Hilfe einer Fliegenklappe ausgeblendet – tritt J. Ries entschieden entgegen. Als nachprüfbare Tatsache darf aber die „Entschärfung“ von Filmplakaten in Horchheimer Geschäften gelten. Allzu freizügige entblößte weibliche Reize bedeckte man schamhaft mit einem sittenbewahrenden Aufkleber.

Überhaupt sah man damals seitens der „Obrigkeit“ sehr auf Sitte und Ordnung. Jugendamt und Polizei kontrollierten phasenweise streng die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen. Einmal – so um 1950 – kam Schutzmann Knopp vom Ehrenbreitsteiner Revier in eine nicht jugendfreie Vorstellung. Das strenge Auge des Gesetzes erspähte einen offensichtlich nur „Möchtegern“-Erwachsenen und zitierte den Altersgrenzensünder aus dem Saal – wo sich das Publikum vor Lachen bog, da der Gesetzeshüter einen gut 30jährigen erwischt hatte.

Streng ging es auch bei sogenannten Aufklärungsfilmen zu. Auf höhere Anordnung spannte man ein Seil zur Geschlechtertrennung durch die Stuhlreihen. Rechts saßen die Jungen – links die Mädchen. Dieser Sicherheitsabstand sollte vermutlich verhindern, daß sich durch Leinwandgeschehen angeregte handgreifliche Übergriffe ereigneten …

Tränenströme und Lachstürme

Natürlich ermunterte das Halbdunkel des Kinosaals zu allen Zeiten manche Gäste zur besonders intensiven Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen …

Das Publikum ist sich wohl fast überall gleich. Auch im Lichtspielhaus Ries „schwamm“ das Parkett bei rührseligen Streifen in Tränen, während die Lachsalven bei manchen Slapstick- und anderen Komödien den Saal erschütterten. „Absolute Spitze war da die alte Frau Bingel“, berichtet J. Ries. „Die kriegte sich oft gar nicht mehr ein.“

Interessant fand er das Verhalten von Kindern bei spannenden Filmen. „Die gingen unwahrscheinlich mit und schwitzten mit ihren Helden um die Wette, so daß oft die Wände beschlagen waren.“ Wenn im Sommer besondere Affenhitze herrschte, sperrte man alle Türen auf und spritzte draußen noch Wasser zur Abkühlung – ein original „Ries-Service.“

Publikumsrenner und Pleiten

Die Bestseller in Horchheim entsprechen dem allgemeinen Publikumsgeschmack: Vor dem Krieg ließen vor allem Streifen mit den Stummfilmgrößen Charly Chaplin, Ben Turpin und Buster Keaton die Kassen klingeln, ebenso Filme mit Lil Dagover, Hans Albers und Marika Röck. In den Jahren nach dem Krieg füllten z. B. „Das Indische Grabmal“, „Tiger von Eschnapur“, „Die Brücke am Kwai“ oder auch die „Sissi“-Folgen mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm den Saal bis auf den letzten Platz.

„In Glanzzeiten hatten wir täglich vier Vorstellungen, so daß wir gar nicht mehr aus dem Vorführraum herauskamen.“ Aber in den 60er Jahren häuften sich die Pleiten für den Familienbetrieb, der nur einen Vorführer beschäftigte. „Wir spielten manchmal nur für 12, 13 oder 15 Gäste.“ Die Kasse stimmte nicht mehr. Als Hauptursache des Kinosterbens, dem 1966 auch das Horchheimer Theater zum Opfer fiel, betrachtet Julius Ries nicht die Konkurrenz des Pantoffelkinos, sondern die wachsende Mobilität des Publikums. „Man fährt mit dem Auto raus und hat so ganz andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.“ Hinzu kam die Misere der Verleihpraktiken. „Spitzenfilme erhielten wir immer erst viel später als die Koblenzer Kinos.“ Das System der Kontingentbestellung tat ein übriges. Unter 15 Filmen waren vielleicht 3-4 publikumswirksame Streifen, der Rest spielte kaum die Unkosten ein. So wechselte der gelernte Elektriker, der viele Reparaturen selbst durchführte, endgültig vom Vorführstand zum Schanktisch. Hier „Iäuft“ es besser …


Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Koblenz:
FA 4.21 Nr. 6 Bild 195: Horchheim. Restauration und Lichtspielhaus, Saalbau Zimmermann, Inhaber Franz Ries, Bundes-Kegelbahn, Gartenwirtschaft, Billard.


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Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Auswahl von Filmprospekten zu den im Kino Horchheim gezeigten Filmen vor, die wir in vier zeitliche Kategorien eingeteilt haben: Vorkriegszeit, Kriegszeit, Nachkriegszeit und spätere Jahre. Jeder Flyer enthält interessante Details zu einem bestimmten Film, darunter Inhaltsangaben, Besetzungslisten und Hintergrundinformationen.




Zeitreise durch die Horchheimer Lichtspielgeschichte

Wir freuen uns, Ihnen exklusiv eine interessante Sammlung von Filmprospekten zu den Filmen der Horchheimer Lichtspiele präsentieren zu können. Die Filmprospekte stammen aus unserem Bestand und bieten einen einzigartigen Einblick in die deutschen Filmproduktionen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Diese Filme zeigen, wie das deutsche Kino als Mittel der Unterhaltung und Propaganda genutzt wurde. Von romantischen Komödien bis hin zu Dramen und Propagandafilmen reflektieren sie die kulturelle und politische Atmosphäre ihrer Zeit.


Vor dem Kriegsausbruch

Das Verlegenheitskind (1938)

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Franz Streicher und ist eine Komödie, die sich um die Verwicklung eines jungen Mannes in eine unerwartete Schwangerschaft dreht. Obwohl der Film vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs produziert wurde, spiegelt er dennoch die Atmosphäre der Zeit wider, in der Unterhaltungsfilme oft dazu dienten, das Publikum von den politischen Spannungen abzulenken.

Der Blaufuchs (1938)

In diesem Film, der in Ungarn spielt, sehen wir Zarah Leander in einer ihrer frühen Rollen an der Seite von Willy Birgel. Es ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und Drama, die in einem exotischen Setting spielt. Trotz des bevorstehenden Kriegsausbruchs ist der Film eher von romantischer Natur und bietet dem Publikum eine Flucht aus der Realität.

Kautschuk (1938)

Dieser Abenteuerfilm führt uns in die „grüne Hölle“ des Dschungels und folgt einer Gruppe von Menschen, die auf der Suche nach Kautschuk sind. Mit seiner exotischen Kulisse und den Abenteuerthemen bietet der Film eine spannende Flucht aus dem Alltag der Zuschauer.

Urlaub auf Ehrenwort (1938)

Dieser Film spielt im Ersten Weltkrieg und stellt das Spannungsfeld zwischen militärischer Pflichterfüllung und persönlichem Glück dar. Er zeigt die nationalsozialistische Ideologie von Tapferkeit und Opferbereitschaft, die in den Kriegsjahren verstärkt propagiert wurde. Trotzdem bleibt der Film auch eine dramatische Geschichte über persönliche Beziehungen und Konflikte.


Kriegszeit

Hallo Janine (1939)

Dieser Revuefilm bietet dem Publikum eine Mischung aus Musik, Tanz und humorvollen Szenen. Mit seiner leichten und unterhaltsamen Atmosphäre bietet der Film eine Flucht aus den zunehmenden Spannungen vor dem Kriegsausbruch.

Robert Koch, der Bekämpfer des Todes (1939)

Diese Filmbiografie folgt dem Leben des berühmten deutschen Wissenschaftlers Robert Koch und seinem Kampf gegen tödliche Krankheiten. Der Film vereint Elemente von Drama und Biografie und zeigt auch den wissenschaftlichen Fortschritt als Teil der nationalsozialistischen Erzählung von Fortschritt und Stärke.

Sommer, Sonne, Erika (1939)

Diese Komödie bietet eine leichte und humorvolle Unterhaltung, die das Publikum von den zunehmenden politischen Spannungen ablenkt. Mit seiner idyllischen Darstellung des Sommers und den komödiantischen Elementen bietet der Film eine Flucht aus der Realität.

Waldrausch (1939)

Basierend auf einem Roman von Ludwig Ganghofer, folgt dieser Film einer romantischen Geschichte im Alpenmilieu. Mit seiner malerischen Kulisse und den romantischen Elementen bietet der Film dem Publikum eine Flucht in eine heile Welt, die von den politischen Ereignissen entfernt ist.

War es der im 3. Stock? (1939)

Diese Kriminalkomödie bietet dem Publikum eine spannende und humorvolle Geschichte über einen vermeintlichen Mordfall. Mit seinen Intrigen und überraschenden Wendungen bietet der Film eine unterhaltsame Flucht aus der Realität.

Weißer Flieder (1939)

Diese romantische Geschichte dreht sich um Liebe und Intrigen in einer Kleinstadt. Mit seinen melodramatischen Elementen und romantischen Verwicklungen bietet der Film eine Flucht in eine Welt der Leidenschaft und des Dramas.

Kriminalkommissar Eyck (1940)

Dieser Kriminalfilm folgt den Ermittlungen von Kriminalkommissar Eyck und bietet dem Publikum eine spannende Detektivgeschichte. Mit seinen kriminalistischen Elementen und der Spannung bietet der Film eine unterhaltsame Flucht aus der Realität und spiegelt gleichzeitig den Zeitgeist der frühen 1940er Jahre wider.

Blutsbrüderschaft (1941)

Dieser Propagandafilm ist ein Beispiel für die nationalsozialistische Filmpolitik und dient der Verbreitung von ideologischen Botschaften. Mit seiner heroischen Darstellung von Kameradschaft und Opferbereitschaft unterstützt der Film die nationalsozialistische Agenda und propagiert die Werte des Regimes.

Der laufende Berg (1941)

Diese Geschichte über Bergbauern und ihre Traditionen bietet dem Publikum einen Einblick in das Leben auf dem Land und in den Bergen. Mit seiner idyllischen Darstellung der Natur und den menschlichen Dramen bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine romantische Verklärung des ländlichen Lebens.

