Jesuitenhof Horchheimer Hofleute

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Der Hof wird in der Regel auf 12 Jahre gegen die Hälfte des Traubenertrages vergeben.
Die erste Verlehnung durch die Jesuiten datiert vom 20.1 .1640:
Hofmann wird der im Dreißigjährigen Krieg zugezogene Paulus von Camp, der wohl aus Kamp stammte.
Die Familie nennt sich später nur Camp/Kamp und verbreitete sich im 18. Jahrhundert sehr rasch in Horchheim.
Hervorzuheben ist der Sohn von Paulus, der Send- und Gerichtsschöffe Hans Gerhard Camp,der vom Steinscher Hofmann und wittgensteinscher Vogt und Kellner auf dem sogenannten Kaaf,dem ehemals Steinschen Burghaus auf halber Höhe des Sayner Burgberges, war.
Sein Grabstein in Lahnmarmor ist heute in der südlichen Wand bei der Kirche eingemauert und trägt folgende Inschrift:

Jesuitenhof Grabstein an der Pfarrkirche

Jesuitenhof Grabstein an der Pfarrkirche

JOHAN GERHART KAMP ALT 65 JAHR IN
DER EHE MIT SEINER HAUSFRAUWEN
MARIA BRHTTBACH ( Breittbach) GENANT
KAMPIN 39 JAHR STARB ANNO 17O4 DEN
29 OCTOBER DESEN SEELEN GOTT GE-
NADIG SEYN WOELE AMEN ACH ACH
WAS IST FUR GROSSE PEIN GOTTES AN-
GESICHT BERAUBET SEIN.

Ein weiterer Zweig der Familie sitzt seit Ende des 17 . Jahrhunderts und fast während des gesamten 18. Jahrhunderts als Hofleute auf dem großen Hof des Stifts St. Florin. Der erste Hofmann Paulus Camp stirbt im Juli 1661 . Ihm folgen als Hofleute seine Witwe Barbara und sein Sohn Johannes bis zum Jahr 1663, in dem dessen Schwiegersohn Jacob Neel der Pachtung beitritt.Von 1666 bis 1676 steht Neel dem Hof allein vor. Ihm folgtvon 1676 bis 1684 Johannes Scholten mit seiner Frau Sophia Pint.

Am 28.10.1684 übernehmen Anton Zeutzem und seine Frau Maria Flory, Tochter des mit seinem Vater Caspar Flory aus Alveney in Graubünden eingewanderten Maurers Cornelius Flory, den Hof.Zeulzem/Zeutzheim entstammt einer Familie, die im 17. Jahrhundert in Pfaffendorf, Horchheim und Niederlahnstein schon starkvertreten war.In Horchheim selbst kommt als ersten Namensträger schon 1572 ein Symon Zeylzem vor.Bei Antritt der Pacht verpflichtet sich Zeutzheim, jährlich 400 neue Weinstöcke zu setzen,und erhält dafür von den Jesuiten je 1 Malter Korn, Weizen und Speltz. Er wird aber schon im Oktober 1687 wegen schlechten Baus abgesetzt

.Am 1 .1 1 .1687 verlehnen die Jesuiten den Hof an Simon Saur und seine Frau Eulalia Göbell, Tochter des Send- und Gerichtsschöffen und Schuhmachers Peter Göbell, gegen die Hälfte der Trauben und die Verpflichtung, jährlich 1000 Stock neu anzupflanzen. Saur, der 1700 von den Jesuiten als Untervogt am Horchheimer Gericht eingesetzt wird, stirbt 1703. Seine Witwe heiratet am 15.1.I704 Johann Georg Hartmann. Sie selbst stirbt 1710. Hartmann heiratetin zweiter Ehe am 2.6.1711 eine Frau aus seinem Heimatort, Anna Katharina Maudt.

Hartmann selbst stammte nämlich, wie viele spätere Horchheimer Familien (Bohn, Ping?t, Groß, ein Zweig Schneider und Hillesheim), aus dem im kurtrierischen Amt Bergpflege gelegenen Dorf Kettig. Zwischen Kettig und Horchheim erfolgte während des gesamten 18. Jahrhunderts ein reger ,,Heiratsverkehr”, wobei auch Rückheiraten von Horchheim nach Kettig zu beobachten sind. Hartmann selbst hat dem Hof bis zu seinem Tod am 29.7.1746 über 42 Jahre als fleißiger und geachteter Hofmann vorgestanden.Sein Hinterlassenschaftsinventar vom 4.2.1749 gibt Haus, Hof und Güter zu Horchheim und Ackergüter zu Kettig und Miesenheim im Wert von 2362 Reichstalern an.Diese für die damalige Zeit beträchtliche Summe zeigt, daß die Bewirtschaftung eines wenn auch kleinen Hofs nicht nur Mühe und Arbeit, sondern auch Gewinn und Ertrag brachte.

Als Hofmann folgt der Sohn, der Schöffe Jacob Hartmann, der in erster Ehe 1747 die Anna Barbara Göbel, Tochter des Send- und Gerichtsschöffen, Bierbrauers, Wirts und Altenberger Hofmanns Hans Wilhelm Göbel, und in zweiter Ehe 1761 Katharina Mayer heiratet. Jacob Hartmann bleibt auch nach Verbot des Jesuitenordens 1773 auf dem Hof und wird Hofmann des erzbischöflichen Seminars, später des Ehrenbreitsteiner Schulfonds.
Er stirbt am 20.5.1806 im Alter von 83 Jahren.

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