Ein besonderes Projekt zur Bewahrung Horchheimer Kulturgeschichte konnte am 20. Juli 2026 verwirklicht werden: Die Heimatfreunde Horchheim haben gemeinsam mit Sängern des Männerchores 1883/1912 Koblenz-Horchheim das traditionsreiche Heimatlied „Oh Horchheim, mein Horchheim“ aufgenommen. Als Aufnahmeort diente die Taufkapelle der Pfarrkirche St. Maximin, deren besondere Akustik den passenden Rahmen für dieses Vorhaben bot. Die musikalische Leitung übernahm der Horchheimer Organist und Chorleiter Hans-Peter Wüst.
Die Initiative zu diesem Projekt ging von den Heimatfreunden Horchheim aus. Das Lied war bereits seit längerer Zeit mit seinem Text auf der Internetseite des Vereins dokumentiert, eine Tonaufnahme existierte jedoch bislang nicht. Auch Nachforschungen beim Männerchor und im Umfeld früherer Chorgemeinschaften, unter anderem beim ehemaligen Doppelquartett, führten zu keiner vorhandenen Aufnahme. So entstand die Idee, das Horchheim-Lied gemeinsam neu einzusingen und damit dauerhaft für kommende Generationen zu bewahren.
Zu Beginn der Aufnahmesitzung begrüßte der Vorsitzende des Männerchors, Hans Josef Schmidt, die Sänger sowie den Vorsitzenden der Heimatfreunde Andreas Weber, der die technische Umsetzung der Aufnahme übernahm. Er erinnerte daran, dass das Lied vielen Horchheimern seit Jahrzehnten bekannt sei und früher vor allem in geselliger Runde gesungen wurde. Eine offizielle Aufnahme habe es jedoch nie gegeben. Gerade deshalb sei es eine schöne Gelegenheit, das Lied nun gemeinsam mit den Heimatfreunden aufzunehmen.
Im Anschluss gab Hans-Peter Wüst interessante Einblicke in die Geschichte des Liedes und seiner musikalischen Bearbeitung. Bereits im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 800-jährigen Jubiläum der Pfarrei St. Maximin im Jahr 2014 sei er mehrfach auf das Horchheim-Lied angesprochen worden. Viele hätten gefragt, wo das Lied geblieben sei und ob man es nicht wieder aktivieren könne. Nachdem es bei der Jubiläumsfeier nochmals erklungen war, machte er sich auf die Suche nach dem ursprünglichen Notenmaterial und wurde schließlich im Nachlass seines Vaters fündig.
Dabei konnte Hans-Peter Wüst zugleich mit einer häufig geäußerten Annahme aufräumen. Sein Vater Hans Wüst (1909–1963) war nicht der Komponist des Liedes, sondern dessen Arrangeur. Auf dem erhaltenen Deckblatt der Noten ist Karl Wörsdörfer (1919–1994) ausdrücklich als Verfasser von Text und Melodie genannt. Außerdem bezeichnete Wörsdörfer das Stück als „Walzer-Lied“ – eine Bezeichnung, die auch auf die ursprüngliche Verwendung des Liedes hinweist.
Hans-Peter Wüst vermutet, dass das Lied im Zusammenhang mit der Fastnacht entstanden ist. Aus seiner Kindheit erinnerte er sich an den damaligen Kirchenchor, bei dem zu dieser Musik sogar Walzer getanzt wurde. Ursprünglich sei das Stück daher weniger als klassisches Heimatlied gedacht gewesen, sondern vielmehr als Schunkellied, ähnlich den bekannten Mainzer Fastnachtsliedern.
Besonders eindrucksvoll schilderte Hans-Peter Wüst die musikalische Laufbahn seines Vaters. Hans Wüst war in Horchheim und darüber hinaus als Musiker und Arrangeur bekannt. Bereits in jungen Jahren widmete er sich intensiv der Unterhaltungsmusik und spielte unter anderem im Tanzcafé Allmang in Niederlahnstein mit einer kleinen Kapelle. Damals gehörten Klavier, Geige, Bass und weitere Instrumente zur Besetzung. Durch diese Tätigkeit war er vielen Menschen in Horchheim bekannt.
Darüber hinaus war Hans Wüst als Musiker für das damalige Horchheimer Kino tätig. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden dort noch Stummfilme gezeigt, die musikalisch begleitet werden mussten. Häufig erhielt er kurzfristig den Auftrag, eine passende Begleitmusik für die jeweiligen Filme zusammenzustellen. Gemeinsam mit zwei oder drei weiteren Musikern entwickelte und arrangierte er die musikalische Untermalung. Diese Arbeit sei zwar mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen, habe ihm aber auch viel Freude bereitet und wertvolle musikalische Erfahrungen vermittelt.
Beim erneuten Studium der Noten fiel Hans-Peter Wüst außerdem auf, dass das vollständige Arrangement handschriftlich von seinem Vater stammt. Die Bearbeitung sei keineswegs einfach gehalten, sondern enthalte anspruchsvolle Harmonien. Daran zeige sich, dass hier ein Musiker gearbeitet habe, der nicht nur praktische Erfahrung besaß, sondern auch über fundierte Kenntnisse in Harmonielehre und musikalischem Satz verfügte.
Vor der eigentlichen Aufnahme spielte Hans-Peter Wüst zunächst ein kurzes Klaviervorspiel, um den Sängern Tempo, Charakter und musikalische Gestaltung des Liedes näherzubringen. Anschließend wurde die Melodie zunächst gemeinsam eingesummt, bevor die Aufnahme erfolgte. Mit einem Augenzwinkern verwies er dabei auch auf die ungewöhnlich hohe Lage des Liedes. Bereits im Vorfeld hatte Martin Jung in einer E-Mail darauf hingewiesen: „Vorsicht, das Lied ist verdammt hoch.“ Hans-Peter Wüst vermutete, dass diese Tonlage durchaus mit der früheren Aufführungspraxis zusammenhängen könnte – wenn das Lied nach geselligen Stunden mit Wein oder Bier und großer Begeisterung gesungen wurde.
Unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Wüst entstand schließlich eine Aufnahme, die ein wichtiges Stück Horchheimer Musikgeschichte dokumentiert. Die gemeinsame Arbeit von Heimatfreunden Horchheim und Sängern des Männerchors 1883/1912 Koblenz-Horchheim bewahrt das traditionsreiche Heimatlied vor dem Vergessen und macht es erstmals in einer Tonaufnahme dauerhaft zugänglich.