Der Weg ins Freie (1941)

Dieses Film-Melodram folgt einer Liebesgeschichte zwischen einer reichen Erbin und einem Musiker und spielt vor dem Hintergrund des kulturellen Lebens im Wien der Jahrhundertwende. Mit seiner romantischen Atmosphäre und den musikalischen Elementen bietet der Film dem Publikum eine Flucht in eine vergangene Ära.


Nachkriegszeit

Die kupferne Hochzeit (1948)

Diese Filmkomödie bietet humorvolle Unterhaltung und folgt den turbulenten Ereignissen rund um eine Ehekrise. Mit seinen komödiantischen Elementen und den chaotischen Verwicklungen bietet der Film eine leichte und unterhaltsame Flucht aus der Realität.

Fregola (1948)

Diese Kriminal-, Musik- und Revuefilm bietet dem Publikum eine Mischung aus verschiedenen Genres und folgt einer Geschichte rund um Musik und Intrigen. Mit seinen vielfältigen Elementen und seiner unterhaltsamen Atmosphäre bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine kurzweilige Unterhaltung.

Tromba (1949)

Dieses Filmdrama aus dem Zirkusmilieu folgt den turbulenten Ereignissen rund um den Zirkusdirektor Tromba. Mit seinen dramatischen Elementen und den menschlichen Konflikten bietet der Film eine packende und emotionale Unterhaltung.

Wiener Mädeln (1949)

Diese Farbproduktion der Wien-Film ist eine der letzten Filme, die während des Nationalsozialismus in Österreich hergestellt wurden, aber erst nach Kriegsende veröffentlicht wurden. Mit seiner musikalischen Handlung und den romantischen Verwicklungen bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine nostalgische Verklärung des Wiener Lebens.


Spätere Jahre

Sensation in San Remo (1951)

Dieser Revuefilm bietet dem Publikum eine Mischung aus Musik, Tanz und exotischen Kulissen. Mit seinen unterhaltsamen Elementen und seiner farbenfrohen Inszenierung bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine kurzweilige Unterhaltung.

Und abends in die Scala (1958)

Dieser Musikfilm bietet dem Publikum eine Mischung aus Musik, Tanz und Glamour. Mit seinen farbenfrohen Szenen und den mitreißenden Melodien bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine nostalgische Verklärung des Showgeschäfts.

Der Vogelhändler (1962)

Diese deutsche Operettenverfilmung basiert auf Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ und bietet dem Publikum eine leichte und unterhaltsame Musikkomödie. Mit seinen eingängigen Melodien und den humorvollen Verwicklungen bietet der Film eine Flucht aus der Realität und eine nostalgische Verklärung der Operettenwelt.


Informationen zur Filmpolitik im Nationalsozialismus finden Sie in dem hier verlinkten Wikipedia-Artikel „Nationalsozialistische Filmpolitik“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Filmpolitik

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Weitere Links zum Thema Deutscher Film:

https://www.filmportal.de/

https://www.murnau-stiftung.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Film




Nachtführung durch das Herz von Koblenz – ein Erlebnisbericht

Am 1. März 2024 hatten die Heimatfreunde Horchheim zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen – einer Nachtwanderung durch die malerische Altstadt von Koblenz. Unter der Leitung von Manfred Böckling, der durch seine Nachtführungen bekannt ist, begaben sich die Teilnehmer auf einen faszinierenden Rundgang, um die verborgenen Geschichten und die reiche Geschichte dieser historischen Stadt zu entdecken.

Die Einladung versprach eine einzigartige Gelegenheit, Koblenz aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Treffpunkt war um 18:00 Uhr am Plan, wo sich die neugierigen Teilnehmer versammelten, um gemeinsam in die Vergangenheit einzutauchen.

Nachdem Herr Böckling sich als Nachtwächter Carl Bender aus der Weißergasse vorgestellt hatte, führte er uns auf eine faszinierende Reise durch die Straßen und Plätze der Altstadt von Koblenz. Wir begannen unseren Rundgang am alten Rathaus auf dem Plan, wo er uns mit Geschichten von der Erbauung des Brunnens auf dem Plan unterhielt.

Unsere nächste Station waren die vier Türme, gefolgt von einem Spaziergang durch die Marktstraße bis zum malerischen Münzplatz. Hier brachte Nachtwächter Bender die geschichtlichen Daten zum Leben und erzählte dabei amüsante Anekdoten aus seinem Leben als Nachtwächter und von seiner Frau Rizza. Wir erfuhren auch von Fürst Clemens Wenzel von Metternich, der im Jahre 1773 im Haus Metternich geboren wurde.

Vom Münzplatz aus führte uns unser Weg zur Alten Burg, der ehemaligen kurfürstlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert, am Ufer der Mosel neben der Balduinbrücke. Entlang des malerischen Moselufers bewunderten wir die Balduinbrücke im Lichterglanz, bevor wir zum Alten Kaufhaus weitergingen und anschließend die Treppen hinauf zum Florinsmarkt stiegen, wo sich das ehemalige Mittelrheinmuseum befindet.

Unser Rundgang führte uns weiter zur Florinskirche, die im Jahre 1818 von König Wilhelm III. der evangelischen Militär- und Zivilgemeinde übergeben wurde. Schließlich führte uns Nachtwächter Bender zum Pfarrhof von Liebfrauen und weiter zu dem Brunnen in der Florinspfaffengasse, bis wir am Vorhof der Liebfrauenkirche unsere Reise durch die faszinierende Geschichte von Koblenz beendeten.

Die Führung dauerte etwa anderthalb Stunden und erstreckte sich über eine Strecke von einem Kilometer. Trotz der nächtlichen Dunkelheit und der düsteren Kulisse der Altstadt fühlten sich die Teilnehmer sicher und geborgen in der Obhut des erfahrenen Nachtwächters.

Die Veranstaltung wurde vom Verein finanziert, jedoch waren Spenden willkommen, um die zukünftigen Aktivitäten der Heimatfreunde Horchheim zu unterstützen.

Alles in allem war die Nachtwanderung durch die Altstadt von Koblenz ein unvergessliches Erlebnis, das den Teilnehmern nicht nur die faszinierende Geschichte der Stadt näher brachte, sondern auch einen Einblick in das Leben und die Atmosphäre vergangener Zeiten gewährte. Ein herzlicher Dank geht an Manfred Böckling und die 2. Vorsitzende der Heimatfreunde Horchheim, Mechthild Hof, für die Organisation dieses unvergesslichen Abends.

Für all diejenigen, die Koblenz auf eine ganz besondere Art und Weise erleben möchten, ist eine Nachtwanderung mit dem Nachtwächter wärmstens zu empfehlen – eine Reise durch die Geschichte, die noch lange in Erinnerung bleiben wird.


Weitere Informationen zu den Stadtführungen in Koblenz finden Sie hier:




Das Romanische Haus in Horchheim

Auf den Spuren des stauferzeitlichen Wohnturms in Horchheim

Der Mittelrhein ist reich an Relikten aus dem Hochmittelalter, die uns einen faszinierenden Einblick in vergangene Epochen bieten. Ein bemerkenswertes architektonisches Juwel in dieser Region ist das Romanische Haus in Koblenz-Horchheim, dessen Geschichte eng mit der stauferzeitlichen Ära verknüpft ist. Als herausragendes Beispiel dieser Epoche lädt das Romanische Haus in Horchheim dazu ein, seine Geheimnisse zu erkunden und die Spuren der stauferzeitlichen Architektur zu verfolgen.

Romanisches Haus in Horchheim, Tusche und Aquarell von Anton Nikolaus Franck 1964 Reproduktion: Lothar Stein

Der stauferzeitliche Wohnturm „an der Oberpforten“, früher Rheinstraße, heute Emser Straße 389, ist als Präsenzhof des Stiftes St. Florin zu Koblenz bekannt und weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus von überregionaler Bedeutung. Er wird erstmals 1408 im Zusammenhang mit dem Florinsstift erwähnt. Es ist jedoch fraglich, ob er mit dem Präsenzhof gleichgesetzt werden kann. Wer den massiven Bau errichtete, ist letztlich unbekannt.

Ein Blick in die Geschichte des repräsentativen Burghauses

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gingen Haus und Grundstück in den Besitz der Stiftsgemeinschaft über. Dies allein lässt auf einen älteren Ursprung des Gebäudes schließen. Tatsächlich lässt sich das Gebäude aufgrund seiner architektonischen Elemente in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren. Es stellt sich also die Frage, wem das Gebäude und das Grundstück an dieser exponierten Stelle gehörten. Diese Frage kann heute nicht mehr eindeutig beantwortet werden, wohl aber die Frage nach der Zugehörigkeit des Besitzers zu einer bestimmten sozialen Schicht und die Frage nach der Funktion der Anlage.

Das Haus wurde aus massivem Stein gebaut, in einer Höhe, die heute nicht bemerkenswert wäre, aber zur Zeit seiner Errichtung, als die meisten Menschen in Holz- und Fachwerkhütten lebten, schon. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren nur Klöster, Kirchen und Festungsanlagen in diesem Stil bekannt, da sie allein aus diesem Grund teuer und prestigeträchtig waren. Ein solch repräsentativer, turmartiger, massiver Steinbau mit architektonischen Elementen, der in seiner Höhe im mittelalterlichen Dorf seinesgleichen sucht, an der Stelle, wo die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Dorfbefestigung abgeriegelt wird, kann nur ein Adelssitz gewesen sein, hier in Form eines Burghauses. Wenn man von Niederlahnstein, das direkt an der Lahn liegt, über unbebautes Gelände nach Horchheim reiste, das auf einer natürlichen, hochwasserfreien Niederterrasse liegt, sollte man die Wirkung des Burghauses nicht unterschätzen. Das Gebäude ist ein Ausdruck von Macht.

