Horchheim und seine Grenzen – Niederlahnsteiner Grenzbegang 1749

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Im Kirmes Magazin 1993 hat Alois Honsdorf über die politische Zugehörigkeit von Horchheim und den Verlauf seiner Grenzen anhand des Horchheimer Ganggeleits (Grenzbegang) von 1604 berichtet.
Die Fortsetzung folgt in der Kirmeszeitung 1994 mit einem Bericht über den Niederlahnsteiner Grenzbegang von 1749, der zum großen Teil auch die Horchheimer Grenze betrifft.
Der Text des Protokolls ist teilweise gekürzt, aber in seinem wesentlichen Inhalt und der dem Zeitgeist entsprechenden Form wiedergegeben.

“Im Nahmen Gottes Amen”

Zu wissen, Kund und offenbahr seye hiermit allen, denen es zu wissen nöhtig, daß in dem Jahr nach der Geburt unseres Herrn und Heyland JESU CHRISTI 1749 …, bey Hersch- und Regierung des Allerdurchlauchtigsten großmächtigsten, und unüberwindlichsten Fürsten und Herren, Henn Francisci Stephani(1) Erwehlten Römischen Kaysers, … Dinstags, den 16. Septembrits morgendts zwischen 7. und 8.Uhren, der Hochedelgeboren und Hochgelehrte Herr, Johannes Nicolaus Sontag, Kurfürstl. Trierischer Ambtsverwalter des Ambtes Ehrenbreitstein, so dan der Wohl edle Herr Johannes Syrer dermahliger verordneter Ambtsschultheiß zu Niderlahnstein nebst dasigem Gericht, wie auch der Wohlachtbahre zur Zeit Bürgermeister Herr Johannes Breidbach In Zustand seiner mitgeschworenen mich Endtes benanten Kayserl und in Kurfürstl. Trierischen Hofkanzley Immatricuirten Notarius requiriret, und mit mehrerem mündlich zu verstehn gegeben, was gestalten die Gemeind Niderlahnstein ahn Heubeginn dato mit Jung(2) und Alt Ihre Gemarkung unter olfentlichm Trommelschlag von Stein zu Stein zu begehen, weshalben sie auch die behörende requisitoriales ahn die ihre Grenze anstoßende benachbarthe ergehen lassen, womit dieselben auf ihren anhießige stoßende Gränzen beliebig erscheinen mögten, und wo etwa sich zwischen den benachbarten und ihnen einiger Irrfall hervorthun mögte, selbe, so viel möglich in der Güte beyzulegen, …, wolten vorgemelte Herrn Ambtsverwalter, Ambtsschultheiß, Gericht, Burgermeister und Geschworne michgenannten Notarium nebst denen genannten subrequirirten unparteyischen Herrn gezeugen benamblich Herr Johan Bamberger und Herr Johan Heimbach beyde Gerichtsschöffen der Stadt Oberlahnstetn, debita ersucht haben diesem vorhabenden Begang bis zu end beyzuwohnen, dan wie sich alles befinden, und was sonst dabey vorgehen dörffte, fleißig zu beobachten, treulich notiren, und in gewöhnliche Instrumentsform zu bringen, fort ihnen zur künftigen Nachricht und nothdürftiger Vorlage darrüber ein- oder mehrere Instrumenta umb die Gebühren mitzutheilen, welches geziemende suchen, weilen tragenden Ambts halber nicht abschlagen können, hab ich der Notartus mich mit den Herrn Gezeugen ahm Rathauß, allwo die Bürgerschafft und junge Knaben parat stunden, eingefunden, und demnach den vorhabenden Begang Sub Praeside obwohl erwehnten H. Ambtsvetwaltern in gewöhnitcher Ordnung mlt Rührung der Trommel(3) zu Gottes Nahmen angefangen; und Zwarn

