Jesuiten-Hof

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Texte und Bilder der folgenden Seiten sind aus einem Artikel von Manfred Gillessen in der Horchheimer Kirmeszeitung 1993 entnommen.

In der Müfflingstraße, die im Lauf der Jahrhunderte öfters ihren Namen nach den in der Gasse gelegenen Höfen und Anwohnern wechselte und einmal Beckers-, Ebentheuer- oder Pallantsgasse, dann wieder Jesuiten-, Hartmanns- oder Schneidersgasse hieß, liegt das ehemalige Hofhaus der Koblenzer Jesuiten.
Das Haus, das um 1450 erbaut wurde und baugeschichtlich äußerst interessant ist (s. Udo Liessem: Mehr als ein halbes Iahrtausend, in: Kirmes-Magazin 1978 S. 22f., 55), wurde 1978 vom derzeitigen Besitzer Dr Leis hervorragend restauriert und ist heute ein Schmuckstück für Horchheim.

Jesuitenhof Horchheim mit Garten

Jesuitenhof Horchheim mit Garten

Am 22.7.1636 vermachten die Brüder Johannes, Gerhard und Hubert Hochleuchter, die alle in den Jesuitenorden eingetreten waren, und ihre Schwester Margaretha, Priorin nr St. Katharinen bei Linz, ihre elterlichen Güter zu Horchheim (Haus, Hof, Acker und Weingärten) den Jesuiten zu Koblenz.

In das Hofhaus samt Hof und gegenüber gelegenem Garten war ihr Stiefvater der Handelsmann Johannes Martmann von Eckershagen aus Koblenz, der nach dem Tod des Vaters Peter Hochleuchter ihre Mutter Magdalena Wendel geheiratet hatte -am 1.3.1630- vom Horchheimer Gericht eingesetzt worden.
Vorausgegangen war, daß am 4.2.1578 Sebastian Kurtzschenckel und seine Frau Katharina von Horchheim bei Margaretha – Witwe des Koblenzer Ratsgenossen Wendel Weber und Urgoßmutter der Geschwister Hochleuchter 200 Gulden gegen jährliche Zahlung von einem halben Fuder guten Weins aufgenommen und zur Sicherheit ihr Haus, den Hof samt Garten sowie eine Hecke ,,auf Ahrfeld” und drei Weingärten versetzt hatten.
Doch seine Erben, vor allem der zweite Mann seiner Frau, Marx von Kapellen, und sein Sohn Peter Kurtzschenckel, konnten die Schulden nicht zurückzahlen, so daß es 1630 zur zwangsweisen Übertragung des Hauses und der verpfändeten Güter auf Johannes Martmann kam.
Zuvor war am 11.6.1615 diese Schuldverschreibung bei der Erbteilung der Witwe Margarethe des Koblenzer Schöffen Georg Wendel am Wendel Wambach von Koblenz gelangt.
Dieser verkaufte die Pfandverschreibung am 29.4.1616 seinem Schwager Johannes Martmann für 200 Gulden.
Martmann selbst vergrößert den Besitz in Horchheim und Niederlahnstein beträchtlich, indem er zukauft bzw. versucht, durch weitere Pfandverschreibungen in den Besitz von Ländereien zu gelangen.
So kauft er 1620 ein Feld ,,auf Bruch” von Johann Eych von Niederlahnstein und wird 1622 vom Niederlahnsteiner Gericht in die Güter des Gerlach von Aimbs (Ems), nämlich vier Felder und drei Weingärten, wegen rückständigen Kapitals von 100 Gulden nebst Zinsen seit dem 5.3.1616 eingesetzt.
Am 2l .71.1622 kauft er von Thomas von Lantzeradt (Horchheim) eine Wiese und fünf Weingärten zu Niederlahnstein für 110 Gulden, und am 7.12.1623 tauscht er mit der St. Johanneskirche Niederlahnstein Weingartsbesitz.
Im selben Jahr erhält er zudem noch drei Landstücke zu Niederlahnstein von dem dortigen Bürger Philipp Pitzbach.
Schon der erste Ehemann seiner Frau, Peter Hochleuchter, war am 14.1. 1603 wegen einer Schuld von 49 Gulden in eine Wiese “im Altenberg” und drei Wingerte aus dem Besitz des Valerius von Siegen in Niederlahnstein durch das dortige Gericht eingesetzt worden.
Schließlich wird Martmann noch wegen einer lang ausstehenden Schuld von 22 GuIden vom Niederlahnsteiner Schultheißen Johann Dietterich am 21.9.1634 ein Weingarten “im Mittelgesetz” und ein Feld “im Loe” aus dem Besitz des Koblenzer Arztes Dr. Johann Eberhard Palland, ebenfalls Hofbesitzer in Horchheim, gerichtlich eingeräumt.
In Horchheim löst Martmann am 22.7.1626 25 Gulden Schuld, die Peter Birlenbach bei der Kirche stehen hatte, ab und erhält dafür die zwei versetzten Weingärten “in Dimbitzerheiden” und “auf dem Preuspel”.
Den Wingert in der Dimbitzerheiden hatte der damalige Schultheiß Friedrich Schwickert am 24.4.1560 der Kirche gegen 40 Gulden Kapital versetzt. Diese Schuld war dann im Erbgang an Peter Birlenbach von Horchheim gelangt.
Sodann streckt Martmann am 1.4.1626 dem Johannes Herdorff von Horchheim 50 Gulden vor, um damit Schulden von Herdorffs verstorbenem Schwiegervater Wilhelm Hirscheit bei den Erben des Schöffen Baltes Breissiger abzutragen, wofür Martmann zwei Weingärten (“im Lohe” und “in der Anwend”) erhält.

Vereinigung mit den “brandenburgischen” Gütern

Diesen ganzen Besitz in Horchheim und Niederlahnstein – neben einem von Jacob Mant am 25.1.1564 an den Koblenzer Ratsgenossen Ludwig Becker für 87 Gulden verkauften Weingarten, der später an Georg Wendel gelangt war – finden die Jesuiten in gutem acker- und weingartsbaulichem Zustand bei der Schenkung 1636 vor und vereinigen ihn mit den “brandenburgischen” Gütern, die sie am 25.8.1607 von Hugo Augustin von Schoenenburg,
Herr zu Hartelstein, trierischen Rat und Amtmann zu Prüm, Schönecken, Schönenburg und Hillesheim, für 400 Gulden gekauft hatten.
Zu diesem Besitz gehörten Güter zu Ober- und Niederlahnstein, Horchheim, Kärlich, Mülheim, Bendorf, Alsbach und Linz sowie ein Teil an der Fischerei bei der Loreley.
Da die Kaufsumme augenscheinlich zu niedrig angesetzt war, entstanden Streitigkeiten mit den Schoenenburgschen Erben, die am 12.4.1664 beendet wurden: die Jesuiten zahlten nochmals 1200 Reichstaler an die Erben, die Brüder Wolfgang Wilhelm, Casimir Wilhelm und Emmerich Ernst von Wiltperg, Herren zu Hartelstein, Ulmen, Starckenburg und Arras.

Vogteirechte

Arrondierung des Besitzes

Horchheimer Hofleute

Unterhaltung und Größe des Hofs

Streitigkeiten

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