Die Aufnahme des Horchheimer Heimatliedes steht ab sofort auf dem Profil der Heimatfreunde Horchheim auf der Streamingplattform HearThis.at zur Verfügung. Direkt zum Lied gelangen Sie hier: „O Horchheim, mein Horchheim“.
Das Horchheimer Heimatlied – Geschichte und Hintergründe
Weitere Informationen zur Entstehung des Liedes, zu seinen Urhebern sowie der vollständige Liedtext und die Originalnoten stehen in den folgenden Beiträgen zur Verfügung.
Gemeinsam Geschichte erleben – unter diesem Motto machten sich die Heimatfreunde Horchheim am Samstag, 27. Juni 2026, auf den Weg nach Bonn. Ziel war das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Das Museum an der Museumsmeile in Bonn zeigt die deutsche Geschichte seit 1945 – vom Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg über die deutsche Teilung und Wiedervereinigung bis in die Gegenwart. Dabei stehen nicht nur politische Ereignisse im Mittelpunkt, sondern vor allem die Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen. Originale Gegenstände aus dem Alltag, Dokumente, Filme und Zeitzeugenberichte machen Geschichte anschaulich und lebendig.
Mit dem Bus bei sommerlichen Temperaturen nach Bonn
Schon im Vorfeld war klar: Die angekündigten Temperaturen würden den Ausflug zu einer besonderen Herausforderung machen. Bei fast 40 Grad wäre eine Fahrt mit der Bahn sicherlich nicht die angenehmste Lösung gewesen, sodass man froh war, mit dem gecharterten und klimatisierten Bus der Firma Kröber eine gute Alternative gefunden zu haben.
Rund 30 Heimatfreunde trafen sich an der Mendelssohn-Bushaltestelle. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Vorsitzende Mechthild Hof und den Vorsitzenden Andreas Weber ging es Richtung Bonn.
Die Fahrt entlang der B 9 bot schöne Ausblicke auf das Rheintal. Vorbei ging es an bekannten Orten wie Andernach mit dem Namedyer Werth und seinem Geysir oder Rolandseck mit dem Arp-Museum – vielleicht auch Anregungen für zukünftige Ausflüge der Heimatfreunde. Trotz der hohen Temperaturen verlief die Fahrt angenehm, und ein kurzer Regenschauer sorgte unterwegs sogar für eine kleine Abkühlung.
Am Haus der Geschichte angekommen, war es nur ein kurzer Fußweg bis zum Eingang. Auch im Museum selbst herrschten angenehme Temperaturen, sodass die Gruppe gut vorbereitet in den Rundgang starten konnte.
Zeitreise durch die Geschichte Deutschlands
Die nächsten drei Stunden verbrachten die Heimatfreunde in der Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“.
Mit dem Aufzug ging es zunächst in das oberste Stockwerk. Von dort führte der Rundgang chronologisch durch die Jahrzehnte – von der Nachkriegszeit über die deutsche Teilung und Wiedervereinigung bis in die Gegenwart.
Viele der gezeigten Objekte erzählen ihre eigenen Geschichten und machen vergangene Zeiten anschaulich. Zu sehen sind unter anderem ein selbst gebautes Fluchtflugzeug, eine Puppenwiege aus der Nachkriegszeit, ein Ford Transit aus dem Leben einer Einwandererfamilie oder ein Baumhaus als Zeichen der Umweltproteste vergangener Jahrzehnte. Auch das originale Grundgesetz von 1949 ist Teil der Ausstellung und erinnert an die Grundlagen unserer heutigen Demokratie.
Besonders interessant war die Verbindung von großen historischen Ereignissen mit den persönlichen Geschichten der Menschen. Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen, vom Alltag in der Bundesrepublik und der DDR, von Veränderungen, Hoffnungen und Herausforderungen. Gerade die Mischung aus Originalobjekten, Filmaufnahmen und interaktiven Stationen machte den Rundgang abwechslungsreich. Jeder konnte sich Zeit nehmen, die Bereiche zu erkunden, die besonders interessierten. Zwischendurch traf man sich immer wieder, tauschte Eindrücke aus oder legte eine Pause in der Cafeteria ein.
Zum Abschluss des Rundgangs blieb besonders die eindrucksvolle Medieninstallation am Eingang in Erinnerung: Unter dem Motto „Du bist Teil der Geschichte“ verbinden sich die Silhouetten der Besucherinnen und Besucher mit historischen Aufnahmen – ein passendes Bild für eine Ausstellung, die den Bezug zwischen Vergangenheit und eigener Lebensgeschichte immer wieder herstellt.
Rückfahrt und Abschluss im Mendelssohnpark
Gegen 17 Uhr traf sich die Gruppe wieder im Foyer des Museums, um die Rückfahrt anzutreten. Beim Verlassen des Gebäudes wurde erneut deutlich, wie heiß es inzwischen geworden war – die Temperaturen lagen bei über 40 Grad. Umso angenehmer war es, wieder im klimatisierten Bus Platz zu nehmen.
Die Rückfahrt nach Horchheim verlief ohne Probleme. Kurz vor der Ankunft bedankten sich Mechthild Hof und Andreas Weber noch einmal herzlich beim Busfahrer. Gleichzeitig wurde auf den geplanten Abschluss des Tages hingewiesen: die Veranstaltung „Vinothek on Tour“ – die mobile Weinbar – im Mendelssohnpark.
Eine kleine Besonderheit am Rande: Der Bus war, wie der Fahrer berichtete, auch beim Eishockey Club Neuwied im Einsatz und fiel daher bei der Ankunft in Horchheim sofort auf.
Zurück an der Mendelssohn-Bushaltestelle durfte ein gemeinsames Gruppenfoto nicht fehlen. Danach ging es für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter in den Mendelssohnpark. Dort warteten kühle Getränke, kleine Speisen und eine angenehme Atmosphäre. Für zusätzliche Erfrischung sorgte ein Wassernebel beziehungsweise Sprinkler im Park.