Holz und Geschichte – Die erstaunliche Datierung auf 1240/1241

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1572 als Wohnhaus eines Pächters des Koblenzer Stifts St. Florin, das im Hoch- und Spätmittelalter ausgedehnten Grundbesitz in Horchheim besaß. Die dendrochronologische Analyse der Proben aus den Deckenbalken des Erd- und Obergeschosses ergab, dass das Holz bereits um 1240 geschlagen wurde. Das Haus kann somit auf 1240 oder 1241 datiert werden. Das Gebäude ist also viel älter als bisher angenommen.1

Das Geheimnis der ersten Jahrhunderte – Bewohnt von Unbekannten

Es wird vermutet, dass das Haus während seiner gesamten Geschichte als Wohnhaus genutzt wurde. Allerdings fehlen für die ersten drei Jahrhunderte die Quellen, die Auskunft über die Bewohner geben könnten. Daher ist unklar, für wen es ursprünglich gebaut wurde und wer es nutzte.2

Baukunst des 13. Jahrhunderts – Eine architektonische Reise

Ursprünglich handelte es sich um ein freistehendes zweigeschossiges Wohnhaus aus Bruchsteinmauerwerk mit einem Spitzdach über einem Gewölbekeller. Weitere Details, wie die Anzahl der Fenster, sind nicht bekannt. Es ist möglich, dass das Haus nur ein Fenster pro Stockwerk auf jeder Seite hatte. Die ursprüngliche Form der romanischen Rundbogenfenster hat sich an der Ostfassade erhalten und wurde bei den Bauuntersuchungen an der Westfassade wiederentdeckt. An der Südfassade ist sie noch zu erkennen.

Um die 70 cm dicke Außenwände garantierten ein hohes Maß an Stabilität, schränkten aber gleichzeitig die innere Nutzfläche ein. Das Haus ist leicht asymmetrisch. Die westliche Längswand, die der Emser Straße zugewandt ist, ist 9 m lang und rund einen halben Meter kürzer als die östliche Rückwand, die dem Hof zugewandt ist. Ursprünglich hatten die beiden Querseiten den typisch romanischen Treppengiebel, der in einer Höhe von etwa 9,50 m endete. Das eigentliche Haus war knapp 6 m hoch und bestand aus einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss.

In den Stufengiebeln befand sich eine Rundbogenöffnung, die noch an der Südfassade zu sehen ist. Hinter den Stufengiebeln erhob sich ein Spitzdach, das verborgen blieb. An der Innenseite der Giebel sind noch die Anfänge der Dachbalken zu erkennen. Die ursprüngliche Dachform kann also rekonstruiert werden.

Ein auffälliges Detail des Gebäudes ist die aufwendig gestaltete Kaminanlage. Im Obergeschoss befindet sich in der Mitte eine breite Kaminlisene, die von drei schlichten Rechteckkonsolen abgefangen wird. Zu beiden Seiten der Lisene befindet sich ein Rundbogenfenster.

Über dem Erd- und dem Obergeschoss befinden sich Holzbalkendecken, die sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand befinden. Dendrochronologische Untersuchungen der Deckenbalken in beiden Stockwerken haben das Alter des Hauses eindeutig festgestellt.

Bei der restauratorischen Untersuchung wurden an mehreren Stellen Farbreste gefunden, zum Beispiel an den Giebeln und den zugemauerten ehemaligen Fensterleibungen. Das Haus scheint vollflächig verputzt gewesen zu sein und hatte an den Fassaden eine rote Quaderung mit weißen Fugenlinien und an den Giebeln eine rote Oberfläche mit weißen Konturen.3

Das „Romanische Haus“ in Koblenz ist das einzige bekannte rheinland-pfälzische Profangebäude aus dieser Zeit mit einer solchen Außenfassadengestaltung. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder um den Besitz einer bedeutenden Persönlichkeit oder um ein Gebäude mit einem besonderen Zweck. Die ursprüngliche Nutzung des Hauses sollte jedoch weiter erforscht werden.

Wandel der Jahrhunderte – Der Umbau von 1473 und seine Spuren

Der erste datierbare Eingriff in die ursprüngliche Bausubstanz fand 1473 statt. Das Gebäude wurde erhöht, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die romanischen Stufengiebel wurden entfernt und auf die Deckenplatten wurde zusätzliches Mauerwerk aufgesetzt. Auch die Brüstungen an den Längsseiten wurden erhöht, um dem Haus ein zweites Stockwerk zu geben. Die Gesamthöhe wurde nur geringfügig verändert und die seitlichen Brüstungen wurden nur um etwa 30 cm angehoben.

Über einem dritten Stockwerk erhebt sich seither ein gotisches Kehlbalkendach, das einen zusätzlichen Bodenraum enthält. Dieses Dach ist heute noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Rückseiten der Treppenhausgiebel, die einst über das Dach hinausragten, wurden zu den Innenseiten des neu geschaffenen Dachgeschosses. Dadurch blieb die einstige Putz- und Farbgestaltung der Außenfassade teilweise erhalten und konnte unter den später aufgetragenen Putzschichten deutlich nachvollzogen werden.

Auch die Abdrücke der Dachbalken des romanischen Dachstuhls sind an denselben Stellen zu erkennen. Die Treppengiebel sind im Inneren des Hauses deutlicher zu erkennen als an der Außenfassade. Die Abdeckplatten heben sich deutlich von dem umgebenden Bruchsteinmauerwerk ab. Im Inneren ist die ehemalige Bogenöffnung ebenfalls deutlich sichtbar.

Vermutlich wurden bei diesem Umbau auch die romanischen Rundbogenfenster zugunsten modernerer gotischer Rechteckfenster aufgegeben. Die runden Laibungen wurden durch zusätzliches Mauerwerk verdeckt und blieben so erhalten.

Erweiterung im 17. Jahrhundert – Neuer Wohnraum

Im Jahr 1698 wurde eine weitere bauliche Veränderung am Gebäude vorgenommen, höchstwahrscheinlich, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. An der östlichen Längsseite wurde ein Anbau errichtet, der auf jeder der drei Etagen etwa 15 Quadratmeter zusätzlichen Raum schafft. Interessanterweise ist die Geschosshöhe des Anbaus um ein halbes Stockwerk höher. Deshalb musste auf jeder der drei Etagen des Altbaus eine kleine Verbindungstreppe gebaut werden.

Veränderungen im Inneren – Spuren der Zeit in den Decken und Wänden

Damit verbunden sind weitere Veränderungen im Inneren des Gebäudes. Die romanischen Holzbalkendecken im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss erhielten Längsbalken. Die neuen Tannenbalken ruhen auf senkrechten Holzbalkenstützen. Eine dendrochronologische Untersuchung im zweiten Stockwerk hat das Alter dieser Balken eindeutig bestimmt.

Unter den romanischen Decken wurde ein Belag aus dem typischen barocken Lehm-Stroh-Gemisch aufgebracht und mit Kalkputz überzogen. Barocke Lehm-Stroh-Gemische finden sich auch auf der Innenseite der Wände, um den älteren Putz zu ergänzen.

Fenster im Wandel der Zeit – Einblicke in die architektonische Evolution

Eines der beiden Fenster an der Ostseite wurde vergrößert und als Durchgang in den neuen Anbau genutzt. Diese Öffnung wurde später wieder verkleinert. Die verschiedenen Ansätze sind freigelegt und erkennbar. Besonders interessant ist die seitliche Verschiebung dieser Mauerwerksöffnung. Die unterschiedlichen Materialien zeigen deutlich die einzelnen Phasen des Umbaus.

Eine Trennwand hinter der angebauten Treppenöffnung teilt das Haus im ersten Obergeschoss in einen Nord- und einen Südraum. Die ältere, später zugemauerte Tür ist noch deutlich sichtbar. Auch das zugemauerte Fenster auf der Nordseite ist noch sichtbar. Das Fenster an der östlichen Längsseite ist das ursprüngliche, obwohl seine Form später verändert wurde. Die romanische Fensterlaibung ist erhalten geblieben und auch von außen gut sichtbar. An der Westfassade sind die späteren mehrfachen Veränderungen an den Fenstern besonders gut sichtbar.

Die Fenstereinfassung ist aus Holzbalken gefertigt. Ursprünglich gab es eine Mittelstütze, wie der erhaltene obere Querbalken zeigt. Auf der einen Seite steht noch das alte Längsholz, auf der anderen Seite bilden maschinell gezogene Ziegel aus dem 20. Jahrhundert die Fenstereinfassung.

Verlegung des Kellereingangs

Bei der Errichtung des barocken Anbaus wurde der ursprüngliche Kellereingang verlegt. Der neue Eingang befindet sich seitdem in der südlichen Querseite und ist mit Maschinenziegeln des frühen 20. Jahrhunderts gefasst. Die barocke breitere Treppe ist noch vorhanden und befindet sich hinter der Eingangstür. Der östliche Teil des Kellers wurde durch eine eingezogene Zwischenmauer abgeteilt. Die Mauer steht teilweise auf den Treppenstufen und verkleinert dadurch den Eingang. Im Kellerinneren ist der Zweck dieser Unterteilung zu erkennen. Der neue Raum, der sich zur Rückseite befindet, diente als Luftschutzkeller.

Zweiter Anbau: Wandel vom Stall zum Wohnraum

Der zweite Anbau im Norden an der Emser Straße wurde im 19. Jahrhundert zunächst als eingeschossiges Stallgebäude mit Pultdach errichtet. Der Bodenraum unter dem Pultdach wurde als Heuboden genutzt.

Im Jahr 1926 wurden die beiden Räume im Erdgeschoss auf eine Raumhöhe von 2,70 Metern abgesenkt. Sie wurden dann durch eine Tür verbunden und als Wohnräume genutzt.

Vier Jahre später wurden das neu errichtete Dachgeschoss ausgebaut, der Anbau errichtet und zwei weitere Wohnräume im Obergeschoss geschaffen. Außerdem wurde ein neues Dach mit Stauraum angebaut. Die 1926 angebaute Holztreppe zum Obergeschoss wurde überdacht und später zu einer Innentreppe umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Erdgeschoss zu einem Ladengeschäft umgebaut.