Erstlich ist man den Flecken hinunter langs die Lahn über das mit Nußbäumen besezte sogenante Radolwerth (?) und fort langs die S. Johans Kirch den Rhein hinunter biß an den Horcheimer Wiesenpfad gegangen, woselbsten am Rhein auffm Uffer in Abwesentheit des Kurtrierischen H. Schultheysen der Mitherrschafrliche Schultheyß Franz Hermani nebst ganzen Gerichts, Bürgermeister und Geschworene auf ihre Grenz erschienen, daselbst man sich zur rechten Hand den Pfad gerad alß blß in der Castorherren Weingarthen, worin ein grauer Wacken stunde, so ein Grenzstein ware.

2. Von diesem ersten Stein so fort auf den dicht an Horcheim in der Straßen hoch über der Erd stehenden, großen Menninger Stein(4) mit dem Niderlahnsteiner Gerichtswappen zu selbiger seithen zeigend zugegangent, worauff an jezo die Jahrzahl 1749(5) gehawen worden.

3. Davon dannen man sich den Weeg oberhalb Horcheim die Oberbach genant hinauß geschlagen, biß zu dem unterseiths des Weges in einem Weingarthen mit dem Wapen zu Niderlahnsteiner Seith waisenden Stein de anno 1615, und worzu auch jetzt die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

4. Davon dannen ferner besagte Oberbach hinauff langs den Weitenborn den Pfad herauf wo mans auf in Pohlnennet biß zu dem in einem Castorherrn Feld stehenden Menniger Stein, so mit dem Wappen unter derJahrzahl 1615 auff Lahnsteiner Seith zeiget, wo rauff auch jetzt die Jahrzahl 1749 gehawen word, an diesem Stein stehen noch zwey andere schlechte Stein, wobey das Gericht zu Niderlahnstein dem zeitlichen Frühmessern jährlichs den Zehenden abzustehen pfleget.

5. Von vorigem Wapenstein gerad durch dan über den Pohl hinauß zu dem Wald hinauf gehenden Weeg biß wo mans im Geulgen nennet, woselbst ein alter grawer Stein stehet mit der Jahrzahl 1615, worzu jezt die Jahrzahl 1749 gehawen worden, auff welchem Stein auch das Gerichtswapen zur Lahnsteiner Seithen stehet.

6. Da nur einwenig gerad zum Wald hinauff woselbst ein rawer grawer gemeiner Grenzstein stehet.

7. Von vorigem Stein noch gerad durch die Felder zum Wald hinzu, wo mans nent am Eckwald, woselbst ein großer grawer Wacken mit weißen strahlen durchzogen stehet welcher sowohl von Horcheim- als Niderlahnsteiner Seith für ein Grenzstein anerkannt worden.

8. Hiervon ist man den Wald gerad bergauß gangen zu einem mit der Jahrzahl 1561 bezeichneten Niderlahnsteiner Wappenstein, wobey annoch ein anderer Krotzen stunde, und ist jezt auff besagten Wappenstein auch die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

9. Ferners gerad den Berg hinauß durch den Waldt, allwo es etwas glelcher zu werden anfangt woselbst die Niderlahnstetner es aufm Rothlauber- die Horchheimer aber Im Jungen Waldts Berg nennen, da stehet ein Menninger Wappensteln, mit dem Horcheimer Gerichtswappenzu Horcheimer Seithen außgehawen, mit der Jahrzahl 1708 stunde, worzu jezt die Jahrzahl 1749 eingehawen worden.

10. Von dannen ist man den Waldt weither geradauß auff und über den sogenannten Lichten, woselbst ein hoher Menniger Grenzstein stehet, bezeichnet auff Lahnsteiner Seithen mit dero Gerichtswappen, und der Jahrzahl 1708, worzu auch die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

11. davon dannen allwo es widerumb etwas abhängig zu werden anfangt, so viel möglich, gerad fort, da mans nennet gegen dem Schaffstall, zu einem hohen grawen Menninger stein, worauff das Lahnsteiner Wappen und Jahrzahl 1708 verzeichnet und die Jahrzahl 1749 auch beygehawen worden.

