Horchheim und seine Grenzen – Gangeleit 1604

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Pfaffendorf

Erstlich seynd sie zur untersten Pforten(3) hinausgegangen, den Niederweg(4) hinab bis auf die Brück (5) , so halb gegen Horchheim, halb gegen Pfaffendorf gehörig, und sie beiderseits … dieselbe im bauen erhaltern …. dann ist man gangen den Graben hinaus, und sagten die alten, der Graben gehör gehn Horchheim…
Weiter herauf aufm Pfaffendorfer Graben stehen zwei Kreuzstein(6), weiter hinauf noch ein Kreuzstein, Schuh hoch obig der Erden, dann auf einen Stein auf der Hatt, ein großer spitziger Stein, dann auf einen großen Marken, sogar tief versenket ohnbeweglich auf Ahrfeld in der Hecken, oben Reifenberg und Hans Mathias gelegen…
Weiter hinaus bis nächst untig Artzheimer Weg, auf einen großen spitzigen Stein, dann auf einen Stein, wos Horchheimer Gericht obis Hausgalgen nennt…
Weiter auf einen großen Stein auf Franzigs Feld, dann auf einen großen Markstein, so unterm Hanget auf Hamme , dann auf einen vierkantigen Stein aufm Hamme, untig Wirges…
Weiter auf einen Stein oben an Ryrstmans Stück, oben zu Wirges Weltgen, dann auf einen Stein gegen der Stock- oder Langwiesen am Wagenweg, dann auf eine rothen spitzen Stein unter einer Buchen an der langen Wiese und scheidet die Pfaffendorfer Mark von der Horchheimer Gerechtigkeit.

Arzheim

Und folgt thun die futzheimer Grenzung an die Horchheimer, untigs der langen Wiesen bis auf den Wintersborn oder Artzheimer Born, daselbst steht ein Stein obis dem Wintersborn, dann hinauf beym Artzheimer Loch bis an einen großen Stein, dann auf einen Stein, etwa ein Steinwurf droben, dannnächst droben auf einen breiten Stein, obig den alten Bierbaum, dann auf einen breiten hohen Stein auf Lierschett, dann auf einen Kreuzstein unten am Wolf, davon dannen auf Brennbach (oder breyden Lohe) herüber auf einen großen vierkantigen Stein, genannt der Wolf, dann nächst aufm breiten Löch (oder Lohe) oder auf der Stauden Stück, ein spitzer Stein, welcher der letzte Stein ist, welche zwölf Stein alle nacheinander die Artzheimer und Horchheimer Gerechtigkeit unterscheiden.

Niederlahnstein

Ferner dann bis auf einen Stein, so an Lahnsteiners Höers stoßet, daselbst die Lahnsteiner einen großen Meniger(7) Stein gesetzt mit ihrer myrck(8) gezeichnet.
Dann an einen großen Stein auf Heuren, daneben die Lahnsteiner einen Meninger Stein gesetzt, darauf ihre Mark (Wappen) gehauen …
Nach vier weiteren Steinen entlang dem Höhr kam man dann auf einen “neuen Stein negst beim Kaltenborn, und der Kaltenborn stehet auf Horchheimer Seiten, dann alles den (Kaltenborns-) Floß und Graben hinab bis auf den Lahnberg, da das Kyrspel Niborne(9) scheidet der hohe Wald und die Heck nach Niborn, dann langs den Langberg, untig dem Gebück bis auf das gleichen am Röthgen, unten langs den Strang, fort durch die Bertelsbach, untig dem Geierskopf, fort langs den alten Hau, fortentlang den Lahnberg bis auf Buch an den hohen Stein, dabei ein alter Meninger Stein mit Lahnsteiner Wappenr(10) zu ihren Seiten stehet.
Dann hinab im Buch auf einen kleinen grauen Stein, welcher gleichfalls wie auf folgenden Markstein alle bis auf den Rhein die Lahnsteiner und Horchheimer Gerechtigkeit entscheiden, dann auf einen breiten grauen Stein im Alten Hauwe, nit weit davon auf einen großen vierkantigen Stein, dann auf einen Lahnsteiner Wappenstein, und stehet ein alter nächst dabei, dann zur Michelsbach, und langs die Michelsbach herab bis auf den Michelsborn an einen dreikantigen Stein, den Berg hinaus auf einen großen breiten Stein unten im Hälcher nach Michelsborn, den Berg weiter hinaus auf einen breiten Stein unten am Lahnsteiner Weg(11) auf Falget(12)…
Auf Falger Felde sind etliche Horchheimer die sagen, daß sie zwei Steine daselbst gesehen, der eine ein Anrith, der andere ein Markstein, so man auch diesmal nit finden kunt, stehet auf beider Gemeinden Zusammenkunft zu vergleichen, dann weiter hinauf auf das Licht an einen dicken Eichenbaum, daselbst hat sich auch ein Markstein verloren, so auch zu suchen, dann den Berg langs dem Lahnsteiner Licht herab bis auf einen Meniger Stein mit Lahnsteiner Mark…
Weiter herab von dem Jungen Wald an einen rothen weißlichten Markstein, so ein Wak (Wacken), welcher durch die Weingarten, da dann auch etliche Marksteine stehen, auf Günters H. Kelterhaus, und folgend in den Rhein.

Hier hat man den Begang beendet, ,,da man seit Morgens zu früher Tagzeit an bis gegen Abend, daß die Sonne unter gangen”, unterwegs war, “und man auch junge Knaben mit sich genommen, denen sie Weck ausgetheilet, auch etliche widder geführet wieder die Marksteine (gegen die Marksteine gestoßen), damit sie deren Ort und Erden in künftigs eingedenkt seyen”.

Soweit diese Schilderung, die vor fast 410 Jahren niedergeschrieben wurde.
Horchheimer, die ihre Gemarkung kennen und anhand der genannten Flurnamen den Weg dieses Grenzbegangs nachvollziehen können, wissen, daß unsere Vorfahren an diesem Tag einen anstrengenden Marsch, oft weglos durch Feld und Wald, hinter sich und damit den Festtag St Laurentii redlich verdient hatten.

Alois Honsdorf

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