Überlebensgeschichte des gotischen Dachstuhls – Eine Begegnung mit Baufälligkeit und Kriegszeit

Der gotische Dachstuhl des Romanischen Hauses aus dem Jahr 1473 ist noch auf dem Gebäude vorhanden. Ursprünglich sollte er 1939 aufgrund von Baufälligkeit ersetzt werden. Die Arbeiten verzögerten sich aufgrund der Materialwirtschaft nach Kriegsbeginn. Glücklicherweise wurde die Anordnung des Bauinspektors nicht vollständig umgesetzt, aufgrund von Geldmangel und Unstimmigkeiten zwischen den beiden Eigentümern und Bewohnern. Die Dachbalken wurden nicht verändert. Lediglich die Dacheindeckung wurde erneuert und darunter eine Schicht aus Brettern angebracht, die mit Brandschutzfarbe gestrichen wurde.

Basaltlava und stauferzeitliche Architektur – Das einstige Tor des Horchheimer Wohnturms

Unmittelbar südlich des Wohnturms standen einst zwei halbrunde Torpfosten aus Basaltlava, die bis zu ihrem Abbruch nach dem zweiten Weltkrieg zu einem großen Tor gehörten. Der linke Pfosten lehnte direkt am Wohnturm an. Ähnliche Torpfosten waren auch am romanischen Wohnturm in Pfaffendorf vorhanden, wurden aber später entfernt. Dieser als „Koblenzer Tortyp“ bezeichnete Torpfostentyp war besonders steil proportioniert und wurde auch in anderen Orten wie Leutesdorf und an der Burg Andernach gefunden. Die Horchheimer Torpfosten sind älter als der Wohnturm selbst und stammen aus dem 12. Jahrhundert, was darauf hindeutet, dass sie zu einem Vorgängerbau gehörten, der mindestens ins späte 12. Jahrhundert zurückreicht.

Historischer Schatz gerettet – Wie Koblenz das verfallene Wohnhaus vor dem Untergang bewahrte

Das Romanische Haus in Horchheim ist das älteste erhaltene Wohnhaus in Koblenz. Seine historische Verbindung mit dem Stift St. Florin endete 1803 mit der Aufhebung des Stifts und dem Tod des letzten Pächters, Johannes Sauter. Der Koblenzer Rat Meurer erwarb das Anwesen 1819 und verkaufte die Ländereien sowie das Haus 1822 einzeln an Bürger aus Horchheim.

Das Romanische Wohnhaus wurde am 24. Juni 1992 förmlich unter Schutz gestellt. Das Landesamt für Denkmalpflege – Referat Bauforschung – unterzog das Gebäude 1993/1994 einer intensiven Bauuntersuchung, die ein verformungsgerechtes Aufmaß, eine Dokumentation in Text und Bild sowie eine dendrochronologische Bestimmung des originalen Dachstuhls umfasste. Mit der bauhistorischen Untersuchung wurden die wissenschaftlichen Grundlagen für eine wünschenswerte Restaurierung geschaffen.

Am 20. Dezember 1995 fand ein Ortstermin mit dem zuständigen Gebietsreferenten des Landesamtes für Denkmalpflege, dem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Koblenz und dem Prüfstatiker der Stadt statt. Anlass waren die von den Eigentümern vorgetragenen Bedenken hinsichtlich der weiteren bautechnischen Sicherung des Giebels und des Dachstuhls.

Die Eigentümer waren aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse nur in der Lage, Notmaßnahmen am Haus durchzuführen, nicht aber, das Anwesen langfristig zu erhalten. Deshalb wurde das Objekt in die vom Landesamt für Denkmalpflege zusammengestellte Broschüre „Verkäufliche Kulturdenkmäler“ aufgenommen. Verschiedene private Interessenten wurden jedoch durch den schlechten baulichen Zustand abgeschreckt.

Die Denkmalfachbehörde war der Auffassung, dass eine langfristige Erhaltung des Hauses nur möglich ist, wenn es in öffentliches Eigentum überführt wird, sei es der Stadt Koblenz oder des Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2001 erwarb die Stadt Koblenz das Baudenkmal nach langen Verhandlungen von seinem letzten privaten Eigentümer. Das Haus befand sich zu dieser Zeit in einem stark vernachlässigten Zustand und stand seit mehreren Jahren leer.

Tag des offenen Denkmals 2002

Am Tag des offenen Denkmals 2002 öffnete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Haus erstmals für einen Tag und präsentierte die Ergebnisse der gerade abgeschlossenen Untersuchung der Bausubstanz.

Rettung durch Fördermittel – Sanierung dank finanzieller Unterstützung

Von 2005 bis 2013 wurden umfangreiche bauliche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die durch den Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert wurden. Die Außenwände wurden durch Verpressen stabilisiert und das Dach mit Schiefer neu eingedeckt. Stahlanker sorgen dafür, dass die Dachkonstruktion sicher mit den Giebelwänden verbunden ist.

Im Inneren wurden neuere Wände entfernt, um sich den mittelalterlichen Grundrissen anzunähern. Darüber hinaus wurde die barocke hölzerne Spindeltreppe instand gesetzt. Der Anbau aus dem 19. Jahrhundert, der zuletzt als Drogerie genutzt wurde, wurde abgerissen, um das Haus zu entlasten. Das barocke Gebäude auf der Rückseite, das stark von Pilz befallen war, wurde ebenfalls entfernt.

Vom Verfall zur Museumsperle – Zukunftsperspektiven für das sanierte Stadthaus in der Emser Straße

Am 12. November 2010 fand ein Treffen statt, zu dem die Ortsvereinsvorsitzende der SPD Horchheim, Gertrud Block, eingeladen hatte. Anwesend waren Vorstandsmitglieder des Ortsvereins, der Landtagsabgeordnete David Langner (MdL) sowie die Vertreter der Heimatfreunde Jochen Hof und Helmut Mandt. Herr Mohr vom städtischen Hochbauamt informierte über den Stand der Sanierungsarbeiten am Romanischen Haus in der Emser Straße. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung des Hauses.

Gertrud Block schlug vor, dass sich der Ortsring als Arbeitsgemeinschaft der Horchheimer Vereine damit befassen und die Wünsche der Bürger an die politischen Entscheidungsträger weiterleiten solle. Die SPD Horchheim schlug die Einrichtung eines Bürgerzentrums vor, die Heimatfreunde die Einrichtung einer Etage als Mendelssohn-Museum. Der Vorschlag war Gegenstand eines Artikels in der SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“ vom Januar 2011.

In Koblenz stand damals laut Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann der Ausbau der Festung ganz oben auf der Agenda, gefolgt vom 800 Jahre alten „Romanischen Haus“, dem ältesten Gebäude der Stadt. Schulte-Wissermann versprach sich davon eine touristische Aufwertung der Stadt, auch im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2011.

Finanzierung und Nutzungsperspektiven im Fokus

Der Horchheimer Wohnturm ist ein einzigartiges Bauwerk, da er in seiner Originalsubstanz nahezu unverändert erhalten ist und die Zeiten überdauert hat.

Mit den Mitteln aus dem Investitionsprogramm „Nationale Welterbestätten“ in Höhe von insgesamt 450.000 Euro wurden verschiedene Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen, notwendige Abbrucharbeiten, Restaurierungsarbeiten und Bauforschungen durchgeführt. Weitere Mittel für den Innenausbau stehen in diesem Investitionsprogramm nicht zur Verfügung. Die Fördermittel von Bund und Land wurden unter der Voraussetzung bewilligt, dass das Gebäude später als öffentliches Museum genutzt wird. Aufgrund der ungeklärten Nutzungsfrage hat die Verwaltung keine Haushaltsmittel für den Innenausbau angemeldet.

Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Geschichte des Romanischen Hauses noch nicht abgeschlossen. Um das Baudenkmal langfristig zu erhalten, ist eine schonende Nutzung erforderlich. Diese zu finden, ist eine Herausforderung für die Stadt Koblenz, denn auch Putz, Böden, Decken und Dachstuhl des Hauses sind noch historisch4. Ein mittelalterliches Haus mit einem so reichen Originalbestand ist von unschätzbarem Wert. Diese Bedeutung schränkt jedoch die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein, da der historische Bestand umfassend erhalten werden muss.


Quellen:

Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung
Koblenz, 12.11.2012
Stellungnahme zu Antrag/Anfrage Nr. AF/0130/2012
Betreff: Anfrage der CDU-Ratsfraktion – Romanisches Haus in Koblenz-Horchheim (Emser Str. 389)

Erich Engelke M. A.
Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz
Horchheimer Kirmeszeitung 2003

Erich Engelke
Das romanische Haus in Koblenz Horchheim.
Sonderveröffentlichung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Ortskuratorium Koblenz – Mittelrhein
zum Tag des offenen Denkmals 2002.

Landtag Rheinland-Pfalz
Drucksache 12/8027 vom 16.01.1996
Kleine Anfrage 4211 des Abgeordneten Fredy Schäfer (CDU) und
Antwort des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen

Markus Meinen M.A.
Ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand
Horchheimer Kirmeszeitung 2008

SPD-Stadtteilzeitung „Hoschemer Käs“,
Januar 2011.

Stadtverwaltung Koblenz
Redaktion koblenz.de
Denkmal des Monats Februar 2022
Eines der ältesten Häuser von Koblenz

Udo Liessem
Horchheim 1214 – 2014
Die profanen Denkmäler – Ein Überblick
Eine Festschrift zur Geschichte der Katholischen Pfarrei St. Maximin und des Stadtteiles Koblenz-Horchheim aus Anlass des 800-jährigen Bestehens der Pfarrei


Bearbeitung und Zusammenstellung:
Andreas Weber, Koblenz-Horchheim

Titelbild: Romanisches Haus in Horchheim
Tusche und Aquarell von Anton Nikolaus Franck 1964
Reproduktion: Lothar Stein


Horchheimer Kirmes Magazin

Kirmes Magazin 2003 | Das älteste Wohnhaus der Stadt Koblenz
Der Präsenzhof des Stifts St. Florin in Horchheim – eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in Rheinland-Pfalz
von Erich Engelke M. A.