Ein Ausflug, der in Erinnerung bleibt
In geselliger Runde ließ man den Tag ausklingen und sprach noch einmal über die vielen Eindrücke des Museumsbesuchs. Am Ende waren sich alle einig: Trotz der außergewöhnlichen Hitze war es ein schöner und abwechslungsreicher Ausflug. Die Entscheidung für den klimatisierten Bus erwies sich als genau richtig und wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv aufgenommen. Auch die Rückmeldungen aus der Gruppe zeigten, dass sich die Fahrt gelohnt hatte: „Es war toll – alles richtig gemacht! Vielen Dank noch einmal an Mechthild und Andreas!“ Und eine weitere Rückmeldung brachte es auf den Punkt: „Da schließen wir uns an. Wann fahren wir nochmal, um alles gesehen zu haben?“
Das Haus der Geschichte in Bonn
Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an der Museumsmeile in Bonn ist ein Museum für deutsche Zeitgeschichte seit 1945. Mit rund 850.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich zählt es zu den meistbesuchten Museen in Deutschland. Es gehört zur Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ mit weiteren Standorten in Leipzig und Berlin. Der Eintritt ist frei, der Sitz der Stiftung befindet sich in Bonn.
Die Entstehung des Museums geht auf eine Initiative von Bundeskanzler Helmut Kohl zurück, der bereits 1982 den Auftrag formulierte, eine Sammlung zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufzubauen. In den folgenden Jahren wurden diese Pläne konkretisiert. 1986 begann die Umsetzung mit dem Aufbau einer Sammlung, der Planung der Ausstellung und dem Bau des Museums. 1990 beschloss der Deutsche Bundestag die rechtliche Grundlage für die Stiftung. Die Eröffnung des Hauses erfolgte am 14. Juni 1994 durch Helmut Kohl. Die Leitung der Stiftung lag zunächst viele Jahre bei Hermann Schäfer, später bei Hans Walter Hütter; seit 2022 ist Harald Biermann Präsident.
Die Dauerausstellung zeigt die deutsche Geschichte von 1945 bis in die Gegenwart. Auf rund 4.000 Quadratmetern werden mehr als 7.000 Exponate und zahlreiche Medienstationen präsentiert. Der Rundgang ist chronologisch aufgebaut und verbindet die politische Entwicklung der Bundesrepublik und der DDR mit gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Perspektiven.
Im Mittelpunkt steht dabei ein anschaulicher Zugang zur Geschichte. Unter dem Leitgedanken „Geschichte erleben“ werden Originalobjekte, Film- und Tondokumente sowie persönliche Erinnerungen so präsentiert, dass historische Entwicklungen greifbar werden. Neben politischen Ereignissen spielen Alltagskultur und individuelle Lebensgeschichten eine wichtige Rolle und ermöglichen den Dialog zwischen den Generationen. Ergänzend finden im Haus der Geschichte regelmäßig Tagungen und Veranstaltungen statt.
Ein besonderer Aspekt des Standorts ist seine archäologische Geschichte. Bereits bei den Bauarbeiten für das Museum im Jahr 1989 wurde ein gut erhaltener römischer Keller aus dem 2. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Weitere Funde im Umfeld des ehemaligen Regierungsviertels, darunter eine Thermenanlage und ein gallo-römischer Umgangstempel, zeigen, dass sich hier bereits in der römischen Zeit eine Siedlungsstruktur entwickelte. Der sogenannte „vicus Bonnensis“ weist auf erste städtische Entwicklungen im Raum Bonn hin.
Der römische Keller ist heute in den Museumsbau integriert und macht die lange historische Kontinuität des Ortes sichtbar – von der römischen Vergangenheit bis in die jüngere deutsche Geschichte.
Weiterführende Informationen: 🎧 Geschichte zum Hören – der Museumspodcast des Hauses der Geschichte Spannende Einblicke in deutsche Zeitgeschichte und besondere Exponate aus der Sammlung: https://podcast.hdg.de
Beethovens Großmutter plaudert aus dem Nähkästchen
Category: Presse
22. Juli 2026
Ausflug der Heimatfreunde Horchheim nach Ehrenbreitstein
Am Samstag, dem 9. Mai 2026, unternahmen die Heimatfreunde Horchheim einen besonderen kulturhistorischen Ausflug nach Ehrenbreitstein. Ziel war die szenische Lesung „Beethovens Großmutter plaudert aus dem Nähkästchen“, die von der gebürtigen Ehrenbreitsteinerin, Koblenzer Gästeführerin und Darstellerin historischer Figuren Marlis Weiß eindrucksvoll gestaltet wurde.
Bei bestem Frühlingswetter traf sich die Gruppe an der Bushaltestelle in Horchheim und fuhr gemeinsam mit der Linie 6 nach Ehrenbreitstein. Von dort ging es zu Fuß durch die Humboldtstraße zum Treffpunkt am Kapuzinerplatz. Hier stießen auch die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Gruppe, die mit dem Fahrrad oder dem Auto angereist waren. Insgesamt war die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt.
Empfangen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Herrn Weiß, bevor die Gruppe über den ehemaligen Klostergarten in die Räumlichkeiten hinter der Kapuzinerkirche geführt wurde. Dort waren Kirchenbänke aufgestellt, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Die besondere Umgebung verlieh der Veranstaltung von Beginn an eine eindrucksvolle Stimmung.
Nach einer herzlichen Begrüßung begann die Lesung. Marlis Weiß schlüpfte mit großer Ausdruckskraft in die Rolle von Anna Klara Keverich, der Großmutter mütterlicherseits von Ludwig van Beethoven. Obwohl Anna Klara ihren berühmten Enkel nie kennenlernen konnte – Beethoven wurde erst zwei Jahre nach ihrem Tod geboren –, gelang es der Darstellerin, die Verbindung zwischen Ehrenbreitstein und der späteren Beethoven-Familie lebendig und emotional greifbar werden zu lassen.
Mit viel Humor, Gefühl und detailreicher Sprache schilderte sie den Alltag des 18. Jahrhunderts in Ehrenbreitstein. Dabei erzählte sie von der Familie Keverich, vom Leben in der Wambachstraße, vom höfischen Umfeld des Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff und von ihrem Ehemann Johann Heinrich Keverich, der als Oberhofkoch am kurtrierischen Hof tätig war. Immer wieder verband Marlis Weiß historische Fakten mit persönlichen Gedanken und Gefühlen der dargestellten Figur, wodurch Geschichte unmittelbar lebendig wurde.
Besonders eindrucksvoll war die Schilderung des damaligen Ehrenbreitsteins mit der heute verschwundenen Philippsburg, den höfischen Festen, Feuerwerken, Jagdgesellschaften und den vielen Gästen aus nah und fern. Auch die berühmte „fliegende Brücke“ über den Rhein sowie die damalige Bedeutung Ehrenbreitsteins als barocker Residenzort wurden anschaulich beschrieben.
