„O Horchheim, mein Horchheim“ – Heimatfreunde und Sänger des Männerchors nehmen Horchheimer Heimatlied auf

Ein besonderes Projekt zur Bewahrung Horchheimer Kulturgeschichte konnte am 20. Juli 2026 verwirklicht werden: Die Heimatfreunde Horchheim haben gemeinsam mit Sängern des Männerchores 1883/1912 Koblenz-Horchheim das traditionsreiche Heimatlied „Oh Horchheim, mein Horchheim“ aufgenommen. Als Aufnahmeort diente die Taufkapelle der Pfarrkirche St. Maximin, deren besondere Akustik den passenden Rahmen für dieses Vorhaben bot. Die musikalische Leitung übernahm der Horchheimer Organist und Chorleiter Hans-Peter Wüst.

Die Initiative zu diesem Projekt ging von den Heimatfreunden Horchheim aus. Das Lied war bereits seit längerer Zeit mit seinem Text auf der Internetseite des Vereins dokumentiert, eine Tonaufnahme existierte jedoch bislang nicht. Auch Nachforschungen beim Männerchor und im Umfeld früherer Chorgemeinschaften, unter anderem beim ehemaligen Doppelquartett, führten zu keiner vorhandenen Aufnahme. So entstand die Idee, das Horchheim-Lied gemeinsam neu einzusingen und damit dauerhaft für kommende Generationen zu bewahren.

Zu Beginn der Aufnahmesitzung begrüßte der Vorsitzende des Männerchors, Hans Josef Schmidt, die Sänger sowie den Vorsitzenden der Heimatfreunde Andreas Weber, der die technische Umsetzung der Aufnahme übernahm. Er erinnerte daran, dass das Lied vielen Horchheimern seit Jahrzehnten bekannt sei und früher vor allem in geselliger Runde gesungen wurde. Eine offizielle Aufnahme habe es jedoch nie gegeben. Gerade deshalb sei es eine schöne Gelegenheit, das Lied nun gemeinsam mit den Heimatfreunden aufzunehmen.

Im Anschluss gab Hans-Peter Wüst interessante Einblicke in die Geschichte des Liedes und seiner musikalischen Bearbeitung. Bereits im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 800-jährigen Jubiläum der Pfarrei St. Maximin im Jahr 2014 sei er mehrfach auf das Horchheim-Lied angesprochen worden. Viele hätten gefragt, wo das Lied geblieben sei und ob man es nicht wieder aktivieren könne. Nachdem es bei der Jubiläumsfeier nochmals erklungen war, machte er sich auf die Suche nach dem ursprünglichen Notenmaterial und wurde schließlich im Nachlass seines Vaters fündig.

Dabei konnte Hans-Peter Wüst zugleich mit einer häufig geäußerten Annahme aufräumen. Sein Vater Hans Wüst (1909–1963) war nicht der Komponist des Liedes, sondern dessen Arrangeur. Auf dem erhaltenen Deckblatt der Noten ist Karl Wörsdörfer (1919–1994) ausdrücklich als Verfasser von Text und Melodie genannt. Außerdem bezeichnete Wörsdörfer das Stück als „Walzer-Lied“ – eine Bezeichnung, die auch auf die ursprüngliche Verwendung des Liedes hinweist.

Hans-Peter Wüst vermutet, dass das Lied im Zusammenhang mit der Fastnacht entstanden ist. Aus seiner Kindheit erinnerte er sich an den damaligen Kirchenchor, bei dem zu dieser Musik sogar Walzer getanzt wurde. Ursprünglich sei das Stück daher weniger als klassisches Heimatlied gedacht gewesen, sondern vielmehr als Schunkellied, ähnlich den bekannten Mainzer Fastnachtsliedern.

Besonders eindrucksvoll schilderte Hans-Peter Wüst die musikalische Laufbahn seines Vaters. Hans Wüst war in Horchheim und darüber hinaus als Musiker und Arrangeur bekannt. Bereits in jungen Jahren widmete er sich intensiv der Unterhaltungsmusik und spielte unter anderem im Tanzcafé Allmang in Niederlahnstein mit einer kleinen Kapelle. Damals gehörten Klavier, Geige, Bass und weitere Instrumente zur Besetzung. Durch diese Tätigkeit war er vielen Menschen in Horchheim bekannt.

Darüber hinaus war Hans Wüst als Musiker für das damalige Horchheimer Kino tätig. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden dort noch Stummfilme gezeigt, die musikalisch begleitet werden mussten. Häufig erhielt er kurzfristig den Auftrag, eine passende Begleitmusik für die jeweiligen Filme zusammenzustellen. Gemeinsam mit zwei oder drei weiteren Musikern entwickelte und arrangierte er die musikalische Untermalung. Diese Arbeit sei zwar mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen, habe ihm aber auch viel Freude bereitet und wertvolle musikalische Erfahrungen vermittelt.

Beim erneuten Studium der Noten fiel Hans-Peter Wüst außerdem auf, dass das vollständige Arrangement handschriftlich von seinem Vater stammt. Die Bearbeitung sei keineswegs einfach gehalten, sondern enthalte anspruchsvolle Harmonien. Daran zeige sich, dass hier ein Musiker gearbeitet habe, der nicht nur praktische Erfahrung besaß, sondern auch über fundierte Kenntnisse in Harmonielehre und musikalischem Satz verfügte.

Vor der eigentlichen Aufnahme spielte Hans-Peter Wüst zunächst ein kurzes Klaviervorspiel, um den Sängern Tempo, Charakter und musikalische Gestaltung des Liedes näherzubringen. Anschließend wurde die Melodie zunächst gemeinsam eingesummt, bevor die Aufnahme erfolgte. Mit einem Augenzwinkern verwies er dabei auch auf die ungewöhnlich hohe Lage des Liedes. Bereits im Vorfeld hatte Martin Jung in einer E-Mail darauf hingewiesen: „Vorsicht, das Lied ist verdammt hoch.“ Hans-Peter Wüst vermutete, dass diese Tonlage durchaus mit der früheren Aufführungspraxis zusammenhängen könnte – wenn das Lied nach geselligen Stunden mit Wein oder Bier und großer Begeisterung gesungen wurde.

Unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Wüst entstand schließlich eine Aufnahme, die ein wichtiges Stück Horchheimer Musikgeschichte dokumentiert. Die gemeinsame Arbeit von Heimatfreunden Horchheim und Sängern des Männerchors 1883/1912 Koblenz-Horchheim bewahrt das traditionsreiche Heimatlied vor dem Vergessen und macht es erstmals in einer Tonaufnahme dauerhaft zugänglich.

Die Aufnahme des Horchheimer Heimatliedes steht ab sofort auf dem Profil der Heimatfreunde Horchheim auf der Streamingplattform HearThis.at zur Verfügung. Direkt zum Lied gelangen Sie hier: „O Horchheim, mein Horchheim“.

Das Horchheimer Heimatlied – Geschichte und Hintergründe

Weitere Informationen zur Entstehung des Liedes, zu seinen Urhebern sowie der vollständige Liedtext und die Originalnoten stehen in den folgenden Beiträgen zur Verfügung.