Kirmes Magazin 2008 | „… ein kleines Städtchen verträumt am Rheinesstrand“
Wo einst so manche Burg bestand
von Markus Meinen M. A.

Kirmes Magazin 2010 | Ein Kleinod mittelalterlicher Baukunst in Horchheim
Aktuelles „aus erster Hand“ in Sachen Romanisches Haus in der Emser Straße von Rolf Molkenthin, Denkmalpfleger beim Amt der Stadt Koblenz für Stadtentwicklung und Bauordnung

Mehr zum Romanischen Haus und seinen Bewohnern zur Zeit des Präsenzhofes St. Florin von Manfred Gillissen





Der Hof des Koblenzer Stifts St. Florin

Das älteste Haus Horchheims ist das Haus Emser Straße 389, in dem sich über viele Jahrhunderte der Präsenzhof des Koblenzer Stiftes St. Florin befand. Zur Zeit ist das Landesamt für Denkmalpflege in Mainz mit der Stadt Koblenz bemüht, mit dem derzeitigen Besitzer, der Familie Lahnstein, eine Lösung zu finden, dieses Kleinod romanischer Wohnbaukultur der Nachwelt zu erhalten und einer ihm angemessenen Nutzung zuzuführen.


Hofmann Schweickert

Die erste Verpachtung des Hofhauses mit Äckern und Wiesen – St. Florin hatte seinen Weingartsbesitz gegen Drittelertrag an eine Vielzahl Horchheimer Bürger verlehnt – datiert vom Jahr 1572. Am 20. August reversieren sich Augustin Schweickart und seine Frau Katharina Metzler, deren Eltern schon Hofleute von St. Florin gewesen waren, gegenüber dem Stift, dass sie den Präsenzhof mit Hof und Garten an der Oberpforte, gelegen zwischen Tonges Craußen Erben und Jeckel Lenßen, sowie 17 Ackerstücke von7 Malter 2 ½ Sömmer Größe auf 20 Jahre für jährlich 5 Gulden gepachtet haben. Die Felder liegen meist in unmittelbarer Nähe des Gemeindewaldes in den Fluren „auf Lahnsteiner Wege genannt Dahl“, „auf der langen Hecken vor Hoimburgh“, „im hintersten Brämacker“, „auf Berlentzsbach“ (Bertelsbach)“, „vor der Creutzhecken“, „bei dem Schlage auf dem Emserwege“, „auf der Eschhecken“ (Escherfeld), „in und auf der Langenheck“ und „vor Pfaffendorfer Wald“. Die Ackerränder sind zum Teil mit Eichen und Hainbuchen bewachsen, ein Zeichen dafür, dass der Hof lange Zeit schlecht oder gar nicht bebaut worden war. Nur zwei Stücke – früher Weingärten – lagen in unmittelbarer Nähe des Dorfes „im Niederfeld“ sowie ein Feld „im Loe“, das mit Obstbäumen bestanden war. Es folgen die üblichen Pachtbedingungen, nämlich das Hofhaus in Dach und Fach, die Güter in gutem Bau zu halten, nichts zu vertauschen oder zu veräußern oder weiter zu verlehnen. Auch sollen Pächter auf die Drittelwingerte Obacht halten und im Herbst den Windelboten und Kelterknechten des Stifts Beköstigung und Nachtruhe gewähren sowie fünf Tage vor der Lese die Bütten wässern, damit kein Weinmost durch Undichtigkeit verloren gehe. Zur Beköstigung der Knechte steuert St. Florin den Wein bei. Solle der Hof durch Nachlässigkeit des Pächters durch Brand zerstört werden, so ist dieser verpflichtet, ihn wieder auf seine Kosten aufzubauen.

Übrigens sind uns zwei Windelboten von St. Florin, die die Weinlese und das Keltern der Trauben überwachen, bekannt, denn am 7.5.1601 sagt der 93jährige Hans Schumacher von Boppard, er sei 46 Jahre und vor ihm Hans von Wetzlar Windelbote und Diener von St. Florin gewesen. Hans von Wetzlar ist um 1550 in Horchheim als Glöckner tätig. Er ist wohl auch Lehrer im Dorf, da um diese Zeit Schulmeister- und Glockenamt miteinander verbunden waren.

Der neue Hofmann von 1572 ist identisch mit jenem Augustin Schweickart, der am 29.10.1587 von Pastor Simon Schönecken, den Sendschöffen Paulus Heyer, Ludwig Hirtter, Thomas Lähner und den Kirchenmeistern Bernhard Holbach und Franz Becker den ruinösen und baulosen alten Pfarrhof für 250 Gulden kauft und ihn wieder in einen baulichen Zustand bringt. Dieser Kauf von 1587 und die Renovierung des Hauses dürfen als Zeichen dafür gewertet werden, dass sich Schweickart durch die Bebauung seiner eigenen Güter und die Pachtung des Florinshofes – im Hofhaus hatte er eine Wirtschaft eingerichtet, denn am 16.2.1585 bekennt er, dass die Florinsherren ihm vergönnt hätten, auf drei Jahre ein Schild an ihren Hof zu hängen – in guten wirtschaftlichen Verhältnissen befand.

Im Gegensatz zu ihm war die Mehrheit der Horchheimer Bevölkerung in dieser Zeit stark bei Juden aus Lützel, Koblenz und Ehrenbreitstein sowie der Führungsschicht und Kaufmannschaft von Koblenz verschuldet, so dass im Frühjahr bereits die Schar – die im Herbst einzufahrende Ernte – verpfändet werden musste. Besonders der Horchheimer trierische Schultheiß von 1562 bis 1574, Mattheis Baur von Irsch, der noch 1559 Schultheiß zu Montabaur war, tritt gehäuft als Geldgeber in Erscheinung. Augustin Schweickert selbst wird noch 1597 als Hofmann genannt.


Die Schweickerts

Er entstammt einer uralten Familie, die bereits im 15. Jahrhundert in öffentlichen Ämtern in Horchheim vorkommt. Zu nennen wären die Schöffen Heintz Swicker 1457 – 7471, Hans Schweickardt 1546 – 1573, später Friedrich Schweickert 1609 – 1615 sowie die trierischen Schultheißen zu Horchheim Johan Swicker 1507, Friedrich Schwickert 1557- 1561, Hans Schweickardt der Alte 1578 – 1601 (1574 Schultheißereiverwalter) und die aus Horchheim stammenden Johann Schweickart, Schultheiß zu Irlich 1618, dann ab 1618 bis 1640 Schultheiß zu Engers, sowie dessen Sohn Caspar, ebenfalls Schultheiß zu Engers. Außerdem sind Angehörige der Familie zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts Hofleute der Herren von Eltz und im 15. Jahrhundert Hofmänner der Frau Jamanns zu Horchheim. Die Familie ist noch heute in Horchheim und Niederlahnstein vertreten. Die Niederlahnsteiner Schweickert gehen auf einen Michael Schweickert zurück, der kurz vor 1650 von Horchheim nach Niederlahnstein verzogen ist.


Der unbequeme Hofmann Lütz

Augustin Schweickart stirbt wahrscheinlich Ende 1597, Anfang 1598. Seine Witwe heiratet Ende 1598 den Jacob Lutz von Koblenz. Da St. Florin der neue Ehemann als Hofmann nicht genehm ist, werden beide des Hofs entsetzt, worauf die neu verheiratete Witwe beim Kurfürsten vorstellig wird und gegen St. Florin klagt. In einem Gegenbericht seitens St. Florin beim Kurfürsten werden die Gründe genannt, warum man die Pacht nicht fortsetzen will. Obwohl schon die Eltern der jetzigen Frau Lutz den Hof von St. Florin gepachtet hatten, sei die Verlehnung von 1572 keine Erb- und ewige Lehnung gewesen, sondern ihr und ihrem ersten Mann Augustin Schweickert auf zwanzig Jahre verpachtet worden und die Pacht somit schon 1592 abgelaufen. Der Hof sei nur aus Gunst bis zum Tod ihres Mannes bei ihnen verblieben. Laut Lehnung sollten sie den Hof persönlich bewohnen, sie seien jedoch kurz danach ausgezogen und hätten ein Wirtshaus daraus gemacht. Außerdem hätten sie ihrem Herbstherrn und Windelboten übel gedient. Auch hätte sie nach dem Tod ihres Mannes ohne ihr Wissen einen gewissen Jacob Lütz geheiratet, der ihnen ein unbequemer Baumann (Hofmann) sei. Lütz habe in Koblenz mit der Feder sein Brot verdient, er sei ein Schreiberling und der Feldarbeit unerfahren. Überdieß sei er ein abtrünniger lutherischer Ketzer, allem Katholischen und vor allem den Geistlichen ein geschworener Feind. Auch sei dorfkundig, dass ihr Ehestand nicht der Beste sei. Sie befürchteten daher, dass die Präsenzgüter in Ab- und Untergang kämen. Auch habe die Lehnung den Passus gehabt, dass sie den Hof in gutem Fach und Fach zu halten und die Notdurft zu bauen schuldig gewesen wären, was nicht geschehen, so dass die Präsenz des Stifts dies habe selbst tun müssen.