Im Mittelpunkt stand jedoch immer wieder Anna Klaras Tochter Maria Magdalena Keverich, die spätere Mutter Beethovens. Die Lesung machte deutlich, wie eng deren Herkunft mit Ehrenbreitstein verbunden war und wie sehr ihre Persönlichkeit und Erziehung später auch Ludwig van Beethoven geprägt haben dürften. Eindrucksvoll schilderte Marlis Weiß die schwierigen Lebensumstände Maria Magdalenas, ihre erste Ehe mit Johann Leym, die frühe Verwitwung sowie schließlich die Heirat mit Johann van Beethoven im Jahr 1767 in Bonn.
Bemerkenswert war dabei auch die intensive Vorbereitung von Marlis Weiß auf ihre Rolle. Als Autodidaktin hatte sie sich mit großer Leidenschaft in die wenigen überlieferten Quellen zur Familie Keverich eingearbeitet – darunter Kirchenbücher, kurfürstliche Aufzeichnungen und historische Überlieferungen aus Ehrenbreitstein. Gerade weil über bürgerliche Familien des 18. Jahrhunderts nur wenige Zeugnisse erhalten sind, gewann die Darstellung dadurch besondere Tiefe und Authentizität.
Auch zahlreiche zeitgeschichtliche Ereignisse flossen in die Darstellung ein: die Glanzzeit des Barock, das religiöse Leben jener Zeit, der Aufenthalt der Familie Mozart in Ehrenbreitstein sowie die Überführung des Heiligen Rocks auf die Festung während unruhiger Zeiten. Immer wieder wurde deutlich, wie stark persönliche Schicksale und große Geschichte miteinander verwoben waren.
Die Pause zwischen den beiden Teilen der Lesung nutzten viele Teilnehmer für einen Rundgang durch den idyllischen und bis heute genutzten Klostergarten. Das historische Ambiente passte hervorragend zum Thema des Nachmittags.
Der zweite Teil der Lesung widmete sich stärker den persönlichen Schicksalsschlägen Anna Klaras: dem plötzlichen Tod ihres Mannes Johann Heinrich Keverich im Jahr 1759, wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie der späteren Übersiedlung ihrer Tochter nach Bonn. Gerade diese Passagen wurden von Marlis Weiß besonders eindringlich und bewegend vorgetragen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten sich gut in die Gedankenwelt einer Frau des 18. Jahrhunderts hineinversetzen.
Großen Eindruck hinterließ auch die Darstellung des damaligen Frauenbildes im Zeitalter des Barock und der beginnenden Aufklärung. Immer wieder stellte die Lesung die Frage, wie Frauen jener Zeit lebten, welche Erwartungen an sie gestellt wurden und welchen Belastungen sie ausgesetzt waren.
Die Teilnehmer der Heimatfreunde zeigten sich tief beeindruckt von der Qualität der Aufführung. Die Mischung aus historischer Genauigkeit, lebendiger Sprache, Humor und emotionalem Vortrag machte die Veranstaltung zu einem besonderen Erlebnis. Der lang anhaltende und begeisterte Applaus am Ende der Lesung zeigte deutlich, wie sehr Marlis Weiß das Publikum berührt hatte.
Die Rückfahrt führte über Pfaffendorf zurück Richtung Horchheim. Da der Anschlussbus knapp verpasst wurde, nutzten einige Teilnehmer die Gelegenheit zu einem entspannten Spaziergang durch die schönen Pfaffendorfer Rheinanlagen, bevor es schließlich weiter nach Hause ging.
Alles in allem war es ein rundum gelungener Ausflug der Heimatfreunde Horchheim – mit spannenden historischen Einblicken, einer außergewöhnlich gelungenen Lesung und vielen schönen gemeinsamen Momenten. Ein herzlicher Dank gilt Marlis Weiß für die eindrucksvolle und mit viel Herzblut gestaltete Veranstaltung.
Historisches Ehrenbreitstein, die Kapuzinerkirche und das Mutter-Beethoven-Haus
Rund um den Kapuzinerplatz in Ehrenbreitstein wird die Geschichte des Stadtteils besonders anschaulich sichtbar. Geistliches Leben, höfische Residenzfunktion und kulturelles Erbe liegen hier eng beieinander.
Das ehemalige Kapuzinerkloster mit der heutigen Kapuzinerkirche Ehrenbreitstein wurde 1627 gegründet und zählt zu den ältesten Niederlassungen des Ordens im Rheinland. Nach der Zerstörung im Jahr 1636 erfolgte der Wiederaufbau zwischen 1652 und 1657. Die Anlage war durch ihre Lage am Rhein immer wieder von Hochwasser und historischen Umbrüchen betroffen, wurde 1803 säkularisiert und später teilweise abgetragen. Erhalten sind heute insbesondere die Kirche, Teile des Kreuzgangs und der Klosterzugang. Die schlichte Architektur der Kirche steht in bewusstem Kontrast zu den barocken Altären von Johannes Seiz.
Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich Ehrenbreitstein zu einer bedeutenden Residenzstadt der Trierer Kurfürsten. Mit der nahegelegenen Philippsburg Ehrenbreitstein entstand ein wichtiger Regierungssitz, der Verwaltung, Hofleben und städtische Entwicklung prägte. Barocke Bauten, enge Gassen und die Nähe zur Festung prägen bis heute das historische Stadtbild und erinnern an die politische Bedeutung des Ortes in kurfürstlicher Zeit.
Im Mutter-Beethoven-Haus Ehrenbreitstein in der Wambachstraße wurde 1746 Maria Magdalena Keverich geboren, die Mutter Ludwig van Beethovens. Das Haus stammt im Kern aus dem frühen 17. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Nach dem Erwerb durch die Stadt Koblenz wurde es 1975 als Gedenkstätte eröffnet und später zum Museum ausgebaut. Es erinnert heute eindrucksvoll an die familiären Wurzeln Beethovens und gehört zu den wichtigsten kulturhistorischen Erinnerungsorten des Stadtteils.
