Am Eisenbahn-Haltepunkt Horchheimer Brücke im Sommer 1934. Hinten v. l.: IIse Zehe verh. Harzheim, Hannelore Koitsch, Eva Hellendag verh. Salier, Karl Zehe. Vorne v. l.: Marlene Köpper verh. Mies, Georg Hue.
Eva Salier Hellendag im Atelier siehe Kirmes-Magazin 2017
Eva Salier Hellendag Modezeichnung siehe Kirmes-Magazin 2017

Eva Salier-Hellendag (1923 - 2014)

Eva Hellendag wurde am 26. März 1923 in Koblenz geboren. Die Familie – der Vater Simon Hellendag war Holländer und Kaufmann – wohnte in Horchheim in der Emser Straße 269. Sie besuchte die Horchheimer Schule von 1929 bis 1933. Mit dem Tod des Vaters am 4. Juli 1935 war die unbeschwerte Kindheit in einem Paradies beendet. Nach dem Wechsel auf das Hilda-Gymnasium war sie auf Grund ihrer jüdischen Abstammung verstärkt Diffamierungen, Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt, obwohl die Familie „in Horchheim vom Antisemitismus nicht gar zu viel gespürt hat“. Zusammen mit der zweiten Jüdin, Helga Treidel, musste sie in der letzten Bank sitzen. Sie durften sich nicht melden und wurden nur noch „Unkraut“ genannt, gemieden und bespuckt. 1937 wurde Eva von der Hildaschule verwiesen und ging in der Zeit nach dem 23.3.1937 von Koblenz nach Amsterdam, wo sie vor der polizeilichen Anmeldung am 26.2.1938 ankam.  Sie besuchte die „Industrielle Hochschule, Abteilung Kunst“ und verdiente sich Geld, indem sie Zeichnungen und Illustrationen für Zeitschriften fertigte. Nach der Besetzung Amsterdams durch die deutsche Wehrmacht am 14. Mai 1940 musste Eva die Schule wieder verlassen, erlernte bei einem befreundeten Pelzfachmann das Rauchwaren-Handwerk und fertigte warme Winterkleidung für die deutschen Armeen in der Sowjetunion. Sie musste sich mit 499 anderen jüdischen Jugendlichen für ein „Arbeitslager“ melden, wurde aber durch eine glückliche Fügung vergessen. Ihre Mutter, ihre Großmutter und Eva selbst wurden schließlich von holländischen Nazis festgenommen und auf dem Sammelplatz „selektiert“. Am oder vor dem 11.11.1942 wurde Eva im Sammellager in der Hogere Burgerschool in Amsterdam von ihrer Mutter und Großmutter getrennt. Eva kam in das Schowburg-Theater Amsterdam, einem Sammelplatz für Juden, und von dort in das Kamp Vught (Konzentrationslager Herzogenbusch). Nach einer Bescheinigung des Niederländischen Roten Kreuzes vom 31.5.1954 hatte sie in Amsterdam, Biesboschstraat 75, gewohnt, wurde dann aber am 10./11.4.1943 in Vught eingeliefert. Es folgten grausame Jahre. Ihre Mutter, die im KZ Auschwitz vergast wurde, und Großmutter sollte sie nie mehr wiedersehen. Im KZ Vught wurde sie bei der Herstellung von Senderöhren für die Firma Philipps eingesetzt. Am 2. (oder 3.?) Juni 1944 wurde sie im Viehwaggon in das KZ Auschwitz-Birkenau gebracht, wo sie für die Firma Telefunken kriegswichtige elektronische Geräte herstellen musste. Nach der Zerstörung der Fabrikanlagen in Auschwitz durch Bomben ging der Leidensweg weiter: 10.6.1944 Außenkommando Reichenbach, 18.1.1945 Außenkommando Langenbielau (beide Lager gehörten zum Konzentrationslager Groß-Rosen), 18.2.1945 Außenkommando Porta Westfalica/KZNeuengamme und  18.4.1945 Konzentrationslager Beendorf bei Helmstedt. Am 28. April wurde Eva über Ludwigslust in das Außenkommando Eidelstedt/Hamburg/KZ Neuengamme evakuiert. Nach eigenen Angaben erfolgte die Befreiung am 1. Mai. Sie kam – abgemagert auf 31,5 kg und schwer krank – nach Schweden, wo sie zuletzt in Malmö wohnte. Sie war gerade 23 Jahre alt, als sie von Göteborg mit dem Schiff „Drottningholm“ am 30.4.1946 in die USA zu Verwandten fuhr, die aus Holland dorthin geflüchtet waren. Ihren Leidensweg durch die Konzentrationslager hat sie später in ihren Erinnerungen „Ungebrochen durch die Hölle“ geschildert. In den USA begann sie, Kunst und Kunstgeschichte in New York und Philadelphia zu studieren. Ende 1947 heiratete sie ihren Mann Max Salier, einen gebürtigen Berliner, und zog nach Vineland nahe Philadelphia/New Jersey, wo man anfangs eine Hühnerfarm betrieb. Eva entwarf für eine Werbefirma künstlerische Designs und wurde später Art-Director bei Times Graphics Ind., einem Zeitungsverlag, der die Zeitschriften „New York Review“ und „Moneys Worth“ und die international bekannte „Womans Wear Daily“ herausgab. Ihrem Heimatort bleibt sie auch bis ins hohe Alter stets verbunden. Eva Salier ist am 12. August 2014 in Fountain Valley/California gestorben.

Förderverein Mahnmal Koblenz-eva-salier-geb-hellendag-juedisches-maedchen-aus-koblenz-horchheim.

Horchheimer Kirmes Magazin 1986 –  Ein Schicksal im Holocaust Eva Salier geb. Hellendag

Horchheimer Kirmes Magazin 2016 Stolpersteine Salier-Hellendag (PDF)

Horchheimer Kirmes Magazin 2017 Eva Salier Kunstwerke an Stadt Koblenz übergeben (PDF)

Horchheimer Kirmes Magazin 2017 Eva Salier-Hellendag Nachtrag Stolpersteine (PDF)

Horchheimer Kirmes Magazin 2019 – Wider das Vergessen – Stolpersteine Hellendag/Salier und Salomon/Fried (PDF)

Pressebericht der Koblenzer Rhein-Zeitung zum 90ten Geburtstag von Eva Salier vom April 2013 (PDF)

Vineland Times Journal Tree
Two Evas
Three Praying Women
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