12. Da ferner fort herunter biß auff das Schaffstaller Feld(6), wo selbst ein schlechter krawer Stein stehet, jedoch für einen Grenzstein anerkennet.

13. Von diesem ist man über das Feld auff einen über dem Fuhrweeg In der Hecken stehenden Menninger Wappenstein mit der Jahrzahl 1706 gangen, woselbst man ein wenig geruhet, und ist auff besagten Stein gleichmäßig die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

14. Von diesem Stein ist man durch die Hekken herab gangen auff elnen großen dreyeckigten grawen Grenzstein.

15. Von besagtem Krotzen, so ferner heruntergewiesen, ist man weither fort gangen zu einem gemeinen Grenzstein, so oben spitz ist

16. Nota: weilen an die Hecken diesen Berg hinab zimlich vetwachsen, so ist zuischen denen Niderlahnsteiner und Horcheimern verabredet worden, daß man von dem am Schaffstaller Fuhrweeg stehenden Wappen stetn biß ahn den Michelborn Schneisen hawen solle, damit man die Steine besser finden – und befinden und diese noch einige mehrere Steine setzen können.

17. Hier glelch obig dem Michelerborn(7) stunde noch ein grawer gemeiner stein, von welchem man biß zur Bach, und dan die Bach, so daselbst die Grenzscheide tst, langs Buch herausgezogen, zu einem Menntnger Stein, de anno 1561 worauff der Niderlahnsteiner Wappen gehawen ist, dabey stunde ein anderer schlechter Kronen Stein, welcher über Buch die Wiesen hinauß zeiget, hierauff ist auch jezt die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

18. Da geradfort hinauf, biß zu einem gleichmäßigen Menninger Stein de anno 1706 mit Horcheimer Wappen zu ihrer Seithen weisendt, worauff auch jezt die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

19. Nit weith darobig stunde ein weißer Wacken.

20. Item ferner die Wiesen hinauß ein weißgrawer Stein.

21. Hiervon ist man geradauß gangen bis zum Buchenwaldt, der alte Haw genant. Ein Stück Weegs Im gemelten Waldt befande sich wiederumb ein schlechter grawer Stein nebst einem beysatz, obig dem Weeg.

21. Davon dannen ist man kommen biß ahn den Bauernberg, daselbst stunde ein Menninger Stein de anno 1561 mit dem Lahnstelner Wappen, jezt auch mit 1749 gezeichnet ( -der sogenannte Hohe Stein)(8). Dieser und alle vorgemelten Steine scheiden Horcheimer und Lahnsteiner Gerechtigkeit bis dahin ab.

22. Von lezt bemeltem Wappenstein hat man ein Stück Weegs über der Horcheimer Gerechtigkett gehen müssen bis zum Kahlenborn in Hehr (- Auf Hehr oder Höhr)(9).

23. Nechst gesagtem Born stunde ein gemeiner roth gesprengter Wacken, so daselbst widerumb die Horcheimer und Lahnsteiner Gerechtigkeit scheidtet.

24. Besser herauff kame man auff einen andern grawen spitzen Stein.

25. Und ferners fort auff einen grawen vierkantigen Krotzen.

26. Obig diesem ware ein zerbrochener Menninger Stein wobey ein anderer mit eingehawenem Niderlahnsteiner Wappenstein de anno 1708 stunde, worauff jezt auch die Jahrzahl 1749 gehawen worden.

27. Davon dannen man widerumb auf einen Niderlahnsteiner Menninger Wappenstein de anno 1561 gekommen, wobey ein Eckstein stund, so Horcheimer und Artzheimer und Artzheimer von der Lahnsteiner Gemarckung abgrenzet, dieser Stein ist auch mit anno I749 bezeichnet worden.

Nota: hier seyn die Horcheimer abgezogen …

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