Text: Andreas Weber
Weiterführende Informationen und vertiefende Darstellungen finden sich hier:
Aus dem Depot ans Licht – Archäologische Funde aus Horchheim
Category: Geschichte
22. Juli 2026
Im Zuge von Sanierungs- und Inventarisierungsarbeiten im Ortsmuseum Horchheim wurde im Herbst 2025 eine umfangreiche Sammlung archäologischer und fossiler Objekte näher in den Blick genommen. Viele dieser Stücke waren bereits seit längerer Zeit im Bestand, ihre genaue Herkunft und wissenschaftliche Einordnung jedoch nur teilweise geklärt. Damit stellte sich die Frage, wie mit dieser Sammlung fachgerecht umzugehen ist.
Um hier Klarheit zu schaffen, wurde die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, hinzugezogen. Nach einer ersten Sichtung anhand einer Fotodokumentation erklärte sich die Fachbehörde bereit, die Objekte vor Ort zu begutachten.
Der erste Termin fand am 9. Dezember 2025 im Ortsmuseum statt. Dabei wurde die Sammlung gesichtet und eine erste Einordnung vorgenommen. Schnell zeigte sich, dass es sich nicht um eine einheitliche Sammlung handelt, sondern um eine Mischung aus archäologischen Funden und fossilen Objekten, die unterschiedliche fachliche Betrachtungen erfordern.
Ein zweiter Termin am 13. Januar 2026 diente der systematischen Sicherung und Dokumentation. In enger Zusammenarbeit wurden insgesamt 252 Fundstücke erfasst, nummeriert und fotografisch dokumentiert. Die Mitarbeitenden der Landesarchäologie stellten geeignetes Verpackungsmaterial zur Verfügung und unterstützten die fachgerechte Handhabung der teils empfindlichen Objekte.
Dokumentation der Sammlung (Januar 2026)Fachgerechte Sicherung der ObjekteBegutachtung der Fundstücke vor Ort
Im Anschluss erhielten die Beteiligten eine ausführliche Dokumentation mit Bestandsliste, Fotografien und fachlichen Beschreibungen ausgewählter Stücke. Damit liegt erstmals eine verlässliche Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der Sammlung vor.
Die Bandbreite der archäologischen Funde ist groß: Sie reicht von der Jungsteinzeit über Bronze- und Eisenzeit bis in das Hochmittelalter. Zu den bestimmten Objekten gehören unter anderem Steinwerkzeuge und Keramik der bandkeramischen Kultur, Gefäße der Urnenfelderzeit und der Hunsrück-Eifel-Kultur sowie hochmittelalterliche Keramik, darunter sogenanntes Protosteinzeug. Auch ein Reibstein, ein sogenannter „Napoleonshut“, aus der Latènezeit zählt zu den Funden.
Steinartefakte (Jungsteinzeit, 5500–4500 v. Chr.)Keramikfragmente und Pferdezahn (Jungsteinzeit, 5000–4000 v. Chr.)Silexartefakte (Jungsteinzeit, 5000–4000 v. Chr.)Silexartefakte (Jungsteinzeit, 5000–4000 v. Chr.)
Ergänzt wird die Sammlung durch Fossilien aus dem Raum Koblenz. Diese stammen aus dem Unterdevon und sind rund 410 Millionen Jahre alt – aus einer Zeit, als sich die Region in einem tropischen Flachmeer befand. Bestimmt werden konnten unter anderem Armfüßer, Trilobitenreste und weitere marine Organismen.
Brachiopode (Unterdevon, Ober-Emsium, ca. 410 Mio. Jahre)Seelilie (Unterdevon, ca. 410 Mio. Jahre)Muschelfossilien (Unterdevon, ca. 410 Mio. Jahre)Trilobit (Unterdevon, ca. 410 Mio. Jahre)Armfüßer-Fauna (Unterdevon, Ober-Emsium, ca. 410 Mio. Jahre)
Ein wesentliches Ergebnis der Zusammenarbeit ist die langfristige Sicherung der Funde. Die fossilen Stücke werden künftig im Naturhistorisches Museum Mainz aufbewahrt. Die archäologischen Objekte verbleiben in der Obhut der Landesarchäologie, wo sie fachgerecht gelagert, inventarisiert und für weitere wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich gemacht werden.
Für das Ortsmuseum bedeutet dies einen wichtigen Schritt: Die bislang nur teilweise erfassten Objekte sind nun dokumentiert, eingeordnet und gesichert.
Die Heimatfreunde Horchheim danken der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und insbesondere dem Team der Außenstelle Koblenz herzlich für die fachkundige Unterstützung, die sorgfältige Bearbeitung der Sammlung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Schüssel mit Henkel (Urnenfelderzeit, 1200–700 v. Chr.)Schüssel mit Henkel (Urnenfelderzeit, 1200–700 v. Chr.)Schrägrandschüssel (Urnenfelderzeit, 1200–700 v. Chr.)Schrägrandbecher (9. Jh. v. Chr.)Schrägrandbecher (9. Jh. v. Chr.)Kegelhalsbecher (9. Jh. v. Chr.)
Archäologie in Horchheim – ein Blick über das Museum hinaus
Die Vielfalt und die große zeitliche Spannweite dieser Funde sind kein Zufall. Sie spiegeln vielmehr das wider, was sich auch außerhalb des Museums beobachten lässt: Der Raum um Horchheim ist seit sehr langer Zeit genutzt worden.
Die Lage spielt dabei eine entscheidende Rolle. Horchheim liegt am Rhein und zugleich am Übergang zur Horchheimer Höhe, die als Höhenrücken eine natürliche Verbindung in Richtung Westerwald bildet. Gleichzeitig befindet sich hier ein Übergangsbereich zwischen Rhein- und Lahntal. Solche Lagen bündeln Wege – und wo Wege sind, sind über lange Zeiträume hinweg auch Menschen unterwegs.
Archäologische Hinweise belegen eine Nutzung bereits in vorgeschichtlicher Zeit. Funde aus der Jungsteinzeit stehen neben solchen aus der Hallstatt- und La-Tène-Zeit und zeigen, dass der Raum immer wieder aufgesucht und genutzt wurde.
Das Rheinufer als Fundort
Ein besonders fundreicher Bereich ist das Rheinufer bei Horchheim, vor allem im Bereich von Stromkilometer 588. Hier wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Funde gemacht, die einen weiten zeitlichen Rahmen abdecken.
Den größten Anteil bilden Keramikscherben. Sie sind meist klein und durch die lange Lagerung im Wasser stark abgerundet, lassen sich aber dennoch verschiedenen Epochen zuordnen. Die ältesten Stücke reichen bis an das Ende der Urnenfelderkultur zurück. Hinzu kommen römische Fragmente sowie zahlreiche Scherben aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit.