In diesem Schreiben ist auch von einem Häuslein auf der Pforte die Rede, das bei der Lehnung von 1572 noch nicht erbaut war. Ob mit der Pforte die obere Pforte der Dorfbefestigung oder eine Pforte zum Florinshof gemeint ist, bleibt unklar. Fest steht jedoch, dass dieses Häuschen zum Besitz von St. Florin gehörte. Das Stift scheint mit seinem Gegenbericht beim Kurfürsten Gehör gefunden zu haben, denn in der Folge ist vom Ehepaar Lütz als Hofleuten nicht mehr die Rede. Man hat wahrscheinlich einen Kompromiss geschlossen, denn 1610 und nochmals am 13.4.1611 ist Augustin Schweickerts Schwiegersohn Eberhard Limburg im Namen von St. Florin in Hofangelegenheiten tätig, da ein Zins von 1 Gulden laut Urkunde vom 7.6.1528 säumig ist, worauf das Pfandobjekt, ein Weingarten „am Weidenborn“, im selben Jahr dem Präsenzhof gerichtlich zugeschlagen wird. Limburg wird wohl in dieser Zeit Hofmann gewesen sein. Er selbst ist nachweislich von 1602 bis 1615 Schöffe am Ortsgericht. Sein Stiefschwiegervater Jacob Lütz selbst hatte noch Kinder in Horchheim, den Schöffen und Schmiedemeister Lucas Lotz in Horchheim und den nach Niederlahnstein verzogenen Schneidermeister Hans Lotz, der einen schwedischen Leutnant vom Turm der Johanneskirche mit Steinen beworfen und Worten beleidigt hatte:

„lhr schwedischen Diebe und Schelme, was habt ihr hier zu tun?“

Daraufhin quartierten sich die Schweden zur Strafe mit 128 Mann acht Tage in Niederlahnstein ein und zogen erst ab, nachdem man ihnen, weil Lotz vom Turm entwichen war, 50 TaIer gezahlt hatte.

Die heute noch im Koblenzer Raum, besonders in Neuendorf, weit verbreitete Familie Lütz/Litz geht zurück auf einen 1650 in Niederlahnstein geborenen Jacob Lütz, der 1681 in Koblenz-Liebfrauen die Tochter Anna Maria des Peter Zervas geheiratet hatte. Dieser später in Neuendorf ansässige Jacob Lütz ist Urenkel des gleichnamigen Horchheimer Hofmanns von 1598.


Hofmänner Rheinspitz und Camp

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) hören wir nichts über den Hof. Erst 1654 wird Johannes Rheinspitz als Hofmann erwähnt, der mit einem Nahrungsanschlag (Steuer) von 300 Gulden hoch angeschlagen wird. Rheinspitz selbst taucht 1622 als von Steinscher Hofmann erstmals in Horchheim auf. 1628 ist er Geschworener der Gemeinde. Er wird hoch geschätzt, denn man wählt ihn wiederholt zum Heimburgen, so 1631, 1639, 1647 und 1648. Von 1644 bis 1658 ist er als Schöffe und in derselben Zeit als Send (Kirchenschöffe) bezeugt. Seine Familie stammt aus Niederlahnstein, wo ein Johannes Rheinspitz und seine Frau Gertrud von 1574 bis 1586 sieben Kinder taufen lassen. Rheinspitz stirbt wahrscheinlich 1658, denn seine Witwe Elisabeth ist Anfang 1662 Patin beim letzten Kind des Johann Camp und seiner Frau Katharina. Ob diese Patenschaft über verwandtschaftliche Bindungen dazu führte, dass Simon Camp, der sich 1685 als „etlich 30 Jahr“ bezeichnet, also um 1650 geboren wurde, Florinsherrenhofmann wurde, ist nicht mehr festzustellen. Tatsache ist, dass er ab 1678 bis zu seinem Tode am 13. 3. 1695 Pächter des Hofes ist. Verheiratet war er seit 1676 mit Maria Walter, der Schwester des damaligen Horchheimer Pastors Johann Nicolaus Walter, Pfarrer von 1675 bis 1690. Mit ihr hatte er 9 Kinder. Kurz vor seinem Tod wird er 1694 zum Heimburgen gewählt und bekleidet 1692 das Amt des Schützen und Holzgebers. 1682 ist er Brudermeister der Liebfrauen und 1685 der St. Sebastianusbruderschaft.

Aus den Geburtszeugnissen, ausgestellt vom Gericht Horchheim am 30.10.1717 bzw. 1.11.1723, für seine als Zimmerleute tätigen Söhne Balthasar, geboren 1684, und Johann Simon, geboren 1691, geht hervor, dass seine Eltern Paulus und Johanna Camp waren. Dieser Paulus Camp oder Paulus von Camp, wie er sich 1629 und noch 1644 nach seinem Geburtsort Kamp-Bornhofen nennt, wird am 20.1.1640 Jesuitenhofmann zu Horchheim. Er stirbt im Juli 1661. Johann Gerhard Camp, Bruder unseres Florinshofmanns Simon Camp, von Beruf ebenfalls Zimmermann, ist 1684 Eltzischer und 1688 vom Steinscher Hofmann zu Horchheim und als solcher Wittgensteinischer Vogt und Kelner auf dem „Kaaf“, dem Steinschen Burghaus auf halber Höhe des Sayner Burgberges. 1690 wird er Heimburge zu Horchheim und ist von 1690 bis zu seinem Tod am 29.10.1704 (Grabstein) Send und Gerichtsschöffe. Sein 1665 geborener Sohn Carl Camp ist 1702 Hofmann des Klosters Mariaroth zu Horchheim.

Nach dem Tod von Simon Camp 1695 wird der Florinshof von der Witwe und den Söhnen weiter bewirtschaftet. 1702 wird der älteste Sohn, der 1677 geborene Christian Camp, als Hofmann bezeichnet. Er heiratet in erster Ehe 1701 die Maria Magdalena Schwang, die 1709 stirbt, und in zweiter Ehe im selben Jahr die Sophia Niebern aus Niederlahnstein. Mit seinen zwei Ehefrauen zeugt er insgesamt 18 Kinder. Er stirbt 1733 unter Hinterlassung noch unmündiger Kinder. Er selbst führte ein christliches Leben, ist nachweislich von 1723 bis 1733 Sendschöffe, 1711 und 1712 Vorsprecher am Gericht und danach bis zu seinem Tod 1733 Gerichtsschöffe. 1711 bekleidet er das Kirchenmeisteramt und wird 1715 Bürgermeister zu Horchheim. Seine erste Frau Maria Magdalena Schwang, geboren 1679, war die Tochter des Johann Schwang und der Barbara Göbell. Schwang selbst war bis zu seinem Tod 1730 Send- und Gerichtsschöffe, 1692 Gemeindegeschworener und 1704 Heimburge zu Horchheim und nach dem Tod seines Schwiegervaters, des am 17.12.1686 verstorbenen trierischen Schultheisen Johannes Göbell, von Ende 1686 bis 1692 Schultheisereiverwalter und von 1678 bis 1700 Ludimagister (Lehrer) an der Horchheimer Schule.

Die Familie Schwang selbst ist im 17. und 18. Jahrhundert wohl eine der interessantesten Familien Horchheims. Neben den in Horchheim verbliebenen Mitgliedern, die verschiedene Gemeindeämter ausüben und als Gerichts- und Sendschöffen tätig sind, studieren einige erfolgreich, werden Geistliche oder Juristen. Ein Schwang wird Offizial des geistlichen Gerichts in Koblenz, ist Kanonikus am Domstift zu Limburg und einer der Hauptinitiatoren, dass die alte, am Rhein gelegene Peterskirche in Neuendorf größer als ursprünglich geplant erbaut wird. Ein anderer Schwang ist Pastor in Ransbach, Niederlahnstein und Kesselheim. Ein juristisch ausgebildeter Schwang wird Ende des 17. Jahrhunderts Stadtschreiber in Kochem, und eine Tochter des Johannes Schwang heiratet einen Professor der Universität Trier.

Christian Camps zweite Frau Sophia Niebern, geboren 1689 in Niederlahnstein, ist die Tochter des Deutschherrenhofmanns Johannes Niebern und seiner aus Waldbreitbach stammenden Frau Anna Maria Höcht (Högt). Interessant ist eine Bescheinigung des Gerichts Horchheim vom 20.7.1789 in einem Rechtstreit der Universität Trier als Verwalter des Vermögens der Witwe Professor Susewind geb. Schwang aus Horchheim gegen den Neffen der Witwe, Johann Thomas Breitbach, Kaufmann und Stadthauptmann zu Koblenz, wegen der von der Witwe Susewind vermachten 3.000 Reichstaler zur Stiftung einer Frühmesse in Horchheim. Darin heißt es, dass die Eltern der Ottilia Camp – sie ist Nichte der Witwe Susewind und Nichte, Miterbin und Haushälterin des Offizials Johann Conrad Schwang, von dem die 3.000 Reichstaler ursprünglich stammen – nicht das geringste Vermögen besessen, nur Hofleute des Stifts St. Florin gewesen und keine eigenen Güter gehabt hätten. Dies zeigt auch ein Blick in das Horchheimer Extraktenbuch vom 22.6.1719. Für Christian Camp ist nur ein Eigenbesitz von 36 Ruten Acker in Horchheim und 610 Stock in Niederlahnstein angegeben, ein Zeichen dafür, dass Camp neben der Ernährung seiner 18 Kinder jeden Heller und Pfennig in den Erhalt seines Pachtgutes steckte und damit für St. Florin ein guter und rechtschaffener Pächter gewesen ist. Nach Camps Tod 1733 setzt seine Witwe die Lehnung fort. Sie scheint 1742 verstorben zu sein, denn im selben Jahr bittet wiederholt der Gerichtsschöffe zu Niederlahnstein, Johannes Rübenach, die Tochter Anna Wilhelma des Horchheimer Florinshofmanns Christian Camp, die schon neun Jahre auf dem Deutschordenshof zu Niederlahnstein bei ihrem Onkel Martin Reck als Magd beschäftigt sei und gute Kenntnisse im Acker- und Weinbau besitze, als Hoffrau zu Horchheim anzunehmen, da sein Sohn Carl Rübenach dieselbe zu ehelichen gedenke. Die Verbindung der beiden kommt jedoch nicht zustande, sie heiratet 1745 den Johann Ems.