Besonders häufig sind lehmglasierte Steinzeuge des 14. und 15. Jahrhunderts sowie Westerwälder Steinzeug aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Auch Ofenkacheln, darunter Stücke mit dem sogenannten „Mainzer Rad“, gehören zu den Funden. Daneben finden sich Glasreste, etwa von Waldglasgefäßen, sowie verschiedene Alltagsgegenstände wie Teile von Dreibeingefäßen, Pfannenstiele oder Tonsiebe.
Mit dem 18. und 19. Jahrhundert treten zunehmend industriell gefertigte Produkte auf, etwa Bitterwasserkrüge oder sogenanntes Bildergeschirr. Diese Funde geben Einblick in veränderte Lebensgewohnheiten und Handelsbeziehungen.
Die Zusammensetzung erklärt sich aus der Nutzung des Rheins über viele Jahrhunderte hinweg. Der Fluss diente nicht nur als Verkehrsweg, sondern auch als Entsorgungsort. Gleichzeitig gingen am Ufer und bei der Nutzung immer wieder Gegenstände verloren.
Münzfunde und Fährverbindung
Neben Keramik spielen Münzfunde eine wichtige Rolle. Im Bereich des Rheinufers wurden Stücke aus verschiedenen Zeiten entdeckt, von der römischen Kaiserzeit bis in das 19. Jahrhundert.
Darunter befinden sich römische Kleinkupfermünzen ebenso wie mittelalterliche Silberheller und neuzeitliche Prägungen aus unterschiedlichen Regionen, etwa aus Trier, Köln, Nassau oder den Niederlanden.
Die Fundstelle liegt im Bereich einer früheren Fährverbindung zwischen Horchheim und dem Oberwerth. Diese Verbindung bestand über lange Zeit und wurde intensiv genutzt. Es liegt nahe, dass ein Teil der Münzen beim Übersetzen verloren ging.
Für die römischen Münzen wird darüber hinaus vermutet, dass sie teilweise bewusst als Opfergaben in den Rhein gegeben wurden. Die Häufung jüngerer Münzen könnte wiederum darauf hindeuten, dass dieser Übergang zeitweise genutzt wurde, um offizielle Zollstellen zu umgehen.
Der Eisenbahnbau und ein besonderer Fund
Ein größerer Fund wurde im Jahr 1876 beim Bau der Eisenbahnbrücke zwischen Horchheim und dem Oberwerth gemacht. Bei den Arbeiten kamen zahlreiche Gegenstände zutage, darunter Keramik, Tierknochen, Werkzeuge und Metallobjekte.
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein goldener Armreif, der vermutlich aus der keltischen Zeit stammt. Zeitgenössische Berichte beschreiben ihn als aus mehreren Golddrähten gewundenes Schmuckstück.
Der Armreif wurde wissenschaftlich untersucht und später im Koblenzer Schloss aufbewahrt. In den folgenden Jahrzehnten verliert sich jedoch seine Spur. Nach einem Einbruch in den 1920er Jahren gilt das Stück als verschollen.
Alte Wege und Siedlungsspuren
Auch abseits des Rheins lassen sich archäologische Hinweise finden. Eine wichtige Rolle spielt die heutige Alte Heerstraße, die früher als Viehgasse oder Römerstraße bezeichnet wurde.
Dieser Weg verband den Rhein mit der Höhe und wurde über lange Zeit genutzt. Entlang dieser Strecke wurden Funde aus unterschiedlichen Epochen gemacht, darunter Hinweise auf römische Siedlungen und ein Gräberfeld im Bereich Niederfeld.
Am Geierskopf wurden zudem Reste aus der La-Tène-Zeit entdeckt, die auf eine Befestigung oder Fliehburg hindeuten könnten. Auch Funde wie Werkzeuge und Waffen aus Eisen wurden in diesem Zusammenhang gemacht.
Ein Blick auf das Ganze
Die im Ortsmuseum erfassten und gesicherten Funde stehen damit nicht für sich allein. Sie fügen sich in ein größeres Bild ein, das sich an vielen Stellen in Horchheim nachvollziehen lässt.
Rheinufer, alte Wege, Übergänge und Höhenlagen zeigen zusammen, dass der Raum über sehr lange Zeit hinweg genutzt wurde. Viele Funde sind unscheinbar, lassen sich aber zeitlich einordnen und tragen dazu bei, die Entwicklung des Ortes besser zu verstehen.
So entsteht aus einzelnen Stücken und Beobachtungen nach und nach ein Zusammenhang – und ein Blick auf eine Geschichte, die weit über das hinausreicht, was auf den ersten Blick sichtbar ist.
Text: Andreas Weber
Details zu den Funden
Tableau I
Abb. 1 Konvolut aus mehreren Steinartefakten, darunter Dechsel, Beile und eine Axt 5500–4500 v. Chr. Die Steinartefakte sind aus unterschiedlichem Felsgestein. Diese wurden grob zurechtgeschlagen, gepikt und glattgeschliffen. Zudem lassen sich Gebrauchsspuren erkennen. Aufgrund der lateralen Konvergenz lassen sie sich in die ältere Jungsteinzeit datieren (bandkeramische/Rössener Kultur). Fundort: vermutlich Koblenz-Rübenach Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_142–233
Abb. 2 Konvolut an bandkeramischen Scherben und einem Pferdezahn 5000–4000 v. Chr. Der Pferdezahn vom Unterkiefer eines jungen adulten Pferdes weist starke Verbrennungsspuren auf. Die Keramikscherben stammen von Kugelbechern, sog. Kümpfen, und von mit Knubben bestückten Vorratsgefäßen. Die Knubben dienten als Henkel, an denen die Gefäße wahrscheinlich im Hausinneren aufgehängt waren. Die Keramikfragmente sind mit Spiral- und Winkelbändern verziert, die typisch für die bandkeramische Kultur sind. Die Vertiefungen waren mit einer weißen, kalkhaltigen Substanz aufgefüllt, die in Teilen noch erhalten ist; dies nennt man Inkrustation. Das Konvolut lässt sich in die ältere Jungsteinzeit datieren. Fundort: vermutlich Koblenz-Rübenach Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_108–141
Abb. 3 a / Abb. 3 b Konvolut an jungsteinzeitlichen Silexartefakten 5000–4000 v. Chr. Klingen, Kratzer, Pfeilspitzen und Roteisensteine (Hämatite). Einige Klingen weisen den typischen Glanz auf, der mit Sichelklingen assoziiert und deshalb auch Sichelglanz genannt wird. Die Artefakte bestehen hauptsächlich aus hellgrau-belgischem und Maasfeuerstein. Die Roteisensteine wurden abgerieben und das dabei entstehende rote Pulver als Schminkstoff und Sonnenschutz verwendet. Das Konvolut lässt sich in die ältere Jungsteinzeit datieren und gehört zur bandkeramischen Kultur. Fundort: vermutlich Koblenz-Rübenach Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_142–233
Abb. 8 Großgefäß aus der Übergangszeit zwischen der Laufelder Gruppe und der Hunsrück-Eifel-Kultur 7. Jahrhundert v. Chr. Fragmentiertes Großgefäß mit überglätteter Oberfläche. Unter dem leicht ausbiegenden Rand verläuft eine Verzierung aus Fingertupfen im Halsbereich. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_30
Abb. 9 Töpfe der Hunsrück-Eifel-Kultur 6.–5. Jahrhundert v. Chr. Zwei fragmentierte Töpfe mit rau belassener Oberfläche und umlaufenden Fingertupfenverzierungen im Schulter- und im ausbiegenden Randbereich. Die Töpfe datieren in die späte Hallstatt- und die frühe Latènezeit, die in unserer Gegend als Hunsrück-Eifel-Kultur vertreten ist. Fundort: nicht eindeutig feststellbar Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_27
Abb. 10 Reibstein aus der Latènezeit 5.–3. Jahrhundert v. Chr. Der Reibstein besteht aus weicher Basaltlava. Das Gestein ist durch seine poröse Struktur nicht nur leicht zu bearbeiten, sondern ermöglicht auch ein effektiveres Mahlen von Getreide. Aufgrund seiner Form wird der Reibstein Napoleonshut genannt. Er datiert in die jüngere Eisenzeit (Lt A/B) und lässt sich so in die jüngere Hunsrück-Eifel-Kultur einordnen. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_234
Abb. 11 Hochmittelalterliche Alltagskeramik, sog. Protosteinzeug 13.–14. Jahrhundert n. Chr. Zwei große Krüge mit den namensgebenden, zur Stabilisierung dienenden Wellenfüßen. Die braunen Gefäße weisen den typischen Kragenrand mit Dreiecksprofil sowie verschieden stark ausgeprägte Drehrillen auf der Gefäßwandung auf. Der kleine Becher hat einen weniger ausgeprägten Wellenfuß. Aufgrund der charakteristischen Engobe-Bemalung im Schulterbereich ist dieser Becher der Pingsdorfer Keramik zuzuordnen. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_24–26
Daten zu fotografierten Fossilien aus der ehemaligen Sammlung im Museum Horchheim
Alle diese Fossilien wurden im Raum Koblenz gefunden. Die Tiere lebten vor etwa 410 Millionen Jahren in einem relativ flachen, tropischen Meer. Die Region lag damals nur wenig unterhalb des Äquators. Die Stücke werden künftig im Naturhistorischen Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz aufbewahrt.
E103197, leg. K. Fabiszisky Armfüßer (Brachiopode), Pachyschizophoria vulvaria Unterdevon, Ober-Emsium Eschbachtal bei Waldesch
Gips-Abguss einer Seelilie (Crinoidea), Ctenocrinus rhenanus (Original Slg. W. Mathesius) Unterdevon, Ober-Emsium Aspeler Bachtal bei Niederfell
KB102777, leg. K. Fabiszisky 6/1977 Ansammlung von Muschelschalen, u. a. Cornellites sp., Tolmaia sp. Unterdevon, Ober-Emsium, tiefe Hohenrhein-Schichten Stadtwald Koblenz, oberes Kleinbornsbachtal („Kühkopf“, BO 5 in Eichele 2014)
AS116295a/-22/4.95, leg. K. Fabiszisky 4/1995 Schwanzschild (Pygidium) eines Dreilappkrebses (Trilobita), cf. Treveropyge sp. Unterdevon, Ober-Emsium Aspeler Bachtal bei Niederfell
Ansammlung von Armfüßern, u. a. Euryspirifer paradoxus (oben links) und Iridistrophia (Flabellistrophia) hipponyx (rechts) Unterdevon, Ober-Emsium Oberlahnstein, Nähe Kurzentrum
Abb. 4 a / Abb. 4 b Schüssel mit Henkel aus der Urnenfelderzeit 1200–700 v. Chr. Die flache, weitmündige und leicht geschwungene Schüssel hat einen deutlich abgesetzten Boden. Am Rand ist ein kleiner Henkel angesetzt. Dieser Gefäßtypus tritt in der gesamten Urnenfelderzeit auf und lässt sich aufgrund dessen als Durchläufer bezeichnen. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_37–38
Abb. 5 Schrägrandschüssel aus der Urnenfelderzeit 1200–700 v. Chr. Die weitmündige und trichterförmige Schüssel weist einen flachen, leicht abgeschrägten Rand auf. Der Boden setzt sich erkennbar ab. Die Schrägrandschüssel datiert in die späte Bronzezeit (Ha/B), die aufgrund der vorherrschenden Bestattungssitten auch Urnenfelderkultur genannt wird. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_31–36
Abb. 6 a / Abb. 6 b Schrägrandbecher aus der Urnenfelderzeit 9. Jahrhundert v. Chr. Schrägrandbecher mit geglätteter Oberfläche. Unter dem gekehlten Rand im Halsbereich verläuft eine Kreisaugenverzierung. Im Bauchbereich des spitzbodigen Bechers ist ein Band mit gegensinnig verlaufender doppelliniger Dreiecksmusterung zu erkennen, die nach oben und unten von Riefen eingefasst wird. Der Schrägrandbecher datiert in die späte Bronzezeit (Ha/B), die aufgrund der vorherrschenden Bestattungssitten auch Urnenfelderkultur genannt wird. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_37–38
Abb. 7 Kegelhalsbecher aus der Urnenfelderzeit 9. Jahrhundert v. Chr. Der kleine bauchige Kegelhalsbecher mit abgeschrägtem Rand und Spitzboden weist Schulterriefen auf. Der Becher datiert in die späte Bronzezeit (Ha/B), die aufgrund der vorherrschenden Bestattungssitten auch Urnenfelderkultur genannt wird. Fundort: unbekannt Verbleib: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, Inv. Nr. 2026_0005_31–36
Erfolgreicher Rundgang durch Horchheim als wichtiger Schritt für das KuLaDig-RLP-Projekt
Bei strahlendem Frühlingswetter und bester Stimmung trafen sich am 14. April 2026 zahlreiche Beteiligte zu einem besonderen Rundgang durch Horchheim: Vertreter der Heimatfreunde Horchheim, des KuLaDig-RLP-Projekts der Universität Koblenz, des Kulturamts der Stadt Koblenz sowie der beteiligten Fachämter – Tiefbauamt, Eigenbetrieb Grünflächen und Bestattungswesen sowie Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung – kamen zusammen, um sich vor Ort ein Bild vom geplanten Mendelssohn-Rundweg zu machen.