Hofmann Göbel

Neuer Hofmann wird Johann Adam Göbel, der am 1.5.1743 die 1712 geborene Tochter Anna Maria des Christian Camp heiratet. Noch vor der Heirat verbürgt sich seine Mutter Barbara Raubach, Witwe des Johann Wilhelm Göbel, für ihren Sohn, der mit seiner zukünftigen Frau den Florinshof übernehmen will, und setzt dem Stift einen Garten ,,hinter der Kirche“ im Wert von 100 Reichstalern, eine Wiese „in der Bertelsbach“ von 100 Reichstalern und eine Wiese „auf Frantzgesfeld“ im Wert von 50 Reichstalern zu Pfand. Göbel entstammt einer angesehenen Horchheimer Familie. Sein verstorbener Vater, der Send- und Gerichtsschöffe Johann Wilhelm Göbel, war ein äußerst tätiger Mensch, der neben der Bebauung seiner eigenen Weingärten und Felder den Altenberger Hof von seinem Schwiegervater Johannes Raubach übernommen hatte. Neben reger Bautätigkeit – er baute die beiden abgerissenen Häuser in der Emserstraße (vormals Hotel Holler resp. Kaffee Zimmermann und das im Freilichtmuseum Sobernheim auf Halde liegende und den Dornröschenschlaf schlafende stattliche Fachwerkhaus, das ehemals auf dem Rewe-Parkplatz neben der Römerapotheke gestanden hatte) – betrieb er eine gutgehende Bierbrauerei und Gastwirtschaft. Johann Adam Göbel stirbt am 10. 6. 1758.


Hofmänner Camp und Sauter

Einige Tage später schreibt Conrad Camp an St. Florin, dass sein Schwager Johann Adam Göbel und seine Schwester Anna Maria unter Hinterlassung von zwei unmündigen Kindern verstorben seien und bittet, ihm den Hof zu überlassen, da seine Vorfahren den Hof über hundert Jahre besessen hätten. Camp erhält den Hof und bebaut ihn mit seiner Frau Eulalia Katharina Mantz, Tochter des Johannes Mands und der Anna Saur, bis zu seinem Tod am 24.7.1779. Seine Witwe setzt die Pacht bis 1787 fort.

Am 25.5.1787 schreibt sie, dass sie ihrer Tochter Anna Maria und deren Ehemann Johannes Sauter den Hof übergeben habe, und bittet das Kapitel, dem zuzustimmen. Sie stirbt am 4.2.1795. Johannes Sauter, Sohn des Laurenz Sauter von Arzheim, der am 1.8.1786 die 1768 geborene Tochter Anna Maria der Witwe Eulalia Katharina Camp geheiratet hatte, wird am 20.11.1801 vom Dechant Johann Anton Bolen von St. Florin auf 12 Jahre belehnt. Von 1787 bis 1812 wird er Vater von elf Kindern und mit seinem ebenfalls nach Horchheim verzogenen Bruder Stammvater der Horchheimer Sauter.

Zwischenzeitlich hatte sich die politische Landschaft grundlegend geändert. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25.2.1803 hatte das Heilige Römische Reich deutscher Nation und damit der Trierer Kurstaat aufgehört zu existieren. In der Folge werden das linke Rheinufer an Frankreich und die rechtsrheinischen Gebiete Kurtriers an den mit Frankeich verbündeten Rheinbundstaat Nassau abgetreten. So auch das kurtrierische Amt Ehrenbreitstein, zu dem Horchheim damals gehörte. Das Stift St. Florin wird enteignet, der Horchheimer Hof der nassau-weilburgischen Domänenkammer zugeschlagen. Ein übereifriger Beamter der neuen Regierung sieht in dem am 20.11.1801 abgeschlossenen Pachtvertrag seitens St. Florin mit Sauter eine offensichtliche Manipulation, da die Pacht zu niedrig angesetzt sei und das Stift die Grundsteuer zur Hälfte trage, also Nassau-Weilburg als Rechtsnachfolger diese ebenfalls tragen müsse, was unüblich sei. Er bittet um Einsichtnahme in den alten Pachtvertrag.

Mittlerweile war der Weinbau gegenüber dem Feldbau zurückgegangen. Mit Genehmigung der Regierung vom 15.10.1805 werden 1805/1806 insgesamt 2.197 Weinstöcke gerodet und zu Acker gemacht. Ein neuer Pachtvertrag vom 25.2.1806 bestimmt, dass der Pächter 6 Malter Korn, die Hälfte der Traubenernte und die Hälfte des Simpels (Steuer) zu zahlen habe, wogegen er von der Beköstigung des Herbstherrn befreit sein solle. Die Pachtzeit wird auf Bitten Sauters um 2 Jahre bis 1815 verlängert. Sauter wird in der Folge für 4 Jahre die Kornpacht schuldig, so dass die herzogliche Regierung bei der Kellerei Ehrenbreitstein am 4.5.1814 nach der Ursache fragt. Am 26.4.1814 schreibt Sauter an die herzogliche Hofkammer wegen des Pachtrückstandes. Er sagt, dass er durch häusliches Missgeschick und die Kriegszeiten (Durchmärsche und Einquartierungen) 18 Malter Kornpacht im Rückstand sei, worauf ihm die Kellerei Ehrenbreitstein die gerichtliche Exekution angedroht habe. Der Kellereibeamte ist allerdings Sauter gewogen. Am 21.2.1815 schreibt er, Sauter sei kein vermögender Mann, lange Zeit krank und habe viele Kinder. Er fragt, ob er Sauter angreifen und dessen Vieh beschlagnahmen oder ihm Ausstand gewähren soll in der Hoffnung, dass Sauters Bruder, Bürgermeister in Horchheim, ihn unterstützen und vom Untergang retten wolle.

Sauter schreibt weiter:

„In dieser bedrängten Lage bleibt mir kein anderes Mittel übrig, um mich und die Meinen vom nahen Untergang zu retten, als mich in die Arme meiner gnädigen Herrschaft zu werfen“.

Gleichzeitig präsentiert er die Quittung und Bescheinigung der Gemeinden Horchheim und Niederlahnstein, dass er die Grundsteuer und die Kosten der Einquartierung vom 5.11.1813 bis 23.3.1814, insgesamt 159 Gulden 4 ½ Kreuzer, bezahlt habe. Er bittet um Begleichung, um damit den Pachtrückstand bezahlen zu können, und verweist auf die hohen Kriegskosten von 1792 bis 1800, die am 12.9.1803 aufgestellt worden sind. So habe er in diesem Zeitraum manchmal bis zu 20 Personen, meist Unteroffiziere mit ihren Frauen, halten müssen. Der unterste Stock seines Hofhauses sei zur Wachtstube gemacht und total ruiniert worden. 1796 sei er zu Fronfahrten zum Bau der Batterie um die Festung Ehrenbreitstein und 1799 für die Franzosen zu insgesamt 177 großen und 350 kleinen Fahrten an Fourage, Brot und Fleisch herangezogen worden. Er gibt als Ziele Lutzerath, Kemel, Montabaur, Ems, Limburg, Neuwied, Heddesdorf, Meuth, Großholbach, Nastätten, Monreal, Polch, Ochtendung, Saffig, Arnstein, den Masserother Wald, Andernach, Heimbach Weis und Kamp an. Außerdem habe er 50 Zentner Heu liefern müssen, und ihm seien von den Soldaten 10.700 Weinbergspfähle entwendet worden.

Auf dieses Schreiben antwortet die Regierung, dass die Amtskellerei Ehrenbreitstein lediglich die gezahlte Grundsteuer ersetzen wolle. Sauter scheint auch diese Klippe umschifft zu haben. Anfang 1815 sagt er, seine Pachtzeit gehe Martini 1815 zu Ende, und bittet um weitere 12 Jahre um den Bestand des Hofes. Er schreibt:

„Die Kornpacht der vorigen Lehnung fällt zwar schwer, wenn Soldaten den Landmann aufzehren, was er an Ernährung seiner Familie mit seiner Arbeit dem Boden abgewinnet“.

In der Zwischenzeit hatte sich das Rad der Geschichte weiter gedreht. Nach der Schlacht bei Waterloo oder Belle Alliance hatte sich nach Napoleon Bonapartes Rückkehr von Elba das Glück zu Gunsten der Verbündeten und gegen Frankreich gewendet. Der anschließende Wiener Kongress, deren führender Kopf der 1773 in Koblenz im Metternicher Hof auf dem Münzplatz geborene spätere österreichische Haus-, Hof- und Staatskanzler Clemens Wenzeslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich war, gestaltete die politische Landkarte um. Horchheim wurde der neu gebildeten Rheinprovinz Preußens zugeschlagen. Die preußische Regierung – der ehemals nassau-weilburgische Beamte Riel ist jetzt für die neuen Herren tätig – setzt am 30.8.1815 die Verpachtung des ehemaligen Florinshofes auf 9 Jahre bis 1824 an. Allein- und Letztbietender bleibt Johannes Sauter mit 6 Maltern Korn, „weil die ehemals herzogliche Hofkammer zu Weilburg die Pacht zu hoch angesetzt und keiner den durch den Krieg gelittenen Hofmann habe verdrängen wollen“, wie Riel schreibt. Sauter muss für 2 Jahre für die Pacht einen Bürgen stellen, wozu sich der frühere herzoglich-usingensche und nassau-oranische, jetzt preußische Schultheiß Georg Breitbach bereit erklärt. Das Hofgut wird verpachtet ohne Gewähr für Mängel, wie es sich darstellt. Die Pacht ist auch bei Unglücksfällen, Misswachs, Hagelschlag, Viehsterben usw. fällig. Die preußische Regierung trägt alle auf dem Hof liegenden Steuern und der Pächter verpflichtet sich, einstweilen die Einquartierungen von Soldaten zu tragen. Die Niederlahnsteiner Güter sind von der Verpachtung ausgenommen, da sie jetzt im Ausland liegen und dem Herzogtum Nassau zugefallen sind. Kurz nach der Pachtübernahme scheint Sauter gestorben zu sein, denn Preußen verlehnt den Hof nicht neu, sondern verkauft ihn 1819 samt allen Liegenschaften an den Rat Meurers zu Koblenz, der 1822 die einzelnen Grundstücke und das Hofhaus samt Stall und Scheuer an Horchheimer Bürger verkauft. Damit endet 1822 nach vielhundertjährigem Bestehen die Geschichte des ehemaligen Hofs von St. Florin.