Treffpunkt war die Bushaltestelle Mendelssohn – ein bewusst gewählter Ort, der künftig auch den Auftakt für Besucherinnen und Besucher des Rundwegs bilden soll. Von hier aus entwickelte sich ein knapp zweistündiger Rundgang, der nicht nur historische Einblicke bot, sondern vor allem eines zeigte: Das Projekt „Mendelssohn in Horchheim“ nimmt konkrete Formen an.
Geschichte wird vor Ort lebendig
Bereits im Mendelssohn-Park wurde deutlich, welche Bedeutung die Familie Mendelssohn für Horchheim hatte. An der Stelle des ehemaligen Mendelssohn-Palais, das nach einem Brand 1970 abgerissen wurde, erinnert heute noch das markante Rundtürmchen an die einstige Anlage. Hier verbrachte die Familie seit 1818 die Sommer- und Herbstmonate – eine Zeit, in der Horchheim Teil eines kulturellen Netzwerks wurde, das weit über die Region hinausstrahlte.
Nur wenige Schritte weiter steht die Stele zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy, der wiederholt in Horchheim weilte. Sie macht deutlich, dass der Ort nicht nur Rückzugsort, sondern auch Inspirationsquelle war.
Auch das ehemalige Teehaus im Park, später als „Lutherkapelle“ genutzt, sowie die eindrucksvolle Mendelssohn-Allee mit ihren alten Linden vermittelten den Teilnehmenden ein anschauliches Bild der historischen Parkanlage. Der Weg führte weiter entlang des Rheinufers und durch die Unterführung zurück in den Ort – eine Strecke, die künftig Besucher ganz bewusst durch unterschiedliche Zeitschichten Horchheims führen soll.
Engagement für Bildung und Gemeinwesen
Ein wichtiger Halt war die Joseph-Mendelssohn-Schule. Sie geht auf eine Stiftung der Familie aus dem Jahr 1840 zurück und steht bis heute für das soziale Engagement der Mendelssohns vor Ort.
Auch in der Pfarrkirche St. Maximin wurde diese enge Verbindung sichtbar: Die Kopie der „Sixtinischen Madonna“, gestiftet im Jahr 1865, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Beziehung.
Im Ortsmuseum der Heimatfreunde Horchheim erhielten die Teilnehmenden schließlich einen vertiefenden Einblick: Die dort präsentierte Mendelssohn-Ausstellung mit historischen Fotografien, Porträts und Ansichten des ehemaligen Palais veranschaulicht eindrucksvoll die Geschichte der Familie und ihre Bedeutung für den Ort.
Den Abschluss bildete die heutige Mendelssohnstraße, deren Umgebung eng mit den früheren Besitzungen der Familie verbunden ist. Von hier aus führte der Weg über die Eisenbahnüberführung zurück in Richtung Mendelssohn-Park. Durch den rückwärtigen Zugang schloss sich schließlich der Kreis: Der Rundgang endete wieder am Ausgangspunkt und machte anschaulich, wie sich die einzelnen Stationen zu einem geschlossenen Rundweg verbinden lassen.
Ideen für eine moderne Vermittlung
Neben der historischen Spurensuche stand vor allem die Zukunft des Rundwegs im Mittelpunkt. Wie lässt sich Geschichte heute so vermitteln, dass sie Menschen anspricht und zum Entdecken einlädt?
Ein zentrales Thema war dabei die geplante Einbindung von QR-Codes, über die Besucherinnen und Besucher direkt vor Ort auf digitale Inhalte zugreifen können. Diskutiert wurden verschiedene Möglichkeiten – von klassischen Informationstafeln über dezente Plaketten bis hin zu vandalismussicheren, dauerhaft integrierten Lösungen in Stein oder Metall. Einig war man sich: Entscheidend ist eine hochwertige, langlebige und zugleich zurückhaltende Gestaltung, die sich harmonisch in das Ortsbild einfügt.
Neue Wege: Urban Art im historischen Kontext
Besonders spannend war die Diskussion um den Einsatz von Urban Art entlang des Rundwegs. Gerade bislang wenig beachtete Orte – etwa Unterführungen oder technische Infrastrukturen – könnten so gestalterisch aufgewertet und zugleich inhaltlich erschlossen werden.
Urban Art bietet die Chance, Geschichte auf neue Weise sichtbar zu machen – nicht als reine Information, sondern als visuelles Erlebnis im öffentlichen Raum. In Verbindung mit digitalen Angeboten wie KuLaDig entsteht so ein moderner Zugang zur Ortsgeschichte, der unterschiedliche Generationen anspricht.
Gute Zusammenarbeit als Grundlage
Der Rundgang machte deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten der städtischen Ämter – von Genehmigungen über Standortfragen bis hin zur gestalterischen Einbindung – wurden vor Ort praxisnah besprochen.
Gerade dieser direkte Austausch erwies sich als besonders wertvoll: Viele Fragen konnten unmittelbar geklärt, Ideen weiterentwickelt und mögliche Lösungen gemeinsam gedacht werden.
Ein Projekt mit Perspektive
Der Mendelssohn-Rundgang am 14. April war damit weit mehr als eine reine Ortsbegehung – er war ein wichtiger Meilenstein für ein Projekt, das die Geschichte Horchheims auf neue Weise erlebbar machen will.
Mit dem geplanten Rundweg entsteht ein Angebot, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet, historische Orte sichtbar macht und zugleich moderne Formen der Vermittlung nutzt. Die positiven Eindrücke und die konstruktive Zusammenarbeit lassen erwarten, dass der Mendelssohn-Rundweg schon bald Gestalt annimmt – und Horchheim um einen weiteren bedeutenden Aspekt seiner lebendigen Ortsgeschichte bereichert.