Manfred Gillissen



Der Hof des Koblenzer Stifts St. Florin, Teil 1
Horchheimer Kirmes-Magazin 2001

Der Hof des Koblenzer Stifts St. Florin, Teil 2
Horchheimer Kirmes-Magazin 2002

Zur Geschichte des Stift St. Florin

https://www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-stift-st-florin/geschichtlicher-abriss.html


Über Manfred Gillessem




Manfred Gillissen (1942-2012)

Ein Leben für die Regionalgeschichte

von Jopa Schmidt
Horchheimer Kirmes Magazin 2013

Manfred Gillissen (18.09.1942 – 18.12.2012) war von Herzen ein echter Neuendorfer Jung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Vater nach Gebhardshain in den Westerwald versetzt, mit der Einschulung von Manfred 1948 kehrte die Familie jedoch nach Neuendorf zurück und wohnte in der Handwerkerstraße 5, wo der Vater als Ortspolizist ein Dienstzimmer hatte. Mutter Änne war eine geborene Minning. Nach dem Abitur 1962 am Eichendorff-Gymnasium Koblenz begann er ein Pharmazie- und Medizinstudium an der Universität Mainz, das er aber nicht beendete. Vielmehr kümmerte er sich um den Hausbesitz innerhalb der Familie und fand Gefallen daran, Häuser zu kaufen, umzubauen und zu vermieten. Am 2. Mai 1969 heiratete er Ingrid Rademaker aus Niederlahnstein, beide wohnten zunächst in Neuendorf, bevor sie im Mai 1978 nach Niederlahnstein verzogen.

Schon früh entdeckte Manfred Gillissen seine Leidenschaft für die Regionalgeschichte, besonders aber für die Geschichte von Neuendorf und Koblenz, aber auch für die Genealogie. Kein Archiv in Koblenz bzw. in der näheren oder weiteren Umgebung war vor ihm sicher, wenn es um Material zu dieser Thematik ging. Immer wieder führte ihn der Weg in das Pfarrarchiv St. Peter Neuendorf, das Stadtarchiv, das Landeshauptarchiv, das Bistumsarchiv Trier, das Stadtarchiv Neuwied und, und, und.

Besonders interessierten ihn zunächst die alten Neuendorfer Familien Nell und Miltz, seine Forschungen gingen soweit, dass er unheimlich viel Material für ein Neuendorfer Familienbuch zusammengetragen hatte, das aber leider nie publiziert wurde.

Schon als Jugendlicher erforschte er alte Neuendorfer Gebäude: wann wurde das Haus gebaut? Wer hat darin gewohnt? Sein besonderes Interesse galt u. a. der wohl uralten Scheune des Bauern Welter (Ecke Weltersgasse/Hochstraße) bzw. dem alten Pfarrhausbau von 1710, der 1899/1900 wegen des Pfarrhausneubaues abgerissen worden war. Er suchte mit dem Neuendorfer Chronisten Willi Gabrich nach Fotos. Als 1958 eine Generalsanierung der Kirche seines Heimatortes beginnt, kann er den totalen Eingriff in die Bausubstanz des neobarocken Baues (1912-1915) nicht fassen. Er ist entsetzt, dass alte sakrale Gegenstände (Prozessionsfahnen bzw. -laternen, Skulpturenteile etc.) auf dem Bauschutt landen. In späteren Jahren hat es ihn immer wieder gereut, dass er diese Gegenstände nicht geborgen hatte. Besonders enttäuscht war er, als das riesige Gemälde an der Stirnwand hinter dem Hochaltar – Der sinkende Petrus auf dem Meer, gemalt von Professor Stucke aus Bonn – entfernt und unsachgemäß gelagert wurde. Er versuchte heimlich, es zu bergen und zu restaurieren. Leider erfuhr der damalige Pfarrer von diesem Vorhaben und ließ das Bild zurückholen. Es verkam auf dem Kirchenspeicher. Ebenfalls in seinen Jugendjahren barg er eine Madonna bzw. Pieta, die durch ein Hochwasser in Neuendorf angetrieben wurde.

Auch nach seinem Umzug nach Niederlahnstein ist Manfred Gillissen immer Neuendorfer geblieben. Im Lauf der Jahre sicherte er einige alte Flößertruhen und Neuendorfer Grenzsteine vor Verlust aus Unachtsamkeit und Zerstörung. Über Neuendorf schrieb er einige unveröffentlichte Abhandlungen über das Gemeindehaus, die Gemeindebäcker, Hebammen, Schafweide, Fischerei, die Schule, die Lehrer sowie Fahr und Fergen.

Er war ein wandelndes Geschichtslexikon. Fragte man ihn nach einem Haus oder einer Familie, sprudelte es nur so aus ihm heraus: nicht nur für Neuendorf, sondern auch für Koblenz und Horchheim. Außerdem verfügte er über ein umfassendes landesgeschichtliches Wissen, wobei ihn besonders die Rechtshistorie (Privatrecht, kurtrierisches Landrecht) interessierte. Phänomenal war sein Gedächtnis, insbesondere für Personen und verwandtschaftliche Zusammenhänge. Seine ihm angeborene Bescheidenheit war leider aber auch der Grund dafür, dass er kaum etwas publizierte.

Seine reiche Materialsammlung ist für Historiker von unschätzbarem Wert, leidet aber darunter, dass Manfred Gillissen eine kaum leserliche Handschrift hatte: Seine Exzerpte sind schwieriger zu lesen als die Originale, die er abschrieb. Eine Leidenschaft war sein Interesse für die Kunst – er besuchte Auktionen, um seine Kenntnisse über die großen Maler der Region aus dem 19. Jahrhundert zu vertiefen, so dass er sich auch hier zum intimen Kenner der rheinischen Kunstgeschichte entwickelte. Seine Hilfsbereitschaft war ohne Grenzen, sein Fleiß und seine Ausdauer enorm. Unvergessen bleiben sein feiner, hintergründiger, unaufdringlicher und manchmal schelmischer Humor, seine Freundlichkeit, seine Liebenswürdigkeit. Das Geheimnis seiner Ausgeglichenheit und Freundlichkeit war die Zufriedenheit – und die schöpfte er aus seiner Arbeit in den Archiven. Ihm ging es nicht darum, mit seinen Kenntnissen zu glänzen, ihm ging es nur darum, geschichtliche Rätsel mit Hilfe von Archivalien zu lösen. Wer ihn kannte, freute sich mit ihm an seiner stillen Freude. Und wie diebisch konnte er lachen, wenn es gelang, ein archivisches Rätsel zu lösen.

Meine persönlichen Erinnerungen an ihn gehen Jahrzehnte zurück. Es war schon in meiner Ausbildungszeit im damaligen Staatsarchiv / heutigen Landeshauptarchiv, als ich ihn kennenlernte und mich damals schon wunderte, dass ein junger Mann ohne eigentlichen Beruf seinen Neigungen nachgehen konnte, so oft er wollte. Dann war er jahrzehntelang Benutzer des Stadtarchivs, und ich erinnere mich gern an viele interessante Gespräche in meinem Büro bzw. im Benutzersaal. Ich sage es in aller Offenheit: auch ich als Leiter des Stadtarchivs konnte von Manfred noch viel lernen!

In jahrzehntelanger, mühevoller Forschungstätigkeit hat er eine umfangreiche Materialsammlung zusammengetragen, die die Geschichte der Koblenzer Profanbauten (Wohnhäuser, Adelssitze, Wirtschaftsgebäude etc.) zum Teil bis zurück in die Zeit des Hochmittelalters dokumentiert. Seine überarbeiteten Exzerpte aus Archivalien des Stadtarchivs bzw. des Landeshauptarchivs Koblenz sowie weiterer staatlicher und Familienarchive sind der Grundstock für eine vom Stadtarchiv begonnene Publikation im Internet, das „Koblenzer Häuserbuch“.

Manfred Gillissen hat damit einen reichen stadt- und baugeschichtlichen, aber auch genealogischen und sozialgeschichtlichen Fundus zur Verfügung gestellt, dessen Wert für die Koblenzer Lokalgeschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Mein Kollege Michael Koelges hat in mühevoller Kleinarbeit die Bearbeitung für das Internet übernommen. Erfasst wurden, teilweise sogar komplett, die Häuser der Straßen Altengraben, Am Plan, Auf der Danne, Entenpfuhl, Florinspfaffengasse, Görgenstraße, Kastorgasse, Kornpfortstraße, Löhrstraße und Unterm Stern. Leider konnte dieses wohl einmalige Projekt durch die schwere Erkrankung von Manfred Gillissen nicht zu Ende geführt werden.

Obwohl es ihm eigentlich immer schwer fiel, etwas zu veröffentlichen, konnte ich ihn für die Mitarbeit am Horchheimer Kirmes-Magazin gewinnen, in dem er seit 1991 seine Serie „Höfe des Adels und des Klerus in Horchheim in kurtrierischer Zeit“ veröffentlichte. Auch den Heimatfreunden Horchheim gegenüber zeigte er sich immer von seiner offenherzigen Seite. Er kannte sich wie kein Zweiter in der Horchheimer Ortsgeschichte aus – egal, ob es um Familien oder Häuser ging.

Es war schwer für ihn, seine Krankheit anzunehmen, nicht nur, weil sie ihm körperlich Einschränkungen und Schmerzen in hohem Maße auferlegte. Viel schwerer war es für ihn, seinen Archivrecherchen nicht mehr in dem gewohnten Umfang nachgehen zu können. Sicherlich war der Tod für Manfred Gillissen die von ihm wahrscheinlich schon lange erhoffte Erlösung. Sein Privatarchiv muss unbedingt erhalten bleiben, selbst wenn es leider nicht mehr möglich war, es für die moderne digitale Technik zu erschließen. Es gilt daher, das Andenken und das Erbe von Manfred Gillissen der Nachwelt zu erhalten. Horchheim hat einen Freund verloren.

Willi Gabrich aus Neuendorf und meinem Kollegen Michael Koelges bin ich für Informationen dankbar.

Jopa Schmidt